Dienstag, 20. Januar 2015

Das schleichende Gift der manipulativen Berichterstattung - Ein Paradebeispiel von Golineh Atai und ARD-Weltspiegel

 Es gibt die grossen Manipulationen der Presse und des Fernsehens, ein Beispiel aus den letzten Tagen, der grosse Zuschauerbetrug von Paris. Eine offensichtlich mit voller Absicht verbreitete Lüge. Eine Lüge, so offensichtlich, dass es schwer fällt sie zu ignorieren. Trotzdem, und das ist ein deutlicher Beleg für den Zustand des Journalismus, werden Kritiker beschimpft als Verschwörungstheoretiker, als Pegida-Anhänger. Sie werden ohne jeden Beweis in die rechte Schmuddelecke gezerrt.

 Ein unerträglicher Corpsgeist lässt die ganze Zunft aufspringen und laut Verrat schreien, anstatt sich sachlich auseinanderzusetzen mit den Fehlleistungen der Kollegen oder Kolleginnen. Ein kaum verdecktes Gemauschel mit der Politik ist in weiten Kreisen des Berufsstandes der kritischen Berichterstattung gewichen. Bis hinein in die Wortwahl reicht das traute Miteinander. Russlandversteher, Putinversteher, Gutmenschtum, Schlagworte und Pauschaldiffamierungen, all jener, die die grosse Verdummung nicht einfach hinnehmen wollen und sich um eine alternative zum seichten Mainstream bemühen.

 Aber es gibt auch die leise, schleichende Manipulation des Lesers oder Zuschauers. Eine Manipulation, die als solche nicht sofort zu erkennen ist, die dadurch, dass sie nicht die grossen Schlagzeilen produziert, sondern eher als Hintergrundberichterstattung daherkommt, gefährlicher ist als der grosse Hammer. Ein schleichendes Gift, dass erst erkannt wird, wenn es seine zerstörerische Arbeit beendet hat, wenn es sich Bahn bricht, wenn plötzlich Tausende auf die Strasse gehen und gegen Ausländer demonstrieren, gegen Überfremdung. Jahrelang haben Politik und Presse über schlecht oder gar nicht integrierte Ausländer berichhtet, haben Emigranten des Sozialbetrugs geziehen, ganze Volksgruppen, wie beispielsweise Cinty und Roma als Betrüger stigmatisiert und nun sind die gleichen Politiker und Journalisten entsetzt über die allmontaglichen Pegida-Demonstrationen.

 Eine, die diese leise, subtile, fast unmerkliche Manipulation, ein Spiel mit der Auswahl der Bilder und deren Kommentierung vortrefflich beherrscht, ist die Moskauer ARD-Korrespondentin Golineh Atai. Böse Zungen könnten behaupten, dass Atai genau aus diesem Grund den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhalten hat. Technisch perfekt stellt sie Berichte her, die bei den Zuschauern eine gewisse Grundstimmung erzeugen, die sie bereit macht für die grosse Keule.

 In der ARD-Sendung Weltspiegel, vom 11.Januar zeigte Atai einmal mehr ihr ganzes Können. Keine lauten Töne, kein Paukenschlag, keine Fanfaren, leise, perfide Manipulatioon der Zuschauer.  Schon die Ankündigung des Beitrags war eine Glanzleistung. Ute Brucker beklagte die festgefahrene Situation der Friedensbemühungen in der Ukraine und kündigte mit den Worten
„Was das für die Menschen auf beiden Seiten bedeutet, hat unsere Korrespondentin Golineh Atai miterlebt“,
 einen Film an, der unvoreingenommen über das Schicksal von Menschen berichten solle, die den Krieg nicht führen sondern unschuldig erleiden müssen. Ein Stück, wie es schien, menschlicher Anteilnahme.



