Mittwoch, 29. Februar 2012

Schlecker: Aus für 11.000 Mitarbeiter

 Die Nachricht kam für die meisten Aussenstehende unerwartet. Der Drogeriemarktkette Schlecker geht es schlechter als erwartet. Heute gab der Insolvenzverwalter bekannt, dass die Hälfte der Märkte geschlossen wird. 11.000 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit. Noch am 17. Februar verkündete Lars Schlecker im Morgenmagazin der ARD alle Arbeitsplätze seien so gut wie sicher.

 Das ganze Schmierentheater mit ganzseitiger Anzeige in der Bildzeitung "Wir sind weiter für sie da" und gleichnamiger angeblicher Mitarbeiterinitiative, dem Blog mit den bestellten Kommentaren, alles umsonst. Die Beschäftigten in den Filialen, die jetzt geschlossen werden und die ihren Arbeitsplatz verlieren, sind wieder einmal die, die für verfehlte Geschäftspolitik und Grossmannssucht ihren Kopf hinhalten müssen. Die Ermittlungsbehörden sollten jetzt alles daran setzen, herauszufinden ob und wenn ja wo, Familie Schlecker Geld gebunkert hat.

 Die ARD aber muss sich einmal ernsthaft fragen lassen, ob sie sich in Zukunft weiterhin für Aktionen dieser Art hergeben und mit dem Geld der Gebührenzahler Schmierenkommödianten wie den Schleckers, ein Forum bieten will.

Frisches Spielgeld fürs Kasino von der EZB

Die Europäische Zentralbank stellt den Banken Geld in unbegrenzter Höhe zu einem Prozent Zinsen für drei Jahre zur Verfügung. Das verführt zum Zocken mit Rohstoffen und Lebensmitteln.


 Heute steilt die EZB den Banken frisches Geld zur Verfügung. Diese können sich unbegrenzt Euros zu einem Zinssatz von 1% bei der EZB leihen. Die Laufzeit beträgt drei Jahre. Das ist schon die zweite Aktion dieser Art innerhalb von drei Monaten. Bereits im Dezember hatten sich europäische Kreditinstitute knapp 500 Milliarden geliehen. Auch diesmal rechnet man wieder mit einer ähnlich hohen Summe.

 Der Zweck dieser immensen Gelddruckerei ist laut EZB, die Liquidität der Banken zu erhöhen, damit sie den Euroländern günstigere Kredite zur Verfügung stellen und sich wieder unter einander Geld leihen. Bei der letzten Aktion ist das aber nur begrenzt gelungen, da die EZB den Geschäftsbanken keinerlei Auflagen erteilt, wofür sie die geliehenen Milliarden verwenden müssen. So haben viele Banken das günstige Geld genutzt, um Kredite bei der EZB zu schlechteren Bedingungen abzulösen.

 Für die Banken ist das frische Geld von der EZB wie ein Sechser im Lotto. Wenn sie es denn nutzen, wie von der EZB geplant, nämlich es den schwächelnden Euroländern zu leihen, erzielen sie z.B. bei Italien oder Spanien einen Zinssatz zwischen fünf und sechs Prozent, mindestens. Das macht einen Gewinn auf das eingesetzte Kapital, also die selbst zu zahlenden Zinsen, von 400 - 500 Prozent.

 Nun mag ein jeder, der  mit etwas gesundem Menschenverstand ausgestattet ist fragen, warum die EZB den bedrängten Staaten das Geld nicht gleich selbst zu solch günstigen Konditionen leiht. Der Vorteil wäre schliesslich, dass die Zinslast wesentlich geringer wäre. Steuergelder, die Griechenland, Italien, Spanien, Portugal oder Irland so den Banken für Zinszahlungen in den Rachen werfen, könnte in die Entwicklung der eigenen Wirtschaft investiert werden. Dem haben die Gründer der Eurozone einen neoliberalen Riegel vorgeschoben. Die reine Lehre sagt nämlich, dass Zentralbanken niemals Geld direkt verleihen dürfen, da dieses die Geldmenge erhöhe und somit zu Inflation führe. So als ob eine Geldmengenerhöhung mit dem Umweg über die Banken nicht den gleichen Effekt hätte.

 Es ist allerdings so, dass Geschäftsbanken keine Wohlfahrtsinstitute sind. Ihr Geschäftsziel ist Gewinnmaximierung. Wenn ihnen nicht vorgeschrieben wird, was sie mit dem Geld der EZB zu tun und zu lassen haben, legen sie es da an, wo die dickste Dividende winkt. Das waren aber noch nie Staatsanleihen.

 Das meiste Geld wird nun mal in der Kasinowirtschaft verdient. Spekulieren, am besten mit Rohstoffen, bringt das ganz grosse Geld. Ein nicht geringer Teil des hohen Benzinpreises ist mit Sicherheit auf die erste Finanzspritze der EZB im Dezember zurück zu führen.

 Die Geldflut, die jetzt mit der Giesskanne über den europäischen Banken ausgeschüttet wird, führt mit absoluter Sicherheit zur nächsten Preisspirale bei Benzin, Heizöl und Lebensmitteln.

Dienstag, 28. Februar 2012

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

 Ein kleiner Laden in London versorgt die gesamte Weltpresse mit Schauergeschichten aus Syrien.

 Ein kleiner Kramladen in London schickt sich an Weltgeschichte zu schreiben. Die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" besteht aus dem Betreiber des Ladens, Rami Abdel Rahman und soweit man weiss, einer Sekretärin. Rahman behauptet, er verfüge über ein Netzwerk von 200 Personen in Syrien mit denen er über skype und e-mail kommuniziere. Beweise jeglicher Art bleibt er schuldig. Nun mag man sagen: "Na gut, ein Spinner mehr, was soll's," würden sich nicht sämtliche Medien des Westens seiner Berichte bedienen und sie eins zu eins übernehmen.

 Diese 200 Aktivisten in Syrien, so gibt Rahman zu, erzählen ihre Geschichten von Massakern, Morden, Vergewaltigungen nicht etwa aus eigener Anschauung oder gesicherten Zeugenaussagen, sondern aus Krankenhauslisten.

 Ein Beispiel für die Seriosität der Meldungen:
 Im Sommer letzten Jahres verbreitete CNN die Nachrichten, syrische Regierungstruppen hätten in Homs acht Säuglinge in einem Krankenhaus ermordet indem sie einfach den Strom für die Brutkästen abgeschaltet hätten.  In Wahrheit handelte es sich um den Bericht aus einem ägyptischen Krankenhaus, in dem über die schlechte Ausrüstung der Geburtsstation berichtet wurde. Das wurde durch ein Bild belegt auf dem mehrere dicht beieinander liegende Babys gezeigt wurden.

 Neueste Horrormeldung: 68 Menschen seien bei der Flucht aus Homs an einem Kontrollpunkt von Regierungstruppen getötet worden. Unter den Opfern seien Frauen, Kinder und desertierte Soldaten. Auch hier hat wieder niemand gesehen, was geschehen ist. Aus angebliche 68 in ein Krankenhaus in Homseingelieferten Leichen, wird flugs ein Massaker konstruiert.

  Die Süddeutsche schreibt:
 "Nach Angaben des in London ansässigen Syrischen Observatoriums für Menschenrechte wurden 68 Tote in ein Krankenhaus der Stadt gebracht. Bewaffnete Männer hätten die Zivilisten auf einem Feld zwischen den Orten Ram al-Ans und al-Ghadscharije in der Provinz Homs getötet, von einem "Massaker" war die Rede. Die Leichen der Opfer seien in ein Krankenhaus in der Stadt Homs gebracht worden. Unter den Opfern seien Frauen, Kinder sowie desertierte Soldaten. Sie wiesen Schusswunden sowie Verletzungen von Stichwaffen auf. Von unabhängiger Seite konnten die Angaben nicht bestätigt werden."

 Der Stern nutzt die neuerdings immer gebräuchlicher werdende Sprachregelung "syrische Menschenrechtsaktivisten von den lokalen Koordinierungsbüros" wenn die Nachricht aus dem Londoner ein-Mann-Betreib stammt:
 "Demnach sollen in der Rebellenhochburg Homs 64 Zivilisten an einem Kontrollpunkt der Armee regelrecht abgeschlachtet worden sein. Die Menschen hätten versucht, sich aus dem heftig beschossenen Stadtteil Baba Amr in Sicherheit zu bringen. Unter den Opfern seien auch Frauen, Kinder sowie desertierte Soldaten."

 Der Spiegel macht es sich noch einfacher, indem er die Formulierung "Menschenrechtler sprechen von einem Massaker" benutzt:
Nahe der syrischen Widerstandshochburg Homs wurden demnach 68 Zivilisten getötet. Bei den Opfern handelt es sich möglicherweise um Flüchtlinge aus der Stadt, die seit Wochen von den Schergen des Diktators Assad unter Feuer genommen wird.

 Bild tut erst einmal so als sei sie selbst vor Ort gewesen:
"Dauerbeschuss seit drei Wochen. Leichen auf den Straßen. Lebensmittel gehen zur Neige. Die drittgrößte Stadt Syriens ist zu einem Schauplatz der fürchterlichen Rache des Despoten Baschar al-Assad an den Aufständischen geworden.
Die Protesthochburg Homs wird zur Todesfalle. 68 Zivilisten wurden jetzt beim Versuch zu fliehen regelrecht abgeschlachtet,… Am Checkpoint warteten die Todesschützen. Frauen, Kinder und desertierte Soldaten wurden den Angaben zufolge auf einem Feld zwischen den Orten Ram al-Ans und Ghadscharije ermordet."  Erst danach lässt man die Katze aus dem Sack: "Die Leichen seien in ein Krankenhaus gebracht worden, sagte der Chef der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, Rami Abdel Rahman. Sie wiesen Schusswunden sowie Verletzungen von Stichwaffen auf."

 Wie schreibt schon George Orwell in seinem weltberühmten Roman 1984: Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit."

Montag, 27. Februar 2012

Irankonflikt spitzt sich zu: Mullahs verringern Ausfuhr von Schafsdärmen

 Wie sich oftmals aus einem kleinen Konflikt eine massive Katastrophe entwickeln kann, davon weiss die NWZ aus Oldenburg zu berichten.

 Seit Jahren spitzt sich der Konflikt mit dem Iran zu. Die USA mit ihren Satellitenstaaten in Europa und Israel werfen der Führung in Teheran vor, an einer Atombombe zu basteln. Der Ton wird immer schärfer. Die westlichen Staaten haben ein Handelsembargo über den Iran verhängt. Ab Juni will man dem Land auch kein Öl mehr abkaufen. Es riecht nach Krieg. USA und Israel schliessen einen Präventivschlag gegen die iranischen Atomanlagen nicht mehr aus. Dabei lässt Israel offen, ob es nicht selbst Nuklearwaffen einsetzt.

 In dieser, für die Mullahs in Teheran, überaus bedrohlichen Situation, setzen diese auf  einen perfiden Gegenschlag. Eine Waffe, gegen die uns selbst der, von den Amerikanern geplante, Raketenschirm keinen Schutz bietet: Die Bande islamistischer Hardliner liefert nur noch geringe Mengen an  Schafsdärmen nach Deutschland.

 Wie Hans Kittler, vom Lebensmittelgrosshandel Evenord in Nürnberg zu berichten weiss, bedienen sich die Iraner dabei eines einfachen, aber äusserst wirksamen Mittels um ganze Grillfeste in Deutschland zu sabotieren: "Es werden weniger Schafe geschlachtet, deshalb gibt es weniger Schafsdärme." Potzblitz, diese verschlagenen Iraner!

 Gerade für Bratwürste seien Schafsdärme aus dem Iran unabdingbar, denn diese seien besonders fest: "Zu weiche Schafsdärme würden beim Braten platzen," weiss Kittler und nun auch, durch den investigativen Journalismus der bei der NWZ gepflegt wird, die gesamte Bundesrepublik - und ist schockiert.

 Eine Katastrophe ungeahnten Ausmasses erwartet im Sommer die Bundesbürger.  Gartenparties, Strassenfeste, Nachbarschaftstreffen, ja selbst Kindergeburtstage werden auf den Duft und den Genuss verkohlten, in Schafsdärme gestopften, Schweinefleisches verzichten müssen. Es wird sicherlich einer der traurigsten Sommer seit der Erfindung der Bratwurst im frühen Mittelalter, durch einen Nürnberger Abdecker werden. Mediziner sorgen sich bereits um, sich epidemieartig ausbreitende, Krankheiten des Verdauungstrakts, der ja "seit etlichen Generationen an Bratwurst, besonders in der warmen Jahreszeit," gewöhnten Deutschen.

