Dienstag, 10. Januar 2017

Warum vier Millionen Menschen in Damaskus kein sauberes Trinkwasser mehr haben.

Das ZDF meldete:
"Syrien: Rebellen legen Verhandlungen auf Eis"
Die ARD-Tagesschau ergriff schon in der Überschrift Partei:
" Krieg in Syrien - Eine Drohung als letzte Rettung?"
Die Zeit berief sich in ihrer Meldung auf die Presseagenturen dpa, afp, rtr, stk:
"Rebellen brechen Gespräche über Friedensverhandlungen ab"
Der berühmt-berüchtigte Christoph Sydow überschrieb seinen Artikel im Spiegel:
"Krieg in Syrien - Kämpfe um Wasserquellen gefährden Friedensgespräche"

 Alles in allem handelte es sich um eine weitere Bankrotterklärung deutschen Qualitätsjournalismus. Ob man sie nun wie Spiegel und ZDF einfach nur "Rebellengruppen" oder wie die ARD "bewaffnete Opposition" oder Die Zeit "moderate Rebellengruppen" nennt, in einem war man sich einig - ein seit Jahren nur noch als Phantom durch die westliche Presse geisterndes Gebilde wurde einmal mehr reaktiviert. Die Freie Syrische Armee, so hieß es, und die ARD präsentierte gar einen angeblichen Sprecher dieser FSA, einen gewissen Osama Abu Zeid, habe erklärt, man lege die Vorbereitung der Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana auf Eis, solange die syrische Regierung den vereinbarten Waffenstillstand immer wieder breche.

 Was war geschehen? Am 29. Dezember hatte die OCHA, die Abteilung der UNO für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten Alarm geschlagen:
"Die Vereinten Nationen sind alarmiert, dass seit dem 22. Dezember vier Millionen Einwohner in Damaskus und Umgebung von der Wasserversorgung abgeschnitten wurden. Zwei primäre Trinkwasserquellen - Wadi Barada und Ain-el-Fijah - die für 70 Prozent der Bevölkerung in und um Damaskus sauberes und sicheres Wasser zur Verfügung stellen, funktionieren nicht, da die Infrastruktur zerstört wurde. Während Regierungswasserbehörden ein Programm der Rationierung und der Wasserverteilung eingeleitet haben, sind die Menschen in Damaskus seit mehr als einer Woche ohne Wasserzugang zu ihren Häusern und müssen Wasser von privaten Wasserverkäufern kaufen, dessen Qualität und Preise keiner Kontrolle unterliegen."
 Das Wadi Barada liegt nordwestlich von Damaskus und wird von regierungsfeindlichen bewaffneten Milizen beherrscht. Die örtlichen Milizen, die das Gebiet schon seit Jahren beherrschen, hatten die Wasserzufuhr für die Millionenstadt im Großen und Ganzen nicht angetastet. Nach dem Fall von Ost-Aleppo hatte es sogar Gespräche mit der Regierung gegeben. Daraufhin übernahm die Dschabhat Fatah al-Scham oder ehemals Al-Nusra, eine Unterorganisation der Al Kaida, die Gewalt über das Gebiet. Beim ZDF und in der Zeit liest sich das dann so:
"Regimegegner hatten im Dezember in Wadi Barada die Kontrolle über Wasserquellen übernommen, durch die mehrere Millionen Bewohner in Damaskus mit Frischwasser versorgt werden",
 und die ARD postuliert:
"Ob die ehemalige Nusra-Front im Barada-Tal präsent ist, ist umstritten." 
Der Spiegel nimmt gar die Erklärung der Kopfabschneider für bare Münze:
"Zunächst hatten im Dezember Regimegegner das Gebiet erobert. (...) Die Aufständischen und mehrere lokale Nichtregierungsorganisationen im Barada-Tal bestreiten jedoch vehement, dass die Dschabhat Fatah al-Scham dort aktiv ist."
 Christoph Sydow findet denn auch die Tatsache, dass 4 Millionen Menschen von sauberem Trinkwasser abgeschnitten sind eher amüsant. So amüsant, dass er mit einem Bonmot aus seinem reichen Wissenschatz zu brillieren versucht:
"Wenn in Syrien von Barada die Rede war, ging es jahrzehntelang meist um Bier. Die beliebte Marke der staatlichen Brauerei hieß so; (…) Wenn heute in Syrien von Barada die Rede ist, geht es um Krieg, das Bier gibt es nicht mehr."
 Am 22. Dezember wurde das Trinkwasser für die Millionenstadt durch die Beimischung von Dieselöl unbrauchbar gemacht. Einen Tag später wurde die Al-Fija-Quelle, eine der Quellen, die den Barada-Fluss speisen zerstört. Das Gebäude, in dem sich das Sammelbecken für das Quellwasser befindet, wurde zum Einsturz gebracht. Wie immer in einem Krieg bezichtigten sich die Kriegsparteien gegenseitig, die Wasserversorgung zerstört zu haben. Es war also zunächst unklar, wer die Halle zum Einsturz gebracht hatte, ausser für Christoph Sydow vom Spiegel. Denn der weiß:
"Mindestens eine Pumpstation wurde durch einen Luftangriff des Assad-Regimes schwer beschädigt."
 allerdings ist er mit diesem "Wissen" nicht ganz allein. Der Möchtegern-Journalist, Julian Röpcke von der Bildzeitung, auch bekannt als Jihad-Julian, der sich monatelang an You-Tube-Filmchen der jihadistischen Kopfabschneider auf seinem Twitter-Account verlustigte, in denen diese zeigten, wie sie mit US-amerikanischen TOW-Raketen Menschen töteten, ist zwar auch nicht vor Ort gewesen als die Halle einbrach, hat aber einen Zeugen. Hadi Al-Abdallah, von Bild als Medienaktivist bezeichnet, und seine Glaubwürdigkeit damit belegt, dass dieser
"1,2 Millionen Follower auf Facebook"
habe:
"war vor Ort und filmte am 27. Dezember die Zerstörung in der Wasser-Anlage. Gegenüber BILD bestätigte er, dass es sich um die Folgen eines Luftangriffs handele."
 Nun war anscheinend auch der Bild-Informant nicht vor Ort, als die Halle einstürzte, behauptet aber mit dem Brustton der Überzeugung, Assads Bomber hätten die Station zerstört. Bild lässt uns anhand von Untertiteln an den Erkenntnissen des Herrn Hadi Al-Abdallah teilhaben:
"Wir sind in der Trinkwasseranlage des Flusses Ain-el-Fijah, die bis zu einem Luftangriff voll Wasser war. Ain-el-Fijah wurde von der Luftwaffe des Assad-Regimes bombadiert. Jetzt bezichtigt Assad die Opposition der Wasserverschmutzung und ignoriert, dass sie diese Anlage seit sechs Jahren kontrolliert und behütet hat. Es bleibt nur wenig Wasser, das von hier aus weiter fließt. Damaskus hat aufgrund des Luftangriffs das größte Wasserproblem seit dem Beginn der Revolution."
 Allerdings ist der Mann kein ganz unbeschriebenes Blatt. Ein Video zeigt ihn bei den Vorbereitungen für die Sprengung des Krankenhauses in Al-Qusair bei Homs am 09. September 2012. Damals hatte die Al-Farouq Brigade von von ihr Entführten einen 20 Meter langen Tunnel graben lassen, bis unter das Krankenhaus. Unter dem Gebäude brachten sie dann ca. eine Tonne Sprengstoff zur Explosion. Bei der Explosion kamen neben Soldaten der Regierung zahlreiche Frauen, Kinder, Ärzte und Pflegepersonal ums Leben und die von ihnen zum graben des Tunnels gezwungen Geiseln.

 Immer wieder taucht Hadi Al-Abdallah auch auf Fotos und Videos auf zusammen mit Abu Sakkar (ab ca. 1:54 Min.: Abu Sakkar ist der Zweite von links mit roten Pulli. Links neben ihm im Vordergrund Hadi Al-Abdallah), den man den Menschenfresser nennt, weil er sich im Mai 2013 dabei filmen ließ, als er einem toten syrischen Soldaten das Herz herausschnitt und ansetzte, es zu verspeisen. (Wer sich das antun möchte: Das Video ist auf You Tube immer noch zu sehen. - Ab Minute1:03)

 Auch mit dem Saudischen Kommandeur der Al-Nusra Sheikh Muhammad Abdallah al-Muhaisny ließ sich Hadi Al-Abdallah immer wieder fotografieren.  Ein weiteres Video zeigt Hadi Al-Abdallah mit dem grausam zugerichteten Leichnam des Hisbollah-Kommandanten Hussein Salah Habib. Der Leichnam des Mannes, der offensichtlich gefoltert wurde, bevor man ihn ermordete, sollte gegen 50 gefangene Terroristen ausgetauscht werden. Hadi Al-Abdallah hält die Erkennungsmarke des Mannes in die Kamera, damit man ihn identifizieren kann.

Fazit: Hadi Al-Abdallah ist kein Journalist, sondern ein mit den Halsabschneidern eng zusammenarbeitender Propagandist, ein Prediger des Terrors. Dass die Bildzeitung diesen Mann als ihren Hauptbelastungszeugen aufruft, diskreditiert niemanden sonst ausser das Sturmgeschütz der Volksverdummung selbst.

Man könnte das ganze Gezeter im Mainstream, die Krokodilstränen über das schwere Schicksal der Menschen in Syrien als einen weiteren Versuch der gekauften Edelfedern, Recherche und seriöse Berichterstattung durch das Verbreiten von Gerüchten und Halbwahrheiten abtun, schliesslich ist wieder einmal die einzigste Informationsquelle jener einschlägig bekannte, vom britischen MI6 und den EU-Institutionen finanzierte Ein-Mann-Betrieb in Coventry nahe London.

 Aber es geht in erster Linie gar nicht darum, dass hier in einem Akt von Kriegsverbrechen 4 Millionen Menschen das lebenswichtige Wasser vorenthalten wird. Es geht um die Fortführung des Krieges in Syrien. Der Westen und seine mit ihm verbündeten und von ihm mit Waffen und Geld versorgten Terrororganisationen haben mit der Einnahme des Ostteils von Aleppo durch die Regierungstruppen Syriens und ihre Verbündeten eine schwere Niederlage erlitten. Nun gilt es, die Kräfte neu zu sammeln und neu zu ordnen, um den Krieg fortzusetzen. Dafür bedarf es ein paar Tage Ruhe.

 Ein paar Tage hatten denn auch die USA, Frankreich und Grossbritannien im Weltsicherheitsrat der UNO Kreide gefressen. Am späten Nachmittag des 16. Dezember traf sich der Sicherheitsrat gar zu einer geheimen Sitzung.  Eine Resolution zur Überwachung der Evakuierung Ostaleppos ging ohne die üblichen Beschimpfungen des "Schlächters Assad" und seiner Verbündeten den "Kriegsverbrechern Russland und Iran" blitzschnell und absolut lautlos über die Bühne, genau wie die Zustimmung zu den Friedensgesprächen zwischen den Kriegsparteien in der kasachischen Hauptstadt Astana.

 Der Hintergrund der von der westlichen Presse totgeschwiegenen Sitzung dürfte die Gefangennahme von mehreren Geheimdienstoffizieren in einem Kommandobunker in Ostaleppo durch Spezialeinsatzkräfte der syrischen Armee gewesen sein, wie das Voltaire Netzwerk berichtete. Auffällig war Tage zuvor das hektische Betreiben der USA und ihrer Verbündeten, einen sofortigen Waffenstillstand in Aleppo zu erreichen, obwohl sich der weitaus grösste Teil der Bevölkerung der östlichen Stadtviertel bereits in Sicherheit befand.