  Golineh Atai stellt uns Dasha Korniienko, eine kleine, zierliche junge Frau mit roten, langen Haaren, und ihren Freund Vilaly vor. Sie erzählt uns eine rührende Geschichte.
 „Auf dem Maidan vor einem Jahr demonstrierte Dasha und lernte Vitaly kennen. Jetzt ist Vitaly an der Front“,
und es klingt ein wenig, als befinde sich die Ukraine in einem Krieg mit einem übermächtigem Gegner, nicht in einem schmutzigen Bürgerkrieg, der von der Führung in Kiew absichtlich herbeigeführt wurde und der zu grossen Teilen von Freiwilligenverbänden aus dem rechtsfaschistischen Spektrum geführt wird.

Atai lässt Dasha selbst zu Wort kommen:
„Wir haben die ganze Ausrüstung für Vitalie gekauft, als er zur Armee wollte. Jetzt haben wir unsere Arbeit erweitert und kümmern uns um das ganze Regiment von ihm.“
Es ist schon eine merkwürdige Armee, in der die Rekruten ihre Ausrüstung selbst kaufen müssen. Aber die Reporterin aus Deutschland hinterfragt nicht. Sie zeigt Dasha in einem Kiewer Café beim gemütlichen Kaffeklatsch. Es macht den Anschein einer deutschen Kirchengemeinde, die für den Weihnachtsbasar bastelt. In einer anheimelnden Atmosphäre bei Kerzenschein werden selbst gebackene Kekse in kleine Tütchen abgefüllt, leere Konservendosen lustig bemalt und und unter Begleitung einer Gitarre fröhlich Lieder gesungen.

Trügerische Idylle: Basteln und singen für den Bruderkrieg  
        Screenshot ARD-Weltspiegel
„Dasha Korniienko singt für ihre Soldaten, für die Ukraine. In einem Café in Kiew hat sie eine Spendenaktion für das Militär organisiert“,
 erklärt Atai. Also doch eher die aus dem zweiten Weltkrieg unter den Nazis bekannte „Winterhilfe“ als kirchlicher Weihnachtsbasar. Es hat schon etwas von der Nazipropaganda des zweiten Weltkrieges, diese Schilderung einer heilen Welt in der Heimat, während ein paar hundert Kilometer weiter östlich die schlimmsten Verbrechen geschehen. Während uns von Ute Brucker angekündigt wird, uns solle über das Leben der Menschen in der Ukraine, von beiden Seiten der Bürgerkriegsfront berichtet werden, führt uns Golineh Atai die treusorgende, die kämpfende Truppe mit Keksen und allerlei Nützlichem und Selbstgebastelten versorgende, Soldatenbraut, als Beispiel für die ukrainische Wirklichkeit vor. Eine unerträgliche Verharmlosung des Krieges.

 Es ist keine Rede davon, dass die Menschen in der Ukraine unter diesem unsinnigsten aller unsinnigen Kriege leidet, dass Renten und dringend benötigte Sozialleistungen gekürzt werden um den Krieg im Osten zu finanzieren, dass die Versorgung mit dem Lebensnotwendigen immer schwieriger wird, dass junge Männer nicht mit Freude in einen Krieg ziehen, bei dem es nichts zu gewinnen gibt, sondern auf alle erdenkliche Art und Weise versuchen, sich vor der drohenden Einberufung zu drücken. Atai zeigt uns eine heile Welt. Sie berichtet über eine winzige Minderheit der Ukrainer die, dazu noch aus äusserst fragwürdigen Gründen, mit Begeisterung in diesen Bürgerkrieg ziehen.

