Freitag, 15. März 2019

Greta's Funktion

 Seit Sommer letzten Jahres demonstriert die schwedische Schülerin Greta Thunberg jeden Freitag für den Klimaschutz. Spätestens seit Ende letzten Jahres hat sich um die 16 jährige Schülerin ein regelrechter Medienhype entwickelt. Ob von ihr und ihrer Familie selbst mit entfacht oder nicht spielt eigentlich keine Roll und soll deshalb auch hier nicht thematisiert werden. Vielmehr steht das Beispiel Greta Thunberg und ihr Protest gegen die Klimapolitik beispielhaft dafür, wie durch einen Medienhype, ein an sich wichtiges und ernsthaftes Thema, langsam aber sicher erstickt und todgeredet wird - in voller Absicht. Ja das geradezu ein Medienhype entfacht wird um eine Bewegung zu ersticken.

 Das beste Zeichen dafür, dass es zu Ende geht mit einer Idee, einer Bewegung, einem Protest, ist, wenn sich die Großen dieser Welt der Sache zunehmend annehmen. Braucht man einen Gradmesser dafür, wie sehr bereits ein Pferd zu Tode geritten wurde, so muss man nur darauf warten, wann die Kanzlerin sich wohlwollend positiv äussert. spätestens dann ist klar, die Medienprofis haben die Sache im Griff.

 Dieser Zeitpunkt war dann am ersten Märzwochenende gekommen. Die Kanzlerin äußerte sich in ihrer allwöchentlichen Videobotschaft:
"Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen. Ich glaube, dass das eine sehr gute Initiative ist."
 Man fühlts ich unwillkürlich an Merkels "Wir schaffen das", in der Flüchtlingskrise 2015 erinnert. Mit elegantem Schwung hatte Merkel den Druck aus dem Kessel genommen, der durch die Millionen Flüchtlinge, die sich aus Syrien, Afghanistan und Nordafrika auf den Weg gen Europa gemacht hatten, entstanden war. In Deutschland führte Merkels Versprechen zu einem regelrechten Hype. Die Flüchtlinge, die mit Sonderzügen nach Deutschland einreisten wurden von Menschen auf den Bahnhöfen mit Blumen, Willkommensgrüßen und Applaus empfangen. Als Beobachter fühlte man sich an die Tage der Grenzöffnung Ungarns für die Menschen aus der DDR erinnert.

 Was Merkel damals wirklich im Schilde führte, wurde aber sehr schnell für jeden, der es sehen wollte sichtbar. Schon wenige Tage nach Merkels Willkommensbotschaft und der Öffnung der Grenzen für die Flüchtlinge, wurde die sogenannte Balkanroute unter tatkräftiger Mitwirkung der deutschen Kanzlerin geschlossen. Sogar die Grnze zwischen Österreich und Deutschland war plötzlich wieder dicht und der flotte Spruch "Refugees welcome" wurde durch ein zusätzliches Wort zu "Refugees not welcome".

 Und nun war Merkel wieder in ihrem Element. Von der Presse weiterhin als der Engel der Flüchtlinge  gefeiert, arbeitete sie zäh und unbeirrt daran so viele Flüchtlinge wie möglich von Deutschland fern zu halten. Schärfe Grenzkontrollen, strikte Anwedung des Abkommens von Dublin, nachdem die Flüchtlinge von dem Land aufgenommen werden müssen, wo sie zum erstmal europäischen Boden betreten haben, in Deutschland wurden die Hilfsorganisationen und Gemeinden, die die Flüchtlinge aufnehmen und betreuen, sie mit Wohnung, Kleidung und Essen versorgen mußten, allein gelassen, bis hin zu der Vereinbarung mit dem Gewaltherrscher Erdogan, dass dieser die Menschen, die durch die Türkei nach Europa zu kommen versuchten, gegen ein von Europa gezahltes Kopfgeld aufhalten sollte.

 In Deutschland schlug die Stimmung schnell um. Aus der "Wilkommenskultur" wurde sehr schnell Ausländerfeindlichkeit. Während das ärmste Land der EU, Griechenland unter hunderttausenden Flüchtlingen ächzt, in Italien das erstarken der Rechtspopulisten bis hin zur Regierungsbeteiligung führte und im Mittelmeer mehr Menschen ertrinken als je zuvor, reiste Merkel nun durch die Welt und schloss Abkommen mit jedem Despoten dessen sie habhaft werden konnte, um die Flüchtlinge in deren Kerkern verrotten zu lassen, bevor sie überhaupt das Mittelmeer erreichten.

