Montag, 18. Juni 2018

Warum Steffen Dobbert, "Die Zeit", keine Panini-Sammelbilder mehr kauft

 Man soll ja nicht verallgemeinern, aber es ist doch frappierend wie der Zeitredakteur Steffen Dobbert einmal mehr das Vorurteil, Fußballer seien nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte, bestätigt.

Gehen wir einmal zu seinen Gunsten davon aus, dass Dobbert, was er in seinem Artikel:
"Ich boykotiere diese Show"
zur Fußball-WM in Russland auf Zeit-online der verehrten Leserschaft zumutet, auch selbst mit jeder Faser seines Sportlerkörpers glaubt. Schliesslich wissen wir ja, Journalisten der Qualitätsmedien sagen niemals und unter gar keinen Umständen die Unwahrheit. Ist dem also so, sollte Dobbert auf keinen Fall den Sport wechseln, etwa Kopfballer werden, denn der Kopf scheint bei ihm nicht Gleichmut wie die Füsse entwickelt zu sein.

 Schon die Theatralik, mit der Dobbert seine hingebungsvolle Liebe zum Fußballsport beschreibt, läßt erste Zweifel aufkommen, ob der Mann verstanden hat um was es geht:
"Seit 1990 habe ich jede Fußball-WM verfolgt, als Fußballfan, -spieler, -reporter. Drei Kreuzbandoperationen im Knie konnten mir meine Begeisterung für diesen Sport nicht nehmen."
 Hört sich ein wenig so an, als beklage sich ein Kriegsveteran darüber, dass sein Heimatland, für das er gekämpft, seine Gesundheit und seine Gliedmassen gegeben hat, ihm nun die ihm gebührende Anerkennung und die ihm zustehende Versehrtenrente verweigert. Fußball als Kriegsersatz. In weiten Kreisen eine gängige Ansicht, ruft man sich die diversen Schlachten der Hooligans mit oft Toten und Verletzten in Erinnerung.

 Aber Fußball scheint für Dobbert nicht nur Kriegsersatz zu sein, sondern viel, viel mehr. In Anbetracht des Satzes:
"Wenn sich meine Tochter in ihrem E-Jugendteam zwischen anderen Mädchen durchschlängelt und den Ball ins Tor drischt, springe ich in die Luft",
drängt sich einem Bedauern für das arme Töchterlein auf. Wer kennt sie nicht, die erfolgsgeilen Eltern an den Rändern der Fußballfelder Deutschlands, die ihre eigenen Ambitionen auf ihre Nachkommen projiziert haben, bei Erfolgen frenetisch feiern aber bei Fehlern diese hemmungslos kritisieren und beschimpfen.

 Für Dobbert ist das Spiel, bei dem man einen Ball mittels Fuß-, oder im Bedarfsfall mittels Kopfstoß in das, sogenannte Tor befördert kein Spiel, sondern Lebensphilosophie zu sein. Für ihn scheint Fußball, dieses Männerding, nicht nur Kriegsersatz und Erziehungshilfe, nein es ist ihm auch Ausdruck von Kultur - seiner Kultur:
"Für mich ist ein Volleyschuss ins Dreiangel ein künstlerischer Moment, eine saubere Grätsche schöner als ein echter Picasso...",
Allerdings gerät ihm im Überschwang der Gefühle die Sache mit der deutschen Sprache, immerhin auch ein, und nicht gerade unwichtiger Teil unserer Kultur, ein wenig ausser Kontrolle:
" ...und ein Sommer mit einer Fußball-WM ein schönerer."
Man kann das so schreiben, schön ist anders und schönerer schon erst recht.

 Nun aber, so läßt er uns Dobbert via "Die Zeit" wissen, ist dem Mann der Spaß am Fußball vergangen und er droht nicht nur wie in der Überschrift bereits kundgetan mit Boykott der Show, also der Fußballshow, sondern mit einem allumfassenden Totalboykott:
"Weil ich diesen Sport liebe, werde ich diese WM boykottieren, keine WM-Party schmeißen, nicht nach Russland reisen und keinen Cent für WM-Sammelbilder von Panini ausgeben."
 Was, so fragt man sich hat dem Mann so den Boden unter den Füssen weggezogen, hat sein bisheriges Leben sinnlos und den Sommer 2018 nicht "schönerer" werden lassen?

 Es ist der böse Russe. Der böse Putin, der dem Steffen Dobbert schon an frühen Morgen das Aufstehen vergällt, am Abend das Zubettgehen und der ihm während der Nacht den ruhigen Entspannung schenkenden Schlaf raubt.

 Dobbert ist Fußballer. Erkann mit der Vielschichtigkeit und dem Ränkespiel, der Taktik der Politik unter den Völkern nicht viel anfangen. Er träumt von einer Zeit, als noch galt: "Entscheidend is' auf'm Platz", als Feinde noch Feinde waren, denen sich Politiker entgegenstellten, die damals noch echte Männer, echte Kerle waren, so wie es Fußballer sind. Zur Not mit einem Boykott, so wie heute er - "Last man standing Steffen Dobbert":
"Fast auf den Tag genau vor 38 Jahren, am 15. Mai 1980, waren das die wichtigsten Nachrichten in Deutschland. Im Sommer 1980 durfte keine Sportlerin und kein deutscher Athlet aus der BRD bei den Olympischen Sommerspielen in Moskau an den Start gehen."
Ein Kerl wie der dicke Kohl, der 1989 dem Steffen Dobbert die Freiheit vom Kommunismus brachte, wofür der Steffen Dobbert dem dicken Kohl heute noch zutiefst dankbar ist:
"Helmut Kohl, damals Oppositionsführer und CDU-Vorsitzender, unterstützte den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt in seinem Boykottentschluss." 
 Da mussten die Sportler, die sich über Jahre gewissenhaft auf diese Spiele vorbereitet hatten, die auf ein Privatleben verzichtet hatten, die Verletzungen und Erkrankungen in Kauf genommen hatten für dieses eine, große Ziel für diese wahrscheinlich einzigartigste Chance in ihrem Leben, den Start bei Olympia, schon zurückstehen, verzichten für das Große-Ganze. Oder anders ausgedrückt für die Hegemonialpolitik des großen Freundes auf der anderen Seite des Atlantiks.

 Denn um nichts anderes als Hegemonialpolitik ging es damals, wie Steffen Dobbert unumwunden zugibt:
"Hauptgrund waren also nicht die antidemokratischen Zustände in der damaligen Sowjetunion. Weder der Schauprozess gegen den späteren Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow noch die Missachtung der Menschenrechte anderer Dissidenten und Helsinki-Aktivisten hatten Schmidt und den US-Präsidenten Jimmy Carter zum Eingriff in die Unabhängigkeit des Sports bewegt. Entscheidend war Russlands Einmarsch in Afghanistan..."
 Die Sowjetunion war im Dezember 1979 in Afghanistan einmarschiert - Ein Land, dass die USA schon fest auf ihrer Seite verbucht hatten. Knapp 10 Jahre dauerte das militärische Abenteuer bis die Sowjets im Februar 1989 das Land, auch Dank kräftiger US-Unterstützung mit Schimpf und Schande wieder verlassen mussten. Auf Anraten des Sicherheitsberaters von US-Präsident Jimmy Carter, Zbigniew Brzeziński, pumpten die USA bis zu 6 Mrd. Dollar in Form von Waffen, bis hin zu den damals hochmodernen und hocheffektiven Flugabwehrraketen Stinger in das kleine Land.

 Mag es dummerhafte Vergesslichkeit oder boshafte Unterschlagung sein, in Dobberts Beitrag liest man kein Wort von der Okkupation Afghanistans durch eine Koalition des Westens, angeführt durch die USA im Herbst 2001. Diese Okkupation währt nun schon annähernd 17 Jahre. 7 Jahre länger als die ehemals sowjetischen Eindringlinge überziehen die USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere Nationen dieses kleine Land mit Krieg, Tod und Verderben.

 In dieser Zeit gab es vier Fußballweltmeisterschaften unter anderem 2006 in Deutschland, einem der Aggressoren in Afghanistan. Hat Dobbert, was ja nur konsequent wäre, etwa die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland boykottiert? Hat er sich kein Spiel angesehen, war er nicht einmal zum Rudelgucken, hat er keine "Weltmeisterparty" geschmissen, keine "WM-Sammelbilder von Panini" gekauft?

 Oder hat er die Olympischen Sommerspiele 2012 in London boykottiert, weil doch ein Krieg so von Übel ist? Dobbert sagt es klar und deutlich:
"Ein Land, das Angriffskriege führt, darf nicht Gastgeber von Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Fußballweltmeisterschaften sein."
 Achja ich vergass - während die Sowjetunion aus reiner Machtgier in Afghanistan wütete, verteidigen die Truppen des Westens ja nur unser aller Freiheit am Hindukusch. Wenn also wieder einmal eine US-amerikanische Drohne, oder Raketen, abgefeuert von einem US-Kampfjet auf Befehl eines deutschen Offiziers 90 afghanische Bauern, Frauen und Kinder in ihre Atome zerlegt, dann sollten diese ungebildeten Tölpel nicht jammern, sondern sie sollten sich bewußt sein, dass sie ihr Laben für einen, für sie wahrscheinlich nicht einsehbaren, höheren Zweck gegeben haben: Für die Freiheit eines Steffen Dobbert und seiner Kolleginnen und Kollegen auch weiterhin jede Unwahrheit, Lüge, Manipulation oder Propaganda mittels Zeit-online oder dergleichen in eine völlig wehrlose Welt hinauszuposaunen. Sie sollten sich bewußt sein, dass sie gestorben sind für die Freiheit des Steffen Dobbert, einen solchen Stuss zu verzapfen wie in diesem Beitrag auf Zeit-online.

 Zum Gedenken der Opfer des von Deutschland zu verantwortenden Bombenangriffs (zwei 500-Kilo-Bomben) auf zwei in der Furt Hadschi Ghafour durch den Kunduz-Fluß, in der Region Chardara, steckengebliebene Tanklastwagen am 4. September 2009 und um ihnen eine Identität zu geben, hier die Liste der Opfer, die dem Buch "Kunduz, 4. September 2009 - Eine Spurensuche" von Marcel Mettelsiefen und Christoph Reuter entnommen sind, erschienen bei Rogner & Bernhard GmbH & Co Verlags KG in Berlin, die im Dezember 2015 leider Konkurs anmelden musste und 2016 vom Zürcher Verlag Klein und Aber übernommen wurde.

Die Autoren schreiben erklärend dazu:
"Die Schreibweise richtet sich in ihrer Transkription danach, wie der Name auf Deutsch ausgesprochen wird. Die Altersangaben sind in vielen Fällen nicht korrekt, da die meisten Menschen in Afghanistan ihr Geburtsdatum nicht kennen und in ihren Ausweispapieren häufig nicht das korrekte Alter angegeben wird. Da es kein klar differenziertes System bezüglich der Familiennamen gibt, wird der Name des Vaters mitgenannt."