 Der Turnaround scheint gelungen. Schon tönt am 31. Dezember der Sprecher von "Adopt a Revolution", Elias Perabo im Deutschlandfunk:
"Es ist noch nicht zu spät für den Westen, sich einzumischen."
Perabo empfiehlt dazu das Völkerrecht ein wenig zu verbiegen, es umzuleiten wie das Wasser aus dem Baradatal:
"Da ist auch Deutschland in der Pflicht, zu sagen, wir müssen den blockierten UN-Sicherheitsrat, den es gegeben hat, den müssen wir umgehen. "
 Wessen Geschäft Perabo da betreibt dürfte all jenen klar werden, die sich einen anderen Text durchlesen, den die Organisation am 2. Januar herausgab. Unter der Überschrift:
"Faktencheck: Ist in Syrien Krieg wegen einer Pipeline",
versuchte "Adopt a Revolution" die USA und besonders Präsident Barak Obama von jeglicher Schuld am Syrienkrieg reinzuwaschen:
"Und es gibt noch viele weitere Aspekte, die der Theorie vom Pipelinekrieg widersprechen. So rief US-Präsident Barack Obama jene Teile des US-Außenministeriums, die auf ein stärkeres Engagement in Syrien zugunsten der Rebellen drängten (wie die bis 2013 amtierende Außenministerin Hillary Clinton), explizit zurück."
In altbekannter absolut postfaktischer Argumentation geht es dann weiter:
"Als Assads Popularität 2013 weltweit am Tiefpunkt angelangt war – nach dem Giftgasangriff von Ghouta und noch bevor ihn das Erstarken des „Islamischen Staates“ und Russlands Propaganda als angeblich „kleineres Übel“ erscheinen ließen  –, entschied sich die US-Regierung gegen militärische Angriffe auf Ziele des Assad-Regimes, obwohl die zuvor ausgegebene „rote Linie“ mit dem Giftgasangriff auf Ghouta überschritten war."
 Nun ist zwar bekannt, dass keine der angestellten Untersuchungen, den Giftgasangriff auf Ghouta der Regierung Assad zuordnen kann, ja dass im Gegenteil höchstwahrscheinlich Terroristen das Giftgas abgefeuert hatten.  Belegbare Tatsachen aber interessieren weder Deutschlandfunk noch "Adopot a Revolution". Durch häufiges Wiederholen immer der gleichen Lügen gehen diese schliesslich und endlich in die Annalen als Wahrheit ein.

 Das Massachusetts Institute of Technology veröffentlichte am 14. Januar 2014 seinen Bericht:
"Possible Implications of Faulty US Technical Intelligence in the Damascus Nerve Agent Attack of August 21, 2013",
in dem es explezit heißt:
"Die chemische Munitions mit Nervengas, die am 21. August n Damaskus verwendet wurde, hat eine Reichweite von etwa 2 Kilometern.
Die  Bewertung der Reichweite der chemischen Munition durch die unabhängige UN -Kommission stimmt genau mit unseren Ergebnissen überein.
Dies zeigt, dass es nicht möglich war mit dieser Munition Ost Ghouta vom "Herzen" oder vom östlichen Rand des durch die syrische Regierung kontrollierten Gebietes zu erreichen, so wie es die Karte des Geimdienstes zeigt, die vom Weißen Haus am 30. August 2013 herausgegeben wurde."
 Es war also bei weitem keine, von Obama in grober Überschätzung seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten, gezogenen "roten Linie" überschritten worden. Zudem tappte US-Aussenminister Kerry in eine selbst gestellte Falle. Die US-Regierung könne von einem Angriff auf Syrien absehen, wenn alle Chemischen Waffen ausgeliefert würden, sagte Kerry in der Hoffnung Syrien würde darauf nicht eingehen. So könnten die USA fröhlich drauflosbomben und Syrien obendrein noch die Verantwortung dafür zuschieben, so wie man es im Falle des Kosovokrieges bereits mit Serbien erfolgreich gemacht hatte. Syrien aber willigte auf Druck Russlands ein - der Kriegsgrund war perdu.

 Dieser lasche Umgang mit der Wahrheit macht die wahre Gesinnung des Vereins "Adopt a Revolution" deutlich, der laut Deutschlandfunk ausschliesslich
"zivilgesellschaftliche, gewaltfreie Projekte"
fördert. So stellt "Adopt a Revolution" denn auch bedauernd fest:
"Hätte die US-Regierung den Sturz des maroden Assad-Regimes mit ganzer Entschlossenheit gewollt, hätte sie ihn aller Voraussicht nach in überschaubarer Zeit auch erreicht",
ein wahrlich"zivilgesellschaftlich, gewaltfreies Projekt".
 
 So wären wir wieder bei der Frage, worum es wirklich geht bei der Wehklage der Medien über den brüchigen Waffenstillstand und die Menschen in Damaskus, die bereits seit über zwei Wochen ohne Trinkwasser auskommen müssen?

 Der einzig wahre Grund besteht darin, den seit fast sechs Jahren andauernden und immer wieder mit perfiden Tricks und Täuschungen der Weltöffentlichkeit am Leben gehaltenen Krieg unter dem falschen Deckmäntelchen des Schutzes der  Menschenrechte, weiterführen zu können. Solange in Syrien Krieg geführt wird, ist die gesamte Region geschwächt und destabilisiert. Ob die Türkei, Saudi-Arabien, Quatar, der Iran, der Irak oder die Anrainerstaaten Libanon und Jordanien, sie alle werden durch den Konflikt nachhaltig geschädigt und fallen für die nächste Zeit als regionale Machtfaktoren aus, zum Wohl und Frommen Israels.

 Ein schöner Nebeneffekt ergibt sich für die Rüstungsindustrien der USA, Frankreichs, Grossbritanniens und Deutschlands: Der stetige Waffen- und Munitionsbedarf der Terrororisten. So fanden russische Einheiten des Kampfmittelräumdienstes - von westlichen Medien mit keinem Wort erwähnt, in Ostaleppo Unmengen von Munition und Waffen aus den USA, der EU und Israel.
 


Mittwoch, 14. Dezember 2016

Hoch lebe der Konjunktiv!

Wikileaks:
"Da Aussagen im Konjunktiv häufig in den Bereich des Möglichen fallen, wird er auch als Möglichkeitsform bezeichnet."
 Die deutschen Qualitätsjournalisten haben ein fest gefügtes Weltbild. Dem haben sich die Weltenläufte unterzuordnen, so ihre Diktion. Weil sich aber nun einmal die Weltgeschehnisse nur sehr selten den Wünschen und Glaubensbekenntnissen der Journaille unterordnen, gibt es selten Nachrichten, die diesem Weltbild entsprechen. Was also tun, wenn die Fakten anders sind, als man sie gern hätte?

 Da hilft die deutsche Sprache den Welterklärern aus der Patsche. Der Konjunktiv ist die Rettung des Mainstream. Ganz einfach, man berichtet nicht mehr darüber, was ist, sondern darüber, was sein könnte.

 Mittlerweile gibt es auf der ganzen Welt Organisationen, die sich darauf spezialisiert haben, den Journalisten das zu liefern, was sie so dringend benötigen. In der Berichterstattung über den Krieg in Syrien hilft der versammelten Berichterstatter-Elite, die keine Ahnung hat von dem, was sich dort wirklich ereignet, die sich aber gleichzeitig scheut, selbst vor Ort zu recherchieren, das - vom Geheimdienst ihrer majestät betriebene - Ein-Mann-Unternehmen "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" aus der Bredouille. Quasi der institutionalisierte Konjunktiv.

 Die Tagesschau hat sich extra einen Textbaustein gebastelt, den sie auf ihren Seiten immer dann, wenn von dem Herrn aus London die Rede ist, in den Text einblendet:

 Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte 

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Auch der Spiegel pflegt da so seine Rituale. Auf Spiegel online heisst es immer dann pauschal, wenn Suleiman aus London tote Söldner zu ermordeten Frauen und Kindern mutieren lässt:
Die Beobachtungsstelle, die den bewaffneten Rebellen nahesteht, beruft sich auf zahlreiche Informanten in Syrien. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen, sie haben sich aber meist als richtig erwiesen.
 Was man uns damit sagen will, entspricht in etwa dem Wortlaut: Wir wissen nicht was passiert ist, wir wissen nicht einmal, ob überhaupt etwas passiert ist, aber wir berichten schon mal darüber.

 Ein Meister des Konjunktiv ist der stellvertretende Chefredakteur des Stern, Thomas Ammann. Schon in der Unterzeile seines Berichts:
"Trump, Putin und die Cyberkrieger",
wendet Ammann den kleinen Trick nach dem bekannten Motto aus der Swinger-Szene"Alles kann nichts muss" an:
"Beim Krieg im Netz könnten neue, unheilige Allianzen entstehen".
Das hat zwar die Aussagekraft eines Fragezeichens, aber im Zusammenhang mit der Verbindung Trump - Putin rutscht dem mainstreamgläubigem Sternleser schon zu einem so frühen Zeitpunkt des Artikels das berühmte Herz in die Hose.

 Der zweite Konjunktiv lässt nicht lange auf sich warten. Ammann schiebt ihn gleich im ersten Satz seines Elaborats hinterher:
"Da scheinen sich wohl die Richtigen gefunden zu haben: Donald Trump hält seinen künftigen Präsidenten-Kollegen Wladimir Putin für einen ‚starken Führer‘".
 Fällt dem Autor auf, dass er die Möglichkeitsform, wie der Konjunktiv auch, und meiner Meinung nach viel treffender, bezeichnet wird, zu häufig gebraucht, und der Text dadurch zu eintönig wird, greift er zu einer List und weckt den langsam dahindämmernden Leser durch die Floskel "allem Anschein nach" oder "es hat den Anschein" wieder auf.

So auch Ammann, der Meister des Konjunktivs:
"Was der russische Präsident wiederum über Trump denkt, ist nicht so ganz klar, aber allem Anschein nach hat er im US-Wahlkampf mit ganz besonderen Mitteln versucht, dem Bewerber Trump zum Sieg zu verhelfen – oder wenigstens ein bisschen dazu beizutragen."
 Ein Satz wie aus dem Lehrbuch. Welcher übrigens erst den zweiten Satz des Artikels darstellt. Zu wahrer Virtuosität aber läuft Ammann im dritten Satz auf:
"Irgendwie scheinen sich die beiden Weltmachtführer erschreckend gut zu verstehen - vielleicht der Beginn einer wunder- bzw. furchtbaren Freundschaft?"
 Dreimal in einem einzigen kleinen Satz lässt der Autor seinen Vermutungen freien Lauf. Zunächst scheinen sich die beiden Weltmachtführer gut zu verstehen und dann ist es lediglich vielleicht der Beginn einer wunder- bzw. furchtbaren Freundschaft. Das Ganze toppt der Autor noch mit einem Fragezeichen am Ende des Satzes. Diese wunderbare Komposition ist mit dem Satz "Nichts genaues weiss man nicht", nur sehr, sehr unzureichend und unvollkommen umschrieben.

 Aber wenn man schon nichts weiss, dann soll man, um wenigstens für die Dümmsten der Dummen glaubwürdig zu bleiben, einen Beweis anführen für etwas, das möglichst mit dem zuvor Vermuteten in absolut keinem kausalen Zusammenhang steht. Ammann hat auch diesen Trick geradezu perfekt drauf:
"Wie zum Beweis hört man gerade aus dem Kreml, dass die russische Führung höchst erfreut über den möglichen nächsten US-Außenminister ist: Roy Tillerson, derzeit noch Chef des US-Ölmultis Exxon, der mit den Russen bisher schon glänzende Geschäfte gemacht hat und mit dem Freundschaftsorden des Kreml ausgezeichnet wurde."
 Natürlich, die besonders Pfiffigen werden es schon bemerkt haben, kommt Ammann auch hier nicht ohne Mutmaßungen und Vermutungen aus. Hört man etwas, so ist das im Journalisten-Kauderwelsch ein sicheres Zeichen dafür, dass man eben nichts gehört hat, jedenfalls nichts aktenverwertbares und schon gar nicht zum möglichen US-Aussenminister.

 Auch die gute alte CIA ist nicht mehr das, was sie dereinst einmal war. Hiess es früher sehr bestimmt: "Der Irak ist im Besitz von chemischen und biologischen Waffen", so etwa Aussenminister Colin Powell, mit Hinweisen auf Erkenntnisse der CIA vor dem Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen:
"...das Ergebnis sich verdichtender Geheimdienstinformationen zu biologischen Waffen im Irak, ist die Existenz mobiler Produktionsanlagen zur Herstellung biologischer Gifte",
so kommen die Schlapphüte heute bei Ammann wachsweich daher:
"Der US-Auslandsgeheimdienst CIA scheint sich inzwischen sicher zu sein, dass russische Cyberkrieger massiv in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingegriffen..."
 Aber wie vage sich auch immer die CIA äussert, wie fraglich auch der Angriff der "russischen Cyberkrieger" sein mag, so muss er doch stattgefunden haben, hat er doch einen Erfolg gezeitigt:
"Wie die Präsidentschaftswahl ausging, ist ja inzwischen bekannt",
ganz bestimmt und ganz sicher ist das so. Kommt Ammann doch gänzlich ohne die sonst übliche Möglichkeitsform aus. So sicher etwa wie "die Existenz mobiler Produktionsanlagen zur Herstellung biologischer Gifte" 2003 im Irak.

Wie gross diese scheinbare Sicherheit der CIA ist, davon berichtet Ammann gleich im nächsten Satz:
"So wird der russische Geheimdienst FSB gleich zweier Angriffe auf die Parteizentrale der Demokraten während des Wahlkampfs verdächtigt - jener Partei, der Trumps Rivalin Hillary Clinton angehört." 
Nichts weiter als ein Verdacht? Nun sind die Dunkelmänner aller Geheimdienste dieser Welt nicht dafür bekannt, dass sie immer und überall irgendjemanden in Verdacht haben? Bei der CIA kommt noch erhärtend dazu, dass sie grundsätzlich Russland in Verdacht hat, für was auch immer. Ein Satz mit einem Nachrichtenwert, der stark gegen Null tendiert.