 Zurück zu Greta Thunberg und ihrem Kampf für den Klimaschutz. Neben Merkel äusserte sich mittlerweile auch der höchste Repräsentant der Deutschen, Bundespräsident Frank Walter Steinmeier sehr wohlwollend zu den Demonstrationen der Schülerbewegung "Friday for Futur". In Neumünster sagte der Bundespräsident, viele der Erwachsenen hätten noch nicht bemerkt, dass es in Sachen Klima  bereits fünf vor zwölf sei:
"Deshalb ist es so wichtig, dass Ihr Euch zu diesem Thema meldet und immer darauf aufmerksam macht, dass wir was tun. Wir brauchen junge Menschen wie Euch, die sich einmischen".
 Was mehr, als dass sich gerade diese beiden alten Schlachtrösser der deutschen Politik plötzlichlich für eine Bewegung für mehr Klimaschutz stark machen, kann uns verdeutlichen, wie von ihrem Sinn entleert diese Kampagne mittlerweile wurde.

 Merkel leitet, durchgehend seit 1990, seit also nunmehr fast 30 Jahren, an einer herausragenden Position die Geschicke Deutschlands mit. Von 1994 - 1998 sogar als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Von 2002 - 2005 als Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag und seit Herbst 2005 gar hauptverantwortlich für die gesamte Politik der Bundesrepublik Deutschland als deren Kanzlerin.

 Steinmeier war ein treuer Gefolgsmann Gerhard Schröders, des Autokanzlers oder auch Kanzler der Bosse. Schon in dessen Zeit als Ministerpräsident Niedersachsens gehörte er zu Schröders Mannschaft. Von 1999 - 2005 leitete er das Bundeskanzleramt unter Schröder. Ab 2005 diente er im ersten Kabinett Merkel als Bundesaussenminister und dann wieder im Kabinett Merkel 3 von 2013 - 2017. Seit 2017 ist Steinmeier der Präsident aller Deutschen.

 Beifall für einen führerlos dahinbrausenden Zug aus der Abteilung "Bremsen und Entgleisen".

 In die gleiche Kategorie lassen sich die Einladungen Thunbergs zur Weltklimakonferenz in Kattowitz im Dezember 2018 und dem Weltwirtschaftsgipfel im Schweizer  Edelkurort Davos im Januar 2019 einordnen.

 Über Greta Thubergs Auftritt in Kattowitz, man hatte ihr gerade einmal 3 Minuten Redezeit zugebilligt, gerät Deutschlandfunk-Redakteur Björn Dake geradezu aus dem Häuschen:
"Sie hat mit ihrer Rede die Weltklimakonferenz wachgerüttelt: die 15 Jahre alte Schwedin Greta Thunberg."
Unwillkürlich muss man an Hollywood denken, wenn der Autor fortfährt:
"Mit ihren langen Zöpfen erinnert die 15-jährige Schwedin an Pippi Langstrumpf. Etwas nervös wandern ihre Augen durch den Saal. Selbstsicher dagegen ihre Abrechnung mit den anwesenden Politikern....Schwedische Medien nennen die Schülerin den „Superstar“ der Klimakonferenz und vergleichen sie mit der französischen Nationalheldin Jeanne d’Arc."
(Hollywood soll bei Dake um ein Drehbuch für einen abendfüllenden Spielfilm nachgefragt haben)

Völlig aus dem Zusammenhang gerissen lässt uns der Autor dann noch folgende Informationen zukommen:
"In ihrem Twitter-Profil schreibt Greta, dass sie das Asperger-Syndrom hat. Das ist eine Form von Autismus." 
Weiter erfahren wir, dass Greta sich mit dem Klimaschutz beschäftigt, seit sie acht Jahre alt ist, dass sie mittlerweile kein Fleisch mehr isst und keine Milchprodukte und dass sie aufs Fliegen verzichtet:
"Wie ihre Mutter. Die bekannte Opernsängerin fördert den „Flygskam“-Trend. Dessen Anhänger schämen sich fürs Fliegen. Zur Weltklimakonferenz nach Polen ist Greta mit ihrem Vater gekommen, in einem Elektroauto." 
 Vor dem geistigen Auge entsteht das Bild Julia Roberts in dem Film "Erin Brockovich" aus dem Jahr 2000, als diese furchtlos gegen die Verseuchung des Grundwassers mit Chrome durch die Firma Pacific Gas and Electric kämpft.