Liste der Toten von Chardara 

Aus dem Dorf Yacub Bayi: 

Said Mohammed, 32, Sohn von Hadschi Dschalat, Bauer
 Dschuma Gul, 22, Sohn von Hadschi Dschalat, Bauer
Assadullah, 18, Sohn von Hadschi Dschalat, Schüler
Amanullah, 20, Sohn von Mohammed Fairuz, Bauer
Qadratullah, ca. 23, Sohn von Abdul Daian, Fahrer
Rahmatullah, 15, Sohn von Abdul Daian, Schüler
Khodaidad, ca. 30, Sohn von Hadschi Wahab, Bauer
Hafizullah, 20, Sohn von Hadschi Wahab, Bauer
Alef Din, 35, Sohn von Hadschi Guldin, Bauer
Wazir Gul, ca. 27, Sohn von Hadschi Guldin, Fahrer
Abdul Baschir, 17, Sohn von Hadschi Guldin, Bauer
Zikrullah, 15, Sohn von Alef Din, Schüler
Gul Alam, 15, Sohn von Mir Afghan, Schüler
Abdul Salam, ca. 14, Sohn von Abdul Wudud, Schüler
Mohammed Ali, ca. 40, Sohn von Nur Mohammed, Fahrer
Ibrahim, ca. 25, Sohn von Nur Mohammed, Bauer
Rahmatullah, 15, Sohn von Mohammed Ali, Schüler
Jan Mohammed, 30, Sohn von Hadschi Dschuma Khan, Bauer
Nurullah, 15, Sohn von Hadschi Dschuma Khan, Schüler
Ayaz, ca. 11, Sohn von Mohammed Wali, Schüler
Mohammed Wali, 40, Sohn von Tor Bay, Bauer
Aref Khan, 15, Sohn von Nadir Khan, Schüler
Mohammed Daud, ca. 23, Sohn von lbrahim, Bauer
Alef Din, 20, Sohn von Akhtar Mohammed, Bauer
Nadir Khan, ca. 40, Sohn von Akhtar Mohammed, Bauer
Guldin, 35, Sohn von Mullah Scharafudin, Bauer
Mohammed Din, ca. 40, Sohn von Hadschi Abdullah Jan, Bauer
Amanullah, 30, Sohn von Abdul Salam, Fahrer
Mullah Qadam Schah, 50, Sohn von Sher Ahmed Khan, Bauer
Gul Dost, ca. 40, Sohn von Hadschi Adschab Khan, Bauer
Dost Mohammed, ca. 20, Sohn von Gul Dost, Bauer
Mohammed Pahlawan Hassan, 55, Sohn von Qurban Ali Schah,
Ghafar Fazil, 25, Sohn von Mohammed Pahlawan Hassan, Bauer
Abdul Latif, 26, Sohn von Nadir, Bauer

Aus dem Dorf Omar Khel (das aus verschiedenen, zum Teil weit auseinanderliegenden Unterdörfern besteht): 

Sanaullah, ca. 11, Sohn von Abdul Hanan, Schüler
Abdul Daian, 13, Sohn von Abdul Hanan, Schüler
Mohammed Agul, 12, Sohn von Gulruz, Schüler
Ahmed Gul, 13, Sohn von Gulruz, Schüler
Nadschmudin, ca. 30, Sohn von Gulab, Bauer
Qadratullah, 37, Sohn von Amanullah, Ladenbesitzer
Said Rasul, 24, Sohn von Hadschi Sahar Gul, Maurer
Abdulghuiur, 23, Sohn von Hadschi Sahar Gul, Maurer
Abdul Rahim, 25, Sohn von Hadschi Abdul Basir, Bauer
Mohammed Ibrahim, 22, Sohn von Hadschi Abdul Basir, Bauer
Samiullah, 20, Sohn von Hadschi Abdul Basir, Schüler
Zikrullah, ca. 17, Sohn von Abdul Daian, Schüler
Abdul Qadir, 35, Sohn von Hadschi Rauf, Traktorfahrer
Maulana Nur, ca. 16, Sohn von Hadschi Rauf, Schüler
Sidiqullah, ca. 30, Sohn von Gul Mohammed, Straßenbauarbeiter
Aref Khan, ca. 13, Sohn von Rahman, Schüler
Abdul Hamid, 34, Sohn von Hadschi Abdullah Jan, Bauer
Mumin, ca. 30, Sohn von Aziz Khan, Bauer
Ahmed Nur, ca. 13, Sohn von Hadschi Lailudin, Schüler
Guldin, 35, Sohn von Hadschi Musa Khan, Bauer
Hukmudin, 30, Sohn von Hadschi Musa Khan, Bauer
Qari Allah Nur, 28, Sohn von Hadschi Musa Khan, Bauer
Abdul Khaliq, 21, Sohn von Gulbudin Arsala, Bauer
Mohammed Adschmal, 15, Sohn von Hadschi Abdul Hanan, Schüler
Abdul Wahid, 23, Sohn von Gulbudin, Arbeiter
Samad Khan, 48, Sohn von Mohammed Amand, Bauer

Aus dem Dorf lssa Khel: 

Abdul Qayum, 23, Sohn von Hadschi Miro Gul, Bauer
Ahmed Din, 18, Sohn von Said Alam, Ladenbesitzer
Ali Mohammed, ca. 30, Sohn von Jan Mohammed, Bauer
Abdul Baschir, 35, Sohn von Ghamai, Bauer
Abdul Rahim, 23, Sohn von Mohammed Ghulam Bayi, Schüler/Bauer
Azizullah, ca. 24, Sohn v011 s"aid Ahmed Din, Bauer
Amir Gul, 28, Sohn von Karim Gul, Bauer
Said Rahim, ca. 25, Sohn von Samander, Bauer
Nur Alam, ca. 25, Sohn von Salamat Khan, Bauer
Abdul Wahab, 30, Sohn von Nur Khan, Bauer

Aus dem Dorf Gul Bagh: 

Dschuma Khan, 39, Sohn von Hadschi Salu, Bauer
Adschab Khan, 34, Sohn von Hadschi Salu, Bauer
Schawali, 35, Sohn von Akhtar Mohammed, Bauer
Mohammed Akram, 36, Sohn von Hadschi Adam Khan, Bauer

Aus dem Dorf Hadschi Amanullah: 

Assadullah, 23, Sohn von Wali Mohammed, arbeitete in einem Hotel in Kunduz
Masdschidi, ca. 17, Sohn von Mir Rahman, Bauer
Schamsulrahman, ca. 15, Sohn von Mir Rahman, Schäfer
Mohammed Daud, 35, Sohn von Hadschi Sahar Gul, Taxifahrer
Rahmat Schah, 13, Sohn von Mohammed Daud, Lehrling in Kunduz
Faiz Mohammed, ca. 23, Sohn von Jan Mohammed.varbeitete in Kunduz
Din Mohammed, ca. 42, Sohn von Dschuma Khan, Bauer
Abdul Rahim, ca. 21, Sohn von Mir Akbar, Schüler
Ihsanullah, ca. 13, Sohn von Said Mohammed, Schüler
Guladin, 13, Sohn von Dschamaludin, Schüler
Hafizullah, ca. 25, Sohn von Hadschi Nur Ahmed, Bauer
Nasratullah, ca. 22, Sohn von Mohammedullah, Bauer
Dschamaludin, 27, Sohn von Naimudin, Bauer
Nur Ali, 44, Sohn von Nur Mohammed, Bauarbeiter
Fazil, ca. 17, Sohn von Abdul Rahman, Schüler
Musa, 32, Sohn von Nadschibullah, Bauer


 Kommen wir zurück zum Fußballer Dobbert und zu einem Leiden, dass scheinbar zum Fußball dazugehört wie die Pfeife zum Schiedsrichter. Spieler und vor allem Zuschauer leiden unter einer stark eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit und einem einseitigem Urteilsvermögen.

 Spielt z. B. ein Spieler der gegnerischen Mannschaft im eigenen Strafraum sauber den Ball, der Spieler der eigenen Mannschaft fällt aber hin und windet sich unter scheinbar unmenschlichen Schmerzen am Boden, so ist klar, hier ist ein Strafstoß und mindestens die gelbe Karte fällig.

 Haut aber ein Spieler der eigenen Mannschaft ohne Rücksicht auf die Gesundheit seines Gegenspielers diesem brutal die Beine weg, worauf der andere mit gebrochenem Schien- und Wadenbein am Boden liegt, so ist dieser einfach ein begnadeter Schauspieler, der Publikum und Schiedsrichter, um des eigenen Vorteils willen, täuschen will. Böse Zungen könnten behaupten, Täuschung und Betrug ist Fußballimmanent.

 Leider, so scheint's, wirkt sich diese eingeschränkte Wahrnehmung auch auf Dobberts berufliche Tätigkeit aus. Wie anders sollen einem solche Sätze erklärlich werden:
"Krieg, also ein organisierter, mit verschiedensten Waffen ausgetragener Konflikt, gehört gegenwärtig wie selbstverständlich zur russischen Außenpolitik."
Was soll der halbwegs informierte Leser/Leserin mit einer solchen Aussage anfangen? Schon das Dobbert sich veranlaßt fühlt, den Begriff "Krieg" zu erklären, zeigt, welch geringen intellektuellen Anspruch er an seine Leserschaft stellt. Auf grenzenlose Dummheit und Arroganz der Leserschaft ist das Blatt, das dereinst einmal die Lektüre von eher linksliberal eingestellten Menschen war, aber angewiesen, wenn es Autoren wie Dobbert zu Wort kommen lässt. Der verdreht und manipuliert Geschichte als bekomme er dafür Geld von der CIA:
"Nach der bewaffneten Auseinandersetzung um Transnistrien und im Anschluss an den ersten Tschetschenien-Krieg griff das russische Militär allein in den vergangenen zehn Jahren in vier Kriege ein oder löste sie aus: Der Kreml führte Russland in den zweiten Tschetschenien-Krieg (1999 bis 2009) und in den Georgien-Krieg (2008). Bis zum heutigen Tag lässt Wladimir Putin auf den syrischen Schlachtfeldern Söldner kämpfen und Städte bombardieren (seit 2015). Auch in der Ukraine, wo Russland 2014 einen Krieg entfachte, der ebenfalls bis heute anhält, beschießen immer noch Woche für Woche russische Raketenwerfer ukrainische Dörfer und töten Menschen. Allein dieser Krieg mitten in Europa hat bisher mehr als 10.000 Bürgern das Leben genommen."
 Es ist müssig sich wieder und wieder mit diesen dreisten Behauptungen, die jeder geschichtlichen Grundlage entbehren ernsthaft auseinanderzusetzen. Dobbert macht Propaganda und sonst nichts. Darum vermeidet er auch peinlichst, irgendwelche Belege für seine Behauptungen vorzubringen. Es ist das alte Spiel, je öfter etwas behauptet wird um so wahrscheinlicher wird es, dass die Menschen es am Schluss auch glauben.