 Man sieht, wie ein so kleiner Anlass, wie ein drohender Atomkrieg, oft zu dermassen katastrophalen Auswirkungen wie einem Lieferengpass bei Bratwürsten in der deutschen Grillsaison führen kann, wenn islamistische Diktatoren jedes Augenmass verlieren.

Sonntag, 26. Februar 2012

Europas Wirtschaft wird kaputt gespart

 Die EU-Kommission senkt ihre Konjunkturprognose für den Euro-Raum für das Jahr 2012 deutlich ab. Von einem Zuwachs von 0,5 Prozent des Bip  auf ein Minus von 0,3 Prozent. Nun befürchten die Schlaumeier von EU-Ökonomen um den Wirtschaftskommissar Olli Rehn, dass  ein "tiefer und andauernder" Abschwung drohe. Ja was denn sonst?

 Man muss sich ernsthaft fragen was diese Herrschaften, die sich auch noch Experten nennen im Kopf haben? Sie zwingen den so genannten PIGS-Staaten, Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland Sparprogramme auf, die in allen diesen Ländern zu katastrophalen Konjunktureinbrüchen geführt haben. In Griechenland sank das Bip im vergangenen Jahr um 6,7%, in Italien um 0,7% allein im letzten Quartal, in Spanien um 0,3% und in Portugal um 2,7%. In Irland dürfte das Wirtschaftswachstum um die 0% liegen.

 Die Arbeitslosenzahlen stiegen auf 20,9 in Griechenland, in Italien auf 8,9% in Spanien auf 22,9%, in Portugal auf 13,6% und in Irland auf 14,5%. Die Antwort der EU unter der Führung von Merkel und Schäuble auf diese erschreckenden Zahlen ist: Vermehrt sparen. So als könne man ein Auto, das auf einen Abgrund zu rast dadurch vor dem Absturz retten, indem man mehr Gas gibt.

 Diese fünf Länder stellen mit 134,5 Mio. Einwohnern immerhin weit mehr als ein Drittel der Einwohner der gesamten Eurozone (327 Mio. Einwohner). Wenn man über einem Drittel der Bürger der Eurostaaten förmlich den Geldhahn zudreht, dann ist es wohl logisch, dass die kein Wirtschaftswachstum mehr generieren können. Das wird früher oder später auch die deutsche Wirtschaft zu spüren bekommen. Eine Nation, die so auf Export gesetzt hat, muss zwangsläufig einen Wirtschaftseinbruch erleiden, wenn die Menschen in den Nationen die unsere Waren kaufen sollen dazu nicht mehr in der Lage sind.

 Aber Merkel und Schäuble sind mit den katastrophalen Ergebnissen ihrer Wirtschafts- und Finanzpolitik anscheinend noch nicht zufrieden. So verlangen sie von allen EU-Ländern ultimativ die Aufnahme einer Schuldenbremse in ihre Verfassungen. So wird Europa kaputt gespart.  Aber sind die Wirtschaftsstrukturen erst einmal zerstört, dann hat Europa auf lange Zeit den Anschluss an die USA, China und die anderen grossen Wirtschaftszentren der Welt verloren. Denn Fabriken, die erst einmal geschlossen sind, öffnet niemand mehr.

USA transportieren Soldaten an den Persischen Golf

 Augenscheinlich bereiten die USA einen militärischen Konflikt mit dem Iran vor. Wie die Bürgerinitiative "BI Nachtflughafen Hahn" berichtete, sei die Zahl der Transitpassagiere auf dem Flughafen Frankfurt Hahn im Januar auf 18.517 gegenüber 4.385 im Januar letzten Jahres gestiegen. Das entspricht einer Steigerung von rund 322 Prozent.

 Die Steigerung sei auf den Transport amerikanischer Soldaten mit Zivilflugzeugen zu Flughäfen rund um den Persischen Golf zurück zu führen. Im gesamten Jahr 2011, so die Bürgerinitiative, seien es nur 60.000 Passagiere gewesen.

 Frankfurt-Hahn ist eine ehemalige US-Airbase und dient den Amerikanern immer noch als Zwischenstopp für Flüge von und in den Nahen Osten.

Samstag, 25. Februar 2012

Troika sichert sich griechisches Gold

 Griechenland wird ausgeplündert.  Immer mehr Details des zweiten "Rettungspaket" werden bekannt. Wie jetzt der Branchendienst Goldreporter berichtete, haben sich die internationalen Gläubiger die griechische Goldreserve als Pfand gesichert. Es handelt sich um 111,6 Tonnen Gold oder 80 Prozent der gesamten griechischen Währungsreserven im Wert von 4,7 Milliarden Euro.

 Bei einem Wert des zweiten Rettungspaket der EU, EZB und IWF von 130 Milliarden Euro ist ein Pfand in dieser Höhe ohne Belang. Vielmehr geht es der so genannten Troika darum, den Griechen das eigenmächtige Erklären der Zahlungsunfähigkeit, dasVerlassen der Eurozone und die Ausgabe von neuen Drachmen zu verwehren. Ohne Goldreserve ist es den Griechen unmöglich eine eigene Währung zu etablieren.

 Somit bleibt es den Griechen auch verwehrt, bei einer schlechten Annahmequote beim Forderungsverzicht der privaten Gläubiger die Vereinbahrung abzulehnen, denn bei einer Ablehnung wäre Griechenland zahlungsunfähig. In diesem Fall würden die Gläubiger ihr gesamtes Geld verlieren.

Freitag, 24. Februar 2012

Bundesregierung bremst Solarenergie aus

 Da dürften wohl die Champagnerkorken geknallt haben in den Vorstandsetagen unserer vier Energiemultis. Haben doch gestern die beiden Minister Rösler und Röttgen das Ende des Solarstromes in Deutschland eingeleitet. Geht es nach dem Gesetzentwurf der Minister, sollen die Fördersätze, je nach Grösse der Anlage, um 20 - 30 Prozent, gesenkt werden. Die neue Regelung soll schon ab dem 9. März gelten. Die Eile ist nach Ansicht der Bundesregierung und der sie tragenden Energiekonzerne geboten, um einen finalen Run auf neue Anlagen zu verhindern. Hier scheint jedes nicht montierte Modul zu zählen.

 Als weitere Massnahme zur Stützung bestehender Atomkraftwerke und dem Neubau von Kohledreckschleudern, wird ab dem 1. Mai die Förderung des Solarstroms um 0,15 Cent monatlich gekürzt. Das mag wenig klingen, wenn man aber bedenkt, dass das in zwei Jahren schon drei Cent ausmacht, so kann man sich ausrechnen, wann die Energieerzeugung aus Sonnenlicht endgültig am Ende ist.

 Da sieht man mal wieder, dass Lobbyarbeit sich auszahlt. Hier eine Party, dort ein Kongress, alles in gehobenem Ambiente und natürlich inklusive An- und Abreise kostenlos für unsere Entscheidungsträger und medialen Meinungsmacher. Ganz abgesehen von den gediegenen Altherrenclubs, wie z.B. der "Atlantikbrücke", zu dessen Vorstand sich RWE-Vorstandsvorsitzender Jürgen R.Großmann zählt. Hier trifft er dann auch gleich auf die Bundestagsabgeordneten Edelgard Bulmahn, SPD; Eckhard von Kladden, CDU; Christian Lange, SPD; Omi Nouripour, Bündnis 90/Grüne und das Mitglied des Europäischen Parlaments, Alexander Graf Lambsdorf, FDP. In den Hinterzimmern solcher Logen lässt sich vorzüglich kungeln.

 Bei den Vorstandssitzungen trifft er dann auch den Haupt-Wahrheitsverdreher dieser Republik, Kai Diekmann von der Bild. Bei einem dieser Treffen haben die Beiden sich auch sicher die schöne Geschichte von den deutschen Zuschüssen, die nun, da die deutsche Solarindustrie am Boden liegt, weil ja fast ausschließlich nur noch die billigen Module aus China montiert würden, in Chinesische Taschen flössen. Arbeitsplätze in Deutschland würden dadurch nicht mehr geschaffen.

 Diese Geschichte wird zwar dadurch, dass sie ein Journalist vom anderen abschreibt nicht wahrer, aber sie rührt die deutsche Spiesserseele: "Wir müssen die teuren Zuschüsse zahlen und die Chinesen stopfen sich die Taschen voll." Die Deutschen sind halt immer die Betrogenen. Allerdings habe ich noch keinen Bericht darüber gehört oder gelesen, dass chinesische Wanderarbeiter hier Solarmodule auf den Dächern montieren. Aber die Wahrheit hat schon immer den Kürzeren gezogen, gegen eine gut erzählte Geschichte.

 Richtig ist jedoch, dass die Produktion von Solarmodulen zwar kapitalintensiv ist, aber durch die weitgehende Automatisierung nur noch vergleichsweise wenig neue Arbeitsplätze schafft. Arbeitsplätze werden durch die Montage der Module durch deutsche Handwerksbetriebe geschaffen und erhalten. Aber das muss man ja nicht gleich rumerzählen.

 Über diese ganze Diskussion wird dann, nicht ganz ungewollt, auch das eigentliche Ziel der Solarindustrie aus dem Sichtkreis der Öffentlichkeit gedrängt. Hauptsächlich ist es dem Erneuerbare- Energien-Gesetz doch wohl um die Vermeidung von CO2 und die Schonung der Ressourcen unserer Erde gegangen. Aber was zählt das schon gegen die Interessen des Herrn Großmann und der anderen Verschwörer aus der Energiebranche.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Rechtloser Wurmfortsatz Europas, Griechenland

 130 Milliarden Euro schwer ist das, was gemeinhin "Hilfspaket für Griechenland" genannt wird. Gemeinsam mit dem Forderungsverzicht der privaten Gläubiger von 107 Milliarden Euro, so heisst es, sei Griechenland auf einem guten Weg aus der Schuldenfalle.

 Nichts davon ist wahr.  Die privaten Gläubiger verzichten zwar auf  Forderungen von 107 Milliarden Euro, aber sie tauschen die verbliebenen Verbindlichkeiten gegenüber Griechenland gegen Papiere ein, die international gesichert sind. Bei einem immer wahrscheinlicher werdenden Bankrott, würde es bei den Altpapieren zu einem Totalausfall kommen. Sie haben also nicht 53,5% ihrer Forderungen verloren, sondern 46,5% gewonnen.

 Von den 130 Milliarden der Troika, also EU, EZB, IWF, kommt kein einziger Cent in Griechenland an. Die gesamte Summe landet nämlich auf dem einzurichtenden Treuhandkonto, über das die griechische Regierung nicht verfügen kann. Hieraus bezahlt, ein noch zu bestimmender Treuhänder, Zinsen und Tilgung der Kredite. Aber nicht nur  das Geld der Troika fliesst auf dieses Konto, auch griechische Staatseinnahmen müssen auf dieses Konto eingezahlt werden. Griechenland muss dafür sorgen, dass immer genügend Deckung auf dem Konto ist, um die Zahlungen der nächsten drei Monate zu erfüllen. Die Bedienung dieses Kontos wird in Zukunft noch vor, zum Beispiel, Rentenzahlungen stehen.

 Die neuen Schuldverschreibungen werden nach britischem Recht ausgestellt. Der Gerichtsstand ist Luxemburg. Somit hat Griechenland nicht einmal mehr die Gerichtsbarkeit über die eigenen Staatsanleihen und kann nicht mehr über die Zustimmungsrate beim Schuldenschnitt bestimmen. Die Zocker wird's freuen, brauchen sie doch jetzt nicht mehr um ihre satten Gewinne, beim z.B. am 20. März fällig werdenden "Big fat Greek Bond" zu fürchten. Siehe hier und hier.

 Zusätzlich soll das griechische Parlament eine Verfassungsänderung beschliessen, die Zinszahlungen und Tilgung als wichtigsten Existenzgrund des Landes vorschreibt. Griechenland existiert also in Zukunft nur noch um Schuldendienst zu leisten. Das dies ein Bruch der griechischen Verfassung bedeutet, interessiert dabei niemanden.

 Griechenland wird zum vollständig rechtlosem Protektorat Europas und somit dessen  Führungsmacht, Deutschland. Seine Bürger werden zu Sklaven der Finanzwirtschaft, arbeiten sie doch in Zukunft ausschliesslich zur Befriedigung der finanziellen Forderungen gegenüber ihrem Land.