 Erfolgreich ist es Dake gelungen uns von dem eigentlichen Anliegen der Greta Thunberg abzulenken und hin zu den eher boulevardesken Details. Klimaschutz ist nur noch der Rahmen , der das eigentliche Bild hält, dass zum guten Schluss noch mit ein wenig medialem Dreck beworfen wird, indem man ein paar Vermutungen ohne jeden Beleg in die Welt hinausposaunt:
"In schwedischen Medien wird spekuliert, dass nicht nur die Eltern Gretas Initiative fördern, sondern ein einflussreicher PR-Manager dahinter steckt. In dessen neu gegründeter Klimaschutz-Stiftung ist die 15-Jährige Beraterin."
 In Davos ist es schon seit langen Jahren Brauch, sich einen oder mehrere Hofnarren einzuladen. Gern übernimmt Bono, der Sänger der irischen Popgruppe U2 immer wieder diese Rolle.  Aber auch schon Shakira, Matt Damon, Leonardo DiCaprio, Goldie Hawn, Charlize Theron, Anne-Sophie Mutter, Sebastian Vettel und die unverzichtbare Angelina Jolie wirkten zur Belustigung der mit Privatjets, Hubschraubern und schweren Edelkarossen angereisten Mächtigen dieser Welt.

 Und nun Greta Thunberg. Ist man in Davos angekommen, dann gehört man nicht nur endgültig zu den Hofnarren die sich die Reichen und Mächtigen zur ihrer eigenen Unterhaltung halten. Nach aussen wirken sie als schillerndes Irrlicht, dass das eigentliche Tun und Treiben in der überwältigen Winterkulisse verdecken soll. Man ist endgültig Teil des Systems. Man wurde vom System okkupiert. - Sieh her Welt, wie wir Bono ein paar Dollarscheine hinter die Bügel seiner Brille stecken für die armen Negerkinder in Afrika - sieh unsere, von ernster Sorge um das Weltklima, zerfurchten Gesichter Welt, wenn wir Greta Thunberg zuhören.

 Jetzt erfüllt Greta Thunberg ihren Zweck als Teil des Systems. Ihr Protest wurde seines eigentlichen Inhalts beraubt, weil man ihm nur noch die Worthülsen gelassen hat.  Die Medienfachleute haben eine zweite Ebene eingezogen. Die eigentlichen Forderungen sind nicht mehr sichtbar. Sie werden überdeckt durch den Hype, den man erzeugt hat. Niemand beschäftigt sich mit den eigentlichen Problemen, der fossilen Energiewirtschaft, der völlig fehlgeleiteten Landwirtschaft, der überdrehten Globalisierung, den Finanzspekulanten und einer auf Konkurrenz und letztlichen Vernichtung des Gegners mit allen Mitteln, ausgerichteten Weltpolitik.

 Greta Thunberg ist der einzig verbliebene Inhalt, ihre heroische Haltung, ihre Zöpfe, die damit zusammenhängende Assoziation mit Pipi Langstrumpf, das Asperger Syndrom an dem sie leidet, selbst ihre vegane Lebensweise und die Mutter, die Opernsängerin, die 65 stündige Bahnreise von Stockholm nach Davos.

 Und die Protestbewegung "Friday for Futur"? Die regt zu Diskussionen an. Aber nicht über unseren selbstmörderischen Umgang mit dem Planeten auf dem wir leben, sondern über die Schulpflicht, das Schulschwänzen, die Ernsthaftigkeit der Schülerproteste, das große Glück das wir darüber empfinden, dass die jungen Menschen für zwei, drei Stunden die Woche aufblicken von ihrem Handydisplay, und auf die Straße gehen und für etwas demonstrieren. Es wird diskutiert über Schulabschlussreisen mit dem Flugzeug und über den Stammtischen kreist die eigene Verkommenheit, die die Vorstellung, dass junge Menschen auf die Straße gehen könnten ohne den Hintergedanken des eigenen Vorteils, gar nicht erst zuläßt.