 Die überwiegende Mehrheit der Menschen in der Ukraine ist inzwischen bitter enttäuscht von der Maidanbewegung. Die Menschen haben längst erkannt, dass alles beim Alten geblieben ist, Korruption, Vetternwirtschaft, die Plünderung des Landes durch die ungebrochene Herrschaft der Oligarchen. Das korrupte System ist immer noch das gleiche wie vor der Revolution, nur die Gesichter sind jetzt andere. Die Menschen wollen Frieden und etwas bescheidenen Wohlstand und sie wollen Rechtssicherheit. Inzwischen haben sie aber erkannt, dass die neuen Herrscher nur darauf aus sind, ihre eigenen Taschen zu füllen. Aber diese Menschen kommen bei Atai gar nicht vor. Die berichtet uns lieber weiter von einer merkwürdigen Armee im Krieg und von der aufopfernden Hilfe durch die Heimatfront:
"Fahrt nach Mariupol. Die ganze Nacht war Dasha unterwegs. Sie weiß, ohne die Hilfe der Freiwilligen hätten viele an der Front nichts zu essen, nichts zu trinken, keine warme Kleidung."
Die Szene wechselt. Dasha ist angekommen in einem Feldlager, auf einem, okkupierten Bauernhof nahe Mariupol.
"Wiedersehen mit Vitaly, 23, Geschichtsstudent, ihr alter Maidangefährte. Auspacken, an Bord sind Obst und Weihnachtsplätzchen, Munition und Ausrüstung, ein Ofen, ein Fernseher, Zigaretten und Medikamente. Die 54. Brigade freut sich über den Nachschub."
 Und wieder wird gesungen.

Woman singt, da lass dich nieder,
 böse Menschen kennen keine Lieder.

Ein Mann in militärischer Tarnkleidung hat seine Gitarre ausgepackt und singt beseelt lächelnd, als sei er im Pfadfinderlager und habe gerade die vorgeschriebene "gute Tat" des Tages getan:
"Jedes unserer Herzen ist eine Waffe, singt der Soldat. Dieser Krieg wurde uns aufgezwungen sind sie überzeugt. Solange wir die russische Aggression aufhalten können, bleiben wir hier."
 Fragt man die Beteiligten, so ist jeder Krieg ein aufgezwungener, der Aggressor ist immer der Gegner. Geschickt webt Atai so noch das Märchen von der russischen Aggression in ihren Text ein.
"Ein Teil der Soldaten hat sich im Battalion der rechtsextremen Gruppierung UNSO ausbilden lassen. Auch Vilaly. Das Training bei denen sei viel besser gewesen als woanders."
 Was für merkwürdige Soldaten, die sich von einer rechtsfaschistischen paramilitärischen Organisation ausbilden lassen? Atai scheint kein Problem damit zu haben. Da man die faschistischen Tendenzen in den Reihen der neuen Machthaber in Kiew und ihrer Helfershelfer nicht mehr leugnen kann, wird die rechte Gewalt kleingeredet. Die UNSO ist der militärische Arm der UNA, die sich während der Maidanproteste dem Rechten Sektor anschloss. Sie bekennt sich zum Antisemitismus, ist russophob und zweifelt in zahlreichen Schriften den Holocaust an.

 Während uns die Kamera unter anderem in Grossaufnahme ein Schild an Vitalys Uniform mit der Aufschrift: "Streitkräfte der Ukraine" zeigt, darf Vitaly uns, umkommentiert von Golineh Atai, seine krude Sicht der Welt näher bringen:
"Von meiner Natur aus bin ich Demokrat. Deswegen teile ich bestimmt nicht alle Werte dieser Gruppierung. Aber was mich anzieht, ist ihr Patriotismus, die liebe zur Heimat. Ich wusste, dass diese Organisation an Kriegen gegen Russland teilgenommen hat, und Erfahrung hat im Kampf gegen Russen."
 Worte, die klingen wie die Entschuldigung für die Millionen Opfer des Naziregimes: "Es war schliesslich nicht alles schlecht. Immerhin hat Adolf Hitler die Autobahnen gebaut." Atai hat daran scheinbar nichts auszusetzen.