Was Dobbert wirklich will, verrät er ein paar Zeilen weiter unten:
"…die Geschichte lehrt, dass der Boykott eines Sportspektakels zwar kurzfristig wenig ändert. Langfristig könnte so ein symbolischer Akt aber zu einer Veränderung führen."
Dobbert ist es völlig egal, wo welcher Krieg geführt wird, wo Menschen sterben oder verletzt werden. Alle diese Opfer sind einzig Mittel zum Zweck:
"Olympia 1980 wurde zu einem Meilenstein des Kalten Krieges, der auch wegen des Boykotts einige Jahre danach beendet werden konnte."
Er will einen Regimechange in Russland. Er will an die russischen Rohstoffe, an Öl, Gas, Nickel, an die rieseigen landwrtschaftlichen Flächen und er will Zustände wie in der Zeit des Raubtierkapitalismus unter Jelzin. Dafür ist ihm und seinen Freunden jedes Mittel recht. Da müssen dann sogar die Hinterbliebenen der Opfer der MH 17 Katastrophe herhalten. Dobbert zitiert aus einem Brief von Hinterbliebenen:
"Nein, für das, was geschehen ist, beschuldigen wir nicht die russische Bevölkerung. Wir sind nicht gegen euch. Es ist der russische Staat und seine Anführer, die letztlich für den Tod unserer Familienmitglieder verantwortlich sind. (...)Einige von uns sind leidenschaftliche Fußballliebhaber, andere nicht. Aber niemand von uns wird in der Lage sein, an dieser Weltmeisterschaft so mitzumachen, wie wir es zuvor getan haben." 
Dazu schreibt er:
"Diese Zeilen sind ein Auszug eines Briefes, den die Hinterbliebenen der 298 Todesopfer geschrieben haben, die beim Flug MH17 ihr Leben verloren."
Er suggeriert nicht nur, nein, er behauptet, die Hinterbliebenen aller 298 Opfer seien die Autoren. In der Tat haben aber nur zehn Personen, drei Australische Staatsbürger, 3 Niederländische Staatsbürger und 4 Britische Staatsbürger, diesen Brief unterzeichnet. Veröffentlicht wurde er zuerst in der Novaya Gazetta am 22. Mai. Allerdings, so scheint es, ist das Manuskript, zumindest, redaktionell bearbeitet worden. Benennnt die Novaya Gazeta doch Pavel Kanygin als Sonderkorrespondenten im Bereich Politik als Autor. Auch drückt die Zeitschrift massiv auf die Tränendrüsen, indem sie Bilder von Opfern veröffentlicht, natürlich nur von jungen, hübschen Menschen, die ihr Leben noch vor sich gehabt hätten. Bilder von Roger Guard, 67und Jill Guard, 62, Glenn R. Thomas, 49 und Stephen Anderson, 44, deren Angehörige doch zu den Unterzeichnern des Briefes gehören sucht man vergeblich.

 Natürlich gebührt Menschen, die ein solch schweres Schicksal erlitten haben, wie nahe Angehörige durch ein Unglück von jetzt auf gleich zu verlieren, unser aller Mitgefühl und unser Respekt. Aber gerade weil ihnen unser Respekt gebührt, ist es unverantwortlich und geradezu schändlich, ihre Gefühle auszunutzen, um damit Propaganda zu machen. Noch dazu gegen eine vergleichsweise Nichtigkeit wie die Austragung der Fußballweltmeisterschaft in Russland.

 Es dürfte Dobbert wohl selbst gedämmert haben, dass ein Brief von 10 Angehörigen von neun Opfern der Katastrophe bei einer Gesamtopferzahl von 298 nicht gerade überzeugend ist. Darum macht er aus zehn Unterzeichnern fix "die Hinterbliebenen der 298 Todesopfer", also die Gesamtheit der Hinterbliebenen. Er lügt dreist im Angesicht von so viel Leid und Schmerz.

 Wie egal dem Fußballreporter Dobbert die Menschen, sowohl die 298 Opfer, wie auch deren Angehörige wirklich sind, verrät sein nächster Satz:
"Es sind EU-Bürger, die bis zum Juli 2014 nichts mit dem russisch-ukrainischen Krieg zu tun hatten. Dann starben plötzlich ihre Töchter, Söhne, Ehemänner und Freunde durch einen russischen Raketenwerfer in der Ukraine."
 Diese Menschen sind Dobbert dermassen gleichgültig, dass er nicht einmal ihre Herkunft sauber recherchiert hat. Egal worauf sich sein Satz auch bezieht, auf die Gesamtzahl der Opfer, oder auf die  Angehörigen der Neun Opfer, die in dem Brief namentlich genannt werden, ist man es diesen Menschen nicht zuallererst einmal schuldig, dass man ihnen soviel Ehrerbietung entgegenbringt, dass man ihre Identität richtig wiedergibt?

 Zumindest die drei Australier unter den Briefschreibern sind schon mal keine EU-Bürger wie Dobbert behauptet. Unter den Opfern von Flug MH 17 befanden sich immerhin 87 Nicht-EU-Bürger, 43 aus Malaysia, 27 aus Australien, 12 aus Indonesien, 3 von den Philippinen, 1 aus Kanada und 1 aus Neuseeland. Zwei der Opfer hatten neben einer EU-Staatsbürgerschaft auch die von Südafrika und den Vereinigten Staaten.

 Dobbert ist ein böser Journalist, ohne Mitgefühl, ohne Empatuie für die Menschen über die er schreibt. Ihm ist nur eines wichtig, seine Mission, seine politische Meinung den Leserinnen und Lesern unterzujubeln. Dabei spielen Genauigkeit und Sorgfalt bei der Recherche und Wahrheit und Aufrichtigkeit beim schreiben eine untergeordnete bis gar keine Rolle.

 Sollte man die Arbeit Dobberts mit einem Wort beschreiben, so träfe das Adjektiv "schlampig" wohl am besten zu. Fakten interessieren ihn, wenn überhaupt, nur am Rande.
"Ein politischer Boykott, wie ihn 60 Abgeordnete des EU-Parlaments und die Regierung von Großbritannien anstreben, wäre deshalb angebracht",
schreibt er und verlinkt auf einen Brief im Internet mit offiziellem Logo des Europäischen Parlaments. Zählt man die Unterzeichner durch so endet das bei der Zahl 58. Dobbert hat offensichtlich, wieder einmal, bei den Kollegen abgeschrieben, denn die Zahl "sechzig" geistert unisono durch den deutschen Blätterwald.

 Ob aber nun 58 oder 60 Unterzeichner, das Dokument ist eher ein beredtes Zeichen dafür, wie unpopulär solche Boykottaufrufe unter den Politikern Europas sind. Mitglieder im Europäischen Parlament sind 751 Politikerinnen und Politiker. Unabhängig von der genauen Zahl (58 oder 60) der Unterzeichner, erreichen diese nicht einmal 8 Prozent aller EU-Abgeordneten.

 Getragen wird der Aufruf dann auch nur von Abgeordneten aus zwei Fraktionen - der EVP mit 31 Unterzeichnern und den Grünen/Europäische Freie Allianz (Grüne/EFA) mit 19 Unterzeichnern. Hinzu kommen noch 6 Abgeordnete der Sozialdemokraten (S&D) und Petras Auštrevičius aus Litauen von den Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (Alde) und Anna Fotyga aus Polen von der nationalkonservativen, EU-kritischen und rechtspopulistischen Fraktion Europäische Konservative und Reformer (ECR). Die 5 Vertreter der Fraktion aus Deutschland wurden für die AfD gewählt.

 Wie die Initiatorin des Boykottaufrufes, Rebecca Harms, gehören alle 4 deutschen Unterzeichner zu den Grünen. Allerdings auch in ihrer eigenen Fraktion, 52 Mitglieder (19 Unterzeichner), wie auch bei den Abgeordneten ihrer eigenen Partei, 11 Abgeordnete (4 Unterzeichner), befindet sich Harms mit ihrer Aktion in der absoluten Minderheit. 

Sieht man sich die Liste im Hinblick auf die Staatsangehörigkeit der Unterzeichner an, so fällt zunächst einmal auf, das diese nur aus 16 der 28 EU-Staaten kommen. Aus 6 Staaten (Belgien - im Parlament mit insgesamt 21 Abgeordneten vertreten; Finnland - 13; Irland - 11; Luxemburg - 6; Rumänien - 32; und Ungarn - 21) kommt jeweils nur eine Unterschrift und aus drei weiteren Ländern (Estland - 6; Lettland - 8; Niederlande - 26 Abgeordnete) nur zwei Unterschriften. Es dürfte sich hierbei um Einzelmeinungen handeln, die in keinster Weise die Meinung der Bevölkerung ihrer Länder widerspiegelt.

Die Liste der Unterzeichner:

  1. Adaktusson, Lars (EVP, Schweden)
  2. Auštrevičius, Petras (ALDE, Litauen)
  3. Boni, Michal (EVP, Polen)
  4. Bové, José (GRÜNE/EFA, Frankreich)
  5. Buzek, Jerzy (EVP, Polen)
  6. Childers, Nessa (S&D, Irland)
  7. Delli, Karima (GRÜNE/EFA, Frankreich)
  8. Durand, Pascal (GRÜNE/EFA, Frankreich)
  9. Eickhout, Bas (GRÜNE/EFA, Niederlande)
  10. Fjellner, Christofer (EVP, Schweden)
  11. Fotyga, Anna (ECR, Polen)
  12. Gabelic, Aleksander (S&D, Schweden)
  13. Giegold, Sven (GRÜNE/EFA, Deutschland)
  14. Griffin, Theresa (S&D, UK)
  15. Guteland, Jytte (S&D, Schweden)
  16. Harms, Rebecca (Initiator of this call, GRÜNE/EFA, Deutschland) 
  17. Hetman, Krzysztof (EVP, Polen)
  18. Heubuch, Maria (GRÜNE/EFA, Deutschland)
  19. Hökmark, Gunnar (EVP, Schweden)
  20. Jadot, Yannick (GRÜNE/EFA, Frankreich)
  21. Jávor, Benedek (GRÜNE/EFA, Ungarn)
  22. Jazłowiecka, Danuta (EVP, Polen)
  23. Joly, Eva (GRÜNE/EFA, Frankreich)
  24. Kalinowski, Jarosław (EVP, Polen)
  25. Kelam, Tunne (EVP, Estland)
  26. Kozłowska-Rajewicz, Agnieszka (EVP, Polen)
  27. Kudrycka, Barbara (EVP, Polen)
  28. Lambert, Jean (GRÜNE/EFA, UK)
  29. Lewandowski, Janusz (EVP, Polen)
  30. Łukacijewska, Elżbieta (EVP, Polen)
  31. Macovei, Monica (EVP, Rumänien)
  32. Moody, Clare (S&D, UK)
  33. Olbrycht, Jan (EVP, Polen)
  34. Pabriks, Artis (EVP, Latvia)
  35. Pietikäinen, Sirpa (EVP, Finland)
  36. Pitera, Julia (EVP, Polen)
  37. Plura, Marek (EVP, Polen)
  38. Rivasi, Michèle (GRÜNE/EFA, Frankreich)
  39. Ropé, Bronis (GRÜNE/EFA, Litauen)
  40. Rosati, Dariusz (EVP, Polen)
  41. Sargentini, Judith (GRÜNE/EFA, Niederlande)
  42. Siekierski, Czesław (EVP, Polen)
  43. Smith, Alyn (GRÜNE/EFA, UK)
  44. Šojodrová, Michaela (EVP, Tschechische Republik)
  45. Staes, Bart (GRÜNE/EFA, Belgien)
  46. Štětina, Jaromír (EVP, Tschechische Republik)
  47. Szejnfeld, Adam (EVP, Polen)
  48. Tarand, Indrek (GRÜNE/EFA, Estland)
  49. Telička, Pavel (EVP, Tschechische Republik)
  50. Thun und Hohenstein, Róża Gräfin von (EVP, Polen)
  51. Trüpel, Helga (GRÜNE/EFA, Deutschland)
  52. Turmes, Claude (GRÜNE/EFA, Luxembourg)
  53. Vaidere, Inese (EVP, Lettland)
  54. Wałesa, Jarosław (EVP, Polen)
  55. Ward, Julie (S&D, UK)
  56. Wenta, Bogdan (EVP, Polen)
  57. Zdrojewski, Bogdan (EVP, Polen)
  58. Zwiefka, Tadeusz (EVP, Polen)
 So ist das mit der Propaganda: Da wird ein politischer Flop ohne jede Bedeutung, in Bayern würde man dabei nicht ganz zu Unrecht von einer Watsch'n für die russophobe Eifererin Harms, in ein Medienereignis von enormer Tragweite, durch den ebenfalls russophoben Eiferer Steffen Dobbert, umgedeutet.

 So zieht Dobbert auch Schlüsse, die absoluter geschichtlicher Humbug sind:
"Während im Sommer 1980 in Afghanistan Bomben auf die Bevölkerung fielen, fanden die Olympischen Spiele in Moskau ohne große Sportnationen und deren Regierungsvertreter aus Europa und Amerika statt. Das Sowjetregime geriet dadurch weiter in eine Legitimitätskrise. Olympia 1980 wurde zu einem Meilenstein des Kalten Krieges, der auch wegen des Boykotts einige Jahre danach beendet werden konnte."
Wer hat schon einmal größeren Blödsinn gehört: Der Zusammenbruch der Sowjetunion und des Warschauer Paktes, ein Ergebnis der Blockade der Olympischen Spiele 1980 in Moskau. Rebecca Harms und Steffen Dobbert ringen die gesamte russische Führung, einschliesslich des gerade mit über 70 % wiedergewählten Präsidenten Putin nieder. Mir scheint's Dobbert hat den Ball einmal zu viel mit dem Kopf anstatt mit dem Fuß angenommen.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Die Burleske von Kiew - Ein Lehrstück über die Verfasstheit des Mainstreams

 In der Ukraine haben sie Kasperletheater gespielt - nicht zum ersten Mal. Was die Handpuppen der US-Geheimdienste allerdings dieses Mal inszenierten, schlägt alles bisher dagewesene. Der russische Journalist, oder sollte man nun lieber Schmierenkomödiant sagen, Arkadi Babtschenko, so wurde am  29.Mai gemeldet, sei unmittelbar vor seiner Haustür, duch Schüsse in den Rücken von Unbekannten getötet worden.

 Die Mainstreampresse zündete umgehend ein Feuerwerk der Krokodilstränen. Der arme Babtschenko, ein aufrechter Journalist, nur der Wahrheit verpflichtet, habe bereits sein Vaterland, die russische Föderation verlassen müssen weil nicht nur er, sondern auch seine gesamte Familie dort mit dem Tode bedroht worden sei.

Arkadi Babtschenko - schon immer ein begnadeter Schauspieler. Hier im Jahr 2014 auf dem Maidan als Barrikadenkämpfer
Screenshot  Spiegel online
 Die berühmt berüchtigte Christina Hebel von Spiegel online beschrieb Babtschenko hoch theatralisch mit:
"Ein Mann im Krieg",
und verwöhnte ihre Leser mit den harten, bestens recherchierten Tatsachen:
"Hart kritisierte Arkadij Babtschenko Putins Operationen in der Ukraine und in Syrien. Dafür wurde der russische Kriegsjournalist angefeindet - so sehr, dass er sein Land verließ. Nun wurde er in Kiew erschossen."
Anette Langer sprang Hebel bei und berichtete von vor Ort, quasi aus der ersten Reihe in Kiew:
"Mord an russischem Regierungskritiker Babtschenko - Schüsse in den Rücken
Arkadij Babtschenko war auf dem Rückweg vom Einkaufen, dann hörte seine Frau einen Knall: Der Angriff auf den Putin-Kritiker könnte ein Auftragsmord gewesen sein - Weggefährten vermuten eine Botschaft dahinter."
Wie immer wenn in Moskau an irgendeiner Strassenecke mehr als drei Menschen zusammen stehen berichtet Hebel auch jetzt wieder von einer machtvollen Demonstration der Aufrechten gegen das Unrechtsregime des Vladimir Putin:
"In Kiew und Moskau reagierten Freunde und Kollegen geschockt. In der Nacht zündeten einige Dutzende auf der Große Moskwa-Brücke nahe dem Kreml, wo vor drei Jahren der Putin-Kritiker Boris Nemzow erschossen worden war, Kerzen für Babtschenko an."
Jede gute Geschichte braucht auch eine Moral, mit der Hebel nicht lange hinter dem Berg hält:
"In Kreml-kritischen Kreisen empfindet man den jüngsten Mord als weiteres Signal: Wer das Regime in Moskau kritisiert, lebt gefährlich, ist nirgends mehr sicher."
 Eine kommödienhafte Note bekommt Hebels Geschichte, wenn sie Babtschenko mit Moral in Verbindung bringt:
"Harsch hatte der 41-Jährige immer wieder die Aggressionen Russlands kritisiert. Ihn trieb der moralische Niedergang seines Heimatlandes um, der so viel sinnloses Leid, so viel Tod auch in den eigenen Reihen gebracht hat."
 Wir haben es also hier mit einem Mann mit hohen moralischen Wertmassstäben zu tun. Hebel läßt uns mit einer kleinen Episode über Babtschenkos Geisteshaltung teilhaben:
"Doch richtig zum Ziel persönlicher Anfeindungen wurde Babtschenko im Dezember 2016. Damals war eine russische Militärmaschine mit 92 Menschen an Bord - darunter unter anderem das Alexandrow-Musikensemble der Armee und Journalisten des Staatsfernsehens - auf dem Weg nach Syrien abgestürzt. Babtschenko hatte daraufhin auf Facebook erklärt, man könne um die Opfer im Grunde nicht trauern. Schließlich hätten sie sich für Putins Interventionskrieg instrumentalisieren lassen."
Für Hebel vollkommen unverständlich die Reaktionen in Russland:
"Der ultranationale und Kreml-nahe Sender Tsargard setzte ihn daraufhin auf Platz 10 der Liste der 'Top 100 Russophoben'. Duma-Abgeordnete und das Staatsfernsehen arbeiteten sich an Babtschenko ab, der massive Drohungen erhielt."
 Waren es doch nur 92 Putin-Trolle, für die die Bezeichnung Menschen eigentlich völlig fehl am Platze ist, die ums Leben gekommen waren. Gut diese doch eher minderwertigen Leben waren ausgelöscht, aber was mit Babtschenko in der Folge geschah, war reinster Kremlterror:
"Der Journalist sah sich gezwungen, mit Frau und Tochter sein Land zu verlassen, 'so persönlich, so beängstigend' sei die Kampagne gegen ihn gewesen, schrieb er im 'Guardian'". 
Babtschenko durchlief dann die üblichen Stationen, wenn ein aufrechter Putinhasser seine Heimat verläßt um sich den westlichen Geheimdiensten anzubiedern:
"Er, der früher für "Moskowskij Komsomolez" und die Kreml-kritische "Nowaja Gazeta" berichtet hatte, ging zunächst nach Prag, dann nach Israel, bis er nach Kiew zog."
Den Rest seiner vom Tode bedrohten Familie liess Babtschenko in Moskau zurück:
"Seine Mutter lebt mit den gemeinsam aufgenommenen Adoptivkindern nach wie vor in Moskau."
 Eine schöne, herzzerreissende Geschichte von dem aufrechten, unbeugsamen Journalisten in der Schlangengrube des Putinschen Geheimdienststaates. Mit dem bitteren Ende des tragischen Heldens durch einen meuchelnden Schuss in den Rücken.

Während es also bei Hebel ziemlich stark menschelt, macht uns Langer mehr mit den knallharten Fakten vertraut:
"Babtschenkos Ehefrau befand sich den Meldungen zufolge im Badezimmer, als sie einen Knall hörte. Sie sei hinausgelaufen und habe ihren Mann in einer Blutlache liegend vorgefunden, hieß es."
Sie weiß auch von Anton Geraschenko,
"ein Abgeordneter der ukrainischen Partei 'Volksfront'",
intime Kenntnisse über den Ablauf des angeblichen Verbrechens:
"Der Mörder wartete im Treppenhaus am Hauseingang".
 Wer sich ein wenig auskennt in den Personalien der Putschisten in Kiew, der weiß, dass jener Anton Geraschenko, den Langer so harmlos als einen Abgeordneten der Partei "Volksfront", des ehemaligen Ministerpräsidenten Arsenij Jazenjuk beschreibt, der wiederum beste Beziehung zu US-amerikanischen Geheimdiensten hat, in Wirklichkeit ein ziemlich schlimmer Finger ist.

 Geraschenko hat zudem die unangenehme Eigenschaft immer gerade dort zu sein, wo ein Journalist vom Leben zum Tode befördert wird.