 Warum nun das Ganze? Sehr einfach: Die privaten Gläubiger ziehen sich immer mehr zurück, zu Lasten der Öffentlichen. So sinkt der Anteil der Privaten an den Schulden Griechenlands von 79 auf 43 Prozent des griechischen BIP, während der Anteil von EU, EZB und IWF von 84 auf 111 Prozent steigt. Das bedeutet, dass das Risiko der europäischen Steuerzahler immens steigt müssen sie zukünftig doch nicht nur um eigenes Geld bangen sondern auch noch als Bürgen für die von Banken und Hedge-Fonds vergebenen Kredite bluten.

Gauck: Vom heutigen Staatsakt hält er nichts

 Wenn sich heute die Spitzen aus Staat und Gesellschaft in Berlin versammeln um sich vor den Opfern der Neonazis aus Zwickau zu verneigen und um die angehörigen für die erlittenen Diskriminierungen und falschen Anschuldigungen um Vergebung zu bitten, dann sitzt einer in einer der hinteren Reihen, der künftige Bundespräsident Joachim Gauck.

 Ursprünglich hatte er gar nicht an dem Staatsakt teilnehmen wollen. Er hatte die Einladung ausgeschlagen und eigentlich einen anderen Termin wahrnehmen wollen. Schon den Vorschlag hatte Gauch mit der Äusserung: "Von dem Vorschlag, für die Opfer der gerade bekannt gewordenen Mordserie von Neonazis einen Staatsakt zu veranstalten, halte ich nichts," abgebügelt. Erst seine Nominierung zum nächsten Bundespräsidenten hatte ihn zu einer Teilnahme bewogen, wohl kaum aus innerer Überzeugung, eher den vielen Fernsehkameras geschuldet.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Schlecker lässt bloggen

 Der Schlecker-Blog, ja, so etwas gibt es wirklich, diskutiert in seinem letzten Post über den Fernsehauftritt von Lars Schlecker im ARD-Morgenmagazin vom 17. Februar. Auf 28 Kommentare bringt es der Beitrag. Am 20 Februar allerdings bricht die Kommentartätigkeit unvermittelt ab. Warum? Man weiss es nicht. Vielleicht hat die PR-Abteilung vom Insolvenzverwalter eine andere Tätigkeit zugewiesen bekommen, oder es fanden sich einfach keine Lobhudler mehr.

 Aber wie auch immer, liest man die Kommentare, so fühlt man sich in eine andere, bessere Welt versetzt. Alle haben sich irgendwie lieb und wenn doch einmal einer ein wenig aus der Reihe tanzt, dann holt man ihn mit viel Liebe und Verständnis, aber sehr bestimmt, zurück in den Kreis. Das hat ein klein wenig etwas von Selbsthilfegruppe, Gesprächskreis, Sekte.

 So wagt Sven anzudeuten, nachdem er den Auftritt Lars Schleckers "sehr glaubwürdig und Sympathisch" findet, wie übrigens schon einige andere vor ihm, dass hinter der Mitarbeiteraktion "Wir sind weiter für sie da," die leitenden Angestellten stehen und nimmt das böse, böse Wort von der Kundenverarsche in den Mund.

 Ihm antwortet ein Frederic Bollhorst, nachdem er sich, in bester PR-Mitarbeiter-Manier für den Beitrag bedankt hat: "Mein Vorschlag: sprechen Sie die Kollegen direkt an, machen Sie sich ein eigenes Bild. Dann bin ich mir sicher, werden Sie einen anderen Eindruck gewinnen als sie im Kommentar andeuten."

 Ralph Küster springt dem Moderator bei: "THINK POSITIV ;-) Dann klappt's auch mit der Wertebewegung." Typisch Streber, gibt's halt in jedem Gesprächskreis, in jeder Selbsthilfegruppe.

 Da ist Conyo schon ganz anders drauf. Bei dem musste jetzt mal etwas raus: "Das ist mal wieder typisch … wir reden uns den Mund fusslig, weil wir uns in unserer Firma/Filiale wohl und dort gut aufgehoben fühlen… und dann reden so Leute wie (nennen wir sie Sven) uns das so madig!!!!"

 Eine Bärbel versucht noch einmal zaghaft eine Gegenposition aufzubauen: "Bin 20 Jahre dabei, da hat man so manches erlebt." Was sie erlebt hat bleibt sie uns schuldig denn "mehr möchte ich dazu nicht sagen."

 Ein oder eine "Bin traurig" kann das so nicht stehen lassen. Sie hat anscheinds 22 Jahre in einem anderen Unternehmen gearbeitet und war nur der Meinung sie sei bei Schlecker. Denn,  so wohl hat er/sie sich gefühlt, dass er/sie verspricht: "Zur Rettung meines Arbeitgebers wäre ich sogar freiwillig bereit auf die Sonderzahlungen zu verzichten." Im PS. wendet er/sie sich noch einmal: "An alle die hinter unserer Firma stehen und an Fam. Schlecker," mit einem, eines geschulten Motivators würdigen Aufuf: "gemeinsam sind wir Stark, wir schaffen das und zeigens den Ungläubigen.” Tschacka!

  So ist das wohl in Sekten oder in sektenähnlich geführten Unternehmen. Hier gibt es keine unterschiedlichen Interessen. Nein, man hält zusammen und zeigt es den Ungläubigen. Und was eine richtige Glaubensgemeinschaft ist die etwas auf sich hält, die hat auch eine Facebookgruppe. Dank Uwe Skibbe ist Facebook nun um “Rettet Schlecker und somit 30000 Arbeitsplätze.” reicher geworden.

 Petra Steiner möchte dabei umgehend mitmachen, kann die Gruppe allerdings nicht finden. Da springt ihr Frederic Bollhorst, der PR-Typ, bei. Und wer hätte es gedacht, der Weg führt über facebook.de/schlecker.drogerie. Ein Schelm wer böses denkt.

 Mitmachen, allerdings in der "Mitarbeiterinitiative", möchte auch Jennifer: "Ich kämpfe jeden Tag mit meinen Mitarbeitern in unserer VST aber wenn diese Initiative eine größere Plattform bekäme wäre das natürlich richtig gut! Wir wären einige Läden die schon immer überlegen was wir machen könnten." (Bei Schlecker denken sogar die Läden)

 PR-Bollhorst ist reineweg aus dem Häuschen: "Hallo Jennifer, das finde ich ganz großartig, wenn Sie sich engagieren möchten." Er bittet um eine kurze Mail mit ihrer Telefonnummer: "und dann melde ich mich und wir versuchen gerne gemeinsam einige Vorschläge zu entwickeln." So gräbt man Mädels an, dagegen ist die alt hergebrachte Briefmarkensammlung ein Scheissdreck.

 Allerdings wird es zum Schluss dann doch noch etwas ungemütlich. Eine Bärbel lässt sie um nichts in der Welt abschütteln. Sie will unbedingt wissen, wie es um ihren Arbeitsplatz steht und setzt ihre Frage sogar in Grossbuchstaben: "WIE IST BITTE DER VERLAUF FÜR ALLE????"

 Nachdem ein gewisser Phillip Kübel zugeben muss, dass er das auch nicht so ganz genau weiss und auf den Insolvenzverwalter verweist, endet die Diskussion, etwas abrupt, am 20. Februar um neun Uhr sieben.

Arbeitsministerin trickst mit Zahlen

 Unsere Arbeitsministerin stellt sich gern vor die Presse um gute Nachrichten zu verkünden. Dabei ist sie, was das jonglieren mit Zahlen angeht, nicht eben zimperlich. Da wird eine Katastrophe gerne schon mal in einen rauschenden Erfolg ihrer Politik umgedeutet.

 So verkündete sie dieser Tage, die Anzahl der Menschen im Alter zwischen 60 und 64, die in Arbeit seien, betrage 40,8 Prozent. Noch vor zehn Jahren seien das nur 19,9 Prozent gewesen.

 Zunächst einmal, wenn denn wirklich 40,8% der älteren Arbeitnehmer Arbeit haben, bedeutet das doch wohl im Umkehrschluss, das der überwiegende Teil, nämlich 59,2% ohne Beschäftigung sind und in ihrer überwiegenden Zahl der Altersarmut entgegen sehen. Erfolg sieht für mich anders aus.

  Der wirkliche Skandal allerdings ist, dass der Anteil, der in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung befindlichen älteren Arbeitnehmer nur bei 27,5% liegt. Aus dieser mageren Steigerung von 7,6% in zehn Jahren leitet die Blaublütige Chefin des Arbeits- und Sozialministeriums eine Berechtigung für die Rente mit 67 ab. Der Rest dieser "gewaltigen Steigerung" sind 800.000 Minijobber und Selbstständige.

 Wie dreist muss man sein, um aus der Not der Menschen, die zum Ende ihres Berufsleben zu Arbeiten, in oftmals unwürdigen Verhältnissen, gezwungen werden, auch noch politischen Profit schlagen zu wollen.

 Aber auch die im DGB organisierten Arbeitnehmer sollten sich, angesichts der Tatsache, dass ihr Vorsitzender, Michael Sommer, bei dieser Veranstaltung der Volksverdummung mit auf dem Podium saß, allerdings fragen, ob sie durch die Gewerkschaften noch richtig vertreten werden.

Dienstag, 21. Februar 2012

My big fat Greek Bond

 Einen herzlichen Glückwunsch den Zockern. Hat doch wieder einmal geklappt. Die Griechen haben das Hungerdiktat der Troika erfüllt. Sogar der deutsche Hochkommissar für Griechenland, Wolfgang Schäuble hat wohlgefällig genickt und den Daumen zum Himmel gerichtet.

 Am 20. März ist also nun Zahltag, "My Big fat Greek Bond" wird fällig. Der europäische Steuerzahler steht schon bereit und hat seine Geldbörse gezückt, um eure Kriegskasse für den nächsten Angriff auf seine Währung zu füllen. Jeder eingesetzte Euro kommt jetzt zu euch zurück und bringt gleich mal eben noch 1,5 weitere Eurole mit.

 Wenn ihr dann all eurer Geld in Sicherheit gebracht habt, wenn alle Kredite die ihr gegeben habt, verstaatlicht worden sind, wenn ihr vielleicht nebenher noch ein wenig Kleingeld mit dem Handel von Kreditsicherungsscheinen gemacht habt, dann können wir ja, etwa im Herbst, die Griechen in Konkurs gehen lassen und sie aus der EU schmeissen.

Angeblich 69 Prozent der Deutschen für Gauck

 69 Prozent der Bundesbürger, so will es das ZDF heraus gefunden haben, begrüssen die Nominierung Joachim Gaucks zum Bundespräsidenten. 69 Prozent, dass sind grob gerechnet 55 Millionen Menschen. Mit solch blödsinnigen Umfragen wird Stimmung gemacht. Wieviele dieser 55 Millionen mögen sich wohl vor ihrer Stimmabgabe mit der Personalie Gauck befasst haben? Einer wissenschaftlich korrekten Meinungsumfrage dürfte das Ergebnis kaum standhalten. Die versammelte Journalie jubelt und das Volk jubelt mit, so einfach ist das.

 Es ist dieser Tage allerdings auch sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich, sich ein detailiertes, kritisches Bild des Kandidaten zu machen. Kritik aus der Linkspartei und den neuen Bundesländern bügelt er selbst und mittlerweile auch jeder Kommentator, der etwas auf sich hält, damit ab, dass diese Leute nur nicht bereit seien, den eigenen Fehlern zur Zeit der DDR ins Auge zu sehen, da das als zu schmerzhaft empfunden werde. Das er damit einen grossen Teil der Bevölkerung, zumindest der neuen Länder, als Stasispitzel diffamiert, stört ihn dabei wenig. Er ist die Lichtgestalt der Wende und wer gegen ihn ist, der ist gegen die Freiheit.