Dieses Uniformschild in Grossaufnahme soll anscheinend allen, die es lesen können dokumentieren, Vitaly gehört der regulären Armee der Ukraine an. Allerdings ist das Teil nur mittels Klettband auf der Uniform angebracht, also jederzeit austauschbar und im korrupten Kiew wahrscheinlich an jeder Straßenecke käuflich zu erwerben.
Screenshot ARD-Weltspiegel
 Mit der Teilnahme an Kriegen gegen Russland meint Vitaly die Teilnahme der faschistischen Kämpfern als Söldner im Tschetschenienkonflikt, im Krieg um Bergkarabach und in den Auseinandersetzungen um Südossetien und Transnistrien. Die rassistische Gesinnung des hier als strahlenden Held dargestellten Vitaly, dokumentiert auch seine Sprache. So sagt er nicht, im Kampf gegen Russland sondern "im Kampf gegen Russen". Irritierend auch die vielen Männer die vor der Kamera herumwuseln mit Sturmmasken vor dem Gesicht. Zumindest ungewöhnlich für reguläre Soldaten.
"Wir wechseln die Seiten. Ich muss mich von meinem ukrainischen Team verabschieden. Mit ihnen könnte ich nicht auf die andere Seite. Ab jetzt geht es mit einem deutschen Team weiter."
 Man darf fragen, warum Atai bis hierher mit einem ukrainischen Team gedreht hat, wenn doch ein deutsches bereitstand? Sollte es, wie man so schön sagt, bestimmte Vorgaben und Interessen der Machthaber in Kiew gegeben haben?
"Wir fahren auf Eispisten, tief in den Osten, nach Lugansk, nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Kontrollpunkte die wir passieren, zählen wir nicht mehr. Es ist minus 26 Grad."
 Was für ein Unterschied zu dem gemütlichen, von Kerzenschein mild beleuchtetem kleinen Café in Kiew, in dass uns Atai zu Anfang des Beitrages geführt hatte. Aber nicht genug mit den äusseren Widrigkeiten.
"Der Flughafen von Lugansk."
Atai zeigt uns die völlig zerstörte Abflughalle des Flughafens, alles Grau in grau, der Schnee, der Himmel die Ruine, ein trostloses Bild.
"Im September haben die Truppen jener, die hier für ein, wie sie sagen, Neurussland, kämpfen, das gebiet von den ukrainischen Truppen zurückerobert. Minensucher sind unterwegs. Warum ist dieses Gelände noch so wichtig, frage ich einen der hier gekämpft hat?"
 Golineh Atai lässt keinen Zweifel darüber, wes Geistes Kind "die Truppen jener" sind, "die hier für ein, wie sie sagen Neurussland kämpfen". Mit Vitaly Kiselyov, in einer Texteinblendung einfach nur als "Kämpfer" bezeichnet, weckt Atai ganz bewusst Erinnerungen an die alte Sowjetzeit. Der grobschlächtige Mann trägt einen Kampfanzug in Tarnfarben mit einem pelzbesetzten Kragen. Auf dem Kopf eine Schirmmütze aus Leder, an der vorn, unübersehbar, der rote Sowjetstern mit Hammer und Sichel prangt.

 Die Szene wechselt. Die Kamera zeigt völlig zerstörte Wohnhäuser:
"Wir sind in Perwomajsk,eine der am heftigsten beschossenen Städte. Vor dem Krieg lebten über 38.000 Menschen hier. Sie arbeiteten in Minen und Fabriken. Jetzt sind die Hälfte geflohen. Die Einen sagen die ukrainische Armee habe die Stadt bestraft. Die Anderen meinen die Neurussland-Kämpfer hätten sich in Wohngebieten verschanzt. Nicht einmal die zwei Krankenhäuser wurden verschont."
Zerstörtes Krankenhaus (oben) und zerstörtes Wohnhaus, Kriegsverbrechen der ukrainischen Armee, der Nationalgarde und der von Oligarchen finanzierten Söldnertruppen.
Screenshots ARD-Weltspiegel

 Golineh Atai verrät sich durch ihre Sprache. Wenn sie sagt "eine der am heftigsten beschossenen Städte", dann klingt das so, als sei der Beschuss als achte Plage vom Himmel gefallen, als vom lieben Gott geschickt. Atai achtet peinlichst darauf die Verursacher dieser Verwüstungen nicht zu nennen.

