Donnerstag, 27. April 2017

Es ist die Sprache die entscheidet - Ein Vergleich der Berichte von ARD-Korrespondent Volcker Schwenck über Mossul und Aleppo


Es war wohl dem Umstand des Besuchs des deutschen Aussenministers Gabriel im Irak geschuldet, dass die ARD-Aktuell Redaktion das Land und den Kampf der Anti-IS-Koalition um die Stadt Mossul neu für sich entdeckte. Der Besuch Gabriels selbst gab nicht her. Denn der tat das, was deutsche Minister immer tun, wenn sie denn im Ausland unterwegs sind: Er erteilte gute Ratschläge und erzählte den „dummen“ Irakern, wie sie ihr Land zu regieren hätten und wie sie es wirtschaftlich organisieren müssten.
In der Tagesschau am 19. April zitierte Sabine Rau den Herrn Minister:
Gabriel hat hier deutlich gemacht, dass der Irak als große Ölnation für den Wiederaufbau mehr tun müsse. Deutschland könne weder mehr finanzielle, noch militärische Hilfe leisten. Trotz der erkennbaren Sorge, dass der Kampf gegen den Terror des IS hier noch lange nicht gewonnen ist.“
Eine Neuigkeit hatte der deutsche Aussenminister dann einen Tag später, am 20. April wiederum in der Tagesschau, zu verkünden. Tagesschausprecherin Judith Rakers zitierte Gabriel:
Die Peschmerga verteidigten mit ihrem Kampf gegen den islamischen Staat auch die Sicherheit Deutschlands“
Der deutsche Michel hört und staunt. War er doch seitdem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck im Dezember 2002, den in Hinsicht auf den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, sich zunehmend widerspenstig und ablehnend gebenden Deutschen erklärt hatte:
Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt“,
davon ausgegangen, dass er seine Sicherheit dem deutschen Engagement im Krieg in Afghanistan zu verdanken hat. Nun also nicht mehr der Afghanische Hindukusch, sondern das Gebiet der Kurden im Irak.

Mossul, das ist ein heisses Eisen im deutschen Fernsehen und den Titeln der schreibenden Zunft. Einerseits wird dort mit deutscher Hilfe der IS militärisch bekämpft, und wie man jetzt aus berufenem Mund und von allerhöchster Stelle erfahren konnte die „Sicherheit Deutschlands“ verteidigt – andererseits schiesst dort die Koalition auch nicht mit Wattebäuschen. Krieg, zumal wenn es sich dabei um einen, wie es immer so schön verharmlosend umschrieben wird, einen asymmetrischen Krieg, also in gutem Deutsch einen Krieg ohne Regeln, ohne Rücksicht auf die Genfer oder irgendeine andere Konvention, handelt. Ein Krieg also, in dem die Menschenrechte absolut keine Rolle spielen.

In so einem Krieg gibt es viele zivile Opfer: Tote, Flüchtlinge und Vertriebene. Es gibt Geiselnahmen. Kämpfer verstecken sich hinter Frauen und Kindern, nutzen Wohngebiete als Aufmarschgebiete und Wohnhäuser als Hinterhalt für Scharfschützen oder funktionieren Schulen und Krankenhäuser zu militärischen Stellungen oder Gefechtsständen um.

Tote Frauen und Kinder, von Bomben zerstörte Wohnviertel, bombardierte Schulen und Krankenhäuser – das, so hat man wohl in unseren Qualitätsmedien stillschweigend beschlossen, will man seinen Lesern, Zuschauern und Zuhörern nicht zumuten. Jedenfalls nicht, wenn die todbringenden Bomben aus den Schächten westlicher Flugzeuge fallen und wenn die Artilleriegranaten, die ganze Wohnviertel in Schutt und Asche legen, von westlichen Haubitzen abgeschossen wurden.

Nun reist aber der deutsche Aussenminister in den Irak. Und der erwartet, besonders zu einer Zeit, in der der Bundestagswahlkampf in Fahrt kommt, dass ihm in der veröffentlichten Meinung, seine ihm zustehende Sendezeit und seine Zeitungsspalten in gebührender Form, Länge und Breite zugestanden werden. Das wiederum bringt die Zunft der Hofberichterstatter in arge Bedrängnis. Berichtet man aus einem Land, dass seit 2003 immer wieder von den verschiedensten Heuschreckenschwärmen heimgesucht wird, angefangen bei den Freiheit und Demokratie bringenden US-Kriegern bis hin zu den Kopfabschneidern des Islamischen Staates, so kommt man nicht umhin auch über den Kampf um die Stadt Mossul zu berichten.
In der ARD erinnerte man sich in dieser heiklen Situation an jemanden, der - vulgär gesprochen – aus einem Furz einen Donnerschlag machen kann und aus einem Donnerschlag ein laues, wohl riechendes Lüftchen: Volker Schwenck, aus dem ARD-Studio in Kairo, musste seinen bequemen Aussichtsplatz, einen Balkon über den Dächern Kairos mit unmittelbarem Nilblick räumen und sich in den ungemütlichen, von schweren Krisen geschüttelten Irak begeben, und die Welt seines obersten Chefs, Dr. Kai Gniffke wieder zurechtrücken.

Schwenck, der des öfteren von seinem, oben erwähnten Balkon in Kairo aus, die Grausamkeit und abgrundtiefe Menschenverachtung des syrischen Präsidenten Assad und dessen in tiefer Männerfreundschaft verbundenen russischen Autokraten Putin, in die deutschen Wohnzimmer getragen hatte, ohne auch nur ansatzweise zu wissen wovon er sprach ( seine Zeugen waren ausnahmslos, von ihm Aktivisten benannte Kopfabschneider aus Aleppo). Dieser Mann war genau der richtige für die Aufgabe, den um nichts weniger grausam ausgetragenen Kampf um Mossul wie den um das syrische Aleppo im letzten Jahr, als ein heroisch ausgetragenes Ringen um die Freiheit und die dabei unvermeidlichen Schäden an Leib und Leben der Bevölkerung, bestenfalls als ein notwendiges unvermeidliches, höchst bedauerliches Übel zu schildern.

Das Erlebnis der Schwenckschen Bemühungen konnte die deutsche Öffentlichkeit am 19. April in der ARD-Tagesschau um 20:00 Uhr und später am Abend des gleichen Tages noch einmal in etwas abgeänderter Form und um einige Szenen erweitert, in den ARD-Tagesthemen um 22:15 bewundern.
Linda Zervakis moderiert an:
Seit einem halben Jahr versuchen irakische Streitkräfte die Stadt Mossul vollständig von der IS-Terrormiliz IS zurückzuerobern“,
und versorgt die Zuschauer mit ein paar unpräzisen Fakten:
Tausende sind durch die Kämpfe getötet worden, hunderttausende wurden in die Flucht getrieben.“
Genaues mag man der versammelten Fernsehgemeinde wohl nicht zumuten.

Die „taz“ veröffentlichte am 27. März ein Interview mit dem Direktor der britischen NGO „airways.org“, Cris Woods, indem dieser die Todesopfer durch Luftangriffe in Mossul benennt:
Im März haben wir mehr als 110 Fälle dokumentiert, in denen die Koalition Zivilisten getötet haben soll. Allein bis zum Wochenende (also bis zum 24. des Monats) sollen mindestens 1.300 Zivilisten durch die Koalition getötet worden sein“,
und er fügt hinzu, diese Daten seien
vergleichbar mit der Zahl der Opfer durch russische Aktionen.“
Nur für's Protokoll: Also die Opferzahlen in Mossul sind vergleichbar mit denen, die es im Kampf des „Schlächters“ Assad und seines Beschützers, dem „Gott-steh-uns-bei“ Putin gegen die Kopfabschneider in Aleppo gegeben hat!