 Und Freiheit, das ist sein Thema. Der Kandidat, der beim verlesen eigener Texte schon mal so sehr in Verzückung gerät, dass ihm die Stimme weg bleibt und er vor lauter Rührung in Tränen ausbricht, hat allerdings eine eigene, sehr eingeschränkte Sicht des Begriffes Freiheit. Die Gaucksche Freiheit ist ohne den Kapitalismus undenkbar. Jedem Versuch, die kapitalistische Weltordnung durch mehr Mitsprache menschlicher zu machen, erteilt er mit pastoral erhobenem Zeigefinger eine Abfuhr. Das der Staat es nicht besser könne, habe er am eigenen Leibe in den Jahren der DDR-Diktatur erlebt. Alles und Jeden, der oder das seinem eng begrenztem Weltbild nicht entspricht, rückt Gauck, der auch schon mal gern in der dritten Person von sich spricht, irgendwie in die Ecke der Unfreiheit, in die Nähe der Stalinisten.

 Die Freiheit nach Lesart des Herrn Gauck, ist eine Freiheit der Besitzenden und der Gebildeten. Wenn er sagt, Freiheit sei auch Verantwortung, dann schliesst er damit ganz bewusst und von ihm genau so beabsichtigt, all jene aus, die seiner Meinung nach keine Verantwortung tragen, die Hartz IV-Empfänger, die Obdachlosen, die Ausländer, die die deutsche Sprache nicht erlernen, die Jugendlichen, die sich dem bürgerlichen Bildungssystem verweigern.

 Wenn er unseren Wohlstand als Beleg dafür nimmt, dass nur Freiheit untrennbar mit dem Kapitalismus verbunden, zu wirtschaftlicher Prosperität führt, dann verhöhnt er die Menschen in der dritten Welt, die genau durch die, dem Kapitalismus innewohnende Ausbeutung von Ackerland, Bodenschätzen und menschlicher Arbeitskraft, in bittere Armut gestürzt wurden.

 Vielleicht ist Gauck aber auch gerade, weil er in seiner Person so viel von der Bundesrepublik widerspiegelt, der richtige Präsident: In sich selbstverliebt, im Innern sozial kalt und ausgrenzend und nach aussen überheblich und fordernd bis hin zum säbelrasseln.

Montag, 20. Februar 2012

Schlecker die zweite oder: Die Macht der grossen Zahlen

30.000 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Mit dieser Drohung macht die Familie Schlecker Druck in der Öffentlichkeit. Eine ganzseitige Anzeige in der Bild: "Wir sind weiter für sie da", ein, unter dubiosen Umständen, angeblich von Mitarbeitern, gegründeter Verein mit Namen: "Wir sind für sie da", und schliesslich, unter Beugung bestehenden Rechts, bekommt Sohn Lars redaktionelle Sendezeit eingeräumt, im ARD Morgenmagazin, um für die neue Unternehmenskultur im Hause Schlecker zu werben.

 Nun gut, mag man sagen, ungewöhnliche Umstände rechtfertigen eben auch ungewöhnliche Methoden. Da muss das Fernsehen auch mal eine Ausnahme machen können, um zum Erhalt so vieler Arbeitsplätze beizutragen.

 Ungewöhnliche Umstände? Täglich gehen tausende Arbeitsplätze verloren im deutschen Einzelhandel. Der Gemüsehändler, der Milchladen, der Fleischer, der Textilfachhändler, das Inhaber geführte Schuhgeschäft, täglich werden Existenzen vernichtet. Nicht nur die Inhaber stehen vor dem Nichts, auch den zwei, drei Beschäftigten droht, zum Teil, lange Arbeitslosigkeit und sozialer Abstieg. Für diese Geschäfte, die von solchen Filialisten, wie z.B. Schlecker, an die Wand gedrückt und dort zerquetscht werden, regt sich aber keine Hand.

 Wettbewerb, schön und gut. Aber dann bitte mit fairen Mitteln. Der kleine Einzelhändler hat doch überhaupt keine Chance gegen die riesigen Konzerne zu bestehen.

 "Der Schlecker wartet schon," so habe ich mehrfach gehört, wenn ein Eigentümer die Miete für das Geschäft in seinem Haus derart erhöht hat, dass der kleine Händler sich den Laden gar nicht mehr leisten konnte und schliessen musste. Gerade Schlecker hat doch zu seinen besten Zeiten jeden Preis, für die letzten Bruchbuden bezahlt, nur um auch in diesem Viertel vertreten zu sein. Verdrängungswettbewerb, so heisst das ganz offiziell.

 Da sind als weiteres die Ladenschlusszeiten. Von der Politik gegen Gewerkschaften und die breite Masse der Händler durchgesetzt. Welcher kleine Einzelhändler kann es sich leisten, seinen Laden von morgens acht Uhr bis am Abend um zehn Uhr durchgehend offen zu halten, ohne sich selbst bis zur völligen Erschöpfung auszubeuten?

 Der Einkauf macht den Gewinn, sagt der Kaufmann. Ein Grosshändler, wie Markant, einer der Hauptgläubiger bei Schlecker, würde den kleinen, selbstständigen Drogisten oder Inhaber einer kleinen Parfümerie gar nicht beliefern, weil der die Wertgrenze ab der dieser liefert, niemals erreichen kann. So bekommt er seine Ware natürlich nur zu wesentlich schlechteren Konditionen als die grossen Konkurenten, muss aber dem Verbraucher die Ware zum gleichen Preis wie z.B. Schlecker anbieten. Für den Verbraucher ist Geiz schliesslich geil.

 Das Ergebnis dieses massiven Verdrängungskampfes können wir täglich in unseren Innenstädten sehen: Verschlossenen Türen, zugeklebte Schaufenster, heruntergekommene Fassaden, letztendlich die Verödung ganzer Strassenzüge. Doch für's Fernsehen sind diese Schicksale uninteressant. Das braucht die grossen Zahlen.

Sonntag, 19. Februar 2012

Gauck, ein denkbar ungeeigneter Kandidat

 Wieder wird ein Kandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten gesucht. Und wieder geistert ein Name durch die Gazetten: Joachim Gauck. Ein regelrechter Hype entwickelt sich, Gauck sei der richtige Mann und nach dem Fehler mit Wulff, sei es nun erst recht an der Zeit für den EX-DDR-Bürgerrechtler. Warum Gauck der richtige sein soll, erfahren wir aber nicht wirklich. Überparteilich, ja überparteilich sei er und halt irgendwann einmal Bürgerrechtler in der DDR, sei er gewesen.
Nun gut, überparteilich ist Hape Kerkeling auch, und wenn jeder der 1989 nach der D-Mark geschrien hat, sich dadurch 2012 für das Amt des Bundespräsidenten qualifiziert, dann hätten wir so ziemlich 17 Millionen qualifizierte Bewerber.

 Die Welt ist nicht stehen geblieben seit den Montagsdemonstrationen, auch wenn Gauck das zu meinen scheint. Dreht sich sein Denken, Reden, Handeln doch immer wieder im Kreis um diesen, einen Fixpunkt in seinem Leben. Wie ein alternder Fan heute immer und immer wieder die Musik der 60er und 70er Jahre dudelt, weil sie für ihn der Inbegriff dieser Zeit des Umbruchs ist, so hält Gauck die Reden der frühen 90er Jahre mit den Themen der frühen 90er Jahre. Über beide, den Fan und Gauck ist die Zeit hinweggegangen.

 Gauck hat seine eigene Vorstellung von Freiheit. Für ihn ist die Freiheit US-amerikansich, geprägt durch den idealisierenden Blick des DDR-Bürgers auf einen winzig kleinen Ausschnitt des Lebens im "Goldenen Westen" und weil die Amerikaner die erklärten Feinde seiner Feinde, den Führungseliten des ehemaligen Ostblocks waren. Und weil diese Sicht eine US-amerikanische ist, ist alles was nicht amerikanisch ist, von Übel und muss bekämpft werden, mit allen, auch kriegerischen, Mitteln.

 Amerikanischer, westlicher Imperialismus sind für Gauck undenkbar. Ist es doch ein Begriff aus dem Wortschatz seiner politischen Gegner von damals, den Führungsklicken von DDR und UDSSR. Daher sind amerikanische Kriege auch immer Kriege für die Freiheit, ob in Afghanistan oder dem Irak. Freiheit gilt es zu verteidigen und wenn der grosse Bruder zu den Waffen ruft, dann hat man dabei zu sein, hat man seine Pflicht zu tun. Da ist er Preusse durch und durch.

 Gauck beansprucht für sich, ein Liberaler zu sein, aber er vergisst, dass zu wirklicher Freiheit auch die Freiheit von Existenzangst gehört. Freiheit und Sozialismus schliessen sich gegenseitig aus für Gauck, weil er nicht in der Lage ist, die Idee des Sozialismus vom "real existierenden Sozialismus" der DDR zu trennen. Sozialer Ausgleich birgt für ihn schon die Gefahr des Sozialismus und somit der Unfreiheit in sich.

 Forderungen nach Gerechtigkeit, etwa von Hartz-IV-Empfängern, sind ihm gänzlich unverständlich, weil er soziale Leistungen nicht als einklagbares Recht, sondern als milde Gabe der Besitzenden an die Armen der Gesellschaft empfindet. Ganz im Sinne der kirchlichen Heilslehre. Ihm ist der Gedanke, dass grosse Vermögen nur durch die Ausbeutung der überwiegenden Mehrheit der Arbeitnehmer zu Stande gekommen sind, gänzlich fremd, weil ja nur der Allmächtige gibt und nimmt. Somit sind Reichtum und Armut gottgegeben.

 Gauck ist in seinem gesamten politischen Denken und Handeln eindimensional. - Wie kann ein solcher Mann der ideale Kandidat als Bundespräsident sein? Es spricht für die Armseligkeit der politischen Klasse und die sie beschreibende Journaille, dass sie diesen Mann für fähig halten, nach dem Wulff-Disaster die Integrität des Amtes, Bundespräsident, wieder herzustellen. Das nächste Desaster ist mit einer Entscheidung für Gauck vorprogrammiert.

ARD: Kostenlose PR für Schlecker

Screenshot aus ARD-Morgenmagazin vom 18.Februar 2012

 Schlecker sitzt ziemlich tief in der Sch…. Insolvenz ist angemeldet. Die Familie Schlecker beabsichtigt nach abgeschlossenem Konkursverfahren das Unternehmen weiter zu führen. Die grossen Lieferanten haben schon signalisiert mitzuziehen. Allerdings gibt's da ein klitzekleines Handicap: Die Kunden wollen nicht so recht in die Läden kommen. PR muss also her, eine Charme-Offensive. Da trifft es sich gut, dass es die ARD nicht mehr so genau nimmt mit der Trennung zwischen redaktionellen Beiträgen und Werbung.

 Und so kommt es, dass Gründersohn Lars Schlecker am Freitag im Studio des ARD-Morgenmagazins sitzt. Frisch gegelte Locken, der Kragen des Oberhemds unter dem Pulli leger geöffnet, eine viel zu grosse Brille auf der Nase, mit einem Blick, der bei allen Frauen dieser Republik den Mutterinstinkt erwachen lässt.

 Das muss auch irgendwie die Moderatorin Anne Gesthuysen berührt haben. Nachdem in der Anmoderation, wenigstens noch einmal kurz, von den rabiaten Methoden der Mitarbeiterführung bei Schlecker die Rede ist, verflacht das Gespräch zusehends. Gesthuysen schwärmt von der breiten akademischen Ausbildung, die der Studiogast erfahren hat, lässt Schlecker über die, doch jetzt, vollzogene Wende, hin zum sozial verantwortlich handelnden Unternehmen, schwafeln und landet unvermittelt bei den Schleckers am Frühstückstisch und den dort geführten Gesprächen, Motto: Die Schleckers, Menschen wie du und ich.

 Wie's der Zufall so will, erscheint am gleichen Tag in der Bild eine ganzseitige Anzeige der Familie und der Mitarbeiter mit der Headline: "Wir sind weiter für sie da." Und auch hier ein guter Tarifvertrag, gute Arbeitsbedingungen, also: Wir arbeiten gern bei Schlecker.

 Da will die ARD nicht zurückstehen. Sie berichtet in einem weiteren Beitrag über eine angebliche Initiative von Schlecker-Mitarbeitern, die sogar einen Verein gegründet haben mit dem Namen: "Wir sind weiter für sie da", welch grosser Zufall. Die Aktivisten gehen an die Öffentlichkeit um für ein besseres Image des Unternehmens zu werben.

 Die Süddeutsche berichtet allerdings, dass die Gründer von Initiative und Verein gerade die Vertriebs- und Bezirksleiter des Unternehmens sind, die für das rigorose Vorgehen gegenüber den Mitarbeitern in der Vergangenheit verantwortlich sind.