 Wie sinnentleert das Ganze mittlerweile geworden ist, dass zeigen unsere beiden Heroen aus der deutschen Politik, Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier. Beide seit über zwanzig Jahren leitend in der Politik tätig, können plötzlich etwas gut finden, dass ihr langjähriges Wirken als grundfalsch, gefährlich und verantwortungslos hinstellt. Würden beide ihre eigenen Worte ernst nehmen, so müssten sie mit dem gleichen Atemzug ihre politischen Karrieren aufgeben und ab sofort im Büssergewand umherlaufen.

 Greta's Funktion ist, der Welt eine Show zu liefern. Die Show von der besorgten Elite. Während Greta ihre Show liefert, treffen sich im Deutschen Bundestag die Abgeordneten und beschliessen, dass für die Zukunft der von den EU festgelegte Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxyden in der Luft, der zu Fahrverboten in den Städten führt, ausser Kraft gesetzt wird.

 Florian Pronold, SPD, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Svenja Schulze, SPD, erklärt das so:
"Wir sagen, wenn nun Städte bei 50 Mikrogramm liegen und es zu erwarten ist, dass hier die Grenzwerte sehr bald eingehalten werden, durch die Maßnahmen, die vor Ort ergriffen werden, dann besteht keine Notwendigkeit, Fahrverbote zu machen."
 Wie sagte doch noch die oberste Chefin des Herrn Pronold, Bundeskanzlerin Angela Merkel:
"Ich unterstütze sehr, dass Schülerinnen und Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen und dafür kämpfen. Ich glaube, dass das eine sehr gute Initiative ist."
Die Wahrheitslücke zwischen reden und handeln:

 Besser ist, so glaube ich, Greta's Funktion nicht zu erklären.

Dienstag, 19. Februar 2019

Afghanistan und die tägliche Dosis Desinformation durch die Tagesschau

 Dr. Gniffke sah sich wohl genötigt ein Ereignis zu thematisieren, dass mit Sicherheit so ziemlich niemanden mehr interessiert, und das im Laufe der Jahre dramatisch an Nachrichtenwert verloren hat. Die Tagesschau widmete fast 2 Minuten ihrer wertvollen Sendezeit dem Abmarsch sowjetischer Truppen vor 30 Jahren, im Jahre 1989, aus Afghanistan.

 In einer Zeit, in der die Bevölkerung Haitis mit landesweiten Demonstrationen ums blanke Überleben kämpft, in der die USA das kleine aber rohstoffreiche Venezuela mit Sanktionen und der Androhung einer militärischen Invasion zu ihrem Vasallenstaat machen, in einer als Nahostkonferenz getarnten Versammlung von 60 Staaten unter der Führung der USA und Israel ein Krieg gegen den Iran vorbereitet wird, bringt die Tagesschau eine 30 Jahre alte Kamelle.

 Die, auf den ersten Blick, Widersinnigkeit bekommt sehr schnell Methode wenn man sich die Muße gibt und den Beitrag einmal genau, Wort für Wort und Bild für Bild, analysiert.

 Lauschen wir den Worten der Anmoderation des Filmbeitrages der Sprecherin Susanne Holst:
"Afghanistan ist ein seit Jahrzehnten geschundenens Land. Die Spuren sind überall zu sehen, wie hier in Kabul, Überreste alter sowjetischer Panzerfahrzeuge. Die Rote Armee war 1979 in das Land einmarschiert. Heute vor dreißig Jahren zogen sich die letzten Truppen nach einem verlustreichen Krieg zurück. In Russland, aber auch in Afghanistan wurde heute daran erinnert."
Russische Panzer, verrostet, zerstört, zeigt uns die Tagesschau. 18 Jahre sind Us-Amerikaner, Briten, Franzosen, Deutsche, Polen und viele mehr mit Panzern Hubschraubern und allem anderen Kriegsgerät in Afghanistan. Haben wir unsere trümmer alle so sauber weggeräumt, dass nicht übrig geblieben ist, das die Tagesschau uns zeigen könnte?
Screenshot Tagesschau

  Susanne Holst berichtet von einem Ereignis, dass jetzt bereits 40 Jahre zurückliegt und sie weist uns auf Spuren hin, die überall noch im Lande zu sehen seien, beispielhaft zeigt uns die Kamera scheinbar ausgebrannte vor sich hinrostende Panzerwracks, laut Aussage ein Bild "alter sowjetischer Panzerfahrzeuge" in Kabul. Die Erklärung, 1979 sei die Rote Armee in das Land, Afghanistan einmarschiert. Heute, gemeint ist der 15. Februar 1989, vor dreißig Jahren zogen sich die letzten Truppen der Sowjeta zurück.