 Ganz klassisch mit dem Konjunktiv von hat, "soll - haben", kommt uns Amann im nächsten Satz:
"Und der Militärgeheimdienst GRU soll den privaten E-Mail-Account von John Podesta, Clintons Wahlkampfchef, gehackt und Tausende von Mails an Wikileaks weitergeleitet haben, die dort auch prompt veröffentlicht wurden."
 Wie zum Beweis meiner obigen These, dass alle Geheimdienste dieser Welt dafür bekannt sind, dass sie immer und überall irgendjemanden in Verdacht haben, kommen nun auch noch die deutschen Geheimen daher und haben einen Verdacht:
"Als Angreifer auf das höchste deutsche Verfassungsorgan (gemeint ist der Deutsche Bundestag) hatten und haben deutsche Sicherheitsexperten die russischen Staatshacker in Verdacht..."
der für Ammann in der Mutter aller deutschen Ängste und in der Möglichkeiten gipfelt:
"...und wenn das so wäre, dann stünden die Russen 70 Jahre nach Kriegsende wieder an der Spree..."
anders allerdings als 1945, als die slawischen Horden, also der Iwan, die seit 1939 in Europa und darüber hinaus in Afrika tapfer ihre Heimat verteidigenden deutschen Soldaten, unter ihnen die heldenhafte SS-Leibstandarte Adolf Hitler bis in die deutsche Hauptstadt Berlin und darüber hinaus zurückdrängten und dem glorreichen Deutschen Reich ein Ende setzten,
"...diesmal aber nicht mit Panzern und Kanonen, sondern mit Computerviren und Trojanischen Pferden."
 Es ist schon ein Kreuz mit dem Russen.

Genaues weiss man allerdings auch dieses Mal leider nicht:
"Die Angreifer dürften sich mit Administratorenrechten den Zugang zum System und damit zur gesamten Kommunikation des Parlaments verschafft haben."
Ebenso fraglich wie das "wie" ist dann auch das "was". Auf die Frage, was die Hacker ausspioniert hatten, bedient uns Ammann wieder nur mit Vermutungen:
"Sie hatten wohl Zugriff auf beliebige Systeme des Bundestages sowie auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestags-Mitarbeiter."
 Ammann versucht sich als Kremlastrologe, wozu er allerdings ebensowenig zu taugen scheint, wie  als Geheimdienstinsider. Ist bei ihm doch alles wie in einer Show David Copperfields - nichts ist real, alles scheint nur irgendwie:
"Das russische Prinzip, so scheint es, heißt Verunsicherung und Destabilisierung durch Cyberattacken. Und Kreml-Chef Putin scheint daran seine klammheimliche Freude zu haben."
Während Ammann also durch den Kreml irrlichtert und ein neues Prinzip entdeckt zu haben glaubt, das sicher in einer späteren Zeit nach ihm benannte Ammannsche Prinzip der Scheinbarkeit: Das russische Prinzip, so scheint es ....Kreml-Chef Putin scheint daran..., kann er ein leichtes Bedauern darüber nicht verbergen:
"dass der Mann, der dem US-Spionagedienst NSA den Super-GAU seiner gesamten Geschichte beschert hat, auf absehbare Zeit noch in Moskau Asyl genießt",
nämlich Edward Snowden, nicht in den auf Gewinn maximierten US-amerkanischen Privatgefängnissen bis ans Ende seiner Tage verfault. 
"Man vermutet, dass die staatlichen Hacker vom Geheimdienst FSO gesteuert werden, der aus dem sowjetischen KGB hervorgegangen ist."
 Weiter ins Ungewisse ins Ungefähre kann man wohl nicht abdriften. Wer ist man? Das Wort ist ein Pronomen, wie der Name schon sagt, ein Wort, dass "pro Nomen" oder "für Namen" steht. Die deutsche Bezeichnung lautet denn auch "Fürwort". Für welchen oder welche Namen steht aber das Wörtchen "man" im Text Ammanns? Und warum vermuten oder vermutet die Personen oder die Person, für die das Pronomen steht nur? Weiß sie oder wissen sie etwa gar nichts? Man muss wohl, um mit Ammann zu sprechen, letzteres vermuten.

Der britische "Guardian" berichtet dagegen ohne jede Mutmassung:
"Ein Offizieller, der von der Washington Post zitiert wurde, räumte ein, dass die Geheimdiemste keinen spezifischen Beweis dafür hätten, das der Kreml die Hacker leitet",
und der ehemalige britische Botschafter und Kenner der Szene, Craig Murray nannte die CIA-Behauptungen "Bullshit". Im gleichen Artikel des "Guardian" sagt er in Bezug auf die durchgesickerten Dokumente vom Server Clintons und Podestas:
"Ich weiß wer sie geleakt hat. Ich traf die Person die sie geleakt hat, und sie ist bestimmt nicht russisch. Es ist ein Insider."
Die Mails seien im übrigen gar nicht gehackt, sondern geleakt worden.

 Ob geleakt oder gehackt, Ammann ist das wurscht. Würde er sich mit solchem Kleinkram abgeben, dann könnte er ja gleich anfangen zu recherchieren. Und es gehört schliesslich zu einer der ersten Grundlagen journalistischen Schaffens, dass Recherche die besten Storys zerstört.

Ammann kehrt lieber wieder zu seinem so heiß geliebten Konjunktiv zurück:
"In der Stadt Woronesch, fünfhundert Kilometer südlich von Moskau, soll der Dienst die möglicherweise größte Hackerschule der Welt betreiben, ein Ausbildungszentrum für Cyberkrieger."
"Soll möglicherweise betreiben", eine sprachliche Meisterleistug geradezu, wenn auch im Sinne des journalistischen Auftrags, die Menschen über Fakten zu informieren, geradezu ein Supergau.

Ammann aber träumt sich weiter hinein in eine Welt dunkelster russischer Machenschaften, denen der Westen schutzlos ausgeliefert ist:
"Die Analysen einiger mysteriöser Internetattacken im östlichen Europa lassen erahnen, was passieren könnte, wenn das russische Militär und die Geheimdienste zu einem Großangriff im virtuellen Raum ansetzen."
 Eine böse Zukunft, die uns allen da dräut. Ausnahmsweise versucht er es einmal mit Fakten:
"So wurden 2007 in Estland die wichtigsten Server mit Zugriffsanforderungen überflutet und damit lahmgelegt",
und:
"Den bislang erbittertsten Internet-Krieg lieferten sich Hacker aus Russland mit der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien."
 Leider stellt sich sehr bald heraus, dass Ammann kein Mann der Fakten ist. Beide Ereignisse, dass wurde zwischenzeitlich herausgefunden, können nicht der russischen Regierung angelastet werden. Zu dem angeblich russischen Angriff auf Estland 2007 schreibt beispielsweise "heise online":
"Nach und nach stellte sich heraus, dass die Angriffe von weltweiten Bot-Netzen ausgegangen waren. Für eine Beteiligung der russischen Regierung gab es schließlich doch keine Hinweise, die Täter und ihre Absichten sind noch immer nicht bekannt. Abgesehen von den mehr oder weniger starken DDoS-Angriffen, die teils über mehrere Stunden stattfanden, gab es keine Versuche, in Computer einzudringen oder Gelder zu erpressen. Die von der estnischen Regierung aus politischen Motiven aufgebauschte Bedrohung, die auch in den Medien ein weltweites Echo fand, fällt damit weitgehend in sich zusammen",
und kann es sich nicht verkneifen noch hinzuzufügen:
"Auch die dem US-Heimatministerium unterstellte Abteilung U.S.-CERT, zuständig für die Internetsicherheit, geht mittlerweile davon aus, dass russische Behörden oder andere staatlichen Akteure nicht beteiligt waren. Dafür seien die Angriffe auch zu primitiv gewesen."
Zu der Attacke auf Georgien ein Zitat aus dem Spiegel, dem nun wirklich keine Russophilie nachgesagt werden kann:
"Für eine offizielle Urheberschaft der russischen Regierung gebe es allerdings "keinen stichhaltigen Beweis", heißt es in einer Nato-Bewertung."
 Sollten nicht russische Experten für Gehirnwäsche Einzug gehalten haben im Nato-Hauptquatier, so muss aufgrund dieser"Nato-Bewertung" wohl oder übel angenommen werden, dass der russische Cyberkrieg hauptsächlich in der Phantasie des Herrn Ammann stattfindet. Aber der hat ja auch nie behauptet, dass er hier über Fakten berichtet.

Ein Artikel in einer der grössten Printpublikationen Deutschland, der gänzlich ohne Fakten auskommt. Dazu passt der letzte Satz des Thomas Ammann, der wie eine Drohung für die Zukunft klingt:
"Das passt zu Donald Trump, dem ersten Präsidenten des postfaktischen Zeitalters."

Montag, 12. Dezember 2016

Matthäus 23: Weh euch ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler!

 Es scheint nun endlich zusammenzuwachsen, was schon seit langem zusammengehört - Schwarz und Grün. Die Altkonservativen von der CDU/CSU und ihr zeitweise in einem als spätpubertäre Trotzreaktion auf die Elterngeneration zu verstehenden Ausflug in das linke, antiautoritäre Lager abgedrifteter Nachwuchs, liegen sich endlich wieder in den Armen. Der kleinbürgerliche Mief, der vielleicht nicht ursächlich, aber durch seinen unreflektierten Kadavergehorsam und der in diesen Kreisen weitverbreiteten Stammtischmentalität innewohnenden, sich selbst hochschaukelnden Kritiklosigkeit gegenüber  Autoritäten oder vermeintlichen Autoritäten half, zwei grosse und unzählbar viele kleinere Kriege loszutreten, feiert fröhliche Urständ.

Waren es im letzten Jahrhundert nationale Parolen, die die Menschen gegeneinander aufhetzten, so tragen die jetzigen Kriegsherren den Schild der Menschenrechte wie eine Monstranz vor sich her. Wurden in den zwei Weltkriegen immer die Gegner als diejenigen bezeichnet, die die nationale Integrität bedrohten, deren Handeln man nur durch eigene Aggressivität entgegentreten konnte, so wird heute ausschliesslich der Gegenseite die Missachtung der Menschenrechte vorgeworfen, gegen die man mit Krieg und Vernichtung angehen muss. Dabei wird gern übersehen, dass die größte Missachtung der Menschenrechte der Krieg selbst ist.

Ausdruck findet dieses neue Bündnis zwischen Schwarz und Grün im Zeichen des postkolonialen Imperialismus in der Online-Petition:
"Syrien: Gegen das Wegschauen, gegen das Schweigen!"
 Gerichtet ist die Petition auf dem Portal "change.org" an den "Europäischen Rat". Initiatoren der Petition sind die zwei Mitglieder des Deutschen Bundestags, Franziska Brantner von Bündnis 90/Die Grünen und Norbert Röttgen aus der Fraktion der CDU/CSU. Vorausgegangen war in den letzten gut 20 Jahren, seit der Übernahme der DDR durch die Bundesrepublik, ein krasser Paradigmenwechsel der deutschen Politik  - vom friedlichen Neben- und Miteinander der Völker und Nationen hin zum aggressiven "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!"

 Galt nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges die Einsicht, die staatliche Integrität sei unverletzlich und ein Angriffskrieg das schlimmste Verbrechen gegen das Völkerrecht, so griff durch den immer stärker ins Spiel gebrachten Begriff der Humanitären Intervention, besonders durch Staaten des Westens, eine Legitimation der Gewalt gegen Staaten, die die Menschenrechte nicht achten oder vermeintlich nicht achten, immer größeren Raum. Allerdings ist die sogenannte "Humanitäre Intervention" bis heute kein Bestandteil der "Charta der Vereinten Nationen". Wie sehr dabei das Instrument der "Humanitären Intervention" als ein Instrument des Kolonialismus gesehen wird zeigt die Tatsache, dass 134 Länder des Südens, die sogenannte "Gruppe der 77", und somit der überwiegende Teil der Menschheit, humanitäre Interventionen nicht als Rechtferigung für kriegerische Handlungen anerkennt.