 Hier sind ganz offensichtlich Kriegsverbrechen begangen worden. Atais Bericht aber spricht von Bestrafung. Bestraft wird jemand, der etwas unrechtes getan hat. Das Unrecht liegt hier aber unzweideutig bei denjenigen, die mit Artillerie und Bombenabwurf aus Flugzeugen, zivile Ziele angegriffen und zerstört haben. Bei dieser Bestrafung spielt es dann auch schon fast keine Rolle mehr, dass "nicht einmal die zwei Krankenhäuser verschont wurden". Schuld, so will Atai uns einreden, sind sowieso die "Neurussland-Kämpfer", die "sich in Wohngebieten verschanzt" haben.

 Atai lässt nicht nur die Tatsache ausser Acht, dass Städte in der Regel zu einem hohen Prozentsatz aus Wohnhäusern bestehen und dass, ergo, den Verteidigern gar keine andere Möglichkeit bleibt, als sich in Wohnhäusern zu "verschanzen", sondern sie scheint die Genfer Konvention nicht zu kennen, oder sie sieht deren Gültigkeit für "Neurussen" ausser Kraft gesetzt.

 Die Genfer Konvention sagt in ihrem Artikel 48 eindeutig, dass zwischen Zivilpersonen und Kombattanten (Militärpersonen) zu unterscheiden ist und dass sich Kriegshandlungen nur gegen militärische Ziele richten dürfen. Artikel 51 präzisiert: Unterschiedslose Angriffe sind verboten.  Darüber hinaus: Artikel 18 der Genfer Konvention bestimmt: Zivile Krankenhäuser dürfen unter keinen Umständen angegriffen werden.

 Eine Bestrafung durch den Beschuss von Wohnhäusern oder gar Krankenhäusern sind also eindeutig als Kriegsverbrechen zu bewerten. Atai aber will ihre Zuschauer glauben machen: Hier wohnen die Bösen und die ukrainische Armee oder deren Helfershelfer, die nationalistischen bis faschistischen Verbände der Nationalgarde und die Söldnerverbände der Oligarchen hätten mit der Zerstörung von Wohn- und Krankenhäusern nur ein Urteil gegen üble Verbrecher vollstreckt.
 "Die Stadt ist Herrschaftsgebiet der Donkosaken. Ich kann mich nur mit einem Kämpfer fortbewegen, der nicht von meiner Seite weicht".
 Die Kamera zeigt Golineh Atai in Begleitung eines Bewaffneten in weißer Wintertarnung. Sie will uns damit, wieder ohne dass sie es explizit erwähnt, sagen: Eine unabhängige Berichterstattung ist nicht möglich. Ich werde ständig bedroht. Auch hier unterschwellig die Gegenüberstellung: Hatte sich Atai noch auf Kiewer Gebiet von ihrem ukrainischen Fernsehteam geradezu überschwänglich verabschiedet, so hier die latente Bedrohung durch eine fremde unheimliche Macht.