 So weit, so gut - aber liebe Tagesschau, das sind laut Adam Riese gerade einmal 10 Jahre. Was geschah in den anderen 30 Jahren? Glauben wir der Tagesschau - nichts. Sie berichtet jedenfalls nicht von Ereignissen in diesen 30 Jahren. Das erinnert an die 12 Jahre von 1933 bis 1945, die in vielen deutschen Geschichtsbüchern, Firmengeschichten, Lebenserinnerungen und Vereinschroniken auf wundersame Weise verschwunden sind.

 Die Tagesschau scheint diese liebgewordene Tradition deutscher Geschichtsschreibung fortsetzen zu wollen. Denn der nun eingeblendete Beitrag von Peter Gerhardt von der Gedenkfeier der Afghanischen Regierung
"30 Jahre ist es her, dass die Sowjetunion ihre Soldaten abgezogen hat. Doch das Land ist seitdem nicht zur Ruhe gekommen. Regierungschef Abdullah Abdullah sagte in seiner Rede, dass Afghanische Soldaten heute gegen den Terror kämpften und dabei ihr Leben riskierten."
Also nichts ist gewesen, nichts ist passiert in den letzten 30 Jahren in Afghanistan. Zumindest die Tagesschau und Peter Gerhardt scheint nichts bekannt zu sein:
"Es war eine geschlagene Sowjetarmee, die 1989 Afghanistan verliess. Neun Jahre Krieg, besiegt von den Mujaheddin, die von den USA unterstützt wurden."
Nun ein Zeitsprung:
"Auf den zurückgebliebenen Trümmern spielen heute die Kinder."
Wie in einer Zeitmaschine - eben noch abrückende Sowjets auf ihren Panzern, nun im hier und jetzt des Jahres 2019 auf Trümmern sowjetischer Kriegsmaschinen arglos spielende Kinder. Dazwischen ? Nichts?

 Halt eine Kleinigkeit war dann doch wohl noch:
"Vielen Afghanen, wie hier in Kundus, ist nicht zum Feiern zumute. Die radikalislamischen Taliban drängen zurück an die Macht."
 Irgendwann in diesen vielen Jahren müssen die radikalislamischen Taliban an der Macht gewesen sein, denn sonst würden sie ja nicht an diese zu "zurückdrängen" Wie sie an die Macht gekommen sind, ob und wie sie wer vertrieben hat, oder ob sie wie viele Weltreiche vergangener Zeiten von selbst still und leise die Bühne der Weltgeschochte verlassen haben, wir erfahren es nicht.
"Das konnten auch die USA und ihre Verbündeten nicht verhindern, die jetzt schon seit achtzehn Jahren im Land sind."
 Irgendwann dann in dieser dunklen, mysteriösen Zeit zwischen 1989 und 2019, um genau zu sein, vor 18 Jahren, also 2001, sind dann die USA ins Land gekommen und haben ihre Verbündeten gleich mitgebracht. Auch wenn wir nicht erfahren wie und mit was die USA ins Land gekommen sind,  welche Verbündete sie mitgebracht haben und wieviele. Aber auch ihre von Edelmut geprägten Bemühungen die Rückkehr der bösen Taliban, der Terroristen, wie Abdullah Abdullah sie nennt, konnten auch sie nicht verhindern.

 Ganz so, wie 1939 der zweite Weltkrieg "ausbrach", wie es immer noch verharmlosend heißt, genauso sind die USA und ihre Verbündete im Land. Es gibt kein eingereist, kein eingeflogen oder gar wie die bösen Sowjets - einmarschiert. Nein die USA sind nicht gekommen, sie sind da, mitsamt ihren Verbündeten.

 Ein "Da Sein", dass wohl, dem aufmerksamen Zuschauer und natürlich auch der aufmerksamen Zuschauerin wird es nicht entgangen sein, laut einem vorherigen Beitrag über die Münchener Sicherheitskonferenz - ich finde immer noch den vormaligen Namen dieses elitären Zusammentreffens der Weltkriegstreiber, Wehrkundetagung, wesentlich treffender - nicht ganz frei von Konflikten zu sein scheint.