Am 18 April veröffentlichte die „OCHA“, das „Amt für die Koordinierung Humanitärer Aufgaben“ der UN die neuesten Flüchtlingszahlen aus Mossul:
...Jetzt sind es bereits etwa 493.000 Menschen, die alles zurücklassen mussten“,
sagte die OCHA-Koordinatorin für den Irak Lise Grande und sie fügte hinzu, dass sich noch immer ca. 500.000 Menschen im vom IS kontrollierten Westen Mossuls befänden.

In der Form eines Kriegsberichterstatters aber mit dem getragenen Timbre eines professionellen Redners bei einer Trauerfeier beginnt Schwenck seinen Bericht:
Rauch über West-Mossul“,
um dann mit einem Heldenepos, vergleichbar mit denen der deutschen Wochenschauen in Weltkrieg zwei, fortzufahren:
Mühsam kämpfen sich die irakischen Sicherheitskräfte vor“,
bevor er uns die Mühsal und die Gefahr in der die edlen Recken sich befinden, mit wenigen präzisen Worten zu schildert:
Es ist ein Krieg der Scharfschützen geworden, ein Kampf um jedes Haus.“
aber der Sieg der Aufrechten ist nicht mehr fern.
Seit Ende Januar drängen Spezialeinheiten der Irakischen Armee und der Polizei die Terrormiliz IS immer weiter zurück.“
Und das freut uns, denn schliesslich wissen wir ja, zumindest seit unser Aussenminister uns diesen Umstand so plastisch und mit Hilfe der Tagesschau vor Augen geführt hat, dass der
...Kampf gegen den islamischen Staat auch die Sicherheit Deutschlands“
sichert. Wie zur Bestätigung unseres neuen Gefühls von Sicherheit und Geborgenheit lässt Schwenck einen irakischen Polizisten zu uns sprechen:
Es ist schwierig in den engen Strassen sagt ein Polizist. Überall verschanzt sich der IS. Aber wir haben die Lage im Griff.“
Wir lehnen uns zurück und dämmern hinüber in einen entspannten und ruhigen Schlaf: „Lieb Vaterland magst ruhig sein“
Wie anders klang da noch unser Kriegsberichterstatter vor ziemlich genau vier Monaten. Diesmal hieß die belagerte Stadt Aleppo und die Guten waren nicht etwa wie bei Mossul die Belagerer, die Befreier, sondern die Guten waren die eingeschlossenen, die Kopfabschneider der Al-Nusra Front und ihre Spießgesellen, die Schwenck liebevoll „militärische Opposition“ oder auch einfach „Aktivisten“ nannte. Die Bösen waren der „Schlächter“ Assad und sein russischer Beschützer Putin.

In der Tagesschau vom 10. Dezember 2016 entrüstete sich der damalige US-amerikanische Aussenminister John Kerry:
Die rücksichtslosen Bombardierungen des Regimes, die gegen das Kriegsrecht verstossen und in vielen Fällen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind, müssen enden.“
Zuvor hatte Schwenck aus seinem Studio in Kairo über die Lage in Aleppo berichtet. Dieses Mal macht die Anmoderation aus der Zentrale in Hamburg Judith Rakers. Der Ton ist weit weniger kriegerisch als am 19. April. Der Ton gleicht eher den Wochenschauen kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges, als die Rote Armee auf Berlin vorrückte. Der Feind droht von aussen:
Im Krieg in Syrien rückt ein Sieg der Regierungstruppen im Kampf um Aleppo offenbar immer näher. Angesichts der heftigen Gefechte und Luftangriffe spitzt sich die Lage für die Menschen im Ostteil der Stadt weiter zu. Ihnen fehlt es an Trinkwasser Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Immer mehr Bewohner fliehen.“
Die Aufmerksamkeit wird dieses Mal nicht auf die handelnden Personen gelenkt auf die kämpfenden, die Zurückeroberer, sondern auf die Zivilbevölkerung, die den Krieg erleidet. Nicht die Zuversicht des kommenden Sieges ist Thema, sondern das Leid, das die Bevölkerung der Stadt zu ertragen hat. Die Sicht der Zuschauer ist eine völlig andere als die heute auf die Eroberung Mossuls, obwohl die Lage der Zivilbevölkerung in Mossul durchaus vergleichbar mit den Einwohnern Ost-Aleppos damals im Dezember 2016 ist.(s. Vergleichbarkeit der Opferzahlen)
Nahtlos übernimmt Volker Schwenck:
Heftige Bombenangriffe auf die Gebiete Ost-Aleppos in denen sich die bewaffnete Opposition noch halten kann.“
Anstatt die islamistischen Gruppen, an ihrer Spitze der Al-Quaida-Ableger, die Al Nusra-Front benutzt Schwenck die verharmlosende Umschreibung „bewaffnete Opposition“. Er suggeriert, ein paar, oppositionell zur Regierung Assads stehende Syrer ,hätten sich zu ihrem eigenen Schutz bewaffnet. Nicht einmal über eine Benutzung dieser Waffen gibt seine Umschreibung Auskunft. So entsteht das Bild einer wehrlosen, harmlosen Gruppe politisch Andersdenkender, die dazu noch von der Regierung und ihren Alliierten brutal bombardiert (heftige Bombenangriffe) werden. Ihre Ausrichtung so will Schwenck die Welt glauben machen, sei rein defensiv (noch halten kann). Er verschweigt, dass es die Islamisten waren, die 2012 Aleppo unter dem Gebrauch von schweren Waffen und der Anwendung roher Gewalt erobert und damit die Gewalt in die Stadt getragen haben.

Weiter berichtet Schwenck, dass nach russischen Angaben 20.000 Menschen aus Ost-Aleppo geflohen seien und 1.200, Schwenck nennt sie in Verkennung ihrer wahren Absichten und Handlungen „oppositionelle Kämpfer“ die Waffen niedergelegt hätten, bezweifelt diese Angaben aber indem er einwendet:
Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht“.
Und nun wird es peinlich für Schwenck, aber vor allen Dingen für ARD-Aktuell. Nun werden nämlich aus den Kopfabschneidern, den Mördern, Vergewaltigern und Geiselnehmern völlig friedfertige, unbewaffnete „Oppositionsaktivisten“, die noch dazu die Russen der Lüge bezichtigen und von Gräueltaten der Regierungstruppen zu berichten wissen:
Oppositionsaktivisten behaupten, nur wenige Menschen würden die Rebellengebiete verlassen. Viele seien bei der Flucht getötet worden.“
Schwenck entblödet sich nicht, Terroristen die von den USA, wenn sie denn nicht gerade in Aleppo für die Freiheit der syrischen Bevölkerung kämpfen, sondern sich im Sudan, im Jemen oder in Afghanistan aufhalten, mithilfe von Drohnen mitsamt ihren Familien und völlig unbeteiligten, rein zufällig anwesenden, unschuldigen Menschen in ihre elementarsten Bestandteile zerbombt werden, als friedfertigen Aktivisten zu bezeichnen.

Wie anders doch seine Berichterstattung aus West-Mossul. Schwenck hat seinen bequemen Balkon in Kairo verlassen und besucht als embedded Journalist die vom IS befreiten Gebiete Mossuls. Das bedeutet allerdings nicht, dass seine Berichterstattung deswegen an Glaubwürdigkeit gewonnen hätte. Hat er doch von Kairo aus ausschliesslich Propagandamaterial der Kopfabschneider verwand, immer wieder tauchen in der oberen linken Ecke des Bildschirms das Zeichen Smart oder AMC auf.
Beide Institutionen werden überwiegend vom CFI finanziert. Das CFI ist eine dem französischen Aussenministerium unterstellte Kooperationsagentur und Medienbetreiber.

Frankreich ist aber nicht nur ein aktiver Kriegsteilnehmer. Es betrachtet das Syrien seit dem Sykes-Picot-Abkommen im Jahr 1916, dass das damalige türkische Reich zwischen Frankreich und Grossbritannien aufteilte als seine Einflusssphäre.