Atai beherrscht natürlich die Psychologie der Bilder. Oben: Der Bewaffnete an ihrer Seite, beide deutlich voneinander getrennt, ernste Gesichter. - Unten die überschwängliche Verabschiedung von Freunden, herzliche Umarmungen, lachende, fröhliche Gesichter. Überdeutlich wer hier Schurke ist und wer die Guten sind.
Screenshots ARD-Weltspiegel
Atai zeigt uns Bilder einer Suppenküche. Ein paar Alte sitzen an einem, mit einer Plastikplane bedeckten Tisch und beugen sich über ihre Suppenschüsseln:
"Kommandant und Stadtherr Jewgenij Ischenko verteilt ein Stück Brot."
Mütterchen Ljubow Paelowna klagt ihr Leid:
"Seit sechs Monaten bekomme ich keine Rente. Deswegen bin ich auf die Suppenküche angewiesen. Bei jedem Wetter muss ich hier hin. Das Essen ist gut".
Der Kommandant geht auf Mütterchen Paelowna zu, auf der linken Seite des Bildes lauert, lässig an die Wand gelehnt der Uniformierte mit der Waffe und dem weissen Tarnanzug:
"Der Kämpfer (Atai sagt zwar der Kämpfer, aber es ist der Stadtkommandant) ermahnt sie, sie solle vor unserer Kamera nicht erzählen, dass auch noch ein ukrainischer Oligarch Hilfe schickt. Die alte Frau entschuldigt sich."
Die Bildsprache der Atai: Das kleine, alte Mütterchen, ausgeliefert der unkontrollierten Gewalt durch den Kämpfer links im Vordergrund und den Kommandant, rechts, der drohend den Zeigefinger erhebt.
Screenshot ARD-Weltspiegel
Auch hier werden die Zuschauer geradezu gezwungen, Vergleiche anzustellen zwischen der freundlichen, gemütlichen Atmosphäre in dem Kiewer Café, mit den fröhlich singenden Menschen im Schein der Kerzen und der kalten unfreundlichen Umgebung der Suppenküche und einer alten, von zwei Militärs eingeschüchterten Frau.

 Was jetzt noch fehlt ist der Nachweis der russischen Beteiligung an dem Bürgerkrieg. Golineh Atai hat sie in Person von Andrej Puschkin gefunden und führt diesen stolz den deutschen Fernsehzuschauern vor:
"Wir treffen ihn in der Nachbarstadt Stachanow. Er sei für Waffen und innere Sicherheit zuständig, sagt er. Puschkin spricht russisch wie ein Russe ohne ukrainischen Akzent. Natürlich sei er nicht hier geboren, erklärt er. Aber dieses Land, das habe sein Großvater von Nazis gesäubert, im zweiten Weltkrieg".
 Und dann lässt Atai Andrej Puschkin auch noch selbst zu Wort kommen:
"Dieses Land hat einfach einen unschätzbaren Wert für mich. Deshalb bin ich hier, deshalb trage ich Waffen. Einen Staat können wir hier nur aufbauen, nachdem wir ganz Neurussland befreit haben".
 Na, wenn das kein Beweis ist für die Aggression Russlands. Da muss Golineh Atai gar nichts mehr sagen. Sie lässt die Worte wirken und besucht einen Luftschutzbunker:
"Solange die Einen für die Ahnen kämpfen, müssen die Anderen hier ausharren, unter der Erde. Grossmütter, ledige Mütter, Kinder in einem Bunker in Perwomajsk". 
 Wer hört sie nicht heraus die feine Ironie?  Und wieder zeigt uns die Kamera den Bewaffneten, dieses Mal in Grossaufnahme. Sogar hier in einem Bunker, in dem verängstigte Menschen Schutz suchen weil andere für ihre Ahnen kämpfen, ist die Überwachung, die Einschüchterung gegenwärtig.

 Wer will nach dieser Beweisführung noch ernsthaft daran zweifeln, dass die Ukraine sich im Donbass nur gegen einen aggressiven, übermächtigen Gegner verteidigt, der vorhat, die ukrainischen Menschen, die sich doch gerade für den Westen und die "europäischen Werte" entschieden hatten, unter seine Knute, unter sein Joch zu zwingen?