 Von einer Mission spricht die Autorin des Berichts aus München im Zusammenhang mit dem "Da Sein" der Bundeswehr in Afghanistan. Sie zitiert die zuständige Ministerin Von der Leyen, die von einer Verlängerung des Mandats der Bundeswehr für die "Afghanistan-Mission" um ein weiteres Jahr durch den Bundestag spricht.

 Was aber bedeutet eine Mission im Zusammenhang mit einem Mandat des deutschen Militärs auf dem Boden eines fremden Landes?

Für den Begriff Mission bietet uns der Duden vier Erklärungen an:
[mit einer Entsendung verbundener] Auftrag; Sendung[ins Ausland] entsandte Personengruppe mit besonderem Auftrag, diplomatische VertretungVerbreitung einer religiösen (besonders der christlichen) Lehre unter Andersgläubigen bzw. unter Nichtgläubigen
Für den Begriff Mandat sind ebenfalls derer viere:
Auftrag, etwas für jemanden auszuführen, jemanden in einer Angelegenheit juristisch zu vertretenAuftrag, den Abgeordnete durch eine Wahl erhalten habenauf einer Wahl beruhendes Amt eines Abgeordneten mit Sitz und Stimme im Parlament; Abgeordnetensitz(im Auftrag des früheren Völkerbundes) von einem fremden Staat in Treuhand verwaltetes Gebiet
 Was mag das Mandat des Deutschen Bundestages für den Einsatz der Bundeswehr sein? Zweifelsfrei handelt es sich um einen Auftrag des Parlaments an die Streitkräfte, dergestalt, dass Letztere eine Mission zu erfüllen haben, was wiederum ein anderes Wort für Auftrag darstellt.

 Man sieht schon an dieser sinnfreien Doppelung, dass es hauptsächlich darum geht, das eigentliche Tun der deutschen Soldaten in Afghanistan vor der gemeinen Bevölkerung zu verbergen. In früheren Zeiten hat man sich da noch etwas mehr Mühe gegeben. Damals hat man die wahre Tätigkeit der Bundeswehr mit mühsam erdachten Lügen zu verbergen versucht: Brunnen wolle man bohren und den afgahanischen Mädchen eine Schulbildung ermöglichen, indem man Schulen baue, so hieß es in den frühen zweitausender Jahren.

 Späterhin kam dann ein Vorgänger von der Leyens auf die gloreiche Idee, den Deutschen weismachen zu wollen, man verteidige am Hindukusch die Freiheit der bundesrepublikanischen Bürger. Eine Erklärung, die sich nicht wirklich durchgesetzt hat. Nur Spötter machen davon heute noch Gebrauch.

 Heute, im Jahre 18 des Kampfes gegen den Terror ist man klüger. Heute verzichtet sowohl die Politik, als auch die über sie berichtende Presse auf lästige Erklärungen. Die Bundeswehr in Afghanistan - eine gottgegebene Tatsache, basta. Den Rest überläßt man den Trollen und Putinfans.

 So kommt es denn auch, daß das zählen der Opfer des "Da Seins" von den Mainstreammedien gerne anderen überlassen bleibt.

Das "Costs of War" Projekt des "Watson Institut for International and Public Affairs" der Brown University in Providence, Rhode Island, USA schreibt bereits 2016 in seinem Bericht "Update on the Human Costs of War for Afghanistan and Pakistan, 2001 to mid-2016" von Neta C. Crawford:
"Nach fast fünfzehn Kriegsjahren beträgt die Gesamtzahl der Toten im Kriegsgebiet Afghanistan und Pakistan fast 173.000 Tote und mehr als 183.000 Schwerverletzte."
In dem Bericht "Human Cost of the Post-9/11 Wars: Lethality and the Need for Transparency" vom November 2018 macht die gleiche Autorin eine Rechnung der Todesopfer vom Oktober 2001 bis zum Oktober 2018 auf:

                                                                           Afghanistan      Pakistan

US-Militär                                                            2.401

Zivilisten US-Verteidigungsministerium                 6

US-Militärdienstleister                                       3.937                       90

Nationales Militär u. Polizei                             58.596                  8.832