 Im Film der ARD allerdings, davon kein Wort. Hier empört sich eine resolut wirkende Dame, von den Vorwürfen gegen die Unternehmensführung stimme kein Wort. Sie fühle sich wohl bei Schlecker. Angesichts ihres bestimmenden Wesens und ihrer Statur wagt man da lieber nicht zu widersprechen.

Freitag, 17. Februar 2012

Ein Präsident zeigt Rückgrat

 Dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias ist der Kragen geplatzt. "Ich akzeptiere es als Grieche nicht, dass mein Land von Herrn Schäuble beleidigt wird“, und weiter: „Wer ist denn Herr Schäuble, der Griechenland beleidigen kann. Wer sind denn die Niederländer, wer sind die Finnen,“ polterte er bei einem Besuch des griechischen Verteidigungsministeriums.

 Diese Worte kommen von einem ausgewiesenen Freund Deutschlands. Er war  Mitglied des griechischen Widerstandes während der Hitler-Diktatur, verbrachte die Zeit der Militärdiktatur in seinem Land zwischen 1967 und 1974 in Deutschland, studierte in Köln und wurde dort auch promoviert. Papoulias spricht fliessend Deutsch, seine Frau und Kinder leben weiterhin in Deutschland.

 Es ist die pure Verzweiflung die den Mann getrieben hat. Muss er doch mit ansehen, wie sein Land von der Troika aus EU, EZB und IWF in den Untergang getrieben wird. Seit über zwei Jahren steht Griechenland unter dem enormen Spardiktat der drei. Seitdem steigt die Arbeitslosigkeit, das Staatsdefizit und die Armut in seinem Land.

 110 Mrd. Euro betrug die erste Finanzhilfe. Die Griechen haben davon nichts gesehen. Das Geld ist eins zu eins in die Kassen der internationalen Banken und Finanzjongleure geflossen. Nicht ein Cent hat der Stärkung der griechischen Wirtschaft und somit einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit gedient, die allein Griechenland wieder auf die Beine stellt.

 Nun steht die zweite Kredittranche von 130 Milliarden an, die ebenfalls ohne Abzug zur Bedienung der Gläubiger eingesetzt wird und die Troika erhöht noch einmal den Druck auf die Griechen. Nicht das Wohl der Menschen hat Herr Schäuble im Auge, wenn er unter Verletzung der einfachsten demokratischen Regeln, eine Verschiebung der Wahlen und die Einsetzung einer Regierung der Technokraten in Griechenland fordert, sondern das seiner Freunde, der Zocker aus der Hochfinanz. Schäuble stellt sich damit in eine Reihe mit den niederländischen und finnischen Rechtspopulisten, Geert Wilders und Timo Soini.

 Anstatt, wie es der Urgedanke der Väter und Mütter des modernen Europas war, solidarisch zusammenzustehen, bedienen Merkel und Schäuble zusammen mit diesen Rechtsaussen, niedrigste Instinkte und verschleudern die Steuern der Bürger Europas um die Finanzindustrie mit Spielgeld zu versorgen. Sie verhöhnen die europäische Idee und zerstören das Werk ihrer Vorgänger, ein einiges, freies, solidarisches Europa.

 Das dabei ein kleines Land zwischen den Interessen zerrieben und seine 11 Millionen Einwohner auf unabsehbare Zeit der Armut ausgesetzt wird, ist da wohl nur ein zu vernachlässigender  Kollateralschaden.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Verbraucher akzeptieren höhere Preise für saubere Energie

 Die deutschen Verbraucher sind durchaus bereit für die erneuerbaren Energien mehr zu bezahlen. Das hat eine Studie des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ergeben.

 Als besonders wichtig erscheint den Stromkunden dabei, dass der Anbieter selbst in erneuerbare Energien investiert (84%). Dafür sind die Verbraucher bereit, bis zu 8,4 Cent mehr für die Kilowattstunde zu bezahlen. Weitere wichtige Kriterien sind, dass der Anbieter aus der Region kommt (63%), hierbei erscheint den Stromkunden ein Mehrpreis von 3,4 Cent angemessen, und das er ausschliesslich Ökostrom anbietet (56%), Mehrpreis 3,6 Cent.

 Auch wenn man diese Ergebnisse nicht eins zu eins auf die Umlage nach dem Neue-Energien-Gesetz anwenden kann, so zeigt sich, dass die Verbraucher durchaus gut informiert und bereit sind, für saubere Energie und für den Schutz der Umwelt finanzielle Einbussen in Kauf zu nehmen.

 Aber ich nehme jede Wette an, dass die Herren Rösler, Fuchs und alle anderen Parteigänger der Energieoligarchen verhindern werden, dass diese Untersuchung einmal das Licht einer breiteren Öffentlichkeit erreicht.

Volkstrauertag wird wieder Heldengedenktag

 Wäre das nicht schön, wieder ein richtiger Heldengedenktag? So mit allem was dazu gehört, Märsche, Fahnen, Reichskriegsflagge, Schützenaufmarsch, markigen Reden, Böllerschüsse und Kriegsversehrte in ihren Rollstühlen in der ersten Reihe.

 Kriegsminister Thomas De Maiziere hat nun von Washington aus einen "Gedenktag für Veteranen der Bundeswehr" gefordert. Dort hat er dem Cia-Chef und Mörder afghanischer Kinder, Exgeneral David Petraeus, das "Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland" umgehängt.

 Auch wenn der Minister noch verschämt von "Gedenktag der Veteranen der Bundeswehr" spricht, der richtige Name wird sich schon durchsetzen, - früher oder später. Endlich, und das ist doch zunächst mal wichtig, bekommt der vorletzte Sonntag im November wieder seine ursprüngliche Bedeutung. Weg von dem sauertöpfischen Begriff des Volkstrauertags der Gutmenschen, Weicheier und Demokraten, hin zum fröhlichen feiern deutscher Siege auf den Schlachtfeldern der Welt: "Heil dir im Siegerkranz!"

Mittwoch, 15. Februar 2012

Wie Zocker mit griechischen Staatsanleihen den grossen Reibach machen

 Keine Krise ist so groß, dass nicht Zocker am Finanzmarkt Honig daraus saugen. Ein gewisse Skrupellosigkeit und ein Grundwissen, wie die Dinge laufen und schon winken Millionen. Zurzeit sind griechische Anleihen an den Börsen der ganz grosse Renner, obwohl das Land praktisch zahlungsunfähig ist.

 Und so gehts: Die griechische Regierung verhandelt zur Zeit mit dem internationalen Bankenverband über einen Schuldenerlass von ca. 70%. Gebunden an diese Abmachung, wenn sie denn zustande kommt, wovon auszugehen ist, sind aber nur die Mitglieder in diesem Bankenverband. Alle anderen privaten Gläubiger, also Privatleute, Hedgefonds usw. können sich freiwillig beteiligen, müssen aber nicht.

 Die Kalkulation der Zocker ist folgendermassen: Die Papiere werden zur Zeit am Markt mit etwa 40% ihres Nennwertes gehandelt. Werden sie fällig, so musst Griechenland aber den Nennwert an die Inhaber der Papiere auszahlen. Das bedeutet bei einem Nennwert von 100 einen fetten Gewinn von 60 Euro oder 150% und das in nur wenigen Tagen. Wird das eingesetzte Kapital noch gehebelt, das heisst je 100 eingesetzte Euro leihe ich mir noch 900 dazu, so kann ich einen Gewinn von 1500% auf mein eingesetztes Kapital erzielen.

 Der nächste Fälligkeitstermin ist der 20. März. Allein mit dieser Anleihe, scherzhaft "My big fat Greek Bond" genannt, werden an den Börsen täglich 6 Mio. Euro Umsatz gemacht.

 Natürlich hat die Sache einen kleinen Haken. Im Moment ist Griechenland nicht in der Lage diese Anleihe zurück zu zahlen, Totalverlust droht. Und sollte es zu einer Einigung mit dem Bankenverband kommen, besteht Griechenland darauf, dass 95% der Forderungen davon abgedeckt werden, andernfalls wären die Griechen pleite.

 Allerdings sind diese Risiken durchaus kalkulierbar. Die Troika aus EU, EZB und IWF legen ja gerade ein neues Hilfspaket mit 130 Mrd. Euro auf, sodass Griechenland wieder zahlungsfähig wäre und der Anteil der Kleinanleger an den privaten Anleihen liegt im Moment bei 1%. Sollte der Anteil über die magischen 5% steigen, stände sicherlich die EZB bereit Anleihen zum Nennwert aufzukaufen. Wäre das doch das kleinere Übel, gegenüber einer Pleite Griechenlands, da viele Banken mit hohem Anteil an griechischen Anleihen in ihrem Portfolio in Staatseigentum sind.
 Wo allerdings schöne Gewinne auf der einen Seite winken, dort gibt es auf der andern Seite auch Verlierer. Sollten sich wirklich 5% der Privatanleger gegen einen Schuldenschnitt aussprechen, so würde das den griechischen Staat 10 Mrd. Euro kosten. Geld, das Griechenland, anstatt es skrupellosen, gierigen Finanzhaien in den Rachen zu werfen, dringend für die Ernährung seiner Bevölkerung benötigt.

Dienstag, 14. Februar 2012

Mikis Theodorakis wendet sich an die Völker Europas

Aufruf des grossen Komponisten und Freiheitskämpfers während der griechischen Militärdiktatur, Mikis Theodorakis (87), bevor er von einer wildgewordenen Soldateska mit Tränengasgranaten krankenhausreif geschossen wurde. In den deutschen Medien kein Wortvon den 100.000 friedlichen Demonstranten allein in Athen, nur Bilder von Gewalt und Zerstörung.




http://tv-orange.de/2012/02/mikis-theodorakis-ruft-zum-widerstand-in-griechenland-auf/

Deutsche Übersetzung: Guy Wagner

Wir wenden uns auch an die europäischen Völker. Unser Kampf ist nicht nur der Griechenlands, er strebt ein freieres, unabhängigeres und demokratischeres Europa an. Glauben Sie Ihren Regierungen nicht, wenn sie behaupten, dass euer Geld dazu dient, Griechenland zu helfen. Glauben Sie nicht die groben und absurden Lügen der kompromittierten Zeitungen, die Sie überzeugen wollen, dass das Problem von der sogenannten Faulheit der Griechen herkommt, während dem, nach den Daten des Europäischen Statistischen Instituts, diese mehr arbeiten alle anderen Europäer! Die Arbeiter sind nicht verantwortlich für die Krise; der Finanzkapitalismus und die Politiker in ihrem Boot, sie sind es, die sie verursacht haben und sie ausnutzen. Ihre Programme “Rettung von Griechenland” helfen nur den ausländische Banken, und gerade denjenigen, die mittels Politikern und Regierungen in ihrem Sold, das politische Modell aufgezwungen haben, das zur aktuellen Krise geführt hat.

Es gibt keine Alternative zu einer radikalen Umstrukturierung der Schulden, nicht nur in Griechenland, sondern in ganz Europa. Es ist undenkbar, dass Banken und Kapitaleigner, die die Verantwortung für die gegenwärtige Krise tragen, nicht einen Cent zahlen, um den Schaden den sie angerichtet haben, gutzumachen. Es darf nicht sein, dass Banker sein, der einzige sichere Beruf auf der Welt ist!

Es gibt keine andere Lösung als das aktuelle europäische Wirtschaftsmodell zu ersetzen, das entwickelt wurde, um Schulden zu erzeugen, und zu einer Politik der Ankurbelung der Nachfrage und der Entwicklung zurückzukehren, zu einem Protektionismus, der mit einer drastischen Kontrolle der Finanzen versehen ist. Wenn die Staaten sich nicht auf den Märkten durchsetzen, so schlucken diese sie auf, zusammen mit der Demokratie und den Errungenschaften der europäischen Zivilisation.

Die Demokratie wurde in Athen geboren, als Solon die Schulden der Armen gegenüber den Reichen stornierte. Man darf heute nicht zulassen, dass die Banken die europäische Demokratie zerstören, um riesige Summen aus ihnen herauszupressen, die sie selbst als Schulden generiert haben. Wie kann man vorschlagen, dass ein ehemaliger Mitarbeiter von Goldman Sachs die Europäische Zentralbank führen soll? Welche Art von Regierungen, welche Art von Politikern haben wir in Europa?