Vom AMC stammt auch das Bild des kleinen Omran Dacqneesh, dem kleinen staubbedeckten Jungen, der apathisch auf dem Sitz eines Rettungswagen sitzt. Das Bild wurde weltweit zum Sinnbild für das Grauen der Bombardierung Ost-Aleppos. Später stellte sich dann heraus, dass das Bild von dem Fotografen Mahmoud Raslan stammte, der sich auf einem anderen Bild fröhlich lachend mit Kämpfern der Islamistengruppe Harakat Nour al-Din al-Zenki zeigte, einer dieser Gruppen, die Schwenck zu „Oppositionsaktivisten“ macht, die kurz zuvor den 12-jährigen Jungen Abdullah Issa vor laufenden Kameras enthauptet hatten.

In Mossul zerrt Schwenck nun höchstpersönlich „Zeugen“ vor die Kamera, die ihr Sprüchlein aufzusagen haben:
Im Nachbarhaus hatten sich IS-Kämpfer versteckt, sagt er. Und wann immer die geschossen haben, hat die irakische Armee zurückgeschossen und dabei auch Zivilisten gefährdet. Aber das war das Kalkül der Dschihadisten.“
Eines fällt auf: Die irakische Armee schiesst nur, wenn zuvor der IS geschossen hat. Das Feuer der Armee hat zwar Zivilisten gefährdet, aber verantwortlich dafür war der IS, der ja nur in der Absicht geschossen hat, die irakische Armee zur Gegenwehr zu veranlassen, um eben dadurch die Zivilisten zu gefährden. Eine bestechende Logik. Es ist wie immer, wenn der freie Westen Menschenleben vernichtet. Alles geschieht nur aus dem Zwang der Selbstverteidigung heraus, ist keineswegs bösartig oder in kriegerischer Absicht, sondern nur zum Besten der hilf- und wehrlosen Bevölkerung..

In dieser Logik versteht sich auch wenn uns Schwenck aus Mossul von dem Zeugen berichten lässt:
Der IS habe ganze Familien entführt, als die irakischen Sicherheitskräfte sich näherten. Um zu fliehen mischten sich IS-Kämpfer unter Zivilisten berichtet dieser Mann. Wir haben uns versteckt und dann haben wir gehört wie der IS Menschen aus der Nachbarschaft als menschliche Schutzschilde mit sich genommen hat. Wer sich weigerte wurde erschossen oder sie haben sein Haus angezündet.“

In Aleppo dagegen durfte ein Islamist über die Anzahl der fliehenden Menschen noch völlig unbewiesen behaupten:
„ ...nur wenige Menschen würden die Rebellengebiete verlassen. Viele seien bei der Flucht getötet worden“,
natürlich von Assads Schergen, wie die syrische Armee auch gerne in unseren Qualitätsmedien genannt wird.

Schwenck fühlt sich zu einem abschliessendem Fazit berufen. Es klingt fast wie ein Appell ist aber eher als Anklage des IS, gleichzeitig aber auch eine Verteidigung der Angreifer auf Mossul, eine vorauseilende Entschuldigung für die vielen tausend Toten und Vertrieben, die dieser Kampf noch unter der Zivilbevölkerung kosten wird:
Vierhunderttausend Menschen sitzen noch in der Altstadt fest, keine Chance der Gewalt zu entkommen. Der IS kann den Kampf um Mossul nicht mehr gewinnen, aber er kann noch viele Zivilisten mit in den Tod reissen.“
Gleiches hätte er auch im Dezember 2016 der Al-Nusra, dem IS, der Ahrar al-Sham und eben jener Harakat Nour al-Din al-Zenki, die den 12-jährigen Jungen vor laufenden Kameras köpfte, die Ost-Aleppo und seine Einwohner als Geiseln hielten, mit gleicher Berechtigung zurufen können, wie in diesen Tagen dem IS in Mossul.

Aber Schwenck argumentierte genau anders herum, in den Tagesthemen am 13. Dezember 2016:
Monatelang hat Machthaber Assad die bewaffnete Opposition in Aleppo belagert, ausgehungert und dann über Wochen bombardiert. Viertel um Viertel wurde erobert oder befreit, je nach Perspektive. Für die Zivilbevölkerung brachte der Kampf um Aleppo vor allem eines: Entsetzliches Leid.“
Über Monate verbreitet er Durchhalteparolen, so wie bereits am 02. August 2016 in den Tagesthemen. Russen und die Syrische Armee hatten damals gerade Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung aus dem belagerten Ostteil der Stadt eingerichtet, die aber von den Islamisten unter schweres Feuer genommen wurden, um eine Flucht der Menschen zu verhindern.

Schwenck beginnt mit einer dreisten Täuschung der Zuschauer:
Im Moment sehe man in den Rebellenvierteln vor allem Kämpfer der Freien Syrischen Armee kurz FSA. Abu Sharif hält Wache“,
schliesslich ist selbst dem vertrottelsten Zuschauer kein bärtiger Nusra-Kämpfer mit schwarzem Stirnband als Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit zu verkaufen. Und nachdem der Mann, den man extra für die deutschen Fernsehzuschauer mit einem Anstecker der Fahne der FSA am Kampfanzug ausgestattet hat, ausgiebig über die mangelnde Unterstützung des Westens klagt , darf er markige Durchhalteparolen ins Mikrofon sagen:
Wir werden weiterkämpfen bis zum Schluss. Wir stehen Seite an Seite mit den Zivilisten hier. Wir haben schon so lange der Belagerung und den Luftangriffen widerstanden.“
Schwenck wäre allerdings nicht Schwenck, wenn er nicht noch versuchte den Menschen vor den Fernsehern ein schlechtes Gewissen einzureden. Er wechselt wieder in die pastorale Intonation:
Rauch über Aleppo. – Die Menschen ducken sich in den giftigen Qualm und hoffen auf Schutz vor dem nächsten Angriff. - So ähnlich muss es wohl in der Hölle aussehen.“
Wer nun etwa meint, eine solch eindringliche Schilderung könne nur ein Augenzeuge des Geschehens vermitteln, der sieht sich getäuscht. Schwenck ist wieder einmal gar nicht vor Ort. Er lässt sich wieder einmal einen Film schicken von einem Kameramann, der den Dschihadisten angehört. Schwenck sitzt derweil in Kairo und dichtet einfach auf die Bilder, was ihm gerade so in den Sinn kommt. In der Anmoderation hatte Thomas Roth, damals noch als Anchorman bei den Tagesthemen in Amt und Würden, die Leistung Schwencks, „die Lage in der Stadt zu zeigen“, ohne auch nur annähernd zu wissen, was ihm da von den Kopfabschneidern untergejubelt wurde, in tiefer Ergriffenheit gewürdigt:
Kaum ein Journalist kann regelmässig aus Aleppo berichten, denn die Gefahr ist einfach zu groß. Unser Korrespondent schafft es trotzdem mithilfe der Bilder eines der Opposition nahestehenden Kameramanns , die Lage in der Stadt zu zeigen.“
Die Lage der Besatzer Ost-Aleppos war damals schon hoffnungslos. Sie waren eingezingelt, verfügten über keinerlei Luftabwehr und von Tag zu Tag wurden ihre militärischen Ressourcen knapper. Aber sie hatten ihre Geiseln. Zwischen 60.000 und 250.000 Zivilisten, die Zahlen gingen je nach Interessenlage der Berichterstatter weit auseinander, sollen sich zu dieser Zeit noch in Ost-Aleppo in der Gewalt der Terroristen befunden haben.

Aber Schwenck will zu diesem späten Zeitpunkt des Kampfes um Aleppo, am diesem 13. Dezember , da es nur noch wenige Tage dauern wird, bis die ganze Stadt wieder in den Händen der Regierung ist scheinbar nicht, dass die wehr- und schutzlosen Zivilisten Ost-Aleppo verlassen. Verbreitet er doch 1:1 die Propaganda der Geiselnehmer.