Verbündete                                                          1.141

Zivilisten                                                            38.480                23.372

Gegnerische Kämpfer                                       42.100                32.490

Journalisten                                                              54                       63

Hilfsorganisationen                                                409                       95

Total                                                                  147.124                 65.942


17 Jahre bloßer Anwesenheit, will man der Tagesschau glauben, haben somit zu 213.066 Todesopfern geführt. Dazu kommen 20.431zum Teil schwer Verletzte Soldaten allein bei den US-Streitkräften. In 2017 waren 4,78 Millionen Menschen aus Afghanistan auf der Flucht, 2,61 Millionen Flüchtlinge, 1,84 Millionen Binnenflüchtlinge und 330.000 Asylsuchende.

 Die Tagesschau und DR. Gnifke wollen nicht, dass wir diese Zahlen erfahren, sie wollen nicht, dass wir über einen sinnlosen blutigen Krieg nachdenken, der nunmehr fast 18 Jahre andauert und bei dem wir keine Zuschauer sind, sondern Mitwirkende, Vertreibende, Tötende.

 18 Jahre sind unsere Soldaten daran beteiligt, dass ein kleines Land verwüstet wird. Ein Land, das der Bundesrepublik niemals den Krieg erklärt hat, das uns nicht einmal gedroht hat. Insofern ist es natürlich mehr als großer Blödsinn, wenn ein Bundesminister behauptet, die Bundeswehr verteidige unsere Freiheit am Hindukusch.

 Niemals haben die Taliban, im Gegensatz zu Al Quaida und IS anderen Ländern Gewalt angedroht. Nicht einmal an dem so gern als Kriegsgrund reklamierten Angriff auf die USA am 11. September 2001 war auch nur ein Afghane, geschweige denn ein Taliban beteiligt.




Donnerstag, 14. Februar 2019

Propaganda mit dem Florett

 Die Propagandamaschine des Westens gegen das kleine Venezuela läuft auf volle Touren. Die Presse berichtet nur in eine Richtung und aus einem Blickwinkel. Die sogenannte "Westliche Wertegemeinschaft" erregt sich darüber, dass Nicolas Maduro sein Volk verhungern lasse, während er und seine Gefolgsschaft sich die Taschen vollstopfen mit Dollars die sie für das Öl des Landes erlösen.

 Einen unrühmlichen Höhepunkt fand dieser Propagandasturm als der Aussenminister unseres Landes vom Podium des Bundestages aus die Deutschwen belog. Dafür bemühte er sogar ein Zitat des Lateinamerikanischen Freiheitshelden Bolivar, übrigens ein gebürtiger Katalane, ein Volk dessen politischen Führen gerade in Madrid ein politischer Prozess gemacht wird in dem den Angeklagten bis zu 25 Jahren Gefängnis droht:
"Das vollkommenste Regierungssystem ist dasjenige, welches das größte Glück, die größte soziale Sicherheit und die größte politische Stabilität schafft."
Maas weiter:
"Der aus Venezuela stammende Freiheitsheld Simón Bolívar hat das gesagt, und zwar fast auf den Tag genau vor 200 Jahren. Glück, soziale Sicherheit und Stabilität, das heutige Venezuela könnte nicht weiter von diesen Idealen entfernt sein. Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit werden von Nicolás Maduro mit Füßen getreten."
und dann zählt er die vermeintlichen Sünden einer Regierung auf, deren größter Fehler es war, sich der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin der USA zu widersetzen:
"...Das staatliche Gesundheitssystem ist kollabiert. Im erdölreichsten Land der Welt sind Krankheiten wie Masern und Diphtherie wieder tödliche Realität.
...12 Prozent der Menschen sind laut der Welternährungsorganisation unterernährt, darunter viele Neugeborene und Kinder.
...Tödliche Gewalt gegen Demonstranten ist an der Tagesordnung, ob durch Sicherheitskräfte oder regierungsnahe Milizen."
 Maas hat mit seiner, einem Aussenminister absolut unwürdigen und im Hinblick auf die zukünftige diplomatische Arbeit, geradezu desaströsen Rede im Bundestag nur die Anerkennung des Putschisten Guaido als rechtmässigen Präsidenten Venezuelas vorbereitet.