 Am 16. April 2015 wurde der russlandfreundliche Journalist Oles Busyna aus einem Auto heraus in unmittelbarer Nähe seiner Wohnung erschossen. Einen Tag zuvor hatte den ehemaligen Abgeordneten der Partei der Regionen, Oleh Kalaschnikow, schon das gleiche Schicksal ereilt. Von beiden, sowohl von Kalaschnikow als auch von Busyna hatte die Internetseite "Myrotworez" (Friedensstifter), die dem ukrainischem Geheimdienst SBU nahesteht, unter dem Reiter mit der vielsagenden Bezeichnung "Fegefeuer", die persönlichen Daten, wie Anschrift, Handynummer und nächste Anverwandte veröffentlicht, mit dem Zusatz, sie seien Feinde der Ukraine und das es sich bei ihnen um "Separatisten und Anti-Maidan Aktivisten" handele.

Wer aber nun ist Eigentümer der zur Lynchjustiz aufrufenden Website? - Der Abgeordnete Geraschenko.

 Im Januar 2017 stand Geraschenko selbst im Mittelpunkt eines angeblichen Mordkomplotts. Genau wie in den US-Krimis aus Hollywood, in denen die Guten immer in allerletzter Sekunde vor dem bereits sicheren Tod gerettet werden, wurden zwei Individuen, die auf der Krim in Haft saßen und begnadigt wurden, verhaftet während sie Geraschenko mit einer Bombe töten wollten. Diese, in höchster Not verhinderte schändliche Tat brachte die Behörden der Ukraine auf die Idee, den Fall des durch eine Autobombe getöteten weißrussischen Journalisten Pavlov Sheremet neu und intensiver zu untersuchen. Daraus wurde allerdings bis heute nichts. Kein Wunder, hatte Sheremet in seinen letzten Lebensmonaten immer heftiger die Führung in Kiew und die Umtriebe der Freiwilligenbatallione kritisiert.

 Langer stört das wenig. Sie verwurstet Sheremet in ihrem Text als Putinkritiker, weil es doch so schön passt. Oles Busyna wird dann einfach hinzugefügt, so als sei er ebenfalls ein Kremlkritiker gewesen:
"Es ist bereits der dritte ungeklärte Todesfall eines Journalisten in der ukrainischen Hauptstadt in vier Jahren. 2016 tötete eine Autobombe den russischen Journalisten Pawel Scheremet, ebenfalls ein Kritiker der Moskauer Führung. 2015 wurde der ukrainische Journalist Oleg Busina ermordet. Keiner der Fälle konnte bisher aufgeklärt werden."
 So geht Qualitätsjournalismus - was nicht passt wird passend gemacht. Und wer den, den Qualitätsjournalismus, richtig kennenlernen will, der hat in den letzten Tagen einige Lektionen dazugelernt. Zum Beispiel, wie man ein Phantombild von einem Mörder fertigt, obwohl es gar keinen Mörder gibt:
"Der stellvertretende Leiter der ukrainischen Polizei, Wjatschewslaw Abroskin, veröffentlichte nur wenige Stunden nach dem Tod des Journalisten ein Phantombild des mutmaßlichen Täters."
Screenshot Spiegel online

Eine ziemlich genaue Täterbeschreibung liefert Der Spiegel gratis dazu:
"Demnach ist der Gesuchte 40 bis 50 Jahre alt, 1,75 bis 1,80 Meter groß und trägt einen angegrauten Bart."
Allerdings:
"Woher die Angaben kommen und wer sich als Zeuge gemeldet hat, ist nicht klar." 
Kann ja eigentlich nur von dem Abgeordneten Geraschenko stammen, der den "Mörder" ja "im Treppenhaus am Hauseingang" gesehen hat. Jener Geraschenko, der nicht nur den Mörder gesehen hat, sondern der auch die Hintermänner und deren Motive genau kennt:
"Das System Putin hat es auf alle abgesehen, die man nicht brechen oder verängstigen kann."
 Blöd nur an der schönen Geschichte ist, dass Babtschenko sich nach wie vor, in vollen Zügen, seines Lebens erfreut. Der miese Meuchelmord, durch von Russland gedingte Killer, stellte sich als ein weiteres Stück aus dem Kommödiantenstadl der ukrainischen Laiendarsteller heraus. Angeblich, so die Witzbolde aus Kiew, habe man den Mord nur vorgetäuscht, um die wahren Killer aus ihren Verstecken zu treiben und sie umgehend festzunehmen.
Die Laienspielschar aus dem Kommödienstadel in Kiew
Screenshot Spiegel online
 Alles war gelogen. Die Einschusslöcher waren in das T-Shirt geschnitten worden, das Blut, dass in Mengen floß, war Schweineblut. Die Sanitäter ukrainische Geheimdienstler. Nur Der Spiegel, der war  mal wieder absolut authentisch: Eigene Recherche: Null, kein Gegencheck, einfach beim Geheimdienst abgeschrieben. Die Nachricht passte halt so gut in die Agenda.

 Die Spiegel-Redakteurinnen Christina Hebel und Anette Langer befanden sich mit ihrer grenzenlosen Ignoranz in allerbester Gesellschaft. Besonders dreist gebärdete sich ein weiteres mal Julian Hans in der Süddeutsche Zeitung. Am 31. Mai, nachdem der ganze Spuk aufgeflogen war entrüstete sich Hans über seine Kollegen:
"Nach der ersten großen Erleichterung stehen viele Leute ganz schön dumm da: Politiker, die nach der Nachricht von Babtschenkos vermeintlicher Ermordung Aufklärung forderten und mit dem Finger auf Moskau zeigten. Berufsverbände, die auf die wachsende Bedrohung von Journalisten hinwiesen. Nachrichtenkanäle, die die falsche Meldung in die Welt trugen",
anstatt sich bei seinen Lesern zu entschuldigen, für seine reichlich dämlichen Tweets vom 29. und 30. Mai. Denn noch einen Tag zuvor hatte er einen Beitrag von Christian Neef retweetet, in dem dieser sich über den NDR entrüstet, weil dieser einen Beitrag neutral und ohne jede Schuldzuweisung Richtung Moskau mit:
"In der Ukraine ist erneut ein regierungskritischer Journalist erschossen worden",
überschrieben hatte.


 Zuvor hatte Hans schon einmal vorbeugend alle jene zu diffamieren versucht, die nicht die - "per Order de Mufti" - beschlossene Täterschaft Moskaus vorbehaltlos anerkennen wollten und sich das Recht herausnehmen, selbst zu denken.


 Dabei hatte sich Hans, nach dem schönen alten Motto, zitierst du mich zitier' ich dich, von Christian Neef zur Seite springen lassen, der Hans' Dummheiten umgehend auf seinem Twitteraccount zitierte. Man kann sowas Tatsachen kreieren nennen. Ein Schreiberling stellt eine steile These auf, die sich dann, nach dem Schneeballsystem, durch gegenseitiges zitieren zur Wahrheit verfestigt.

 Wen wundert es da, dass einer wie Boris Reitschuster, der, will man ihm denn unbedingt auf den Leim gehen, selbst von Putins Häschern verfolgt nach Deutschland floh, bedauert, dass man nie erfahren wird wer die Täter waren. Logisch wenn es keine Täter gibt. Aber obwohl es keinen Mord und somit auch keine Mörder gibt, liegt die 
"klare politische Verantwortung beim System Putin."
Kein Wunder, dass jemand, der solch' einen Schwachsinn verzapft sich selbst zitieren muss, weil es selbst in diesem Panoptikum der Gerüchte, Unterstellungen und Mutmaßungen sonst niemand tut.



 Typisches Elite-Verhalten das die Damen und Herren Journalisten und Politiker an den Tag legt, als herausgkommen war, dass die ganze Geschichte ein riesengroßer Bluff war. - Fehler machen grundsätzlich die Anderen. Selbst ist man, ohne auch nur den geringsten Zweifel, automatisch immer auf der richtigen Seite. Udo Lielischkies, schon öfter als übler Hetzer und Überbringer von Fakenews aufgefallener ARD-Mann in Moskau, ging sogar seinen Arbeitgeber, ARD-Aktuell an, weil ihm diese Weicheier in Hamburg zu schlaff formuliert hatten:

 Unverhohlen hatte er einen Tag zuvor an die Methoden der Nazis erinnert. Dazu erweckte er einen Beitrag Babtschenkos in der nicht unwesentlich von George Soros finanzierten Online-Plattform Open Democracy - Russia and beyond vom Januar 2017 wieder, in dem dieser sich weinerlich mit der harschen Kritik zu seinen Äusserungen anlässlich des Absturzes einer TU-154 bei Sotschi am 25. Dezember 2016 auseinandersetzt. Im Angesicht der Tatsache, dass sich die Maschine auf einem Flug zum Militärflugplatz Hmeimim in Latakia in Syrien befand und unter anderem 64 Mitglieder des berühmten Alexandrow-Ensembles an Bord hatte, die dort für die russischen Soldaten ein Neujahrskonzert geben wollten, hatte Babtschenkow geschrieben:
"Ich habe weder Mitleid noch Erbarmen. Ich drücke den Verwandten und Angehörigen nicht mein Beileid aus… Ich habe nur ein Gefühl – scheiß drauf"
Babtschenko sah seinen Text ganz anders. Der Mann der die Gefühle vieler Russen angesichts von 92 Toten auf das tiefste beleidigte relativiert seinen Facebookbeitrag auf Open Democracy:
"Vor zwei Wochen stürzte eine russische TU-154, die das weltberühmte Alexandrow-Ensemble nach Syrien transportierte, ins Schwarze Meer. Sie waren auf dem Weg zu einem Konzert für Piloten, die an Russlands Luftkampagne in Aleppo beteiligt waren. Ich habe einen Beitrag dazu auf Facebook geschrieben. Es war neutral. Ich habe zu nichts aufgerufen oder jemanden beleidigt."
Lielischkies, ganz der Manipulator, als den man ihn kennt, kann nicht widerstehen, als Babtschenko ihm diese Steilvorlage gibt:
"Im Großen und Ganzen ist dieser Artikel nicht so weit entfernt von den Zeitungen der 1930er Jahre, als die Autoren forderten die „Feinde des Volkes“  "wie wilde Hunde" zu erschiessen."
Dieser fügt zwar noch hinzu:
"Es scheint, dass unsere Kollegen von der Ära des stalinistischen Terrors nicht so weit entfernt sind",
um an anderer Stelle einen unhaltbaren Vergleich des heutigen Russlands mit dem Naziregime im Deutschland der dreißiger und vierziger Jahre zu ziehen und die Opfer des Holokaust zu verhöhnen:
"Als ich Geschichte in der Schule studierte, konnte ich nie verstehen, wie Deutschland, ein ganzes Land, seinen Verstand verlieren konnte. Wie konnte ein ganzes Land Juden verfolgen, Pogrome organisieren, Menschen aus ihren Häusern verjagen, sie iauf offener Straße töten und schließlich in Todeslagern Menschen lebend verbrennen?" 
 Lielischkies macht sich mitschuldig an der Relativierung der einmaligen Verbrechen der Nazis und Hitlerdeutschlands und verhöhnt so die Millionen Opfer deutschen Rassenwahns.