Wir bitten Sie nicht, unseren Kampf aus Solidarität zu unterstützen, nicht, weil unser Land die Wiege von Platon und Aristoteles, Perikles und Protagoras, der Konzepte von Demokratie, Freiheit und Europa war. Wir bitten Sie nicht um eine besondere Behandlung, weil wir als Land eine der schlimmsten Katastrophen in Europa in den 1940er Jahren erlitten haben und wir vorbildlich gekämpft haben, dass der Faschismus sich nicht auf dem Kontinent etabliert hat.

Wir bitten Sie, es in Ihrem eigenen Interesse zu tun. Wenn Sie heute die Opferung der griechischen, irischen, portugiesischen und spanischen Gesellschaft auf dem Altar der Schulden und die Banken zulassen, wird bald die Reihe an Ihnen sein. Sie werden nicht auf den Ruinen der europäischen Gesellschaften gedeihen.

Unsrerseits sind wir spät dran, aber wir sind aufgewacht. Lasst uns zusammen ein neues Europa bauen; ein demokratisches, wohlhabendes, friedliches, das seiner Geschichte, seinen Kämpfen und seines Geistes würdig ist. Widerstehen Sie dem Totalitarismus der Märkte, die drohen, Europa zu zerschlagen und in eine Drittwelt zu verwandeln, die die europäischen Nationen gegeneinander aufwiegeln und unsern Kontinent zerstören, indem sie die Rückkehr des Faschismus fördern.

Montag, 13. Februar 2012

Da wird's sogar der Sonne kalt

 Ein neu auf dem Markt erschienenes Buch sorgt für Wirbel. "Die kalte Sonne, Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet" heisst das Machwerk von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Das bei Hoffmann und Campe erschienene Buch versucht den Anteil des Kohlendioxyds an der Klimaerwärmung klein zu reden. Mit Thesen, die seit Jahren bekannt und zum grössten Teil als unsinnig widerlegt sind.

 Warum aber schlägt so ein Machwerk solch hohe mediale Wellen? Alle Zeitungen berichten. Im Fernsehen wird Vahrenholt ausgiebig Zeit eingeräumt seine kruden Thesen zu verbreiten. Die Bildzeitung widmet dem Buch sogar eine ganze Serie mit dem Titel "Die CO2-Lüge". (Mit Lügen kennt sich dieses Blatt schliesslich ganz besonders gut aus.) Ein Blick auf den Hintergrund der beiden Autoren hilft da ungemein weiter. Vahrenholt, ein ehemaliger SPD-Umweltsenator in Hamburg, verdient seine, sicherlich reichlich belegten, Brötchen beim RWE, einem der grössten CO2-Produzenten Europas, in verschiedenen Vorstandsfunktionen. Dort traf er auf Geologen Sebastian Lüning, der ebenfalls seit jahren bei RWE in Lohn und Brot ist.

 Drei Mal darf geraten werden, wer hinter der gewaltigen PR-Kampagne für das Buch steckt und wer sicherlich mit dem ein oder anderen Cent dem Projekt hilfreich zur Seite gesprungen ist. Ein Wink aus der Konzernzentrale an so manch eine Redaktion mit Anzeigenaufträgen, tut sicherlich ein übriges.
Es handelt sich um nichts anderes als ein weiteres kleines Rädchen im grossen Räderwerk, mit dessen Hilfe die Energieoligarchen einen echten Wechsel zu ökologischer Energieversorgung zu verhindern suchen.

 Ein anders kleines Rädchen ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Fuchs. Dem gebührt allerdings der Titel "Dummschwätzer des Tages". Ein kurzzeitig drohender Engpass bei der Gasversorgung in Süddeutschland, bedingt durch die hohen Minustemperaturen und der um 30% geringeren Lieferung der russischen Gazprom, verleiteten dem bekennenden Atomlobbyisten Fuchs zu dem, von seltener Dämlichkeit geprägten Ausspruch: "Daran ist die Abschaltung der acht Kernkraftwerke im letzten Jahr schuld."

 Wie Herr Fuchs eine Gasheizung mit Atomstrom zu befeuern gedenkt, verriet er allerdings nicht. Ich befürchte, es wird auf ewig sein kleines Geheimnis bleiben.

Freitag, 10. Februar 2012

Griechenland: 400 Millionen Euro allein im letzten Jahr an deutsche Rüstungsindustrie

 Es ist schon seltsam. Als der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Kampeter, heute im Morgenmagazin des ZDF darauf angesprochen wurde, das Griechenlands Militärhaushalt umgerechnet auf die Bevölkerungszahl weit höher als der bundesrepublikanische sei und die deutsche Rüstungsindustrie noch im letzten Jahr für 400 Mio. Euro Waffen an die Griechen verkauft habe, antwortete er, es sei Sache der Griechen, wie sie ihren Haushalt gestalteten. Von Europa würden lediglich die Sparziele formuliert. Es läge den Europäern aber fern sich in die inneren Angelegenheiten der Griechen einzumischen.

 So ist das also, wenn ein frei gewählter griechischer Ministerpräsident es für gegeben hält, das Volk über die drastischen Sparmassnahmen abstimmen zu lassen, werden alle legalen und illegalen Hebel in Bewegung gesetzt um das zu verhindern. Wenn aber der deutschen Rüstungsindustrie ein Umsatz von 400 Mio. Euro droht verlustig zu gehen, würde auch bei der griechischen Rüstung eisern gespart, dann kann man sich nicht in inneren Angelegenheiten Griechenlands einmischen.

 Genauso wenig wie sich die versammelten europäischen Staatenlenker in der Lage sehen, die Schweizer Banken zu veranlassen, 200 Milliarden Euro griechisches Schwarzgeld, dass in ihren Tresoren ruht, wieder rauszurücken.  Auch die Kapitalflucht reicher Griechen in deutsche Immobilien, Report Mainz titelte bereits am 11.10.2011: "Athen kauft Berlin", ist hoch willkommen und kann natürlich nicht unterbunden werden.

 Statt dessen schröpft man mal wieder die, die am wenigsten für das griechische Disaster können, die die immer ihre Steuern gezahlt haben, die ärmsten der Armen. Der Mindestlohn soll um 22% auf 590 Euro brutto im Monat, gesenkt werden. "Das ist bitter, aber notwendig," mehr fällt zu diesem Hungerdiktat nicht ein.

EU-Bürokraten wollen Rentenalter erhöhen

 Die EU-Kommission will den Beginn der Rente automatisch an die steigende Lebenserwartung der Menschen anpassen. Auch das deutsche Renten-Eintritts-Alter von 67 Jahren, wird sich damit weiter erhöhen. Gleichzeitig sollen die Möglichkeiten des vorzeitigen Eintritts in die Rente drastisch reduziert werden.

 Die Lobbyisten in Brüssel, 15.000 treiben am Sitz der europäischen Institutionen ihr Unwesen, haben damit einen grossen Erfolg errungen. Schon länger ist den Damen und Herren der Versicherungswirtschaft klar, dass Erhöhungen des Renten-Eintritts-Alters durch die, weitgehend demokratisch gewählten, nationalen Regierungen nicht mehr durchsetzbar sind. Will man aber weiterhin mit der privaten Rentenversicherung gute Geschäfte machen, muss der Eintritt in die gesetzliche Rente immer weiter nach hinten verschoben werden.

 Da kommt die europäische Kommission gerade recht. Diese Quasi-Regierung Europas, ist mit erheblichen Kompetenzen ausgestattet und der Einflussnahme und Kontrolle durch die Bürger Europas weitestgehend entzogen. Ihre Zusammensetzung wird von den nationalen Regierungen ausgekungelt.

 Diese Hohen Priester der Bürokratie, oftmals Anhänger der reinen Lehre des Neoliberalismus, sind begehrte Adressaten diversester Lobbygruppen.  Fällt es ihnen doch viel leichter unpopuläre Entscheidungen durchzudrücken, als den Politikern in den einzelnen Mitgliedsländern, die sich immer wieder den Bürgern zur Wahl stellen müssen und riskieren abgestraft zu werden.

 Ein immer häufiger beschrittener Weg, durch die Verordnungen dieser Kommission, ohne jegliche demokratische Legitimation, wird von oben bestimmt, was durch gewählte Parlamente nie beschlossen würde.

Donnerstag, 9. Februar 2012

Dieser Bundespräsident ist ganz und gar unser

 Was soll man von einem Bundespräsidenten halten, der gern und oft die Hand aufhält. Nichts Grosses, keine Millionen auf Schweizer Konten oder ein Feriendomizil  der Luxusklasse in der Karibik. Nein, hier mal ein zinsgünstiger Kredit, da mal ein Upgrade von der Holzklasse in die Buisenes-Klasse im Flieger, ein Wochenende in einem feinen Hotel auf der schönen Insel Sylt oder die Finanzierung einer Lobhudelei, genannt Buch. Ist so ein Präsident überhaupt noch zumutbar?

 Jedes Volk bekommt die Politiker, die es verdient, so sagt man. Dann passt er doch sehr gut zu uns. Zu einem Volk, dessen hervorstechender Charakterzug es zu sein scheint, immer und überall etwas umsonst abzugreifen.

 Das fängt bei den Rentnern in den beigen Windjacken und den Keilhosen mit dem kleinen Bodenschlitz an, wenn sie im Supermarkt an den Probierständen sich den Wanst voll schlagen, oder zum wievielten Male an einer Butterfahrt teilnehmen, weil sie glauben, da würde etwas verschenkt und hört beim Vorstand einer Kapitalgesellschaft, der sich seine Weihnachtsgeschenke, von den Lieferanten, an seine Privatadresse schicken lässt, noch lange nicht auf.

 "Geiz ist geil," mit diesem Werbespruch hat ein Elektronikdiscounter jahrelang beste Geschäfte gemacht, weil die breite, blöde Masse glaubte, die würden was verschenken. "0%-Finanzierung!" "Wir übernehmen ihre Mehrwertsteuer!" "20% auf Alles, ausser Tiernahrung!" Die Marketingstrategen und Werbefuzzis haben den wahren Charakter der Deutschen schon lange erkannt und nutzen ihn für sich.

 Als ich neulich bei meinem Reifenlieferant war, fragte der Geschäftsführer  einen Vertreter ganz unverblümt: "Wann fahren wir denn mal wieder zu Hannover 96, richtig einen drauf machen?" Der fand gar nichts dabei, sich vor mehreren Zeugen den Besuch eines Bundesligisten in der Vip-Lounge mit reichlich Fressen und Saufen zu schnorren. Die Fußballvereine haben diese Geschäftsfeld längst erkannt. Bis hinunter in die dritte Liga sind alle Stadien mit Vip-Lounges ausgestattet, in denen es vom Edelhäppchen bis hin zu Champagner alles gibt was des Spesenritters Herz erfreut.

 Die Läden mit den überteuerten Weinen, den Edelwhiskys, den französischen Cognacs, österreichischen Edelbränden und italienischen Grappas wären im Nu bankrott, wenn sie keine Geschenkgutscheine verkaufen und ihr Zeugs nicht in schicken Geschenkkistchen aus Holz verpacken würden. Die Geschäftspartner wollen geschmiert werden auf möglichst hohem Niveau.

 Man nimmt was man kriegen kann. Die Grösse der Geschenke hängt lediglich von der Stellung der Beschenkten ab. Für die Rentner den asiatischen Nudeltopf im kleinen Plastikschälchen im Supermarkt und dem Präsidenten ein Wochenende auf Sylt, im Nobelhotel. Passt schon zu uns, unser Staatsoberhaupt.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Wer soll das eigentlich glauben?

 Der ehemalige Messdiener aus Osnabrück und derzeitige Bundespräses von Mutti Merkels Gnaden, residierte im Jahr 2007 mit seiner damaliogen Geliebten und jetzigen Ehefrau, Bettina, drei Tage in einer Suite des Nobelhotels "Hotel Stadt Hamburg" auf Sylt.

 Und wie es bei dem windigen Bürschchen so üblich ist, war einer seiner halbseidenen Freunde, in diesem Fall der Filmproduzent David Groenewold an seiner Seite. Der zahlte dann auch den Deckel im Hotel. Da der Krischan Wulff sich aber nichts schenken lässt, wühlt er in seinen Hosentaschen, fand etwas Kleingeld und gab dem David das ausgelegte Geld, 774 Euro, sofort zurück.

 Nur Kleingeistern und Pfennigfuchsern kommt das komisch vor. In der Welt der Reichen und Schönen ist das so Usus.