 Lediglich die "Verantwortung zum Schutz" vor schweren Menschenrechtsverletzungen und Brüchen des humanitären Völkerrechts, international mit "Responsibility to Protect" bezeichnet, ist Konsens unter den Mitgliedern der Vereinten Nationen. Allerdings unterliegen Handlungen nach dem Prinzip der "Responsibility to Protect" eng eingegrenzternVoraussetzungen. Nur Völkermord, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen berechtigen die Staatengemeinschaft dazu, einzugreifen. Allerdings sind auch hier noch einmal hohe Hürden eingebaut. Wikipedia beschreibt die Vorgehensweise etwas umständlich, aber durchaus zutreffend so:
"Die Schutzverantwortung trifft zunächst den Einzelstaat und beschreibt seine Pflicht, das Wohlergehen der ihm kraft seiner Personal- oder Gebietshoheit unterstellten Bürger zu gewährleisten. Bei der Wahrnehmung dieser Verantwortung wird er von der internationalen Staatengemeinschaft unterstützt, der eine subsidiäre Schutzverantwortung zukommt. Ist jedoch die politische Führung des jeweiligen Staates nicht fähig oder willens, die Bürger vor schweren Menschenrechtsverletzungen zu schützen, darf die internationale Staatengemeinschaft, vornehmlich die Vereinten Nationen, zum Schutz der bedrohten Bevölkerung eingreifen. Dazu stehen ihr nach Maßgabe der Charta der Vereinten Nationen zivile und militärische Mittel zur Verfügung, über deren Einsatz der Sicherheitsrat entscheidet."
 Aber selbst bei Zutreffen aller dieser Voraussetzungen ist eine kriegerische Handlung nur als letztes Mittel der Weltgemeinschaft zu verstehen. Zuvor müssen alle friedlichen Mittel ausgeschöpft werden. Hierzu zählen politische, wirtschaftliche oder militärische Sanktionen unterhalb der Schwelle der militärischen Intervention.

 Brantner und Röttgen schwingen sich trotz und entgegen dieser klar definierten Regeln internationalen Rechts zu Anklägern und Richtern in einer Person auf. Sie sind parteiisch und urteilen einseitig, pauschal und ohne fundierte Kenntnisse der wahren Umstände:
"In unserer Arbeit im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages beschäftigen wir uns täglich mit der entsetzlichen Lage in Syrien. Die vom Assad-Regime und seinem russischen Verbündeten begangenen Gräueltaten dürfen nicht länger folgenlos bleiben."
  Brantner und Röttgen sprechen von Gräueltaten des "Assad-Regimes und seines russischen Verbündeten" ohne auch nur eine einzige dieser "Gräueltaten" zu belegen. Des weiteren klammern sie mögliche Verletzungen der Menschenrechte durch die islamistischen Söldner vollkommen aus. Sie sehen also die Verbrechen nur auf einer Seite - eine Ansicht, die keiner seriösen Untersuchung standhält und die bereits, unter anderem, von UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien anlässlich seines Berichts über die Lage in Syrien am 21. November vor dem UN-Sicherheitsrat widerlegt wurde. Trotzdem fordern sie:
"Wir appellieren daher an den Europäischen Rat, endlich zu handeln und Sanktionen gegen die Verantwortlichen zu verhängen."
 Wie grenzenlos ignorant sich die Beiden verhalten, zeigt schon die Wahl des Adressaten. Der Europarat ist laut den UN gar nicht dazu berechtigt, Sanktionen auszusprechen. Das unterliegt einzig und allein dem Weltsicherheitsrat. Brantner und Röttgen scheren sich nicht um internationales Recht. Sie bemühen in ihrer vorgetäuschten Entrüstung einzig und allein das Recht des Stärkeren.

 Aber sie bemühen nicht nur das Recht des Stärkeren, sie versuchen auch, mit halbwahren und unrichtigen Behauprungen die öffentliche Meinung zu manipulieren und damit eine Stimmung zu schaffen, in der eine weitere Eskalation der Gewalt denkbar wird. So zitieren sie die unwahre Behauptung des UN-Sondergesandten für Syrien, Staffan de Mistura:
"Sollte das massive Bombardement weitergehen, werde es zu Weihnachten kein Ost-Aleppo mehr geben".
 Mistura insistiert, dass mit der Einnahme des Ostteils Aleppos durch die Syrische Armee dieser Teil der Stadt aufhören würde zu existieren. Das ist aber keineswegs der Fall, wie neuere Berichte zeigen, nach denen die Menschen, die aus dem Ostteil der Stadt geflohen waren bereits jetzt, nach der Vertreibung der Terroristen, wieder in ihre alten Quartiere zurückkehren. Es ist ein Märchen der westlichen Propaganda, dass Aleppo im Jahr 2012 von der eigenen Bevölkerung durch einen Aufstand gegen die Regierung Assad übernommen wurde, vielmehr wurde es durch militärische Verbände, die hauptsächlich aus Kämpfern der Al-Nusra und dem IS bestanden, eingekesselt und eingenommen. Dass die Bevölkerung die Einnahme Ostaleppos durch die Regierungstruppen mehr als Befreiung denn als feindliche Einnahme betrachtet, sieht man an der Tatsache, dass die Menschen, sobald die islamistischen Söldner nicht mehr die Macht haben, sie aufzuhalten, zu zehntausenden in die Arme des "Diktators" Assad fliehen.

 Es ist die Einseitigkeit die geradezu abstösst, das Wiederholen der ewig gleichen Vorwürfe:
"…vom Assad-Regime und seinem russischen Verbündeten begangenen Gräueltaten
…Städte dem Erdboden gleich gemacht, Fassbomben abgeworfen, Menschen in die Flucht getrieben und zuletzt sogar gezielt Krankenhäuser und Schulen zerstört
…Krieg gegen das eigene Volk geführt
…Das Aushungern und Auslöschen ganzer Städte wird bewusst betrieben, um ganze Landstriche zu „säubern“ und so die Opposition auszuschalten
…das tausendfache Sterben von Kindern und Zivilisten
…schlimmsten Verbrechen in Syrien..."
 Kein Wort zu den Söldnern, die verniedlichend und verharmlosend als Opposition bezeichnet werden. Ansonsten wird der Eindruck erweckt, die Regierungstruppen und deren Verbündete kämpften nicht gegen bestens und zu allem bereite verbrecherische Banden, sondern ausschliesslich gegen wehrlose Frauen und Kinder.

 Ein unverstellter Blick auf die Nachrichten aus dem Kriegsgebiet zeigt die ganze Brutalität und Verantwortungslosigkeit der "Opposition". Lange schon ist der Kampf um Aleppo für sie verloren, aber sie schlagen alle Angebote für einen Waffenstillstand und einen Abzug aus. Ihre militärischen Aktionen haben längst jeglichen Sinn eingebüßt. Der Beschuss des westlichen Teils Aleppos durch Granaten und die sogenannten "Hell Cannons" ist reiner, unverfälschter Terror und ausschliesslich gegen die unbeteiligte und völlig schuldlose Bevölkerung gerichtet. Er ist durchaus mit den Verbrechen der Nazis zu Ende des 2. Weltkrieges zu vergleichen, als diese militärisch längst geschlagen waren, aber durch ihre sinnlose, verbrecherische Gegenwehr den Tod und die Verwundung tausender Menschen bewusst in Kauf nahmen.

 Wer hören will, der kann hören, und wer sehen will, der kann sehen, auch wenn der Mainstream kein Wort verliert über die Opfer auf der anderen Seite, der Seite der immer noch rechtmässigen Syrischen Regierung. So berichtet der chaldäische Bischof von Aleppo, Antoine Audo auf Radio Vatikan am 02. Dezember:
"Man muss auch dazu sagen – und das ist mittlerweile allgemein bekannt –, dass die bewaffneten Gruppen die Menschen, die Zivilisten, benutzen, um sich zu schützen. Viele Familien haben versucht, den Ostteil zu verlassen, wegzugehen, aber man erlaubt ihnen nicht, in den Westteil zu wechseln. Das ist die Lage: Zivilisten als menschliche Schutzschilder."
 Bereits am 10. November fragte Radio Vatikan:
"Warum redet man nur über den Osten der Stadt?"
 Bischof Antoine Audo, der auch der Caritas-Verantwortliche der syrischen Bischofskonferenz ist, antwortet auf die Frage, ob auch in Westaleppo Not herrsche:
„Ja! Gestern zum Beispiel habe ich zwei chaldäische Familien besucht. Die eine hat Vater und Sohn verloren, das war bei den Bombardements von Ende September... Und dann die andere Familie im selben Viertel, Midan: Eine junge Frau, 16 Jahre alt, guckte mal gerade vom Balkon, da wurde sie von einer Bombe getroffen; sie lebt noch, aber mit schweren Verletzungen. Von morgens bis abends erleben wir solche schrecklichen Dinge. Wir sind ohne Strom, ohne Wasser, und keiner redet von uns – alle Infos drehen sich nur um den Ostteil der Stadt, wo sich diese bewaffneten Gruppen aufhalten. Wirklich, ich frage mich, wo die Objektivität bleibt..."
und er fügt hinzu:
"Man weiß eben nicht, wann – auf einmal gibt es nicht-gezündete Bomben, die hochgehen und in diesem oder jenem Stadtviertel für vierzig oder fünfzig Tote sorgen. Wenn wir über die Straße gehen, denken wir: Vielleicht treten wir gleich auf einen Sprengsatz. Wir müssen aufpassen, wohin wir gehen und wie... Wir sind ununterbrochen in Gefahr. Und das schafft eine schreckliche Atmosphäre der Angst."
 Selbst die Tagesschau kommt am 07. Dezember nicht mehr umhin über die Geiselnahme der Zivilbevölkerung in Ostaleppo durch die Dschihadisten zu berichten. Erstmals seit Jahren schien es auch der ARD angeraten, einen Reporter nach Aleppo zu entsenden. Alexander Stenzel berichtet auf dem Hauptsendeplatz um 20:00 Uhr:
 "...Diese Familie wäre früher geflohen, wenn sie gekonnt hätte. Aber die Islamisten, die ihre Strasse kontrollierten hatten sie nicht gehen lassen, erzählen sie. 'Jeden Abend, so gegen 17:00 Uhr durften wir nicht mehr auf die Strasse. Die waren sehr streng. Kurz bevor wir fliehen konnten, haben sie noch auf unser Haus geschossen.'"
  Allerdings kann es sich die ARD nicht verkneifen, zuvor in der Anmoderation von Susanne Daubner noch einmal die altbekannten Propagandafloskeln zu bemühen:
"Sechs westliche Staaten haben die Angriffe der syrischen Regierung auf Aleppo scharf verurteilt und eine sofortige Waffenruhe gefordert. Die USA, Kanada, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien kritisieren in ihrer gemeinsamen Erklärung auch, dass Russland und der Iran das syrische Regime unterstützen."
 Am 08. Dezember ergänzt Stenzel dann die Aussagen über die Schreckensherrschaft der Terroristen. Dieses Mal stellt er uns den alten Mann vom Vortag als Achmed Mustafa vor:
"Achmed Mustafa betrachtet die Zerstörungen in seinem Haus. Die Familie ist ruiniert. Das Leben in Aleppo war die Hölle, erzählt er. Bomben, Hunger und Dschihadisten, die ihnen vorgeschrieben hätten, wie sie zu leben haben. 'Sie haben gesagt, du musst die Scharia befolgen. Das war eine harte Zeit. Ich wollte z. B. mit meinem Freund Brot kaufen. Sie haben einfach gesagt, du darfst heute kein Brot kaufen - hau ab!'"
Ein Kind sagt:
"Die Dschihadisten wollten uns nicht gehen lassen, um sich mit uns zu schützen. Manche die fliehen wollten, wurden getötet."
 In dem Bericht, den Stenzel, warum auch immer "Assad lehnt Waffenstillstand ab" nennt, muss er, entgegen aller früherer Behauptungen einräumen:
"Das Assad-Regime hat uns ermöglicht von hier zu berichten. Wir konnten uns relativ frei bewegen".
Angesichts dieser Tatsachen, die jedem, der sich wirklich informieren wollte, schon länger zur Verfügung standen, ist es geradezu erschreckend, dass zwei prominente deutsche Parlamentarierer offensichtlich wider besseres Wissens ganz offen dazu aufrufen, verbrecherische Geiselnehmer und Mörder zu unterstützen.