 Ina Ruck erklärt einen Text aus dem "Guardian" vom 24. Februar 2017 geradezu zur Pflichtlektüre für jeden aufrechten Deutschen. 
"Lesen!"
Befiehlt sie den Besuchern ihres Twitter-Account. Es handelt sich um Auszüge des Textes von Open Democracy. Der Guardian läßt jedoch die heiklen Passagen, in denen z. B. Babtschenko über die neun toten mitgereisten Journalisten sagt, er könne nur ganz rational feststellen, dass es nun neun Leute weniger gäbe, die ihn und seine Freunde drangsalierten. Auch die von vorn bis hinten hinkende Vergleiche der Jetztzeit mit dem Stalinismus und dem widerlichen Vergleich mit Nazideutschland läßt der Guardian schamvol unter den Tisch fallen. Die derbe Ausdrucksweise Babtschenkos 
"Ich habe weder Mitleid noch Erbarmen. Ich drücke den Verwandten und Angehörigen nicht mein Beileid aus… Ich habe nur ein Gefühl – scheiß drauf",
wandelt das Blatt um in:
"Nach all diesen Kriegen und Todesfällen hatte ich nur ein Gefühl als ich vom Tod der repräsentanten des russischen Militärs hörte - Gleichgültigkeit."
Auch für Ina Ruck (ARD) gibt es, ohne dass sie auch nur einen Finger für die Recherche gekrümmt hätte, nur einen Schuldigen - Russland.

Auf entwaffnende Art und Weise gibt uns Ruck in ihrem Tweet einen Tag später einen Einblick in ihre Arbeitsmethode:
"Und mir eine Lehre, demnächst auch bei Informationen ukrainischer Behörden noch genauer hinzusehen."
 Was wache Geister schon immer vermuteten, wird nun aus dem Zentrum der Mainstreammedien bestätigt. Läßt man das Wörtchen "noch" weg, das von Ruck nur zur Relativierung ihres eigenen Totalversagens eingefügt wurde und somit keinerlei Bedeutung hat, so gibt Frau Ruck unumwunden zu, dass bei den Propagandameldungen aus Kiew nicht so genau hingeschaut wird. Soll heißen, Verlautbarung aus Kiew = keine Reichere, keine Überprüfung, Vernachlässigung der alten Regel nach der erst publiziert wird, wenn eine Meldung aus zwei voneinander unabhängigen, seriösen Quellen kommt.
 Christian Esch, Leiter des Moskauer Spiegelbüros vermeidet jegliche journalistische Anmutung in seinem Tweet. Wie seine Brüder und Schwestern im Geiste von der Boulevardpresse, drückt er auf die Tränendrüsen und protzt mit seinem engen Verhältnis des vom hasserfüllten Aufpeitscher zum, vermeintlich, toten Helden avancierten Babtschenko. Es gilt Emotionen zu schüren, wo saubere Berichterstattung angesagt wäre.


 Emotionen, die Der Spiegel auch mit diesem Foto schürt. Veit Medick, der sich zufällig mit der Delegation von Bundespräsident Steinmeier in Moskau aufhielt, zeigt uns beeindruckend, wie Emotionen produziert werden. Ein Mann sitzt in der Nähe des angeblichen Tatortes an ein niedriges Geländer gelehnt, offensichtlich von den Ereignissen seelisch schwer mitgenommen. Um ihn herum tummeln sich Journalisten und Schaulustige und versuchen das Pressefoto des Jahres zu schiessen. Ob der Mann dort wirklich aus eigenem Antrieb sitzt, oder dort medienwirksam hingesetzt wurde, ist im Zusammenhang mit der Schmierenkomödie keine ganz unberechtigte Frage.

 Marieluise Beck, die Grande Dame der Russophobie relativiert nach Kräften. Der Zweck heiligt die Mittel ist ihr Credo. Wenn's doch gegen Russland, gegen Putin geht - warum nicht lügen und betrügen und darum gleich die nächste Lüge von den unbenannten Hintermännern und Verantwortlichen publizieren. Und ausserdem:
"...es herrscht hybrider Krieg."


 Rebecca Harms, Seelenverwandte von Beck scheint gar nicht begriffen zu haben, was sich da in Kiew abgespielt hat. Sie begrüßt Babtschenko, so als sei er zurück aus dem Reich der Toten:
"Welcome back!"
 Und sie freut sich darauf bald mit Babtschenko, den sie vertraulich beim Vornamen, Arkady, benennt, in Kiew einen zu trinken. Im Angesichts dieses Tweets kann man nur vor weiterem Genuss von Alkohol warnen.

  Zum guten Schluss ein Blick auf den König der Diffamierung, den Weltmeister der Hetze und der Hasspredigt, Julian Röpcke, wegen seiner übergroßen Verdienste um die Kopfabschneider im Syrienkrieg auch Jihad-Julian genannt. Man muss schon innerlich förmlich vom Hass zerfressen sein oder aus Geldgier jeglichen Anstand über Bord geworfen haben, um sich öffentlich so zum Vollhorst zu machen wie Röpcke das tut.


 Auch bei Röpke scheint es für die einfache Erkenntnis, dass Babtschenko gar nicht tot war, sondern seinen Tod der Welt nur mit Hilfe des urkainischen Geheimdienstes SBU vorgegaukelt hat, geistig nicht zu reichen. Auch er begrüßt jemandes zurückkommen, der gar nicht weg war. Im Überschwang der Gefühle kann man schon mal den von Putin ermordeten, ermordeten, ermordeten Babtschenko gleich dem Herrn der Christenheit wieder auferstehen lassen.



Wer Presse lesen will, Radio hören und Fernsehen sehen, der sollte sich in Zukunft immer dieses einmalige Lehrstück journalistischer Volksverdummung vor Augen führen. Nie zuvor hat die Journaille ihre Maske so ungeniert fallen lassen. Die sich immer wieder zum Kaiser hochstilisierenden Welterklärer hasben gar nicht bemerkt wie sie sich selbst ihrer Kleider entledigt haben. Nackt und ohne jede Deckung haben sie sich uns präsentiert. So wollen wir sie für immer in Erinnerung behalten, damit sie uns nicht noch einmal an der Nase herumführen können.

 Journalistische Ethik, vierte Kraft der Demokratie, Ehre des Berufstandes - alles nur Augenwischerei für's dumme, dumme Volk. Es geht um Macht, Geld und Eitelkeiten und um sonst gar nichts.

Dienstag, 15. Mai 2018

Die Umkehr des Rechts - Wildwest im Nahen Osten

 Es ist eine verkehrte Welt in der wir leben. Eine Welt, die nur noch zu verstehen ist, wenn man den Propagandasprech der letzten Jahre dermassen verinnerlicht hat, dass man die Paradoxien schon als Normalität ansieht. Wenn also jemand sagt  zwei und zwei ist fünf, dann tut er das nicht ohne seiner Behauptung voranzustellen, dass von Seiten russischer oder iranischer oder chinesischer Medien entgegen anders lautender Erkenntnisse behauptet wird, zwei und zwei solle angeblich vier sein.

 Daraufhin setzt ein vielstimmiger Chor ein, vom Pentagon über das Weiße Haus, das Bundeskanzleramt, Downing Street 10 über den französischen Elyseepalast, den großen Pressehäusern New York Times, Washington Post, den Guardian, die FAZ, Die Welt, Die Zeit, bis hin zu den diversen Fernsehanstalten der Welt. Und einer beruft sich auf den anderen, man zitiert, sich gegenseitig und erklärt, die irrige Annahme, dass zwei plus zwei vier ergibt sei nichts weiter als eine neue Verschwörungstheorie, von Trollen und bösartigen Internethackern in die Welt gesetzt, mit dem einzigen Grund die Menschen zu verwirren.

 Fragt nun aber jemand trotz all den einschüchternden Behauptungen und Beschimpfungen, aufgrund welcher Fakten und Beweise, oder zumindest welcher Indizien man denn bitte schön zu der Erkenntnis gelangt sei, dass zwei plus zwei fünf ergäbe, dann wird er belehrt, man habe sichere Erkenntnisse, Geheimdienstberichte und im übrigen sage einem das die langjähriger Erfahrung mit den Zahlen zwei, vier und fünf.

 Eine dieser wundersamen Werteverschiebungen, dieser Wahrnehmungsmodifikationen durften wir in den letzten Tagen miterleben. Israel griff, von der rechtmäßigen syrischen Regierung zur Bekämpfung von islamistischen Terroristen ins Land gerufene iranische Einheiten auf syrischem Territorium mit Bomben und Raketen an. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich laut übereinstimmenden Berichten auf 23.

 Israel begründet diesen Akt des Staatsterrors, damit, dass es sich durch den Bechuß eigener Stellungen auf den Golanhöhen durch eben diese iranischen Einheiten mit Raketenwerfern bedroht fühle.

 Einmal abgesehen davon, dass Israel bis heute jeglichen Beweis für diesen angeblichen Beschuss schuldig geblieben ist, man konnte weder Raketenteile noch irgendwelche Einschußtrichter oder ähnliche Spuren eines Raketenbeschusses vorweisen. Es hieß lapidar, es sei kein Schaden entstanden. Die angebliche Gegenwehr war vollkommen unverhältnismässig und maßlos überzogen.

 Unverzüglich gab die US-amerikanische Administration die weitere Sprachregelung vor:
"Ausdrücklich unterstützen wir Israels Recht auf Selbstverteidigung",
zitierte Die Zeit  im Wortlaut. 

Diensteifrigste twitterte das Deutsche Auswärtige Amt bereits wenige Stunden nach dem Angriff:
"Mit großer Sorge sehen wir Berichte über iranische Rakctenangriffe auf israelische Armeeposten in der vergangenen Nacht. Die Angriffe sind eine schwere Provokation. die wir auf das Schärfste verurteilen. Israel hat, das haben wir immer betont, ein Recht auf SeIbstverteidigung."
  Von den massiven israelischen Bomben und Raketenangriffen mit etlichen Toten und gewaltigen Sachschäden ist in der offiziellen Erklärung unseres Aussenministers gar keine Rede mehr. Dagegen werden die unbewiesenen iranischen Raketenangriffe zu einer schweren Provokation und natürlich,"das haben wir schon immer betont", hat Israel "ein Recht auf Selbstverteidigung".

 Das so lautstarke Recht auf Selbstverteidigung hätte Israel laut Völkerrecht in der Tat, zumindest so lange, bis der Weltsicherheitsrat eine Entscheidung hinsichtlich eines Einschreitens der Völkergemeinschaft beschlossen und umgesetzt hätte. Dafür wäre allerdings Voraussetzung, dass Israel dieses Gremium überhaupt anruft, und - am allerwichtigsten, dass überhaupt eine Bedrohung israelischen Staatsgebietes stattgefunden hat.