Dienstag, 7. Februar 2012

Wer seine Zinsen nicht zahlt, soll auch nicht essen

"Wer seine Zinsen nicht bezahlt, geht in Zukunft ohne Essen ins Bett!" Unter dieses Motto stellte die ehemalige FDJ-Aktivistin und jetzige Bundeskanzlerin Merkel ihre neueste perfide Idee in der Griechenlandkrise. So will sie ihren Freunden aus der Finanzindustrie gefällig sein, und gleichzeitig den renitenten Griechen zeigen, woher der Bartel den Most holt.

 Von einem Sonderkonto, auf das vorrangig die Einnahmen des griechischen Staates gezahlt werden, soll in Zukunft der Zinsdienst der Griechen bedient werden. Im Ernstfall ist es Griechenland dann nicht mehr möglich, dringend benötigte Nahrungsmittel und Medizin im Ausland einzukaufen.

Kein Netzausfall - Nirgendwo

 Bei einem strengen Winter brechen die Stromnetze zusammen! So oder ähnlich lauteten die "besorgten" Warnungen vor einem Abschalten der acht Atomkraftwerke von interessierter Seite.

 Der strenge Winter ist da, und was passiert - nichts. Alle Fabriken arbeiten, alle Züge fahren und von ausgefallenen Tiefkühltruhen ist auch nichts bekannt geworden. Das es nicht zum , von bestimmter Seite geradezu herbeigesehnten Netzausfall gekommen ist, dafür sind unter anderem auch die 9.000 Megawatt Leistung, der Photovoltaikanlagen, besonders im Süden der Republik, verantwortlich.

 Gerade diese Stromerzeugung aus Sonnenlicht ist aber den Energieoligarchen von EON, RWE, EnBw und Vattenfall ein besonderer Dorn im Auge. Deshalb möchte auch ihr treuer Vasall, Wirtschaftsminister Rösler, den Ausbau dieser Technologie, in der Zukunft, so weit wie möglich behindern.

Montag, 6. Februar 2012

Über Wahrheit und Lüge und die Schere im eigenen Kopf

 Irgendwie habe ich die Schnauze ziemlich voll. Hier auf dieser Seite ich und auf der Anderen all diese Schlauen, gut Vernetzten im Besitz jeder nur erdenklichen Informationsquelle. Gut, das war schon häufig so, aber dieses mal ist es noch schlimmer, jetzt habe ich auch noch die Guten gegen mich. Die Menschenrechtler, die Human right watch, Amnesty International, Ärzte ohne Grenzen, die Nobelpreisträger, alle gegen mich.

 In Homs, in Syrien sind am Samstag, die Zahlen schwanken, erst waren es 300, nun spricht man von 200 Menschen, in einem mörderischen Bürgerkrieg ums Leben gekommen. Und alle diese Guten auf der anderen Seite lesen oder hören die Nachrichten und wissen sofort, dass das alles genau so und nicht anders gewesen ist. Syrisches Militär hat mit Mörsergranaten und Flugabwehrgeschützen auf unschuldige Zivilisten in Homs geschossen. Vielleicht ist es ja so gewesen, aber woher weiss das die ganze Welt von einer Minute zur anderen.

 Ein anderes Beispiel: Seit nunmehr fast einem Jahr wird gekämpft in Syrien. Auf der einen Seite die Guten, durchweg friedliche Demonstranten, die nur ihre Freiheit wollen, auf der anderen Seite das böse Assadregime, das menschenverachtend auf friedliche Demonstranten schiesst. Woher wissen das Alle so genau? Waren sie dabei in den Strassen von Homs, Dar'a oder Damaskus? Haben sie sich beide Seiten angehört?

 In der Türkei und in Ägypten hat sich der Syrische Nationalrat etabliert. kein Mensch kennt dessen Mitglieder, kein Mensch macht sich die Mühe herauszufinden, was das für Menschen sind, welchen Gruppierungen sie entstammen, welche Weltanschauungen sie haben. Wir wissen nur, das sind die Guten und was sie sagen ist die reine Wahrheit, denn auf der anderen Seite da ist ja die Verkörperung des Bösen schlechthin, Assad und seine Mordbrüder.

 Das mich hier keiner falsch versteht, ich bin der Letzte, der einem schlimmen Finger wie Assad das Wort reden will. Aber ich verstehe die vielen gebildeten, gut informierten Menschen nicht, die anscheinend nicht mehr in der Lage sind, sich eine eigene, differenzierte Meinung zu bilden.
 Ein Aufschrei der Empörung geht um die Welt: Russland und China legen ihr Veto gegen einen Beschluss des Weltsicherheitsrates zu Syrien ein! Eine Schande für die Menschheit sei das, eine Lizenz zum Töten, Russland und China hätten nur ihre eigenen Interessen verfolgt.

 Mal abgesehen vom Sinn und Zweck einer solchen Resolution, die ja angeblich keinerlei Sanktionen oder gar Feindseeligkeiten gegen Syrien beinhalte, darf doch wohl die Frage erlaubt sein, was denn eine solche Resolution gegen eine Diktatur ausrichten soll? Es sei denn man will sich schon einmal für die nächsten Schritte in eine moralisch bessere Position bringen.

 Eine Resolution, die nur eine Seite des Bürgerkriegs verurteilt ist für keine Regierung dieser Welt annehmbar. Und wenn man Russland und China vorwirft, dass sie eigene Interessen vertreten dann ist das entweder reine Rhetorik oder unsagbar dumm. Man kann wohl schlecht erwarten, dass zwei Grossmächte sich einer dritten unterwerfen, die sie, noch dazu, im Frühjahr des letzten Jahres mit der Libyenresolution über den Tisch gezogen hat.

 Sie sitzen in München zusammen zur, so genannten, Sicherheitskonferenz, fordern Frieden und Freiheit und grinsen mich frech an, Kriegsverbrecher Henry Kissinger, ein Vertreter des äusserst autoritär und mit Hilfe der Scharia, Prügelstrafe und Hand abhacken regierten Scheichtums Quatar und die vielen Frauen und Männer, die durch ihre tägliche Politik dafür die Verantwortung tragen, das täglich zehntausende von Kindern an Hunger und Krankheit sterben. Sie alle schwingen sich auf zu Richtern über Gut und Böse, über recht und Unrecht, über Wahrheit und Lüge.

 Aber letzten Endes sind das alles nur Hinweise, Fingerzeige auf ein viel grösseres Problem: Diese Einheitsfront des Denkens. Es gibt keine Widersprüche mehr. Im Paten sagt Don Corleone: "Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst." Ich habe das Gefühl, dass man auch mir ein Angebot macht, das ich beim besten Willen nicht ablehnen kann, nämlich wie und was ich zu denken habe.

 Ich will hier keiner Verschwörungstheorie das Wort reden. Ich bin keineswegs der Meinung, dass irgendwo auf dieser Welt ein paar Superhirne zusammensitzen und der Welt, den von ihnen vorbestimmten lauf geben. Vielmehr glaube ich, dass die Politiker, die Wirtschaftsbosse, die Journalisten und die diversen NGO's sich in immer wieder der gleichen Zusammensetzung in Zirkeln auf Konferenzen, in Seminaren, Workshops und auf Bällen und Parties dieser Welt eine Richtung geben, ihre Richtung geben. Und dieser Richtung darf und kann sich keiner entgegen stellen, denn sie haben die Deutungshoheit.

 Und das nehme ich ihnen übel. Ich nehme ihnen übel, dass sie mir das Denken abnehmen, ich nehme ihnen übel, dass sie alle positiven Positionen besetzen. Sie sind mittlerweile im Besitz der grossen Umweltschutzorganisationen, der Menschenrechtsorganisationen, sie backen sich ihre Friedenspreis- und Nobelpreisträger, sie besitzen fast ausschliesslich alle moralischen Autoritäten, weltweit. Was ich höre, was ich lese hat Ausschliesslichkeit-Charackter. Alles was sie tun, ist einzig und allein einer besseren Welt geschuldet.

 Meine Bedenken, meine Einwendungen setzen mich bereits in meinem Kopf ins Unrecht. Es macht müde, gegen diese Gehirnwäsche anzukämpfen. Wie gesagt, ich habe die Schnauze ziemlich voll.

Sonntag, 5. Februar 2012

Syrien: Wer sich informieren will, der informiere sich

 Die Resolution im Weltsicherheitsrat, beantragt von Marokko, die syrische Regierung wegen ihres Vorgehens gegen die eigene Bevölkerungzu verurteilen, ist am Veto Russlands und Chinas gescheitert. Russland hatte gefordert beide Seiten des Bürgerkriegs aufzufordern, die Waffen niederzulegen und eine Lösung des Konflikts in Verhandlungen zu finden. Der exilsyrische SNC lehnt allerdings Verhandlungen so lange ab, bis Assad zurückgetreten ist. Eine Maximalforderung die, und das wissen die Vertreter des SNC,  für die andere Seite unannehmbar ist. Die Reaktion auf das Veto Russlands und Chinas geht von: "Das ist eine schreiende Schande," des deutschen Botschafters bei de UN bis zu: "Lizenz zum töten," von den Vertretern des SNC.

 Die Süddeutsche berichtet, dass der Ruf nach Konsequenzen auf der am Wochenende abgehaltenen Sicherheitskonferenz in München immer lauter wurden. Eine mediale Hatz hat begonnen an deren Ende nur das militärische Eingreifen stehen kann. Das syrische Volk wird die Rechnung bezahlen müssen mit Elend und Tod.

 Angesichts dieser weltweiten Aufgeregtheiten wäre es doch einmal interessant zu wissen, was im Bericht der Beobachterkommission der arabischen Liga steht. Der Kommission, die plötzlich nicht mehr arbeiten konnte weil die syrische Staatsmacht sie angeblich hinters Licht geführt hatte. Gibt es so einen Bericht überhaupt? In den Medien wurde er bisher nicht erwähnt.

Es gibt ihn, aber seine Veröffentlichung wurde bisher zurückgehalten. Unter

http://www.innercitypress.com/LASomSyria.pdf

ist er nachzulesen und er enhält einige aufschlussreiche Informationen.

Samstag, 4. Februar 2012

Zu den Medienberichten über das Massaker im syrischen Homs

 Massacker in Homs! Mehr als 300 Tote durch Mörserangriff! Die Medien überschlagen sich mit Horrormeldungen aus Syrien.

 Immer wenn Menschen zu Tode kommen, ist das ein Anlass zu Trauer und Mitleid. Aber es ist sicher kein Anlass zu vorschnellen Verurteilungen.  Wenn man allerdings in unsere Medien schaut, stehen die Schuldigen schon fest. Das Regime von Präsident Assad hat angeblich mit Mörsern auf friedliche Bürger geschossen. Und alle, ob Radio, Fernsehen oder Printmedien tuen so als seien sie selbst dabei gewesen und berichteten aus eigener Anschauung. Dabei beruhen alle Berichte auf Berichte der beiden arabischen Sender Al Arabija und al Djasira. Diese wiederum haben ihre Informationen und ihre Bilder, die übrigens ohne jede Aussagekraft sind, wie es blumig heisst, aus Kreisen des syrischen Widerstands, also einer Partei im syrischen Bürgerkrieg.

 Die Meldungen werden von keinem neutralen Beobachter bestätigt. Vor einem ordentlichen Gericht hätten sie keinerlei Beweiskraft, da sie nur auf Hören-Sagen beruhen.

 Es lohnt sich aber auch, sich einmal die Berichterstatter anzusehen und zu hinterfragen ob sie, oder ihre Geldgeber Honig aus solchen Meldungen saugen.

 Da wäre zuerst einmal der syrische Widerstand, ersplittert, ohne Gesicht und zutiefst zerstritten und uneins. Während es moderaten und friedlichen Kräften um eine Demokratisierung und mehr Freiheit für die Menschen in Syrien geht, verfolgen grosse Teile der Opposition ganz andere Ziele.

 Sie wollen einen Systemchange. Sie wollen einen islamistischen, oder zumindest islamischen Staat unter der Scharia. Dabei gehen sie keineswegs mit friedlichen Mitteln vor. Sie werden massiv mit Waffen und Geld von den sunnitisch dominierten Staaten der arabischen Halbinsel unterstützt, denen es schon immer ein Dorn im Auge war, dass das in seiner Mehrheit sunnitische Syrien von einer Führungsschicht beherrscht wird die, um es zu vereinfachen, einer schiitischen Sekte angehört, und die z.B. die Scharia nicht anerkennt, den Alawiten. Da geht es nicht um Freiheit und Demokratie, sondern ganz profan um Macht.