 Golineh Atai und dem ARD-Weltspiegel ist hier ein überzeugendes Beispiel für die Manipulation der Fernsehzuschauer gelungen. Unter der Vorgabe, man wolle die Lage der Menschen in der Ukraine, auf beiden Seiten der Bürgerkriegsfront schildern, liefert uns Atai einen Bericht in reinem schwarz-weiß. Ohne auch nur einmal Russland oder gar Präsident Putin zu benennen macht sie mit der Sprache der Bilder klar, wer hier, nach ihrer Meinung, der Aggressor ist und wer diese Aggression erleiden muss. Sie weckt Sympathien und Antipathien, verniedlicht die Schuld der einen Seite und überhöht sie auf der Anderen. Es geht ihr nicht um Fakten, sondern um Gefühle. Es geht ihr nicht um das Rationelle sondern um Emotionen.

Kommentare:

  1. Sehr gute, feinfühlige Analyse dieser 'Lügenpresse', welche genau so zum 'zigsten Mal Völker-u. Kriegshetze betreibt, aber immer noch nicht ANGKLAGT, VERURTEILT & BESTRAFT wurde.

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  2. Ich würde diesen Artikel gern in Google+ übernehmen. Aber leider ist dem Verfasser meiner Lesart nach ein nicht unerheblicher Fehler unterlaufen. Es steht dort: ." Atai achtet peinlichst darauf die Verursacher dieser Verwüstungen zu nennen." Es müsste meiner Auffassung nach heißen: ." Atai achtet peinlichst darauf die Verursacher dieser Verwüstungen nicht zu nennen." Das wäre also die gegenteilige Aussage. Ansonsten eine sehr treffende Analyse über die Macht der Bilder.

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    1. Fehler behoben.
      Vielen Dank für den Hinweis

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  3. Meine Frau stammt aus der Ukraine und fragte wie Russisch mit ukrainischem Akzent wohl klingt? Die Kiewer Putschregierung zahlt Menschen, die im Donbass ausharren, keine Rente, sie müssen sich außerhalb der Oblaste Donezk oder Luhansk ummelden, damit sie ihre zustehende Rent bekommen. Auch Lebensmitteltransporte werden nicht mehr von Seiten der Ukraine in die Volksrepubliken Donezk und Luhansk eingelassen. Mittlerweile besteht die Gefahr, dass der Zugang zu den Volksrepubliken gänzlich abgeriegelt wird.

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    1. Sehr interessant.
      Wenn Sie oder Ihre Frau weitere Informationen haben, setzen Sie sich doch bitte mit mir in Verbindung.
      Meine E-Mail-Adresse finden Sie unter "W.J. Mein Profil vollständig anzeigen" ganz rechts oben auf der Seite.

      MfG.
      W.J.

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    2. Der ukrainische eines Russisch sprechenden Ukrainers ist so minimal, dass er mit Sicherheit nicht von einem Ausländer zu identifizieren ist. So spricht in diesem propagandistischen Machwerk der als "Kämpfer" vorgestellte Vitaly Kiselyov Russisch mit einem leichten Akzent, zu hören anhand der Aussprache des Konsonanten "g". Er sagt z. B. nicht "gatov" (russisch für "bereit"), sondern "hatov". Erstaunlich ist, dass Frau Atai bei ihrer offenbar umfassenden Kenntnis der russischen Sprache und ihrer Dialekte nicht aufgefallen ist, dass der verkappte Demokrat und Maidan-Kämpfer Vitalij vom Anfang des Films seine kruden Ansichten im perfektesten Russisch verbreitet hat. Auch die alte Babuschka und die Frau im Bunker sprachen Russisch ohne Akzent. Wie sind diese wohl einzuordnen? Als Propaganda-Agenten Putins? Als Russen, die freiwillig in die Ukraine gereist sind, um sich dort im Bunker zu verstecken und zu hungern? Ich bin fassungslos, nachdem ich mir dieses neue Machwerk der preisgekrönten Journalistin angesehen habe. Vielen Dank für die asuführliche Analyse!
      Gruß
      Jolka

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    3. Sorry! Im ersten Satz ist mir das Wort "Akzent" abhanden gekommen. Es soll heißen "der ukrainische Akzent".