 Selbst, wenn dieser ominöse Raketenangriff iranischer Militärs auf Stellungen der israelischen Armee auf dem Golan stattgefunden hätte, fehlt die Grundlage jeder Bedrohung israelischen Staatsgebietes, weil die Golanhöhen gar kein israelischen Staatsgebiet sind.

 Israel hält die fraglichen Gebiete seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt und hat sie 1981 widerrechtlich annektiert. (Man darf hier kurz einmal fragen, wo denn die Saktionen gegen Israel sind?) Somit befinden sich israelische Soldaten als Besatzungstruppen auf syrischem Staatsgebiet. Die Aggression geht also nicht von Syrien oder dem zu Hilfe gerufenem Iran aus, sondern ist ein völkerrechtswidriger Akt Israels. Somit ist auch der Bomben und Raketenangriff Israels auf syrisches Staatsgebiet kein ausüben des "Recht(s) auf Selbstverteidigung", sondern eher "eine schwere Provokation" der Gemeinschaft der Völker.

 Die ARD-Tagesschau am 10. Mai gibt sich unparteiisch, täuscht vor, objektiv zu berichten. Allerdings schildert der Bericht einzig und allein die Sicht Israels. Susanne Class berichtet zu Bildern des Staatsfernsehens Syriens:
"So heftig sind Israel und der Iran militärisch noch nie aneinander geraten und zwar in Syrien, wo der Iran als Schutzmacht des Regimes seine militärische Präsenz ausbaut."
 Claas findet offenbar nichts dabei, wenn zwei Staaten ihre Differenzen auf dem Boden eines dritten, ansonsten unbeteiligten Staates austragen. Sie scheint auch nichts dabei zu finden, dass Israel mit unverhältnismässiger Gegenwehr auf einen "angeblichen" Angriff Irans auf israelische Militärposten in einem widerrechtlich besetzten Landstrich reagiert:
"Laut Angaben des israelischen Militärs feuerten iranische Al-Quds Einheiten von Syrien aus zwanzig Raketen, auf die von Israel besetzten Golanhöhen ab. Es entstand geringer Sachschaden. Als Antwort griff Israel iranische Militäreinrichtungen in Syrien an. Zerstörte nach eigenen Angaben fast die gesamte iranische Infrastruktur"
Völlig zu vergessen scheint Susanne Class, dass eine Nacht zuvor Israel schon einmal völlig widerrechtlich seine Raketen auf syrisches Gebiet abgefeuert hatte. Der Deutschlandfunk meldet am 9. Mai in knappen Worten:
"In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sind nach Angaben von Aktivisten neun Menschen durch einen Raketenangriff getötet worden.Laut der in London ansässigen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kämpften sie auf der Seite der Regierung. Es habe sich um Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden oder von proiranischen schiitischen Milizen gehandelt. Die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, die Armee habe zwei israelische Raketen bei Damaskus abgefangen. Aus Israel gibt es dazu bisher keine Angaben."
Der Spiegel mutmaßt lediglich:
"Bei einem mutmaßlich israelischen Raketenangriff südlich der syrischen Hauptstadt Damaskus sind Aktivisten zufolge mindestens 15 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien acht Iraner, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte." 
Man hätte sich manch anderes mal gewünscht, Der Spiegel wäre mit Meldungen aus der obskuren Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte so vorsichtig zu Werke gegangen. Allerdings scheint an den Meldungen etwas dran zu sein, melden doch andere Blätter, die Syrische Regierung habe den Abschuss von zwei israelischen Raketen bekannt gegeben. Der Tagesspiegel:
"Nach dem US-Ausstieg aus dem Iran-Abkommen hat Israel nach syrischen Angaben Ziele im benachbarten Bürgerkriegsland bombardiert. Die syrische Armee hat nach Angaben von Staatsmedien am Dienstagabend zwei israelische Raketen in der Nähe von Damaskus abgefangen. Sie seien auf das Gebiet von Kesswa abgeschossen und von der syrischen Raketenabwehr zerstört worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Bilder zeigten in der Region Al-Kiswah Feuer."
Der Spiegel widerum ergänzt an anderer Stelle:
"Israels Armee hatte in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in Syrien angegriffen. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Angriffe gegen die libanesische Schiitenmiliz Hisbollah richten. Diese wird vom ebenfalls schiitischen Iran unterstützt und kämpft im syrischen Bürgerkrieg an der Seite der Regierungstruppen." 
 Wenn es um Israel und dessen völkerrechtswidrigen Mordaktionen geht, scheint in den deutschen Medien der alte Spontispruch Legal - illegal - scheißegal neue Urständ zu feiern. Kein Wort über die Widerechtlichkeit der Raketenangriffe. Kein Wort über das Völkerrecht, kein Ruf nach dem Weltsicherheitsrat. Die ARD schweigt das unappetitliche Thema ohnehin vollkommen tot. Sie erweckt den Eindruck, als sei das Geschehen völlig isoliert von der bisherigen Entwicklung zu betrachten. Hisbollah-Milizen schießen mit einem Raketenwerfer 20 Grad-Raketen auf israelische Stellungen auf dem Golan ab und Israel antwortet mit einem Militärschlag gegen die, mit dem Iran verbündete Einheiten in Syrien.

 Stattdessen zeigt die ARD Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und lässt ihn umkommentiert israelische Kriegspropaganda verbreiten:
"Wir werden es auch künftig nicht zulassen, dass der Iran sich in Syrien militärisch etabliert. Und diejenigen, die uns angreifen, müssen wissen, dass wir sie doppelt so stark angreifen."
Wobei die Drohung "doppelt so stark angreifen" wohl, gelinde gesagt, weit untertrieben sein dürfte. Laut Süddeutscher Zeitung waren die als Vergeltungsschlag deklarierten Luftschläge zigmal so stark wie die 20 Grad-Raketen:
"Nach Angaben Russlands setzte Israel 28 Jets ein und feuerte 70 Raketen ab."
 Und während Israel von nur geringen Schäden auf dem Golan berichtet, haben dessen Angriffe nach gleichlautenden Berichten bis zu 23 Menschenleben gefordert. Opfer, die der israelische Armeesprecher Conricus mit den zynischen Worten:
"Sie haben einen Preis bezahlt in dieser Nacht. Es kann sein, dass sie noch einen Preis zahlen müssen. Jeder Versuch, Israel anzugreifen, wird beantwortet werden",
begleitete. für Susanne Class hat damit alles wieder seine vorgegebene Ordnung:
"Der Angriff auf den Golan kam für Israels Armee nicht überraschend. Nach mehreren Luftschlägen gegen iranische Stellen in Syrien, die Israel zugeschrieben wurden, war man von einem Vergeltungsschlag ausgegangen und entsprechend darauf vorbereitet."
 Heiko Maas, der neue deutsche Aussenminister, verdrehte während der Pressekonferenz anlässlich seines Besuchs in Moskau schamlos die Tatsachen und sagte ohne rot zu werden :
"Diese Angriffe sind eine Provokation die wir verurteilen - und zwar auf das schärfste."
 Wer nun annahm, Maas habe den völkerrechtswidrigen Angriff Israels auf Syrien gemeint, der sah sich bitter enttäuscht. Maas sprach noch einmal aus, was sein Auswärtiges Amt schon schriftlich hatte verlauten lassen:
"Israel, das haben wir immer betont, hat ein Recht auf Selbstverteidigung."
Und unser aller Bundeskanzlerin? Die ließ ihren Sprecher Steffen Seibert auf Twitter verlautbaren:
"Bundeskanzlerin Merkel verurteilte in einem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Rouhani die Angriffe auf die Golanhöhen. Sie forderte Teheran müsse zur Deeskalation beitragen."
 Aus zwei plus zwei waren in Null-Komma-nix fünf geworden. Der widerrechtlich Angegriffene war der Aggressor und der Aggressor war auf wundersame Weise zum bedauernswerten Opfer geworden.

 Heute knapp eine Woche später, sitzen wir erschüttert vor den Fernsehgeräten und müssen mitanschauen, wie israelische Soldaten mit scharfer Munition auf Demonstranten aus dem Gazastreifen schiessen, die ihre Wut ausleben, über eine unmenschliche Grenze, über Mauern und Stacheldraht, die ihr Leben zur Hölle auf Erden werden lassen, die ihnen ihre Zukunft rauben und die ihnen nichts lassen, als ein Leben in Not und Elend, jederzeit bedroht durch israelische Bomben und Granaten.

 Während an der Grenze zum Gaza so 52 Menschen von israelischen Soldaten erschossen werden, feiern nur wenige Kilometer entfernt in Jerusalem, Israel und die USA pompös die Errichtung der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei liessen sie sich von geltendem Recht und Gesetz nicht weiter beeindrucken.

 Israel hatte 1967 im sogenannten Sechstagekrieg den Ostteil der bis dahin geteilten Stadt Jerusalem erobert und wenige Jahre später diesen Ostteil der Stadt annektiert  und zu seiner Hauptstadt erklärt. Die so gerne vom Westen zitierte Weltgemeinschaft hatte in einer UN-Resolution diese Annexion für widerrechtlich erklärt und Jerusalem den Status einer Hauptstadt aberkannt. Somit verstösst die Errichtung der Botschaft der USA in Jerusalem gegen das Völkerrecht und ist ein aggressiver Akt.

 In einer Videobotschaft log der Us-Präsident Donald Trump die ganze Welt an:
"Israel ist ein souveränes Land, dass das Recht hat wie jedes andere Land seine eigene Hauptstadt zu bestimmen."
Zuvor schon hatte der Sprecher der Tagesschau dem Gewaltakt der USA assistiert:
"Trump kam nicht selbst zur Einweihungsfeier. Dafür sind seine Tochter Ivanka und der Ehemann Jared Kushner angereist. Beide Berater des US-Präsidenten, der den Umzug der Botschaft und die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt in die Tat umgesetzt hat."
Zwei plus zwei ist fünf.

Freitag, 11. Mai 2018

Aussenminister Heiko Maas - der Supergau der deutschen Diplomatie

 Der deutsche Aussenminister Heiko Maas hat seinem Amt und der gesamten deutschen Aussenpolitik schweren Schaden zugefügt. Auf der Pressekonferenz zusammen mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow, anlsässlich seines Moskaubesuchs äusserte sich Maas wenig diplomatisch, eher im Stile eines deutschen Propagandaministers, denn eines verantwortungsvollen Aussenministers.

 Maas' Bestreben war wohl, zuvörderst eine gute Presse in bestimmten meinungsbildenden Medien in der Heimat zu bekommen und damit seinen Ruf als harter Hund und somit auch seine Karriere zu befördern (am 9. März fragte der Münchner Merkur schon einmal: "Außenminister Maas: Mit Glamour-Frau ins Kanzleramt?"), als seines Amtseides entsprechend, der Bundesrepublik Deutschland zu dienen.