 In diesem Zusammnehang ist der Zeitpunkt dieses Massakers, falls es denn stattgefunden hat, hoch interessant. Am Vorabend der Abstimmung über eine Verurteilung der syrischen Regierung im Weltsicherheitsrat, bei der klar war, dass die Vetomächte Russland und China nicht mitstimmen würden, konnte durch die Berichte über ein Massaker an der Zivilbevölkerung noch einmal Stimmung gemacht werden. Selbst wenn sich an dem Abstimmungsverhalten der beiden Vetomächte nichts ändern sollte, wären sie für alle Zeit vor der gesamten Welt ins Unrecht gesetzt. Das kann sich bei einem späteren militärischen Eingreifen, von wem auch immer, Nato, EU, USA oder arabischer Liga, ohne Zustimmung des Weltsicherheitsrates, immer gut machen.

 Dagegen hatte die syrisch Regierung sehr wenig Interesse, es zu einer Eskalation kommen zu lassen.
 Auch bei den beiden Fernsehsendern aus dem arabischen Raum, Al Arabija und Al Djasira lohnt es sich einmal, etwas genauer hinzusehen. Al Arbija ist ein Nachrichtenkanal aus Dubai Media City in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er gehört zum Medienkonzern MBC, der wiederum saudischen Investoren gehört.

 Al Djasira hat seinen Sitz in Quatar, einem autoritär geführten Scheichtum am Persischen Golf, dessen Führerfamilie dem extrem-islamistischen Wahabismus aus Saudi-Arabien anhängt. Erst vor kurzem hat ein Mitglied der dortigen Herrscherfamilie die Führung des Senders übernommen. Quatar hat sich schon als Kriegstreiber gegen das säkulare Libyen hervorgetan.

 Syrien ist seit vielen Jahren ein enger Verbündeter des schiitischen Iran, von dem sich die durchweg sunnitischen Golfstaaten bedroht fühlen.

 Da die westliche Welt den Iran ebenfalls als Bedrohung ihres Interesses in der Region ansieht, hat die Berichterstattung in unseren Medien ein gewisses Geschmäckle.

Freitag, 3. Februar 2012

Die offenen Hände deutscher Politiker - Nehmen und geben lassen

 Der Vorhang hat sich wieder einmal einen Spalt breit geöffnet und hat uns einen winzigen Einblick in die Welt, in der sich unsere Eliten bewegen gewährt. Einen wunderbaren Blick auf das Geben und Nehmen, auf die Glitzerwelt der Parties und Events, auf die geöffneten Brieftaschen der Einen und die geöffneten Hände der Anderen. Wir konnten sehen wie Realpolitik bestellt, gemacht und geliefert wird.

 Zwei Koofmich's stehen plötzlich verwundert blinzelnd im Rampenlicht, Kurt Beck, SPD und Cem Özdemir, Bündnis 90/Die Grünen.

 Kurt Beck, dieser gemütliche, dicke Onkel aus der Mainzer Staatskanzlei wurde 2008 auf Kosten des Partyveranstalters Manfred Schmidt in einem Privatjet von Berlin nach Hamburg zu einer Party, genannt Arcandor Media Get Together, des Arbeitsplatzvernichters Nummer eins, Thomas Middelhoff,  geflogen. (Kosten laut Süddeutsche 3927 Euro) Die Begründung ist einleuchtend. Man habe dort nicht auf die Teilnahme Becks, der an jenem Tag zu einer Fraktionssitzung der SPD in Berlin weilte, verzichten wollen. Dazu muss man wissen das Beck ein dermassen begnadeter Tänzer ist, dass er, je nach Musikgeschmack, auch die Beinamen John Travolta oder Fred Astaire trägt. Es geht die Sage, er habe seinerzeit den Niederländer Nicco Haak zu dessen Hit "Schmidtchen Schleicher" inspiriert. Auf solch einen Partylöwen kann man natürlich nicht verzichten. Da sind 3927 Euro ein Schnäppchen. Zumal Beck seinen Heimflug, man höre und staune,  sogar selbst gezahlt hat.

 Der zweite, der da ahnungslos und mit Unschuldsmine in das grelle Licht der Öffentlichkeit blinzelt, ist der Wiederholungstäter Cem Özdemir. 2002 musste er sein Bundestagsmandat zurück geben, weil er dienstlich erworbene Bonusmeilen privat genutzt hatte.

Aber auch hier alles eine Verkettung unglücklicher Umstände und keinesfalls so geplant oder, Gott bewahre, gar gewollt. Folgendes hat sich so und nicht anders zugetragen:

 Da der Cem sowieso gerade in Spanien weilte, zur Bespassung der dortigen Grünen, und abends noch nichts vor hatte, beschloss er, sich ein Fußballspiel anzusehen. Zufällig spielte an diesem Abend gerade der FC Barcelona gegen Real Madrid. Ein Klassiker der in jedem Jahr schon Monate vorher ausverkauft ist.

 Das wusste Cem Özdemir natürlich nicht. Er machte sich also auf den Weg zum Stadion. Dort traf er, wieder rein zufällig, den Eventmanager Manfred Schmidt. Der hatte, für den Ernstfall, dass er auf Cem Özdemir oder andere Schnorrer aus der deutschen Politszene treffen sollte, immer ein paar VIP-Karten dabei.

 Man betrachtete das Spiel und auf dem Heimweg gab der Cem dem Manni noch seine Adresse, damit dieser ihm irgend eine Rechnung an seine Adresse in Kreuzberg schicke. Das machte dieser auch und weil so eine Karte ja schliesslich nur ein Stück Papier ist, wenn auch künstlerisch wertvoll gestaltet, hielt er einen Preis von 119 Euro für angebracht. Der Cem schickte dem Manni das Geld und heftete alles sauber ab, damit es seine Ordnung hatte.

 So eine Karte kostet, laut Stern, 615 Euro, wenn man denn überhaupt eine bekommt. Özdemir berichtete treu(doof) der Hauspostille der Grünen, der taz, dass er nicht oft zu Fußballspielen gehe und daher nicht wisse, wie viel so etwas koste. Und um seine Verbundenheit mit dem gemeinen Volk zu dokumentieren, fügte er hinzu: "Das letzte Mal, dass ich einem Fußballspiel beiwohnte (andere gehen Fußball gucken, Herr Özdemir wohnt bei), war im September und das war in der Fankurve des VFB Stuttgart."  Man darf getrost annehmen, dass der Manni grad nicht in Stuttgart war.

Donnerstag, 2. Februar 2012

Auf dem rechten Auge blind

 Der hessische Landtag hob die Immunität der beiden Fraktionsvorsitzenden der Linken, Janine Wissler und Willi van Oyen  mit den Stimmen von CDU und FDP auf. Dabei geht es um die Blockade eines der grössten Neonaziaufmarsches in Dresden am 13. Februar 2010. Der Vorwurf lautet auf "Sprengung einer Versammlung". Bereits aufgehoben ist die Immunität des Vorsitzenden der Linksfraktion im thüringischen Landtag, Bodo Rammelow, und des Vorsitzenden der Linken im sächsischen Landtag, André Hahn, übrigens hier von CDU, FDP und pikanterweise, der NPD.

 Von den über 10.000 Menschen die an dem Protest gegen die braune Pest teilgenommen haben, wird ausschliesslich gegen diese vier prominenten Mitglieder der Linken ermittelt und das nun bald 2 Jahre. Die vier haben sich aber weder als Rädelsführer oder Teilnehmer einer gewalttätigen Demonstration hervorgetan, sondern sie haben wie all die anderen friedlich gegen den Aufmarsch der Neonazis demonstriert.

 Der Verdacht liegt nahe, dass die Dresdner Staatsanwaltschaft hier politisch motiviert ermittelt. Wenn man bedenkt, dass bei einer, äusserst zweifelhaften Verurteilung,  bestenfalls eine geringe Geldstrafe zu erwarten ist, verwundert der gewaltige Ermittlungseifer der Dresdener Staatsanwälte.

 Man scheint dort viel Zeit zu haben. So wurden ein Jahr später, im Februar 2011 anlässlich einer Gegendemonstration gegen einen weiteren Naziaufmarsch sämtliche Handy-Verbindungsdaten im Gebiet der Demonstration gespeichert.

 Es wird immer offensichtlicher, dass es in Deutschland eine grosse Koalition aus Politikern, Staatsschützern, Staatsanwälten und Polizei gibt, die auf dem rechten Auge extrem blind, nicht an der Aufklärung von Straftaten, sondern an der Verfolgung ihrer politischen Ziele interessiert sind. Nur so erklären sich auch die angeblichen Ermittlungspannen gegen die rechtsradikale Zwickauer Terrorzelle.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Gegen renitente Griechen: "Pardon wird nicht gegeben!"

 Volker Kauder, immerhin CDU/CSU-Frakzionsvorsitzender im Bundestag und enger Vertrauter der Kanzlerin sagt, in Griechenland gehe nichts voran und deswegen müsse ein Sparkommissar den Griechen zeigen, wie man so etwas macht. Ich finde das ein wenig übertrieben.

 Klar, es ist schon deprimierend. Nach nunmehr, fast dreijähriger Sparpolitik, unter deutscher Führung, leben die meisten Griechen immer noch in festen Unterkünften und nicht auf der Straße. In Athen sind erst 20.000 Menschen obdachlos, eine erschreckend kleine Zahl, nach drei Jahren. Auch sollen diese Unterkünfte gelegentlich noch beheizt werden. Eine grosse Hoffnung setzt man allerdings bei den Beobachtern vor Ort, auf die, auch auf Griechenland, übergreifende Kältewelle. Das dürfte den, durch den Kauf von Heizmitteln zum Ausdruck gebrachten Widerstand, sehr bald brechen und die Wohnungen in ungemütliche Eiskeller verwandeln.

 Ein weiterer Hoffnungsschimmer am Horizont: Meldet doch Spiegel-online jetzt erstmals, dass Kinder nun endlich, wie schon seit langem erwartet, vor Hunger ohnmächtig, im Unterricht zusammen gebrochen sind.

 Andere Quellen berichten von verzweifelten Eltern, die versuchen, ihre Kinder in SOS-Kinderdörfern unter zu bringen, weil sie sie nicht mehr ernähren können. Allerdings, und das macht dann doch noch ein wenig mehr Hoffnung ist auch die griechische Organisation der SOS-Kinderdörfer finanziell nicht mehr in der Lage zu helfen, weil ihr sämtliche staatliche Unterstützung gestrichen wurde.

 Wenn auch jetzt die renitente griechische Regierung auf schamlose Weise das deutsche Hungerprogramm auf das pervideste zu unterlaufen versucht, indem sie Lebensmittelkarten an die ärmsten der Armen verteilt, muss doch früher oder später mit den ersten Hungertoten zu rechnen sein.

 Sicher in den vierziger Jahren ging das alles viel schneller. Nach der deutschen Besatzung im April/Mai 1941 kam es schon im ersten Winter zu einer respektablen Hungersnot, der 300.000 Griechen zum Opfer fielen. Säuglingssterblichkeit und Tuberkulose waren praktisch Volkskrankheiten. Aber, Herr Kauder, Frau Merkel, dass waren doch auch andere Zeiten. Damals hat man einfach alles was man fand auf Güterzüge verladen und heim ins Reich geschafft.

 Heute sind die Methoden doch etwas subtiler. Schliesslich hat ja selbst die Mafia begriffen, dass man nicht einfach irgendwo hin fährt, dem Geschäftsmann eine Wumme vor die Nase hält, seinen Laden ausräumt und ihn dann umlegt. Heute verdienen die Herrschaften ihr Geld durch Schutzgeld-Erpressung.

 Und ähnlich macht man das heute auch in der grossen Politik. Erst wird ein Angebot unterbreitet, das nicht abgelehnt werden kann (für die Regierung jede Menge herrliches Kriegsspielzeug und für die Bevölkerung die glitzernde Konsumwelt, alles auf Pump, zu kleinen Zinsen), und dann, wenn nicht mehr gezahlt werden kann, fährt man hin und schlägt den schönen Laden kurz und klein.

 Also, Herr Kauder, Frau Merkel, Herr Diekmann von der Bild, ein wenig Geduld, das wird schon. Auf deutsche Gründlichkeit ist Verlass. Und sollten die Griechen sich doch, entgegen allen Annahmen, zäher als erwartet erweisen, dann, ja dann können wir noch immer, wie 1941 einen Kommissar schicken.