Einer dieser Terroristen spricht in seine Handykamera, während er sich selbst filmt, wie er durch eine menschenleere Straße Ost-Aleppos geht, links und recht in Trümmern liegende Ruinen:
Nach dem das Regime vorgedrungen ist, haben wir von Massakern gehört, sagt dieser Aktivist aus den Rebellenvierteln. Wir wissen nicht wieviele genau getötet wurden, weil der Kontakt zu all denen, die in Regime-Gebieten sind, der ist abgerissen.“
Der „Aktivist“ weiß nichts genaues. Ebenso wie Schwenck, der zitiert die UNO, die von „mindestens 82 Zivilisten“, berichtet, die Regierungssoldaten ermordet haben sollen, „darunter Frauen und Kinder.“
Das syrische Militär weise das zurück aber die Hinweise seien glaubhaft, die Namen bekannt, beruft sich Schwenck auf den Sprecher der UNO, Rupert Colville. Der Brite Colville, der sein Büro in Genf hat, ist auch nur auf hören-sagen angewiesen, weiss anscheinend auch nichts Genaues, denn auch er benutzt die vage Formulierung „haben sollen“. Eines weiss er allerdings genau:
Einige wurden erschossen als sie fliehen wollten. Andere wurden in ihren Häusern erschossen in denen sie Zuflucht gesucht hatten. Das ist eine alarmierende Entwicklung“.
Die Täter aber bleiben im dunklen, im wagen. Aber die Botschaft der Geiselnehmer an die Zivilisten in Ost-Aleppo ist klar: „Bleibt wo ihr seid, oder ihr seid tot!“ Volker Schwenck überbringt sie.

Mittwoch, 26. April 2017

"Bild" ist heute der Qualitätsmassstab des deutschen Journalismus- drunter geht immer, drüber niemals


Russlands Präsident Wladimir Putin (64) erlaubt Reportern beim Confederations Cup im Sommer keine freie Berichterstattung. Und die Fifa spielt mit. Der Skandal, der auch unsere National-Elf betrifft“,
und alle sprangen drüber.

Ob Politiker wie der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer (CDU):
Die Akkreditierungsvorschriften für den Fifa-Konföderations-Pokal zeigen ein seltsames Verständnis von Pressefreiheit. Offenbar herrscht in Russland große Angst vor einer freien Berichterstattung über die Zustände im Land“,
oder der angebliche SPD-Linke Ralf Stegner:
Genauso wenig, wie wir es richtig finden, wenn US-Präsident Trump die ‚Lügenpresse‘ beschimpft, können wir es akzeptieren, wenn Putin oder die Fifa die Pressefreiheit einschränken.“,
die Sportfunktionäre wied as langjährige CDU-Mitglied und DFB-Präsident Reinhard Grindel:
Ich werde mich bei der Fifa-Ratssitzung am 9. Mai dafür einsetzen, dass die beim Confed Cup akkreditierten Journalisten frei berichten können. Es wäre ein wichtiges Signal für ‎die WM 2018, wenn schon beim Vorbereitungsturnier das russische Organisationskomitee deutlich macht, dass es keine Einschränkungen der Pressefreiheit gibt“,
oder Liga-Präsident Reinhard Rauball:
Die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit gehört zu den Menschenrechten. Die Wahrung der Menschenrechte muss auch bei einem sportlichen Großereignis sichergestellt werden – egal, wo es stattfindet“,
oder Frank Überall aus dem Bundesvorstand des Deutschen Journalistenverbandes, der schon mal "die die positiven Effekte der „situativen Kooperation“ und des Netzwerkens" hervorhebt, wenn er sich zu Korruption äussert:
Die Fifa lässt sich hier vor den Karren einer menschenrechtsfeindlichen Regierungspolitik spannen, indem sie Journalisten massiv in ihrer Arbeit behindert. Man muss darüber nachdenken, ob man solche Turniere künftig noch in Ländern austragen kann, die die Pressefreiheit mit Füßen treten“,
alle eilten sie der „Bild“ an die Seite.

Und weil nun einmal in den Qualitätsmedien das Wunschdenken die Fakten ersetzt hat, waren auch die diensteifrigen Redakteurchen sofort zur Stelle und witterten dunkle Machenschaften zwischen der FIFA und dem Bösewicht vom Dienst, dem russischen Präsidenten Wladimir Waldirimitsch Putin, gemeinhin einfach nur Putin genannt.

Landauf – landab, von der „Aachener Zeitung“ bis hin zu „Zeit online“ empörten sich die Produzenten der veröffentlichten Meinung. Der „Focus“ sah die:
Fifa von Putin "vor den Karren gespannt": Zensur-Skandal vor dem Confed-Cup
n-tv fragte besorgt:
Zensur beim Confed-Cup?: Fifa beschränkt Journalisten, DFB protestiert
sich die Neue Westfälische da ganz siche war:
Russland schränkt Pressefreiheit für Confed Cup ein“,
der „Tagesspiegel“ widmete dem Thema gleich zwei Artikel:
Confed Cup in Russland: Fifa will Journalisten einen Maulkorb verpassen“
und:
Russland: Fifa-Vorgaben für Confed Cup verärgern Journalisten“.
Da mochte sich auch das Sturmgeschütz des deutschen Rundfunkwesens, der „Deutschlandfunk“  nicht lumpen lassen. Seine Beiträge betitelte er:
Confederations Cup - Russland schränkt Pressefreiheit ein“,
und:
Confed-Cup in Russland DJV und DFB fordern volle Freiheit bei Berichterstattung“.
Wie immer, wenn es darum geht die Deutschen umfassend zu desinformieren, wollte auch Dr. Gniffkes ARD-Aktuell Flaggschiff, die „Tagesschau" nicht abseits stehen:
FIFA: Debatte über Medienregeln bei Confed Cup“,
dichtet die Redaktion.

 Hier eine kleine Auswahl von 60 Titeln aus dem Rauschen im deutschen Blätterwald:

-->
Aachener Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Abendzeitung Russland: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Allgemeine Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Augsburger Allgemeine Confed Cup: Kurze Leine für Journalisten
Berliner Zeitung Kommentar zum Confed Cup 2017: Von Putin gelenkte Pressefreiheit
Bürstädter Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Deutsche Welle DFB-Kritik an Confed-Cup-Akkreditierung
Deutschlandfunk Confederations Cup - Russland schränkt Pressefreiheit ein
Deutschlandfunk Confed-Cup in Russland DJV und DFB fordern volle Freiheit bei Berichterstattung
DIE WELT Confed-Cup droht Zensur
Emder Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung Bei Confed Cup in Russland: Die Fifa will kritische Berichte stark einschränken
FOCUS Online Fifa von Putin "vor den Karren gespannt": Zensur-Skandal vor dem Confed-Cup
FOCUS Online Fußball: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Frankfurter Neue Presse Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Gelnhäuser Tageblatt Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Gießener Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Hamburger Abendblatt Protestwelle wegen Medienregeln beim Confed Cup
Hamburger Morgenpost Confed Cup in Russland: Protest gegen FIFA-Zensur
Handelsblatt Fußball: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Hildesheimer-allgemeine Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
inFranken Die Bühne der Despoten
Kölner Stadt-Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Kreis-Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Lampertsheimer Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Main-Spitze Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Mitteldeutsche Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
N-tv Zensur beim Confed-Cup?: Fifa beschränkt Journalisten, DFB protestiert
Neue Westfälische Russland schränkt Pressefreiheit für Confed Cup ein
neues deutschland Einschränkung für Medien
Nordwest-Zeitung Confed Cup: Journalisten fürchten Verbote in Russland
Nordwest-Zeitung Kritik An Akkreditierungsbestimmungen: Fifa beschwichtigt Sportjournalisten
Oberhesseische Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Oberhessische Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Passauer Neue Presse Confed Cup: Kritik an Einschränkungen für Journalisten
RevierSport Rauball sieht Rechte von Reportern in Gefahr
Rhein-Neckar-Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
RP ONLINE Confed Cup 2017: Mögliche Zensur ruft DFB und DFL auf den Plan
RP ONLINE Confed Cup 2017: FIFA duldet eingeschränkte Pressefreiheit
Schwäbisches Tageblatt Russland und Fifa in großer Erklärungsnot
Schwarzwälder Bote Russland: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
SPIEGEL ONLINE Confed Cup: Fifa schränkt kritische Berichterstattung ein
Süddeutsche.de Confed Cup in Russland - Journalisten fürchten Einschränkungen beim Confed Cup
Südwest-Presse Russland und Fifa in großer Erklärungsnot
T-online Russland: DFB wehrt sich gegen "Maulkorb"
Tagesschau FIFA: Debatte über Medienregeln bei Confed Cup
Tagesspiegel Russland: Fifa-Vorgaben für Confed Cup verärgern Journalisten
Tagesspiegel Confed Cup in Russland: Fifa will Journalisten einen Maulkorb verpassen
Traunsteiger Tageblatt Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Usinger Anzeiger Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Volksstimme Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Walsroder Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Werwesten Grindel und Rauball fordern Pressefreiheit beim Confed Cup
Westdeutsche Allgemeine Zeitung Pressefreiheit beim Confed-Cup: Russland in der Kritik
Westlälische Rundschau Pressefreiheit beim Confed-Cup: Russland in der Kritik
Westlfalenpost Pressefreiheit beim Confed-Cup: Russland in der Kritik
Wiesbadener Tageblatt Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
Wirtschaft.com SPD und Grüne: Merkel muss sich bei Putin für Pressefreiheit einsetzen
Wormser Zeitung Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
ZEIT ONLINE Fußball: Protestwelle wegen Medienregeln bei Confed Cup
 