Und es wirft ein besonderes Licht auf die Verfasstheit der deutschen Intelligenz, wenn Leute wie
Isabelle Azoulay, Marianne Birthler, Hans Christoph Buch, Daniel Cohn-Bendit, Friedrich Christian Delius, Ava Herterich, Ian McEwan, Elfriede Jelinek, Harry Merkle, Reinhard Mohr, Herta Müller, Isabell Serauky, Michael Naumann, Gerd Poppe, Eva Reich, Jens Reich, Volker Schlöndorff, Peter Schneider, Ulrich Schreiber
und noch 250 weitere den Aufruf zu einer Demonstration vor der russischen Botschaft unterzeichnen, der jeglichen Bezug zur Wirklichkeit und somit auch zur Wahrheit verleugnet. Da werden bloße Vermutungen als unabänderliche Wahrheiten verbreitet:
"Für seinen Traum von neuer imperialer Größe überzieht Präsident Putin die Stadt Aleppo mit einem mörderischen Bombenkrieg", 
dreist gelogen:
"…gezielt werden Krankenhäuser und Schulen bombardiert und die Lebensadern der Stadt blockiert",
und Tatsachen unverschämt ins Gegenteil verkehrt:
"Für Putin und den Schlächter Assad sind Hunderttausende von Menschen, die noch im Ostteil Aleppos leben – Frauen, Kinder, Alte, Schwerverletzte  und Rebellen, die einmal friedlich für mehr Freiheit und Demokratie in Syrien demonstrierten - nichts als Terroristen und Isis-Kämpfer".
 Da werden Zahlen übertrieben, Schindluder mit Begriffen getrieben - Assad mutiert zum Schlächter und die Kopfabschneider, Geiselnehmer und tausendfachen Mörder der terroristischen Söldner zu Rebellen, die friedlich für Freiheit und Demokratie demonstrierten. Es wird Hass und Hetze betrieben, die schon die Grenze zur Strafbarkeit tangiert:
"Putins Vernichtungskrieg gegen Aleppo ist „lupenreiner“ Massenmord!"
 Der "Tagesspiegel" aus Berlin entblödete sich nicht, gar dem ehemaligen Mitglied der kommunistisch, maoistischen "Projektgruppe Elektroindustrie", einem Zusammenschluss von Linkssektierern, die Ende der 60 Jahre des letzten Jahrhunderts als verwöhnte Söhnchen der wohlsituierten Mittelschicht, den Arbeitern die Revolution lehren wollten, Peter Schneider, eine Plattform zu bieten für seine Anbiedereien an diejenigen, die im Besitz der Kuchenplatten sind. Frühzeitig hat Schneider nämlich gelernt, das harte Brot der proletarischen Revolution gegen den süßen Kuchen des etablierten, bürgerlichen Literaturbetriebes einzutauschen.

 Seitdem dreht sich sein Schaffen um das Zentralgestirn seines Universums - um sich selbst. Seine nunmehr stramme Haltung zur "westlichen Zivilgesellschaft", den "westlichen Werten" und deren Schutzmacht auf der anderen Seite des Atlantiks und sein, von ihm selbst mit Sorgfalt gepflegter Status als Kronzeuge gegen die eigenen kommunistischen Umtriebe, brachten ihm unter anderem Berufungen zum Gastdozenten der US-amerikanischn Eliteuniversitäten Stanford und Princeton ein. Uncle Sam vergisst seine Protagonisten nicht.

 Und Schneider vergisst nicht, wem er sein schönes Leben in den Literaturzirkeln, den Soirees, Leseabenden mit Sekt und Schnittchen und den gut dotierten Fersehtalkshows zu verdanken hat. Es scheint zur Gepflogenheiten dieser Konvertiten zu gehören, alles was ihren Plänen, sich als unerschütterliche Grundpfeiler der neoliberalen kapitalistischen Ordnung zu gerieren entgegensteht, als Spätgeburt nationalsozialistischer Greueltaten zu verteufeln. Ganz wie sein alter Kumpel Joschka Fischer, der schon mal den Präsidenten Serbiens Milosevic als neuen Hitler bezeichnete, nur um einen vom Zaun gebrochenen völkerrechtswidrigen Krieg zu legitimieren, bemüht auch Schneider gern die Vergangenheit, vergleicht die in ihrer brutalen Grausamkeit und unvorstellbar hohen Anzahl einzigartigen Verbrechen der deutschen Nazis mit den Ereignissen in Syrien und beleidigt damit die Millionen Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft unter Adolf Hitler:
"Man muss keineswegs untaugliche Begriffe wie Holocaust oder Genozid bemühen, um die Ungeheuerlichkeit und den Skandal dieses Verbrechens zu benennen."
Er will die Begriffe Holocaust und Genozid nicht bemühen und setzt sie doch ganz gezielt ein, um Schuldgefühle zu wecken und die Verbrechen der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Saudi-Arabiens, Katars  und auch Deutschlands damit zu kaschieren, wohl wissend, dass es sich in Syrien weder um einen Holocaust noch um einen Genozid handelt:
"Aber wie kann es sein, dass wir diese Verbrechen mit all unseren „Nie wieder“-Schwüren geschehen lassen, ohne dass sich ein klarer Protest der Zivilgesellschaft gegen die Verantwortlichen regt?"
 Dabei sind Schneider selbst die Methoden der Nazis, wenn es darum ging, Krieg, Tod, Verderben, Not und Elend herbeizulügen gar nicht so fremd. Dreist leugnet er einfach die Teilnahme der einen Seite an dem Konflikt - die Morde, Vergewaltigungen, Geiselnahmen, Hinrichtungen der Terroristen wären gar nicht möglich gewesen, hätten sie nicht die Unterstützung der Waffenhändler der westlichen Wertegemeinschaft auf ihrer Seite gehabt:
"Es ist nicht wahr, was uns so viele um „Ausgewogenheit“ bemühte Kommentatoren sagen: Dass es sich beim Kampf um Aleppo um einen 'Stellvertreterkrieg' handele, in dem zwei Weltmächte um ihre jeweilige Einflusssphäre ringen."
Peter Schneider fällt zurück in die alten Verhaltensmuster der Indoktrination der sektenähnlichen K-Gruppen der späten sechziger und frühen siebziger Jahre. Der "Tagesspiegel" wird zur "Roten Fahne" wenn Schneider, die Realität vollends ausblendend behauptet:
"In Aleppo stehen sich nur noch zwei Kriegsparteien gegenüber: Der russische Präsident Putin, der an der Seite des Diktators Assad den totalen Sieg herbeibomben will, und eine Assad-feindliche Zivilbevölkerung, unter der eine kleine Truppe von Rebellen ums Überleben kämpft".
Das Pamphlet gipfelt in einer Verharmlosung der Terroristen, die mit böswillig nur sehr unzureichend beschrieben ist:
"Ich schließe nicht aus, dass sich einige der Rebellen, die einmal friedlich für Freiheit und Demokratie auf die Straße gingen, in ihrem Todeskampf inzwischen mit Isis-Kämpfern zusammenschließen. Es dürften kaum mehr als ein paar hundert sein."
Neben der Verharmlosung, die Kopfabschneider als Rebellen zu bezeichnen, verwundert auch die angebliche Tatsache, dass ein "paar hundert" sich "mit Isis-Kämpfern" im "Todeskampf" vereinigte Kämpfer, mehrere hunderttausend Menschen in Geiselhaft nehmen konnten.

 Und bildet man den Umkehrschluss aus Schneiders Satz:
"Folglich gehören alle, die sich nicht ergeben – Kinder, Frauen, Alte, Kranke – zum Islamischen Staat und dürfen entsprechend behandelt werden",
ist man Ruck-Zuck bei den Propagandameldungen der vom britischen Geheimdienst MI6 finanzierten Ein-Mann-Veranstaltung "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" und den ebenfalls MI6-finanzierten Weißhelmen, bei denen alle Opfer des Krieges ausnahmslos "Kinder, Frauen, Alte, Kranke" sind. So fügt sich doch alles ganz wunderbar.

 Die Leute aber sind es leid, sich veralbern und vor einen Karren spannen zu lassen, der nicht der ihre ist. Ganze dreihundert Hartgesottene, der absolute Kern der russophoben Szene, fanden sich ein, um zu demonstrieren. Und das, obwohl der Mainstream mächtig getrommelt hatte. Während der Tagesspiegel das Wort des Jahres, postfaktisch, gleich einmal am Objekt testete und seine Redakteure Felix Hackenbruch und Ronja Straub von einem großen Erfolg schwadronierten:
"Seit 13 Uhr lief die Veranstaltung, zu der offenbar deutlich mehr Teilnehmer gekommen sind, als angemeldet waren. Die Polizei sprach von rund 300 Teilnehmern".
 Ganz wie unter, Gott hab' ihn selig, Erich Honnecker, bei dem auch immer die Betriebsgruppe vollzählig zu einer machtvollen Demonstration angetreten war. Der Grünenpolitiker Cem Özdemir, der sich für kurze Zeit aus seinem Berliner Elfenbeinturm in die Wirklichkeit herabgelassen hatte, sah die ganze Sache etwas nüchterner:
"So ein bisschen frage ich mich schon, wo sind die alle heute?"
 300 Demonstranten bei 3,5 Millionen Menschen, die in Berlin leben - ein eher jämmerliches Ergebnis. Nicht einmal jeder 10.000. Berliner wollte im Namen der Propaganda auf die Strasse gehen.

 Wie viel Franziska Brantner, Norbert Röttgen, Peter Schneider und den anderen Unterzeichnern des Demonstrationsaufrufes wirklich an den Menschen in Syrien gelegen ist zeigt, dass diese Herrschaften kein Wort der Kritik finden zu den Sanktionen mit denen Syrien von den USA und ihren Verbündeten überzogen wird. Sanktionen, so die UNO, die weit über das übliche Mass, wie zum Beispiel gegen den Sudan, hinausgehen. So sei es auch anerkannten Hilfsorganisationen gar nicht oder nur sehr schwer möglich dringend benötigte Medikamente, medizinische Geräte, Lebensmittel und Kindernahrung nach Syrien zu schaffen, da im Grunde jede Lieferung einzeln genehmigt werden müsse.

 Schon im Mai dieses Jahres hatten die christlichen Kirchen Syriens in einem Aufruf das Ende der Sanktionen gefordert:
"Die EU stellte sie als „Sanktionen gegen Persönlichkeiten des Regimes“ dar. Tatsächlich verhängte sie gegen das ganze Land ein Öl-Embargo, eine Blockade jeglicher Finanztransaktionen und ein Handelsverbot für sehr viele Güter und Produkte. Diese Maßnahmen sind immer noch in Kraft.
...In diesen 5 Jahren haben die Sanktionen gegen Syrien dazu beigetragen, die syrische Gesellschaft zu zerstören: Sie lieferten sie dem Hunger, Epidemien und Elend aus und arbeiten somit den Milizen von Integralisten und Terroristen, die heute auch in Europa zuschlagen, in die Hand.
...Es fehlt an Lebensmitteln, es herrscht eine allgemeine Arbeitslosigkeit, medizinische Behandlungen sind unmöglich geworden, Trinkwasser und Strom sind rationiert.
Dazu kommt, dass das Embargo die Syrer, die sich bereits vor dem Krieg im Ausland niedergelassen haben, daran hindert, ihren Verwandten und Familienangehörigen im Heimatland Geld zu überweisen.
Selbst Nichtregierungsorganisationen, die Hilfsprogramme durchführen möchten, können ihren Mitarbeitern in Syrien kein Geld schicken.
Firmen, Stromwerke, Wasserwerke, und Krankenhäuser sind gezwungen, zu schließen, weil sie keine Ersatzteile und kein Benzin bekommen können."
Besonders beklagen die Geistlichen die offensichtliche Parteiname der Sanktionsmächte, die einseitig die Menschen treffe, die im Machtbereich der Regierung leben und den Dschihadisten bewusst in die Arme spiele:
"Dagegen wurde 2012 aufgrund einer schwer verständlichen Entscheidung das Öl-Embargo für die Regionen aufgehoben, die die bewaffnete und dschihadistische Opposition kontrolliert. Dadurch sollen offenkundig den sogenannten „revolutionären Kräften und der Opposition“ wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden."
Daran scheint sich in der Zwischenzeit nichts geändert zu haben. So beklagte sogar die Tagesschau  am Mittag des 08. Dezember die Lage der Menschen, die aus den östlichen Teilen Aleppos in den Westen geflüchtet sind:
"Brot haben sie nun auch keins, kein Wasser keine Medikamente. 50.000 Flüchtlinge aus Ostaleppo überfordern offensichtlich die Stadt und es werden noch mehr kommen."
 Wo sind die Hilfslieferungen der westlichen Staaten? Warum rufen Franziska Brantner, Norbert Röttgen, Peter Schneider und die anderen so sehr um die Menschen in Aleppo Besorgten nicht zu einer Demonstration gegen die Bundesregierung vor dem Kanzleramt auf, um Merkel und Co dazu aufzufordern, die unsinnigen menschenverachtenden Sanktionen gegen das syrische Volk aufzuheben?

 Hlife für die Flüchtlinge von einem Teil Aleppos in den anderen scheint nur Russland zu leisten. Die Tagesschau berichtet am gleichen Tag in ihrer Hauptsendung um 20:00 Uhr:
"In dem provisorischen Flüchtlingslager reichen russische Soldaten Fleisch und Reis. für die Menschen aus Ostaleppo die erste eiweisshaltige Nahrung, die sie seit Monaten gegessen haben."
Von westlicher Hilfe wusste die Tagesschau dagegen nichts zu berichten.