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  4. Danke für diesen treffenden Artikel über diese Verbrechermedien! Es ist einfach nur noch schändlich! Ich hoffe, dass alle die sich an diesem Völkermord auf die ein oder andere Weise beteiligen, bei Zeiten auch bedacht werden - Namen sind ja größtenteils bekannt!

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  5. Anonym das ist Richtig so ,ich hoffe nur das eines Tages diesen Verbrechern wie diese Atai für den Rest ihres Lebends im Gulag landen

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  6. Goebbels Manipulationstechniken werden, natürlich unter anderen Namen, mit Sicherheit an deutschen Journalistenschulen gelehrt. Beherrschung dieser Techniken sind Voraussetzung für eine Karriere bei deutschen Lügenmedien.

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    1. Goebbels hat sie aus dem Buch Propaganda, 1928, von Edward Bernays, dem New Yorker Neffen Siegmund Freuds gelernt. Bernays war bereits Berater von Woodrow Wilson im ersten Weltkrieg. Es sind uramerikanische Marketingtechniken.

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    2. Danke, für den Hinweis.

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    3. Die russischen Staatsmedien, in denen z. B. behauptet wird, der dekadente Westen wolle das gesunde, starke russische Volk "verschwulen" (was immer das sein mag), sind natürlich ein Hort der objektiven und neutralen Berichterstattung.

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  7. Wenn der annerkannte Ausnahme-Journalist Hanns-Joachim Friedrichs, ein Mann der druckreif gesprochen hat, wüßte, welche "dschornalistischen Lichtgestalten" schon den nach ihm benannten Preis bekommen haben, würde er in seinem Grab rotieren wie ein Flugzeugpropeller kurz vor dem Abheben!

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  8. heute posaunt WDR von einem "Vertrag zwischen Russland und Ukraine", der angeblich in Misk geschlossen worden sei, "schwere Waffen abzuziehen".."Russland und Ukraine einigten sich, schwere waffen abzuziehen" In Minsk war Russland kein Verhandlungspartner, sondern nur Vermiuttler, der Vetrag gilt zw- kiever Junta und Aufständischen. Und abzuziehen sinde deren waffen, nicht die Russlands, die es in Ukraine gar nicht gibt - da Krim russisch ist.

    Atai ist eine transatlantische Propagandaschleuder, peinliches mieses Stück... absolut unglaubwürdig

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  9. Ich hatte diesen Bericht vor ein paar Tagen schon einmal gesehen. Dabei ist mir auch der gravierende Unterschied in G. Atais Berichterstattung aufgefallen. Achtet z. B. mal auf den Tonfall, als sie in den Donbas wechselt, er wird sofort dunkler, ernster, bedrohter.
    Aber noch was Wichtiges ist mir aufgefallen. Atai berichtet aus Pervomaisk. Pervomaisk ist eine kleinere Stadt, die schon seit Monaten nicht mehr im Gebiet Novorussia liegt, sondern im von der Ukrainischen Armee besetzten Gebiet. Atai befand sich also garnicht in Novorussia !!

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    1. Nachtrag:
      Sie berichtet auch von ihrem Besuch in Stakhanov und nennt sie die Nachbarstadt von Pervomaisk.
      Dies ist auch nicht richtig. Stakhanov liegt zwar in neurussischem Gebiet, ist aber ca. 100 km entfernt. Dazwischen liegt nicht nur die Millionenstadt Donetsk, sondern noch viele weitere Orte.
      Abgesehen davon glaube ich auch die Geschichte mit dem angeblichen Freund und Maidan-Gefährten der jungen Frau aus Kiew nicht. Sie gehen wenig vertraulich miteinander um und mir fiel auch auf, dass er einen Ring trägt, sie aber nicht.
      An diesem Bericht scheint mir so einiges, wenn nicht sogar alles, konstruiert.

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