Was war passiert, was hatte einen solchen Shitstorm in den deutschen Redaktionsstuben ausgelöst?

"Bild“ hatte einmal mehr den Beweis angetreten, dass man auch aus rein gar nichts einen Riesen-Skandal entwickeln kann, wenn man nur laut genug brüllt und den gerade vorherrschenden Trend im deutschen Pressewesen bedient. Und dieser Trend ist nun einmal ein allgemeines Putin-Bashing und die Erkenntnis das Sportfunktionäre im allgemeinen und die der FIFA im besonderen ausnahmslos korrupt sind und ein besonderes Faible für Staaten haben, die nicht gerade im Verdacht stehen, lupenreine Demokratien zu sein.

"Bild“ hatte sich einmal die Richtlinien der vereinfachten Akkreditierung der FIFA für Journalisten angesehen, die vom Confed-Cup, der vom 03. Juni bis zum 10. Juli in Russland stattfindet. Dabei war den Schlaubergern von der „Bild“ aufgefallen, das es ein paar Formulierungen gab, die, wenn man denn unbedingt wollte, auch falsch verstehen konnte.

Darin hiess es :
  1. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen ausschliesslich über den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten.
  2. Medienvertreter mit einer Akkreditierung für den FIFA Konföderationen-Pokal dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahegelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein.
Bild“ und nahezu alle anderen Medien sahen unisono die Pressefreiheit im Äussersten gefährdet, was ja, wie man ohnehin weiß, in Russland der Standard ist.
Allerdings war die ganze Aufregung umsonst und durch die Akkreditierungsrichtlinien der FIFA auch keineswegs begründet. Handelt es sich doch, und das steht auch im Text, um eine vereinfachte Akkreditierung, ausschliesslich für Pressevertreter die nur von dem Sportereignis berichten wollen. Alle Reporter, die darüber hinaus über Land und Leute berichten wollen steht natürlich die ganz normale AM-Akkreditierung offen. Es ist also ein Serviceangebot der FIFA, das für einen speziellen Fall speziell konfiguriert ist.
Besonders erregten sich die Herrschaften über die Textpassage „ dürfen ausschliesslich über den FIFA Konföderationen-Pokal 2017 und damit verbundene Ereignisse berichten“. Eine Regelung, die im übrigen bei Events ähnlicher Art so oder so ähnlich üblich ist. So heisst es etwa in den Akkrediteirungsrichtlinien der deutschesten alle deutschen Sportveranstaltungen dem „Internationalen Deutschen Turnfest“ in Berlin vom 03. bis zum 10. Juni 2017:
Mit einer Presseakkreditierung des Turnfests Berlin 2017 sind nur redaktionelle Tätigkeiten möglich, die in unmittelbarem Bezug zur Veranstaltung stehen.“
Bisher sind keine Proteste weder von der „Bild“ noch von irgendwelchen anderen Medien bekannt geworden, in denen etwa von einer Zensur der Presse beim „Deutschen Internationale Turnfest“, dem deutschen Turnerbund oder gar einem Komplott von deutschem Turnerbund und Bundeskanzlerin Angela Merkel, niemals nur kurz Merkel genannt, zwecks Einführung der Zensur, die Rede gewesen wäre.
Der zweite Aufreger ist die Formulierung in Absatz 2: „... dürfen nur auf dem Gebiet der Spielorte und nahegelegener Sehenswürdigkeiten tätig sein“.
Macht man sich die Mühe und schaut einmal im englischen oder französischen Text nach so steht dort:
Media repräsentatives accredited for the FIFA Confederations Cup are allowed to work on the territory of the host cities and cultural sites located nearby.“
oder:
Les représentants des médias accrédités pour la Coupe des Confédérations sont autorisés à travailler sur le territoire des villes hôtes et sur les sites culturels avoisinants.“
In beiden Texten fehlt das Äquivalent für das im Deutschen einschränkende Wort „nur“, das allerdings in der spanischen Version wieder auftaucht. Da davon auszugehen ist, dass die Redakteure des Textes bei der FIFA sicher dem englisch und französischem eher mächtig sind als dem Deutschen und dem Spanischen, kann man davon ausgehen, dass es sich hier nur um eine mangelhafte Übersetzung handelt. Einfach mal ein wenig am Text manipuliert, und schon hat die Meldung den richtigen Spin.
Wer wollte konnte und bei sorgfältiger Betrachtung der Fakten, musste eigentlich die ganze Angelegenheit in einem ganz anderen Licht sehen. So unterzieht die „Osnabrücker Zeitung“ die Akkreditierungsrichtlinien eines in letzter Zeit auch in anderen Publikationen und vor allen Dingen in umgekehrtem Zusammenhang so beliebt geworden Faktencheck. Der stellvertretende Chefredakteur des Blattes, Burkhard Ewert erklärte seinen verdutzten Kollegen:
In vielen Ländern der Welt brauchen ausländische Journalisten Visa für ihre Arbeit. In den USA, in der Türkei, in Israel – und eben auch in Russland. Um den in großer Zahl und nur für kürzeste Zeit einreisenden Sportjournalisten beim Confed-Cup ihre Arbeit zu erleichtern, führte das russische Aussenministerium als Entgegenkommen eine Sonderregelung ein: Die Reporter müssen nicht zwangsläufig das – durchaus umständliche – reguläre amtliche Visa verfahren durchlaufen. Eine Registrierung bei der FIFA genügt, die dann über die Botschaften eine Sammelfreigabe für die Journalisten einholt.“
Mit diesem „Spar-Visum“sei die Berichterstattung über die Spiele und Schauplätze unbürokratisch möglich. Wer als Journalist mehr wolle, so Ewert, dem stehe es ganz und gar frei, sich wie in anderen Ländern ein reguläres Visum zu besorgen.
Auch Oliver Frick, ARD-Teamchef für den Hörfunk beim Confed-Cup fällt es sichtlich schwer, die Aufregung in den deutschen Medien zu verstehen und nachzuvollziehen. Auf die Frage ob es unüblich sei was die russischen Behörden von den Journalisten verlangten antwortet Frick:
Ich habe meinen Bogen vor mir liegen. Da steht: Oliver Uwe Frick, ARD-Radio Deutschland, Management, wir freuen uns Sie akkreditieren zu dürfen. Hiermit wird die Akkreditierung erteilt. Ich habe auch ein Visum bekommen bis Dezember 2018 über die FIFA und die lokalen Organisationen. Das war überhaupt kein Problem. Ich habe sogar eine Berechtigung zu filmen vom 17. Mai bis zum 10. Juli. Die Basecamps der Teams, irgendwelche Denkmäler, kulturelle Stätten, alle Städte in Russland.“
Und so Frick:
...ich habe nachgeschaut: genau dieses Formular habe ich schon 2009 vor Südafrika bekommen und auch 2013 vor Brasilien. Das ist einfach ein Standardschriftsatz der FIFA.“