Montag, 28. November 2016

Das Leiden der Menschen im Ostteil Aleppos neigt sich dem Ende zu - für die Medien kein Grund zu Freude und Erleichterung

 Die Tagesschau meldete am Sonntag in ihrer Hauptsendung um 20:00 Uhr in feinstem Propagandasprech:
"Im syrischen Aleppo drängen die Truppen von Machthaber Assad immer tiefer in den von Rebellen gehaltenen Osten der Stadt vor. Die Armee brachte nach eigenen Angaben zwei Stadtviertel unter ihre Kontrolle. Vorausgegangen waren heftige Gefechte und Bombardierungen. Die Großoffensive auf die zweitgrößte syrische Stadt läuft seit knapp zwei Wochen. Hunderte Zivilisten wurden dabei getötet."
Da darf der böse Russe dann auch nicht fehlen. Entgegen der Tatsache, dass Russland nach der Wiederaufnahme der Kämpfe, nach der einseitigen Waffenruhe der syrischen Armee von Mitte Oktober bis Mitte November, keine Angriffe mehr auf das östliche Aleppo geflogen hat behauptet Stefan Maier in seinem Filmbeitrag, die Offensive der Syrischen Armee werde von der russischen Luftwaffe unterstützt und ruft als Zeugen einen, trotz der schlechten Ernährungslage in Ostaleppo, wohlgenährten islamistischen Söldner - erkennbar an dem obligatorischen Vollbart - vor die Kamera, der sein offenbar auswendig gelerntes Sprüchlein aufsagt:
"Russische Jets haben uns mit Raketen unter Beschuss genommen. Wie man sehen kann, ist das ein ziviles Gebiet. Hier gibt es keine Kämpfer. Das Regime unterscheidet nicht zwischen Milizen und Zivilisten".
Sehen kann man allerdings weder "Milizen" noch Zivilisten. der Mann hat sich medienwirksam auf einen Schutthaufen gestellt, im Hintergrund zerstörte Häuser, denen man nicht ansehen kann, wie sie zuvor genutzt wurden.

 Stefan Meister ist ganz Kriegspartei und auf der Seite der islamistischen Terroristen. Statt sich für die Menschen in Ost-Aleppo zu freuen, dass nun das Schlachten und Morden für sie ein absehbares Ende nimmt, bedauert Meister  dieses offensichtlich:
"Eine vollständige Einnahme Aleppos könnte ein Wendepunkt im Bürgerkrieg sein. Das Regime würde dann alle grösseren Städte im Land kontrollieren."
 Für diese Einnahme Ost-Aleppos durch die Syrische Armee hatte der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura allerdings bereits vor Tagen ein neues Inferno vorausgesehen:
"Der UN-Sonderbeauftragte de Mistura befürchtet den Fall der Stadt noch vor Weihnachten. Zigtausende Menschen würden dann vor dem Assad-Regime zu fliehen versuchen."
 Weil dem aber nun augenscheinlich nicht so ist, sondern die Menschen, die von den Terroristen in Geiselhaft genommen wurden, wenn überhaupt, dann eher in die Arme Assads und seiner Truppen in den Westteil Aleppos flüchten, dreht das fixe Reporterchen den Spieß geschwind einfach um:
"Bisher sind erst wenige Menschen in den Westteil Aleppos geflüchtet. Die meisten hält offenbar die Angst vor Assad zurück."
 Manipulation der Zuschauer und Leser durch verdrehte Wahrheiten, offensichtliche Lügen, und der Betrug an den Konsumenten des Mainstreams durch gezieltes Weglassen unangenehmer Tatsachen - so sieht sie aus, die Informationspflicht, der sich unsere Qualitätsjournalisten angeblich verschrieben haben.

 So auch vor einer Woche, als ein Rauschen durch den deutschen Blätterwald ging. Der UN-Sicherheitsrat hatte getagt und der UN-Nothilfekoordinator, der Brite Stephen O'Brien gab vor dem Gremium seinen Bericht über die Lage in Syrien ab. Nun ist dies kein aussergewöhnlicher Vorgang, weil O'Brien dem Sicherheitsrat in monatlicher Folge berichtet, aber der Mainstream sah wohl die Möglichkeit, wieder einmal die große Propagandakeule zu schwingen.

 Aus dem mehrere Seiten umfassenden und etliche Aspekte der humanitären Lage in Syrien beleuchtenden Bericht, suchten sich die den Blättern und dem Fernsehen zuarbeitenden Nachrichtenagenturen einen einzigen Aspekt, den der Belagerung von Städten und Gemeinden und der damit eingehenden schlechten Versorgung der Menschen heraus.

 Zu verlockend war wohl die große, runde Zahl, die O'Brien der Meute zum Fraß vorwarf. Annähernd 1 Million Menschen
"are living tonight under siege",
also, verbrächten diese Nacht unter Belagerungszustand. Eine Nachricht, die die Presse zu geradezu euphorischen Berichten beflügelte. Es war die Zeit der Krokodilstränen:
Die Zeit:   
Syrien: Fast eine Million Menschen leben im Belagerungszustand

FAZ :   
Syrien: Fast eine Millionen Menschen unter Belagerung

Spiegel online:
Syrien: Eine Million Menschen in belagerten Städten

Berliner Morgenpost:
Fast eine Million Syrer eingeschlossen

Handelsblatt:   
Syrien: Krieg gegen die eigene Bevölkerung
Da mochten auch die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten nicht abseits stehen:
Deutsche Welle:
UN: Fast eine Million Menschen in Syrien unter Belagerungszustand

Deutschlandfunk:   
UNO - In Syrien werden Orte mit insgesamt mehr als einer Million Menschen belagert

Heute.de:
UN: Fast eine Million Syrer unter Belagerung
 Den Vogel aber schoss wieder einmal die ARD ab. Während sich die Tagesthemen noch für ARD-Verhältnisse moderat äusserte:
"In Syrien wird die Situation der Zivilbevölkerung immer dramatischer. Nach Angaben der UN leben inzwischen fast 1 Million Menschen in Städten und Dörfern , die belagert werden. Allein im Ostteil von Aleppo seien etwa 250.000 Einwohner von der Aussenwelt abgeschnitten. Der UN-Koordinator für Humanitäre Hilfe O’Brian warf der syrischen Regierung vor, sie wolle die Menschen so zwingen, sich unterzuordnen oder zu fliehen",
durfte der Hörfunk-Korrepondent Kai Clement mit Heimathafen WDR, richtig aus dem Vollen schöpfen:
"Ins Gesicht gespuckt",
erschien ihm die richtige Wortwahl für den Titel seines Beitrages zu diesem ernsten, für viele Syrer lebensbedrohenden Thema. Clement stellt seinen Beitrag ganz auf Angriffe auf Krankenhäuser und medizinisches Personal ab. Während sich O'Brien vor dem Weltsicherheitsrat durchaus ausgewogen äussert:
"Tatsache ist, dass seit dem 3. Mai 2016, als der der Sicherheitsrat die Resolution 2286 verabschiedete, über 130 Angriffe auf medizinische Einrichtungen dokumentiert wurden. Der syrische Krieg hat bereits mehr als 750 Menschen des medizinisches Personal getötet. Es ist eine widerliche und eklatante Missachtung des besonderen Schutzstatus' von Einrichtungen des Gesundheitswesens im Rahmen des humanitären Völkerrechts, ein klares "Spucken ins Gesicht" Ihrer (des Weltsicherheitsrates) Entschließung",
wird bei Clement daraus ein Vorwurf ausschliesslich an die syrische und russische Seite. Zwar zitiert er O'Brien durchaus richtig, wenn er auch etwas verkürzt sagt:
"Tatsache ist doch: Seit der Sicherheitsratsresolution vom Mai sind über 130 Angriffe auf medizinische Einrichtungen dokumentiert. Der syrische Krieg hat schon mehr als 750 medizinische Helfer getötet. Das ist eine widerliche und himmelschreiende Missachtung für deren speziellen geschützten Status. Damit wird auch Ihrer Resolution geradezu in Gesicht gespuckt",
wendet aber zuvor einen kleinen Trick an. Der Einleitungssatz seines Berichts beginnt nämlich mit den Worten:
"Mehrfach wurden Krankenhäuser bombardiert, medizinische Helfer getötet".
 Da aber jeder weiss, dass die terroristischen Söldner nicht über Flugzeuge verfügen ist mit diesem Satz die Schuld eindeutig der syrischen bzw. russischen Seite zugewiesen. Ab jetzt kann Clement gewissenhaft zitieren - er sagt immer die Wahrheit und lügt trotzdem.

 Dass O'Brien durchaus auch die Seite der von den USA, Saudi Arabien, Quatar und Israel unterstützten terroristischen Söldner mit in seine Anklage einbezieht, darauf lässt ein kleiner Nebensatz am Ende dieser Aussage schliessen. Darin weist er auf die Stellungnahme seiner norwegischen WHO Kollegin Elisabeth Hoff, der Repräsentantin der Organisation für Syrien hin.

 Elisabeth Hoff vermeidet die Worte Bomben und Bombardierungen gänzlich. Zunächst hebt sie ab auf den Vorkriegszustand des syrischen Gesundheitswesens vor dem Krieg, um dann den Istzustand zu schildern:
"Nachdem es eines der modernsten Gesundheitssysteme der Welt hatte, ist Syriens Gesundheitswesen verwüstet worden. Über die Hälfte seiner öffentlichen Krankenhäuser und Primärversorgung wurden entweder geschlossen oder sie funktionieren nur noch teilweise. Fast zwei Drittel der Beschäftigten im Gesundheitswesen haben das Land verlassen. Der Impfschutz ist halbiert worden, so dass Kinder wieder anfällig für einmal bereits ausgerotte Krankheiten sind. Die Syrer haben keinen zuverlässigen Zugang zu notwendigen Medikamenten, Behandlungen für traumatische Verletzungen, sichere Lieferungen zur Pflege für Kleinkinder oder für andere Hilfsbedürftige."
 Auch Hoff spricht von Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen. Allerdings hat die WHO nur 126 Vorfälle verzeichnet und das in einem wesentlich längerem Zeitraum, nämlich nicht wie bei O'Brien von Mai bis heute, also 6 Monaten, sondern von Januar bis September, also 9 Monate. Aber sie sieht einen zweiten entscheidenden Einfluss auf das syrische Gesundheitswesen:
"Ebenso beunruhigend waren die Militarisierung von Einrichtungen des Gesundheitswesens durch mehrere Konfliktparteien, die Ausrichtung des Gesundheitspersonals und die Verweigerung medizinischer und chirurgischer Versorgung in vielen Bereichen. Viele Patienten hatten Angst, die verbliebenen Einrichtungen aufzusuchen."
 Eine Bemerkung, die darauf hindeutet, dass Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser von den terroristischen Söldnern als Schutz und Deckung genutzt werden, oder Gebäude, die als Krankenhäuser dienen, nicht als solche bekannt gegeben werden. Hoff weiter:
"Ich fordere den Sicherheitsrat auf, dafür zu sorgen, dass die beteiligten Parteien über die Koordinaten aller humanitären Konvois der Gesundheitseinrichtungen verfügen, um Angriffe auf diese Einrichtungen ungeachtet der Täter zu beenden und um eventuelle Angriffe zu registrieren und einen nachhaltigen, bedingungslosen Zugang zu allen Bereichen für medizinische Versorgung und Evakuierungen sicherzustellen."
  Im östlichen Aleppo, so Hoff, seien alle acht Krankenhäuser entweder außer Betrieb oder funktionierten kaum, und die wenigen verbliebenen Ärzte wären erschöpft und überfordert, fuhr sie fort. Die WHO warte auf die Beseitigung von Hindernissen für ihre Pläne, Patienten in kritischem Zustand zu evakuieren und es Konvois zu ermöglichen, medizinischen Nachschub zu liefern. Aber auch
"die Krankenhäuser im westlichen Aleppo waren von verwundeten Patienten überfüllt, nachdem diese von 'nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen', wie bei dem Mörserangriff am vergangenen Samstag auf eine Schule, wahllos beschossen wurden."
 Von diesen Fakten bei Clement, sowie auch bei allen anderen Publikationen kein Wort. Ihnen ist es scheinbar nicht an einer lückenlose Berichterstattung gelegen, sondern eher an einseitiger Propaganda. Clement will Stimmung machen:
"Ins Gesicht gespuckt."
 An diesem Satz berauscht er sich geradezu. Vier mal zitiert er ihn innerhalb der ersten paar Zeilen. Im Stile einer Reportage fährt Clement fort, so als sei er selbst in der Uno gewesen, täuscht vor ,Augenzeuge der Sitzung des Weltsicherheitsrates gewesen zu sein:
"O'Brien schaut über seine Halbbrille hinweg in die Runde. Ihm gegenüber sitzt der syrische UN-Botschafter, die Arme über der Brust verschränkt."
 Vor unseren Augen entsteht das Bild eines unsypathischen Zeitgenossen, der in einer Abwehrhaltung dasitzt, "die Arme über der Brust verschränkt":
"Als Gast im Gremium wird er am Ende wieder eine seiner endlosen Reden halten, in der es vor allem um die Abwehr von Terroristen gehen wird und um Angriffe auf den Westen Aleppos, der von der syrischen Armee gehalten wird."
 Ein Gast, der sich nicht zu benehmen weiß, wie schon so oft, indem er "eine seiner endlosen Reden" hält, mit denen er, die Wahrheit verdrehend, so will uns Clement jedenfalls suggerieren, die Anwesenden zu Tode langweilt. Ein dummer, ignoranter Schwätzer eben.
"Vorerst aber muss er sich viel anhören, was er ganz überwiegend für falsch hält. So korrigiert der UN-Nothilfechef die Zahl der in Syrien belagerten und eingeschlossenen Menschen drastisch nach oben. Verdoppelt habe sie sich binnen nur eines halben Jahres auf jetzt fast eine Million."
 Clement vergisst scheinbar, dass zu allervorderst er sich einiges anhören musste, das ihm anscheinend so wenig gefiel, dass er es einfach unter den Tisch fallen lässt. So spricht O'Brien ganz zu Anfang seiner Erklärungen über die einseitige Waffenruhe, die Russland und die syrische Regierung am 18. Oktober für Aleppo erklärten:
"Und es gab einen Hoffnungsschimmer. Eine einseitige russische und syrische Feuerpause für Luftangriffe auf den östlichen Teil Aleppos, die am 18. Oktober zunächst für 72 Stunden verkündet wurde und über das angegebene Ende beibehalten wurde."
Und O'Brien fährt fort:
"Tag für Tag, auch Woche für Woche, hielt die Pause über dem östlichen Aleppo. Das gleiche war für den westlichen Teil Aleppos nicht der Fall, da nichtstaatliche bewaffnete Gruppen Hunderte von Mörsergranaten in Zivilgebiete in den westlichen Teil der Stadt starteten. Hätten alle Parteien die Kraft gehabt, alle Angriffe auf Aleppo einzustellen, wäre das heute ein anderes Briefing geworden."
 Auch, so O'Brien, hätten Russland und Syrien Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung Ost-Aleppos bereitgestellt. Aber diese seien, wie verlautete, unsicher oder als unsicher wahrgenommen worden. Ob diese Annahmen der Wahrheit entsprachen oder ob von den Terroristen entsprechende Gerüchte gestreut wurden, lässt sich schwer beurteilen. Allerdings deutet viel auf die zweite Annahme hin. O'Brien:
"Es gab auch Berichte, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen im östlichen Aleppo diejenigen, die die Stadt verlassen wollten, daran hinderten."
Der Nothilfekommissar der Uno benennt also ganz klar und eindeutig die Schuldigen für das Ende der verkündeten Waffenruhe über Aleppo - die terroristischen Söldner. Eine Tatsache, die in deutschen Medien einfach totgeschwiegen wird.