 Der Spiegel schreibt:
"Er (Maas) formuliert erneut seine Kritik, nennt die Hackerangriffe auf das Auswärtige Amt, die man Russland zuordnet, "alles andere als gastfreundschaftlich". Im Fall des Nervengift-Anschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sei Moskau zu wenig zur konstruktiven Aufarbeitung bereit gewesen."
In der ARD-Tagesschau am 10. Mai, um 20:00 Uhr konnte dann ganz Deutschland die grenzenlose Dummheit und Ignoranz der neuen deutschen Aussenpolitik bewundern. Maas legte los, als sei er auf einem Treffen der Schlesischen Landsmannschaft:
"Mit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und der Destabilisierung in der Ostukraine ist in der Vergangenheit viel Vertrauen verloren gegangen".
Es blieb dem gelernten Tennislehrer Udo Lielischkies vorbehalten, den, vor diplomatischer Dummheit nur so strotzenden Besuch des deutschen Aussenministers Heiko Maas, in der Tagesschau schönzureden:
"Das waren ungewöhnlich klare Worte eines deutschen Aussenministers hier in Moskau. Aber wohl nicht nur an die Adresse seines russischen Kollegen. 'Seht her,' schwang da die Botschaft mit, wohl auch an Teile sder SPD und andere Parteien in Berlin. Man kann sehr wohl Klartext reden und dennoch in einem konstruktiven Dialog verbleiben. Das es in Grundsatzfragen heute, wie bei seinen Vorgängern, keinen Durchbruch gab, war da schon keine Überraschung mehr."
 Lielischkies, dem von seinem Heimatsender, dem WDR, bevor man ihn weiter aus Moskau Dummheiten absondern lässt, zunächst einmal die einfachsten Grundregeln des Journalismus beigebracht werden sollten, vergisst hier vollends, dass er aus Moskau berichtet und ein Bericht, so lautet eine eherne Regel aller verantwortungsvoller Journalisten schließt eine Kommentierung des Geschehenen im gleichen Beitrag aus.

 Bestenfalls könnte Lielischkies in einem gesonderten, klar als Meinungsbeitrag gekennzeichnetem Kommentar seine geistigen Ergüsse äußern. Aber selbst dann sollte Lielischkies, als einer, der nicht einmal sein ausgeübtes Handwerk beherrscht, sich billiger politischer Ratschläge enthalten. Maas’ Vor-Vorgänger im Amt des Aussenministers, Frank Walter Steinmeier, hat in seiner Rede anlässlich der Verleihung der Lead Awards in Hamburg am 14. November 2014 unter anderm gesagt, eine Distanz zwischen Politik und Presse sei:
"...besser gewahrt, wenn auch Journalisten sich vor der Versuchung schützen, Politiker zu sein, wenn sie darauf verzichten, mit einer geschickten Kampagne mal ins Räderwerk der Demokratie zu greifen, und wenn sie auch davon absehen, andere, wirkliche Politiker so zu attackieren, als seien sie Konkurrenten. Das sind sie nicht. Politiker sind keine Journalisten, und Journalisten keine Politiker.“
 Udo Lielischkies, diese journalistische Katastrophe, masst sich an, andersdenkende Politikerinnen und Politiker zu maßregeln. Er legt den ohnehin schon katastrophal schädlichen Worten des deutschen Aussenministers in Moskau noch eine zusätzliche Bedeutung in den Mund. Dazu ist sein Satz :"Man kann sehr wohl Klartext reden und dennoch in einem konstruktiven Dialog verbleiben", nichts weiter als eine haltlose, dem Anschein nach, der auf der Pressekonferenz von Maas und Lawrow entstand, der Wahrheit diametral entgegen stehende Vermutung.

 Wie dumm und haltlos Lielischkies Wunschdenken ist, kann jeder der das will ebenfalls im Spiegel nachlesen. Zwar ist Lawrow im Gegensatz zu Maas viel zu sehr Diplomat um umgehend mit gleicher Münze heimzuzahlen aber der Affront ist in Moskau sehr wohl als ein solcher verstanden worden.
"Ohne jede Regung rattert er (Lawrow) vor den Kameras emotionslos Glückwünsche zum neuen Amt runter. 'Wir suchen jetzt wieder das offene Gespräch, das ist doch besser als Mikrofon-Diplomatie.' Später wird er die kritischen Maas-Äußerungen als 'emotionale Verallgemeinerung' veräppeln",
merkt Der Spiegel an. Auch was von Lielischkies Behauptung, man könne trotz Maas Rüpeleien, oder wie Lielischkie es nennt "Klartext reden", weiter "in einem konstruktiven Dialog verbleiben" in der Realität übrigbleibt, steht im Spiegel:
"Inhaltlich kommen die beiden kaum voran. Zwar kritisiert man den Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen für Iran. Ob Moskau aber wirklich ein Partner dabei sein will, Teheran von einer schnellen Wiederaufnahme seines Nuklear-Programms abzuhalten, lässt Lawrow offen. Viel lieber lästert er darüber, dass Washington mit dem einseitigen Bruch seine Ignoranz gegenüber internationalen Verträgen bewiesen habe. (…)Auch in der Ukraine-Krise ist man weit auseinander. Maas berichtet, er wolle bald zu einer Ministerrunde der Länder laden, die den Minsker Friedensvertrag ausgehandelt hatten, am liebsten in Berlin. Lawrow entgegnet nur, man werde das Angebot prüfen, bei den Themen sei man sich noch nicht einig. Zu Syrien will er sich gar nicht konkret einlassen, belässt es bei Floskeln über den Militärschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens, den er erneut scharf verurteilt."
 Konstruktiver Dialog sieht anders aus. Das weiß natürlich auch die ARD-Tagesschau, möchte aber ihren neuen Verbündeten im Ruslandbashing nicht "verbrennen" und gleich seinen ersten Besuch in Moskau als großen Flop darstellen müssen.

 Darum betreibt man auf Tagesschau.de etwas Textlifting. Die Antwort Lawrows:
"Wir sind bereit, dieses Angebot zu prüfen",
auf den Vorschlag Maas' die Gespräche Deutschlands, Russlands, Frankreichs und der Ukraine über den Konflikt im Donbass wieder aufzunehmen, dichtete die ARD-Tagesschau in
"Wiederaufnahme der Ukraine-Friedensgespräche",
um. Einen Tag zuvor hatte Günter Marks auf Tagesschau.de dem Minister schon die Direktiven seiner Gespräche mit auf den Weg gegeben. So wusste Maas schon bei seinem Abflug nach Moskau, was er denkt, und was er dort in die Mikrophone ssgen mußte, damit man zu Hause mit ihm zufrieden ist.
"Maas ist unzufrieden mit Russlands Politik. Mit etlichen Vetos verhinderte das Land im UN-Sicherheitsrat regelmäßig Resolutionen zum Krieg in Syrien und machte das höchste Gremium der internationalen Politik damit quasi handlungsunfähig. Unter anderem sind das Bündnis mit dem syrischen Machthaber Bashar al-Assad sowie darüber hinaus die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und die Unterstützung der prorussischen Rebellen im Krieg in der Ost-Ukraine für Maas Hindernisse, um ein spannungsfreies Verhältnis zu pflegen. Russland sei ein schwierigerer Partner geworden, sagt er. Einer Rückkehr in die G7-Gruppe erteilte er zuletzt eine klare Absage. Maas fordert konstruktive Beiträge von der Regierung des Landes."
 Wie hatte doch der ehemalige Aussenminister und heutige Bundespräsident Frank Walter Steinmeier schon 2014 gesagt?
"Demokratie und Medien können nur gemeinsam funktionieren, wenn die Distanz gewahrt wird.(…)Diese Distanz ist besser gewahrt, wenn auch Journalisten sich vor der Versuchung schützen, Politiker zu sein, wenn sie darauf verzichten, mit einer geschickten Kampagne mal ins Räderwerk der Demokratie zu greifen…"

Ergänzung bzw. Berichtigung: 

Im obigen Beitrag erlag ich der irrigen Meinung, dass Regeln eines verantwortungsvollen Journalismus allgemeingültigen Charakters seien. Deshalb schrieb ich:
...dass er (Udo Lielischkies) aus Moskau berichtet und ein Bericht, so lautet eine eherne Regel aller verantwortungsvoller Journalisten schließt eine Kommentierung des Geschehenen im gleichen Beitrag aus.
 Bestenfalls könnte Lielischkies in einem gesonderten, klar als Meinungsbeitrag gekennzeichnetem Kommentar seine geistigen Ergüsse äußern.
Von Volker Bräutigam wurde ich freundlicher Weise darauf hingewiesen, dass ich einem fatalen Fehler aufgesessen bin.

 Natürlich kümmert die Unfehlbaren vom Öffentlich-Rechtlichen journalistische Ethik einen Kehricht. Sie haben sich ihre eigenen Verhaltensregeln gegeben. In den "Richtlinien gemäß § 11e RStV in der Fassung vom 17. September 2013":
"Grundsätze für die Zusammenarbeit im ARD-Gemeinschaftsprogramm "Erstes Deutsches Fernsehen" und anderen Gemeinschaftsprogrammen und -angeboten"
in Abschnitt drei:
"Anforderungen insbesondere an Informationssendungen und -angebote"
heisst es im Absatz (d):
"Die Sendungen der Tagesschau dürfen keine Meinungsäußerungen der Redaktion enthalten; in Korrespondentenberichten sind Meinungsäußerungen zulässig. Kommentare im Rahmen von Tagesschau und Tagesthemen müssen von den Nachrichten deutlich abgegrenzt sein. Auf die für den Kommentar verantwortliche Rundfunkanstalt ist hinzuweisen."
Also: Eine aus gutem Grund eherne Regel des Journalismus hat die ARD per Order de Mutfi für ihre Korrespondenten ausser Kraft gesetzt. Somit ist es solchen Propagandisten und Manipulueren wie Udo Lielischkies höchstrichterlich gestattet, die Fernsehzuschauerinnen und Zuschauer ganz offiziell hinters Licht zu führen.

Ic h danke Volker Bräutigam für seinen Hinweis. Niemals wäre ich allein auf die Idee gekommen, dass es eine Regelung bei der ARD gibt, die ganz offiziell eine der wichtigsten Grundsätze für den so oft beschworenen Qualitätsjournalismus ad Absurdum führt.

 Den obigen Text werde ich nicht abändern, weil ich trotz aller absurden Regelungen der festen Überzeugung bin, dass der Journalismus fester Regeln bedarf und dass diese nicht nach Lust und Laune ausser Kraft gesetzt werden dürfen.