Bis zum obersten aller Journalisten, dem Vorsitzenden des Bundesvorstand des Deutschen Journalistenverbandes, Frank Überall sind solche Erfahrungen noch nicht durchgedrungen. Der schrieb noch gestern an den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino einen Brief, den er natürlich nicht vergass öffentlich zu machen.
"Das sind Bedingungen einer Diktatur, die Angst davor hat, dass in den Medien kritische Berichte über das politische, wirtschaftliche und soziale Umfeld der Spiele erscheinen könnte“,
erboste sich der Verbandschef, der im übrigen auf dem Verbandstag in diesem Jahr in seinem Amt bestätigt werden möchte. Da ist es unter Umständen nicht hilfreich, wenn man sich gegen eine mächtige Lobby stellt.

Seriöse Berichterstattung entlang sorgfältiger Recherche war gestern. Heute ist Randale und Klamauk, Manipulation und Propaganda. Wer sich nicht streckt, der bleibt auf der Strecke, das gilt vom kleinen Praktikanten in der Lokalredaktion des mickrigsten Käseblatts bis zum Verbandsboss der Journalisten.

Donnerstag, 20. April 2017

Persönlich vernichten - der Umgang deutscher Mainstream-Medien mit den Vertretern oppositioneller Meinungen


 Die Meldung in der ZDF-Sendung „heute“ am Donnerstag, den 13.04. um 12:00 Uhr war kurz und knapp:
Russland hat mit seinem Veto im UN-Sicherheitsrat erneut eine Resolution zu dem Giftgasangriff in Syrien verhindert. Diese sah vor, die Attacke zu verurteilen und die Syrische Regierung aufzufordern mit internationalen Ermittlern zusammen zu arbeiten. Es ist bereits das achte Mal, dass Moskau eine Syrien-Resulotion blockiert. Die Russische Regierung ist ein enger Verbündeter des syrischen Präsidenten Assad.“
 Diese Art der selektiven Berichterstattung ist mittlerweile zum Standard des deutschen Mainstream geworden. Berichtet wird nicht vollständig und umfänglich sondern nur das, was in die eigene politische Agenda passt. Bereits im zweiten Satz wird postuliert, die von den USA, Frankreich, Großbritannien eingebrachte Resolution verurteile allgemeine die Giftgasattacke.

  Das ist zwar nicht falsch, nur verschweigt das ZDF, dass die Resolution explizit Syrien als Schuldigen für den Einsatz von Sarin verantwortlich macht. Was nach dem jetzigen Erkenntnisstand nicht bewiesen ist. Würde die Resolution in der eingereichten Form beschlossen, so wäre ein Schuldiger bereits benannt und die Richtung der beantragten Untersuchung würde insofern vorbestimmt, als dass ausschliesslich Beweise für die Urheberschaft Syriens gesucht würden. Das ist so als würde jemand wegen Mordes festgenommen und die Polizei bekäme den Auftrag nun, und zwar ausschliesslich, nach den Bewiesen für die Täterschaft des Festgenommenen suchen.

  Mit der Forderung an Syrien, alle Flugpläne offen zu legen, alle Personen zu benennen, die dazu in der Lage sind, die Flugzeuge der syrischen Armee fliegen, die an der Vorbereitung, der Durchführung und der Anordnung von Einsätzen der syrischen Luftwaffe beteiligt sind und der Untersuchungskommission Zugang zu allen syrischen Militärbasen zu gewähren, werden Bedingungen gestellt, die für keinen Staat der Welt annehmbar sind. Eine Zustimmung zu diesen Forderungen würde die Aufgabe jeglicher Souveränität des syrischen Staates bedeuten.

  Aber es war auch wohl nicht Sinn und Zweck des Resolutionsentwurfes, wirklich an der Aufklärung des Giftgasvorfalles mitzuarbeiten. Vielmehr sollte der schwarze Peter aus Propagandazwecken Syrien und Russland zugeschoben werden. Das ZDF bedient diesen Plan mit seiner Meldung auf das Vortrefflichste. Dazu dient dann auch der Satz:
Es ist bereits das achte Mal, dass Moskau eine Syrien-Resulotion blockiert.“
  Völlig undifferenziert werden einfach alle Vetos, die Russland im Laufe des Syrienkonflikts im UN-Sicherheitsrat eingelegt hat summiert. Dass es dabei um völlig unterschiedliche Themen ging scheint dem öffentlich-rechtlichen Sender nicht erwähnenswert.Dabei unterliegt der Sender den Bestimmungen des ZDF-Staatsvertrages, der in seinem § 6 Absatz 1, klipp und klar regelt:
Die Berichterstattung soll umfassend, wahrheitsgetreu und sachlich sein. Herkunft und Inhalt der zur Veröffentlichung bestimmten Berichte sind sorgfältig zu prüfen.“
  Niemand kommt beim ZDF auf die Idee die Dutzende von Vetos, die die diversen Botschafterinnen der USA bei den Vereinten Nationen im Weltsicherheitsrat in den letzten Jahren eingelegt haben wenn es um Israel und die Frage der Palästinenser ging, einfach nur zusammenzuzählen und daraus einen Vorwurf gegen die USA zu formulieren.

  So war mit den ersten Resolutionsentwürfen zum Syrienkonflikt ab 2011 der Versuch verbunden, den Weltsicherheitsrat als ein Instrument der Kriegsführung in Syrien zu missbrauchen. Der Westen versuchte mehrfach eine Flugverbotszone in in dem Land einzurichten, ähnlich wie in Libyen. Damals hatte der Westen Russland und China mit dem Argument, man wolle die Zivilbevölkerung vor der Luftwaffe Gaddafis schützen, zu einer Stimmenthaltung im Sicherheitsrat bewogen.

 Kaum war die Resolution verabschiedet, bombte der Westen selbst fröhlich drauflos und verkündete frank und frei es gehe nicht im geringsten um den Schutz der Bevölkerung sondern einzig und allein darum, Gaddafi zu beseitigen und der eigenen Klientel in Libyen an die Macht zu verhelfen. Russland und China haben aus diesem Vorfall ihre Konsequenzen gezogen und nutzen seitdem die Möglichkeit, durch ihr Veto, dem Westen der Möglichkeit zu berauben, die UN als ein Instrument seiner eigenen Kriegsführung zu missbrauchen.

  In den deutschen Mainstream-Medien besteht offensichtlich kein Interesse, die Menschen umfassend zu informieren. Sie berichten und kommentieren nur in eine ganz bestimmte Richtung. Dabei scheint ihnen auch die Wahl ihrer Mittel vollkommen egal zu sein. Wer nicht spurt, wer eine andere Meinung vertritt, wer auf Fakten hinweist, die dieser Richtung widersprechen, der wird gnadenlos niedergemacht.