 Wer sich die Mühe macht, den Bericht O'Briens vollständig und aufmerksam durchzulesen, der findet weitere, für Konsumenten des Mainstreams erstaunliche Tatsachen. Geschehnisse, die uns vorenthalten werden, weil sie nicht in das Weltbild unserer Qualitätsjournalisten passen und weil sie manch einen zum Nachdenken darüber bringen würden, ob er sich noch von den jetzigen Eliten vertreten fühlt. So wird auch aus dem Westteil Aleppos berichtet.
"Parallel dazu (gemeint sind die Luftangriffe auf Ost-Aleppo) sollen seit dem 1. November mehr als 350 Mörsergranaten und Raketen von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen wahllos auf West-Aleppo abgeschossen worden sein, wo sie über 60 Personen, darunter Frauen und Kinder, töteten und mehr als 350 weitere Menschen verletzten."
Besondere Erwähnung fand der Angriff auf eine Schule und auf die Universität im Westteil Aleppos:
"Am Wochenende hat ein Angriff auf eine Schule im Al-Furqan-Distrikt im westlichen Aleppo mit Mörsergranaten und Raketenprojektilen durch nichtstaatliche bewaffnete Gruppen acht 8 Kinder getötet und mehrere andere verletzt."
 Auch die Universität wurde getroffen. Praktisch kein Wort davon in unseren Medien. "Der Spiegel" berichtet darüber in nur einem einzigen Satz, nachdem er zuvor gemeldet hatte, dass in Aleppo 11 Kinder ums Leben gekommen seien:
"Sieben von ihnen starben durch Granaten, die von Aufständischen am Sonntag abgefeuert wurden und eine Schule trafen".
Anschliessend widmet er sich dann in epischer Breite und Länge den "Verbrechen" des "Regimes:
"In der Nacht seien sechs Mitglieder einer Familie getötet worden, als Regime-Helikopter Fassbomben über dem von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt abwarfen - dort kamen vier Kinder ums Leben. Auch die Weißhelme in Syrien berichten von Gasangriffen, denen Kinder zum Opfer gefallen sind"
   ...Die syrische Armee attackiert den Osten der Stadt dabei mit Raketen, Fassbomben und Artilleriefeuer.
    …Allein am Samstag waren bei den Bombardements nach Angaben von Aktivisten mindestens 27 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden mehrere Krankenhäuser getroffen, die einzige Kinderklinik musste nach Angaben der Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen wegen der Beschädigungen ihren Betrieb einstellen. Das Vorgehen des Regimes sorgte international für Wut und Entsetzen."
  Nicht vergessen ist auch die Berichterstattung über den Angriff auf eine Schule in Haas, Mitte September, bei dem die Verursacher bis heute nicht identifiziert sind, der von unseren Qualitätsjournalisten monströs ausgeschlachtet wurde. Diese unterschiedliche Sichtweise auf die Opfer eines grausamen Krieges, der sich jeglichen Regeln entzieht, desavouiert die Mainstreampresse als skrupellose Heuchler und Propagandisten. Der Unterschied, der die toten Kinder aufteilt in beklagenswerte, laut zu bedauernde Opfer und anonyme, in keiner Statistik auftauchende, mit Nichtachtung gestrafte tote Körper, ist einzig und allein die Richtung aus der die Granate kam, die ihre kleinen Körper in tausend Stücke riss.

 Wobei zu fragen bleibt, wer mehr zu bedauern ist, die anonymen Toten oder jene, denen man die ewige Ruhe verweigert, weil man sie immer und immer wieder missbraucht, weil man aus ihnen politischen Nutzen ziehen will.
"Insgesamt,"
so O'Brien weiter,
"sind im westlichen Aleppo in den letzten Wochen rund 25.000 Menschen infolge der Beschiessung durch nichtstaatliche bewaffnete Gruppen vertrieben worden."
 Auch hier menschliches Leid und Flüchtlingselend. Die Welt allerdings darf und soll davon nichts erfahren. Denn diese Welt ist streng geteilt in gut und böse. Während die Zeitungen, Zeitschriften und die Rundfunk- und Fernsehsendungen voll sind von Fassbomben und ihrer angeblich verheernden Wirkung, finden die Hell Cannons, diese aus Gasbehältern selbstgebastelten völlig unlenkbaren, mit Sprengstoff, Metallsplittern, Schrauben und Nägeln gefüllten Geschosse, die von den terroristischen Söldnern zumeist aus Wohngebieten auf Wohngebiete abgefeuert werden, in der westlichen Presse keinerlei Erwähnung.

  Die Belagerung von Städten und Dörfern, auf die die Berichte hauptsächlich abstellen, nimmt in O'Briens Bericht nur einen geringen Teil seiner Ausführungen in Anspruch. Zunächst geht er auf das Nichtfunktionieren des "Vier-Städte-Abkommens" für Madaya, Zabadani, belagert von regierungsnahen Einheiten, und Foah und Kefraya, belagert von Jaysh al Fatah, einem Bündnis der Muslimbrüder mit den Kopfabschneidern von Ahrar Al-Scham und der Al-Nusra-Front ein. - Interessant am Rande: Ein Video aus dem März 2015 zeigt den Abschuss einer US-amerikanischen Tow-Rakete mit den Enblemen der Nusra-Front und dem des Jaysh al Fatah am oberen linken Bildrand.

 So scheinen auch die USA angesprochen, wenn O'Brien fordert:
"Diejenigen, die Einfluss auf die Vertragspartner - vor allem Jaysh al Fatah und Iran - haben, müssen alles tun - ich fordere sie alle auf - sicherzustellen, dass die benötigte Hilfe sofort geliefert wird und dass diejenigen, die eine medizinische Versorgung benötigen, evakuiert werden können."
 Das starke Anwachsen der Anzahl unter Belagerung stehender Menschen, von vor einem Jahr 393.700, über 486.700 vor sechs Monaten, auf nunmehr nach Schätzungen der UN 974.080, ist wohl hauptsächlich auf das starke Vorrücken der Syrischen Armee zurückzuführen. Die Terroristen verbarrikadieren sich in den Städten und Dörfern und nehmen die Einwohner als Geiseln, worauf O'Brien schon weiter oben, im Zusammenhang mit der Lage im Osten Aleppos hingewiesen hatte :
"Es gab auch Berichte, dass nichtstaatliche bewaffnete Gruppen im östlichen Aleppo diejenigen, die die Stadt verlassen wollten, daran hinderten."

 Ein Beleg für diese Annahme ist die schwierige Einnahme der vom IS besetzten Stadt Mossul im Norden des Irak, die von einer Allianz der USA, Grossbritanniens, Frankreichs, Kurdenmillizen und der Irakischen Armee abgeriegelt und belagert wird. Unter anderem, "Spiegel online" berichtete darüber am 23. November. Allerdings erwähnt Spon die Zivilbevölkerung mit keinem Wort:
"Die Offensive der Anti-IS-Koalition auf die irakische Stadt Mossul kam zuletzt langsam voran. Jetzt meldet das Militär einen Erfolg: Es will die Stadt eingekesselt haben.
 ...Alle Verbindungen der irakischen IS-Hochburg Mossul zu anderen Dschihadistengebieten sollen gekappt worden sein - die Versorgung mit weiteren Kämpfern und Material sei damit nicht mehr möglich. Das meldet die irakische Armee.
 ...Demnach haben schiitische Milizen die Stadt und das Umland von der Außenwelt abgeschnitten."
 Was hier eine eher positive Meldung über einen wichtigen Etappensieg gegen den IS ist, die Einkesselung und Belagerung der Millonenstadt Mossul, ist in Syrien ein grausamer Akt gegen die Menschlichkeit. In Mossul leben weit über drei Millionen Menschen, die vom IS als Geiseln gehalten werden. Nichts anderes in in Ost-Aleppo geschehen, wo 250.000 Menschen von der Al-Nusra und weiteren islamistischen Kopfabschneidern seit 2012 in Geiselhaft genommen worden sind. Und auch hier werden die IS-Terroristen aus der Luft unter Feuer genommen:
"Auch in Mossul selbst verliert die Terrormiliz weiter an Bewegungsfreiheit. Das IS-Sprachrohr Amak bestätigte im Internet Medienberichte, ein Luftangriff der US-geführten internationalen Koalition habe eine weitere Brücke über den Tigris zerstört."
 Nur wird hierüber ganz anders berichtet. So verliert nach den Worten des Spiegels scheinbar einzig und allein "die Terrormiliz weiter an Bewegungsfreiheit". Die Zivilbevölkerung muss hinter dem militärischen Erfolg zurückstehen.

 Anders als die Presse und das Fernsehen uns weismachen wollen, ist der Bericht Stephen O'Briens vor dem Weltsicherheitsrat keine einseitige Abrechnung mit der Syrischen Regierung und ihren Verbündeten. O'Brien, ein konservativer britischer Politiker, ist somit immerhin der Vertreter einer der kriegführenden Nationen in Syrien. Großbritannien unterstützt die islamistischen Söldnergruppen nicht nur mit Waffen, Munition und Geld sondern auch direkt, durch den Einsatz eigener Truppen. So meldete die Online-Plattform "Deutsche Wirtschaft Nachrichten" am 09. August:
"Die BBC berichtet, dass in Syrien in der Nähe der Grenze zu Jordanien britische Soldaten gesichtet wurden. Sie sollen über Scharfschützengewehre, schwere Maschinengewehre und Panzerabwehrwaffen verfügen. Nach offiziellen Angaben unterstützen die Briten die „Rebellen“ im Kampf gegen die syrische Armee."
In Anbetracht dieser Tatsachen muss man die Aussagen, die das Treiben der islamistischen Söldner schildern, wohl als um so zutreffender bezeichnen.

Montag, 21. November 2016

"ARD-Tagesschau" außer Rand und Band: Der "POTUS" in Berlin.

 Ein tiefer Einblick in die miserabele Verfasstheit des deutschen Qualitätsjournalismus bot sich uns, hier einmal stellvertretend für den gesamten journalistischen Mainstream dargestellt,  anhand der Tweets der Redaktion von "ARD-Aktuell", mit Chefredakteur Dr. Kai Gniffkean der Spitze auf dem Account der "Tagesschau", anlässlich des Besuchs des US-Präsidenten Barack Obama in Berlin.

 Aufgeregt wie ein pubertierender Teenager ist Sonia Mikich. Dabei ist die Dame bereits 65 Jahre alt und sollte nach 30 Jahren WDR eigentlich schon längst ihren Ruhestand angetreten haben.
"Pause vor Obama-Interview, vorbereitet u. vorfreudig",
twittert sie am 16. November und fügt noch einen Dank an den zweiten Chefredakteur von ARD-Aktuell an:
"Danke, Christian Nitsche",



 Ein Verhalten wie bei einem pubertierenden Teenie, die ihrem Vater um den Hals fällt, der ihr soeben widerstrebend den Besuch eines Konzerts der derade angesagtesten Boygroup mit dem strengen Hinweis: "Um zehn bist du aber wieder zu Haus" erlaubt hat.



"Vorfreudig", in ihrem schönen roten Kleid extra fein herausgeputzt, so sehen wir sie auch auf dem Bild der letzten Nachricht, die wir von ihr bekommen haben. Ein Bild, das an kreischende, der Ohnmacht nahe Halbwüchsige erinnert, die sich bereits am frühen Morgen und bei schlechtem Wetter für einen Blick auf ihr Idol die Füße platt stehen. Seitdem ist sie verschollen.

 Das heisst nicht so ganz. Am Abend wurde sie dann doch noch einmal gesehen, als sie gemeinsam mit dem Spiegelredakteur Klaus Brinkbäumer ihrem grossen Idol Obama in devoter Haltung mit vor  Anspannung verkrampften Fingern gegenübersaß und ihm endlich ihre drei Fragen stellen konnte:


"Herr Präsident, vielen Dank. Wir wissen das hier sehr zu schätzen. Donald Trumps Sieg hat die grosse Unzufriedenheit der Amerikaner und eine massive Spaltung innerhalb der Gesellschaft offen gelegt. Hat sie dieses Ausmaß an Wut überrascht?"
"In vielen westlichen Gesellschaften beobachten wir eine Entfremdung zwischen Politikern und Bürgern. Bürger fragen sich wie nahe Politiker noch am wirklichen Leben sind. Sie haben Ängste. Es ist die Zeit der Populisten. Ist dies ein entscheidender Moment, eine Zeitenwende, in der sich politische Führung bewähren muss?"
"Mr. Präsident, was war der dunkelste Moment ihrer Amtszeit? Hier in Europa wurde viel über die Drohnenangriffe, die sie anordneten geredet, über Guantanamo und natürlich über Terroranschläge, aber auch Amokläufe?"
 Das war's dann schon. Zwölf Minuten und 33 Sekunden Geplauder mit der "Lame Duck" Obama, der es sich dann aber zum Schluss doch nicht verkneifen konnte, ein wenig vorgezogenen Wahlkampf für Angela "Mörkel" zu machen, indem er den deutschen Wählerinnen und Wählern einige Wesenszüge ihrer Kanzlerin ans Herz legte, von denen diese bisher so recht keine Ahnung hatten:
"Sie steht für große Glaubwürdigkeit, und sie ist bereit, für ihre Werte zu kämpfen."
 Der deutschen Öffentlichkeit fällt dabei Merkels Haltung zur Atomenergie ein. Eben noch will sie die Laufzeiten der Kernkraftweke bis zum St. Nimmerleinstag verlängern, als in Japan so ein Teufelsding in die Luft fliegt und gleichzeitig damit ebenfalls die Chancen der CDU, die Landtagswahl in Baden-Württemberg zu gewinnen. Da plötzlich legt sie alle Atommeiler vorläufig und viele davon für alle Zeiten still.
"Sie ist ehrlich!"
 Die Anzahl der CDU-Politiker, denen ihre Chefin in schweren Zeiten ihre "volle Unterstützung" zugesagt, und die sich im nächsten Moment im einstweiligen bis endgültigen Ruhestand oder in der Diaspora Brüssel wiederfanden, ist Legion.

Wer nun meint, schlimmer geht's nimmer, der hat sich nicht den Twitter-Account der Tagesschau angesehen. Da brannte der Dr. Gniffke ein wahres Feuerwerk des Obamakultes ab, dass der eine oder andere auf die Idee hätte kommen können, der Herr Jesus Christus sei zurück auf der Erde.

 Folgerichtig und in Kenntnis des Evangeliums des Johannes, der Apocalypse, betitelte "Der Spiegel" auch seine 46. - und wenn sich die Prophezeiungen des Johannes erfüllen - höchstwahrscheinlich eine seiner letzten Ausgaben vor dem mit Sicherheit bevorstehendem Weltuntergang:
"DAS ENDE DER WELT",
und fügte in Beachtung des physikalischen Grundsatzes, dass Materie nie verloren geht, sich nur in einen anderen Aggregatzustand, in Energie verwandelt, in Klammern und kleinen Buchstaben hinzu:
"(wie wir sie kennen)" 
 Ein riesiger Himmelkörper geformt wie der Kopf Donald Trumps, das blonde Haar sich auflösend in einem Flammenschweif, fliegt auf die Erde zu, und der weit geöffnete Mund des "Trumperoiden" droht die viel kleinere Weltkugel im nächsten Augenblick zu verschlucken.



 Dr. Gniffkes Messiasvisionen beginnen bereits einen Tag vor der Ankunft des Erlösers. Ereignisse von epochaler Bedeutung kündigen sich an. Sogar die Tagesschau rüttelt an den Grundfesten ihres Selbstverständnisses und verkürzt ihre Sendezeit.


 Obama, den Kopf leicht angehoben, der Blick geht kühn nach vorn, gleich einem in edlen Marmor gehauenen Antlitz einer griechischen Heldenskulptur. Dr. Gniffke versteht es, Spannung aufzubauen.

 Noch ist der Erlöser allerdings nicht in Berlin. Es gilt die Wartezeit zu füllen. Wir kennen diesen Zustand der Erwartung aus unserer Kindheit, wenn sich am Heiligen Abend die Stunden bis zur Bescherung zur Unendlichkeit dehnten. Ein kurzer Bericht über den Griechenlandbesuch versetzt uns in frohe Erwartung auf das, was da kommen wird, und überbrückt ein paar Minuten.



Spannung hochhalten ist die ausgegebene Devise. Die Berliner Polizei hilft mit einem Tweet aus.


Aber ab jetzt geht es Schlag auf Schlag. Nur eine knappe halbe Stunde später twittert Dr. Gniffke erneut. Er weiss eigentlich nichts neues zu berichten. Aber der Dr. ist doch schon so aufgeregt und wie die Kinder kurz vor der Bescherung am Heiligen Abend plappert er ständig das Gleiche und strapaziert unsere Nerven. Dabei verrutscht ihm schon mal gern die Begrifflichkeit. So kündigt er uns im nächsten Tweet an,
"Obamas Stationen bei seinem Deutschlandbesuch"
offen zu legen. Nun weiss allerdings selbst der uninteressierteste und in des Dr. Gniffkes Universum sicher der ignoranteste Zeitgenosse, dass Obama nur eine Station auf seiner Agenda hat, und die ist Berlin. Was die "Tagesschau" uns wirklich verklickern will, ist wohl eher das Programm, das der scheidende US-Präsident abzuarbeiten gedenkt, also den Inhalt des Terminkalenders Barak Obamas.


 Und da "überrascht" uns der Tweet der Tagesschau mit Erwartbarem. Obama macht, was ein Präsident halt so macht, wenn er in fremden Landen unterwegs ist - er plaudert mit seinesgleichen, den Regierungschefs anderer Länder.

 Indes, so scheint es, steigert sich die Aufgeregtheit bei "ARD-Aktuell" ins schier unerträgliche. Folglich wird auch die Hysterie geradezu unerträglich. Darum will das "ARD-Hauptstadtstudio" etwas zur Ablenkung beisteuern. Zunächst einmal wird die deutsche Öffentlichkeit beruhigt:


 Und dann wird uns die Wartezeit durch eine kleine, in den Augen von "ARD-Aktuell" wohl witzige Animation verkürzt. Hierin verwandelt sich "@POTUS", von Obama sukzessive in den neuen: "Gottseibeiuns", Donald Trump.


 Kaum hat sich ein Lächeln in die Gesichter gezeichnet, legt Dr. Gniffke nach. Da es aber kein neues Material gibt, twittert er ein kurzes Filmchen mit einem Ausschnitt aus der Rede Obamas, die dieser in Athen gehalten hat. Worte des Präsidenten, die Dr. Gniffke wohl für besonders weise und weitsichtig erachtet, weswegen er sie schriftlich dokumentiert ins Bild einblendet und auf diese Weise unübersehbar macht. Es soll etwas bleiben vom Guru, das sich die Deutschen ins Poesiealbum kleben, an die Wand pinnen, oder auch, und das vor allen Dingen, hinter den Spiegel stecken sollten.

 Ganz nebenbei wird auch noch ein wenig Bildung für die breite Masse betrieben. Speziell für die Generation Internet:  
"Griechenland - die Wiege der Demokratie".

 So lässt sich auch die überaus lästige Wartezeit bis zur Ankunft des Messias noch nützlich verbringen.

Apropos nützlich verbringen - zu diesem Schlagwort hat das "ARD-Hauptstadtstudio" noch etwas wichtiges zu vermelden.

Und dann endlich - Tusch:
"Tätärätä!"

 Dr. Gniffke lässt die Kameras surren und verheddert sich vor lauter Aufregung schon wieder in der deutschen Sprache. Ein Umstand, der den User Lars S. nachdenklich stimmt:
"Ich denke eher, das Flugzeug landet bzw. die Piloten landen das Flugzeug."
Dr. Gniffke hat wohl einmal zu viel die Hollywood-Schnulze "Airforce One" mit Harrison Ford gesehen, in der der staunenden Welt ja vorgeführt wird, dass US-amerikanische Präsidenten ausser übers Wasser gehen, auch noch ganz andere Fähigkeiten haben. Ein Film, über den der österreichische Drehbuchautor und Regisseur Michael Haneke sagte:
"Wenn ich mir zum Beispiel ‚Airforce One‘ anschaue, von Herrn Petersen, das ist ein übles Propaganda-Machwerk",
und die Fachzeitschrift "CINEMA" urteilt, in dem Film
"schlägt der mental aufgerüstete Petersen jetzt zackig die Hacken zusammen."
Eine Handlung, die wir auch immer öfter bei "ARD-Aktuell" und deren Chefredakteur Dr. Gniffke beobachten können.

Es ist vollbracht: Auch hier, wie in Petersens Machwerk - ein Wunder geschuldet der Kraft, der Zuversicht und dem unbändigen Willen:


"Potus", zumindest phonetisch ganz nah bei "Jesus".

 Melancholie breitet sich aus:
"Time to say good bye",
schluchzt Dr. Gniffke in sein Taschentuch und lässt die faszinierte Nation daran teilhaben.



Aber sofort fängt er sich wieder, kommt seiner Aufgabe als Zeitzeuge nach und meldet pflichtschuldigst und in Anbetracht des obersten Oberbefehlshabers militärisch kapp, aber absolut präzise:
"Berlin, 17:56. Gelandet."


 Endlich hat sich ein lang gehegter Traum erfüllt. Für eine kurze Zeit stand die Welt still. Zumindest wenn man dem Twitter-Account der Tagesschau vertraut. Nichts ist passiert. Es gab nur ein Ereignis über das zu berichten war. Ein Ereignis, das alles andere auf der Welt in den Schatten stellte.

 Aber nicht Dr. Gniffke, sondern ein gewisser "harry.berlin" fasst für uns alle nicht nur das Wichtigste des Besuchs des "POTUS", sondern praktisch die Quintessenz der gesamten Amtszeit Obamas in knappen, bewegenden Worten zusammen und wagt einen Ausblick auf die düstere Zeit, die jetzt vor uns liegt:
"Ich habe noch nie einen Politiker so locker und cool die Gangway hinab schlendern sehen. Schade, dass seine Amtszeit nach acht Jahren enden muss.
Der Nachfolger wird eher poltern."
Besser kann man es nicht sagen. Hallelujah!