  Wie mit Leuten umgegangen wird, die dem Mainstream widersprechen und sei es nur indem sie darauf hinweisen, dass die Schuld an dem Konflikt in Syrien nicht nur auf einer Seite zu suchen ist, musste der Nahostexperte Michael Lüders erfahren. Zunächst wurde ihm vorgeworfen, er habe in der Sendung „Marcus Lanz“ vom 05. April, den türkischen Journalisten Can Dündar dazu missbraucht, die Öffentlichkeit darüber zu täuschen wer für den Giftgasangriff am 31. August 2013 verantwortlich sei. Der Deutschlandfunk schreibt auf seiner Internetseite:
Er (Lüders) führte aus, dass schon 2013 bei einem Giftgasangriff in Ghouta, östlich von Damaskus, mit vermutlich mehreren Hundert Toten Gas verwendet worden sei, das der türkische Geheimdienst an die Nusra-Front, den Al-Qaida-Ableger in Syrien, geliefert habe.“
Der Deutschlandfunk fährt fort indem er Lüders wörtlich zitiert:
Mittlerweile wissen wir, dass es mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit nicht das Regime war, das für diesen Giftgasangriff verantwortlich war.“
  Wohlweislich zitiert der DLF nur diesen einen Satz Lüders wortgenau. Danach werden Lüders die Worte vom Sender in den Mund gelegt:
Die ersten, die darüber berichtet hätten, seien türkische Journalisten gewesen, darunter Can Dündar, der im Anschluss wegen seiner Berichte über die Waffenlieferungen der Türkei nach Syrien habe fliehen müssen“,
habe Lüders angeblich gesagt, behauptet der Deutschlandfunk. Sieht man sich die Aufzeichnung der Sendung noch einmal an, so stellt man fest, dass Lüders im Zusammenhang mit Can Dündar von Waffenlieferungen im allgemeinen spricht, die die Türkei an die Al-Nusra geleistet hat. Zwar sagt er zunächst:
Wir wissen, dass die Türkei die Nusra-Front und andere Gruppierungen mit Saringas ausgestattet hat und sie stellen Saringas selber her.Und die ersten die darüber berichtet haben waren türkische Journalisten, darunter auch Can Dündar: Der musste fliehen vor Erdogan und lebt jetzt in Deutschland im Exil. Der war Chefredakteur der Zeitschrift Cumhüyriet.“
Als Lanz dann einwirft:
Der hat darüber berichtet, das stimmt“,
scheint Lüders seinen Fehler zu bemerken und berichtigt sich:
Der (Can Dündar) hat darüber berichtet, diese Waffenlieferung der syrischen - der türkischen Geheimdienste - des türkischen Geheimdienstes in Richtung Nusra-Front und anderer und daraufhin hat Erdogan persönlich Anklage gegen ihn erhoben wegen Hochverrat.“
Er benutzt hier ausdrücklich das Wort „Waffenlieferung“.

  Dass Lüders die Waffenlieferungen der Türkei an die Dschihadisten meint, zeigt auch ein Blick in sein Buch „Die den Sturm ernten – Wie der Westen Syrien ins Chaos stürzte“. Beginnend auf Seite 113 schreibt Lüders:
Türkische Journalisten, die über diese Waffenlieferungen berichten, riskieren ihre Verhaftung und ein Verfahren wegen Landesverrats. Am bekanntesten ist der Fall des ehemaligen Chefredakteurs von «Cumhuriyet», Can Dündar. Nachdem er 2015 geheime Dokumente über türkische Waffenlieferungen an syrische Dschihadisten veröffentlicht hatte, erstattete Erdogan persönlich Anzeige gegen ihn. Er wurde zu fast sechs Jahren Gefängnis verurteilt, das Urteil im Berufungsverfahren aber zurückverwiesen an die erste Instanz. Ihn erwartet nunmehr eine lebenslange Freiheitsstrafe. Kurz vor dem gescheiterten Militärputsch im Juli 2016 hat sich Dündar nach Deutschland abgesetzt.“
  Das hilft ihm allerdings wenig. Die Meute hat Blut gerochen und fällt über ihn her. Nicht nur der Deutschlandfunk schenkt sich diese, Lüders, Korrektur. Auch der privat finanzierte Zensor „Correctiv“ lässt die Berichtigung einfach weg:
Unsere Bewertung: Die Behauptung ist Falsch“,
und gibt auf der Pinocchio-Nasenlängen-Skala eine drei von möglichen fünf Nasenlängen-Wertungen.

 Da wundert es wenig, dass „Correctiv“ auch seinen Bündnispartner in Sachen Zensur, die Faktenfinder der ARD-Tagesschau in den Zeugenstand ruft. Die These, dass wahrscheinlich nicht die Syrische Regierung für den Giftgaseinsatz von 2013 verantwortlich sei, sei nicht nur umstritten sondern sogar
„allerhöchst umstritten und wurde inzwischen mehrfach ausführlich untersucht, unter anderem von den 'Faktenfindern' der 'Tagesschau'.“
 Dabei nimmt es „Correctiv“ selbst nicht so genau mit der Wahrheit. Über dem Artikel in dem Lüders der angeblichen Lüge bezichtigt wird, prangt in der ganzen Breite der Seite ein Bild aus einem Krankenhauszimmer eines, offensichtlich unterirdischem, Krankenhauses mit der Bildunterschrift:
Bei dem Giftgasangriff in Khan Shaykhun wurde ein Krankenhaus zerstört.“
 Das ist offensichtlich falsch.

 Der Spiegel hat sich sehr viel Zeit genommen um die Vermutung, das Giftgas in Khan Shaykhun sei durch einen Bombentreffer auf ein Giftgaslager der Kopfabschneider freigesetzt worden, zu belegen:
Um 6.30 Uhr Ortszeit meldeten Augenzeugen aus der Stadt Luftangriffe. Um 7.59 Uhr veröffentlichte der lokale Reporter Mohammed Sallum al-Abd auf YouTube ein Video, das die Attacke zeigt. Zu sehen sind mehrere große Rauchsäulen und eine kleinere, etwas abseits. Im Titel des Videos schreibt Abt, dass bei dem Angriff "Giftbomben" eingesetzt worden seien.
...Trotz dieser Faktenlage präsentiert Russland eine ganz andere Version: Demnach habe die syrische Luftwaffe "zwischen 11.30 und 12.30 Uhr einen Angriff im Raum des östlichen Randes der Ortschaft Khan Shaykhun auf ein großes Depot mit Munition und Militärgerät der Terroristen ausgeführt. Ort und Zeit, die das russische Verteidigungsministerium nannte, passen eher zu einer zweiten Angriffswelle am vergangenen Dienstag.“
Der Spiegel legt sich fest:
Zur Mittagszeit bombardierten Kampfjets das Krankenhaus und das Zentrum des Zivilschutzes.“
Nicht nur die Zeit passt nicht, auch der Ort ist falsch. Der Spiegel:
Russland spricht davon, der Angriff auf die angebliche Chemiewaffenwerkstatt sei am östlichen Stadtrand von Khan Shaykhun erfolgt. Die Menschen, die durch den Giftgaseinsatz ums Leben kamen, lebten jedoch am nördlichen Stadtrand.“
 Was also stimmt? Präsentiert „Der Spiegel“ echte Fakten oder sind seine Angaben gelogen und somit „Fake-News“, oder lügt die von dem US-Milliardär Georges Soros bezahlte deutsche Wahrheitspolizei „Correctiv“?
Unsere Bewertung: Einer lügt.
Auf alle Fälle aber eine fünf auf der Pinocchio-Nasenlängen-Skala.

 Am 09. April arbeitete sich dann Anne Will in der gleichnamigen Talkshow an dem armen Lüders ab. Das ARD-Urgestein Will, die nach langen Jahren im Dienst des öffentlich-rechtlichen Fernsehens genau weiß wie der Hase zu laufen hat, wie man auch mit miserabler Quote gut überleben kann. Will weiß was die Damen und Herren der Gremien der ARD, bestehend aus Parteipolitikern, Verbandsoberen und Vertretern der Kirchen und der Wirtschaft, gern in "ihren" Sendern hören und sehen wollen - und das liefert sie.

  Und die wollen nicht diskutieren. Sie sagen wo es lang geht, was richtig und was falsch ist, was die Wahrheit und was Fake-News sind. Seit Jahren bestimmen sie in welche Richtung die Welt sich dreht. Wer da nicht mitspielt, der wird niedergemacht, der wird persönlich vernichtet. Die heilige Inquisition lässt grüssen.

  Und so hält sich Anne Will bei der Vorstellung Lüders auch erst gar nicht bei seinen Thesen und seinen Meinungen auf. Sie geht ihn persönlich an, bezweifelt seine lautere Absicht, unterstellt ihm Eigennutz, wirtschaftliche Gründe für seine Sicht auf Syrien und nimmt ihm, noch bevor er auch nur ein Wort gesagt hat, damit jede Glaubwürdigkeit:
Herr Lüders, bevor wir das diskutieren, ob sie mitgehen, oder sie alle mitgehen bei der Analyse von Herrn Wolfssohn und bei der von Herrn Kornblum, dass ein solcher Plan auch was frei brechen kann, möchte ich sie erst nochmal vorstellen: Wir haben sie heute bewusst nicht als einen neutralen Nahostexperten vorgestellt, sondern als Autor und als Politik- und Wirtschaftsberater. Sie sind, muss man sagen und erklären ein Geschäftsmann, der sein Wissen an Firmen verkauft, die im Nahen- und Mittleren Osten ihre Geschäfte machen wollen. Spielt für ihre wirtschaftlichen Interessen - oder spielen ihre wirtschaftlichen Interessen da 'ne Rolle wenn sie sagen oder behaupten, dass es der Westen sei, der Syrien ins Chaos gestürzt hat?“
Lüders versucht sich zu wehren:
Also ich würde gern auf der sachlichen Ebene analysieren wollen und…“
  Anne Will lässt ihn erst gar nicht zu Wort kommen, unterbricht ihn rüde, weist ihn zurecht wie eine Oberlehrerin:
Das war ja ganz sachlich.“
Lüders versucht krampfhaft seinen Gedanken zu Ende bringen:
„…und darauf abzielen wollen, dass ich vor allen Dingen als Autor und Nahostexperte bestimmte Analysen geleistet habe über die Region, die in sofern sicherlich nicht mainstream-konform sind, als sie eben doch, gerade was Syrien anbelangt, ein bisschen in eine andere Richtung gehen. Ich glaube, dass...“
  Wieder unterbricht Will ihn, beharrt darauf den Mann zu Kreuze kriechen zu sehen. Er soll widerrufen, öffentlich vor Millionen Zuschauern bekennen, dass sein Handeln unredlich ist:
Kurz noch einmal nachgefragt: Es war nicht falsch, was ich gesagt hatte, ne? Weil sie sagen, wir wollen sachlich bleiben.“
  Ab jetzt ist der Mann gebrandmarkt als Geschaftlhuber, als Verschwörungstheoretiker, als einer, der die Wahrheit für schnöden Mammon verkauft. Will hat ihr Ziel erreicht: Lüders kann ab jetzt sagen was er will, man wird ihm nicht glauben. Eine wichtige, eine kritische Stimme ist aus der Diskussion genommen.

  An der Diskussion nahmen neben Michael Lüders auch der Historiker Prof. Dr. Michael Wolfssohn und der ehemalige Botschafter der USA in Deutschland, John Kornblum teil. Auf der Internetseite der Sendung werden die Gäste vorgestellt. Bei Wolfssohn steht dort unter anderem, dieser sei:
vorwiegend als Publizist tätig und schreibt eine Kolumne für die 'Bild'-Zeitung und das 'Handelsblatt' “
und Kornblum sei:
Deutschland-Chef der internationalen Investment Bank Lazard. Derzeit ist Kornblum als Berater für eine Wirtschaftskanzlei tätig.“
  Vergessen dabei wurde Wolfsohns Kolumne bei „Focus“ und neben seinen zahllosen Buchveröffentlichungen auch seine rege Tätigkeiten bei  öffentlich-rechtlichen und privaten Fernseh- und Rundfunksendern. Ein kleiner, keinewegs vollständiger Auszug:

  Bei Anne Will war er vor der Sendung am 09. April, bereits am 22. Januar 2017 zu Gast, bei Maischberger am 15. Februar 1017, beim ZDF in der Sendung „Peter Hahne“ am 27. Februar 2017, im Deutschlandfunk am 12. Januar im Gespräch mit Andreas Main, auf dem Radiosender MDR bei „MDR aktuell“, auf „SWR 2“ am 16. Januar 2017, bei „3sat Kulturzeit“ bei „ NDR Kultur“ am 20. Dezember 2016, auf dem Radiosender „hr2 Kultur“ am 08. Dezember 2016 oder den privaten Radiosendern wie beispielsweise in der Sendung „Koschwitz am Wochenende“ am 17. Februar auf „Antenne 1“ (Baden-Württemberg), „105,5 Spreeradio“ (Berlin, Brandenburg), „Radio Brocken“ (Sachsen-Anhalt), „Radio Nordseewelle“ (Ostfriesland), „Antenne Landau“ und „Antenne Pfalz“ (Rheinland-Pfalz) sowie „RTL Deutschlands Hitradio“ (Saarland).
Unterschlagen wurde auch Wolfsohns Tätigkeit im Beirat Ost der „Deutschen Bank“.

  Wolfsohn sieht seine Tätigkeiten durchaus in einem professionellen Licht. So lässt er sich durch die Agentur „Perfect Game Communications“ aus München beraten. Als Referenzen führt die Agentur neben Wolfssohn den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Huber, Unternehmen aus dem Finanz- und Anlagemarkt wie Astorius Capital, BC Partners, General Atlantic, Solution AG, aus dem Bereich Sport und Sportvermarktung wie DFL Deutsche Fußball Liga, DFL Sports Enterprises, den Boxveranstalter Sauerland Events, den Sportwettenanbieter ODDSET, die Topps Deutschland GmbH, den offiziellen Lizenznehmer der Deutschen Fußball Liga  und aus dem Pharma und Healthcare Bereich Firmen wie Aenova, Deutsches Beratungszentrum für Hygiene
oder Synlab, den führenden Anbieter von medizinischen Labordienstleistungen in Europa. Eine durchaus professionelle Selbstvermarktung wie man sieht.

  John Kornblum lässt sich als Redner von den Agenturen Guillot und Celebrity Speakers, die sich ganz unbescheiden Europas führende Redneragentur nennt, vermarkten. Seine Auftritte im Fernsehen sind Legion. So trat er in letzter Zeit, allein bei Anne Will, ausser am 09. April am 19. Februar und am 09. Oktober letzten Jahres auf. Kornblum saß in den Aufsichts- bzw. Beiräten von ThyssenKrupp Technologies , der Bayer AG Russell Laynolds und der Motorola AG, war Chairman der Investmentbank Lazar Frèrres, Berater der internationalen Anwaltskanzlei Noerr LLP ist Vorsitzender des Beirats von Management Circle und gehört zum Team des Immobilienunternehmens Trockland. Kornblum ist bestens vernetzt in der Deutsch-Atlantischen Community wie der Atlantikbrücke, dem American Council on Germany, dem Aspen Institut und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V.

  Anne Will hätte also durchaus mit der gleichen Berechtigung mit der sie Michael Lüders so rigide anging auch Wolfssohn und Kornblum der Verfolgung eigener, geschäftlicher Interessen angehen können. Dass sie das nicht tat lässt einzig und allein den Schluss zu: Lüders und somit alle seine Argumente sollten ganz bewusst gleich zu Anfang der Sendung in den Augen der Zuschauer als unseriös diskreditiert und damit eine nicht ganz unwichtige Sicht auf die Ereignisse in Syrien ausgeblendet werden.

  Anne Wills Intension war von Anfang an, Lüders persönlich fertig zu machen. Sie wollte ihn zerstören. Ihr ging es zu keiner Zeit darum, eine sachliche Diskussion zu führen. Ihr ging es darum, den völkerrechtswidrigen Raketenangriff der USA auf syrisches Territorium zu rechtfertigen – und das unter allen - und zwar wirklich allen Umständen.