 In einer Presseerklärung etwa eine Woche später vollendete Maas seine eigene Steilvorlage dann mit diesem von Fehlern und Falschbehauptungen nur so strotzenden Satz:
"Für Deutschland ist Juan Guaido im Einklang mit der venezulanischen Verfassung der Übergangspräsident Venezuelas, mit dem Mandat, möglichst rasch freie und faire Präsidentschaftswahlen zu organisieren."
 Das sind die großen Böller, die Artillerie der Propaganda. Sie sollen die Festung mit zum Teil frei erfundenen Behauptungen sturmreif schießen. Dabei, und dass ist das große Manko, kommt das Feuer aus allen Ecken, von links, rechts, der liberalen Mitte und den grünen Wellenreitern, so gleichgerichtet und massiv, dass sensible Geister sehr schnell Zweifel an der Unabhängigkeit und Wahrhaftigkeit der Artilleristen bekommen.

 Um diesen Befürchtungen und Verdächtigungen zuvor zu kommen, setzt man ganz gezielt die leichten Waffen ein, die lautlosen aber spitzen und für die Wahrheit absolut tödlichen, kleinen Stiche des Floretts. Wenn Maas behauptet, "Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit" werde mit Füssen getreten, 12 Prozent der Menschen (...) darunter viele Neugeborene und Kinder" seien unterernährt "Tödliche Gewalt gegen Demonstranten" sei "an der Tagesordnung", dann bedürfen solche Behauptungen einer Unterfütterung, am besten durch vertrauenswürdige und, zumindest auf den ersten Blick, unabhängige Zeugen aus der Bevölkerung.

 Solch einen Zeugen gibt nun der Deutschlandfunk vor, gefunden zu haben. Er heißt Jochen Frank, ist zu allem Glück auch noch deutscher Abstammung, was seine Glaubwürdigkeit durch die gefühlte Nähe der Hörerinnen und Hörer zu einem Landsmann noch erhöht und
"ist vor vielen Jahren nach Venezuela ausgewandert und ist dort ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen in der Hauptstadt Caracas engagiert."
 Ein Mensch also, wie er glaubwürdiger und eloquenter nicht sein kann. Weshalb der Deutschlandfunk in persona Stefan Heinlein, ihm gleich zu Anfang mal die richtigen Worte in den Mund legt, damit die Hörerinnen und Hörer auch wissen wohin die Richtung geht:
"Lebensmittelmangel, astronomische Preise und geringe Kaufkraft – das Leiden der Menschen in Venezuela sei groß, sagte Jochen Frank, Leiter eines Altenheims in dem Land, im Dlf. Juan Guaido sei für viele ein Hoffnungsträger. Seine Unterstützung durch den Westen sei 'der entscheidende Faktor', so Frank.
 Frank läßt sich dann auch nicht lange bitten und legt rasant vor:
"Früher war das mal sehr angenehm, weil es alles gab und zu einigermaßen vernünftigen Preisen. Und es war mehr oder weniger erreichbar, auch sagen wir mal Touristenziele, die Lebensmittel, Sachen des täglichen Bedarfs, Bekleidung et cetera – in der Beziehung ein ausgesprochen angenehmes Land, ein halbes Paradies. Und jetzt muss man den Großteil des Tages und Großteil seiner Zeit dafür aufwenden, überhaupt Sachen des täglichen Bedarfs zu bekommen, und vor allen Dingen Lebensmittel." 
 Wann dieses "Früher" war, läßt der Vorstandsvorsitzende eines christlichen Altenheims in Caracas offen. Man darf allerdings annehmen, dass das "halbe Paradies" zeitlich vor die Wahl Hugo Chavez' zum Präsidenten Venezuelas zu verorten ist.

 Schauen wir uns diesen "unbestechlichen, neutralen" Zeugen einmal etwas näher an. Der Deutschlandfunk vermeidet ja strikt jeden Versuch uns den Mann näher zu bringen. Ein deutscher Auswanderer, der sich "ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen in der Hauptstadt Caracas engagiert", muss uns reichen.

 Das Altenheim "Fundación Benefica Campo Alegre" liegt in Caracas im Wohnbezirk Campo Alegre, einem der Wohnviertel des betuchten Mittelstandes. Zu den unmittelbaren Nachbarn zählen die Botschaften von Kolumbien, Italien und Serbien und das Konsulat Portugals. Nördlich erstreckt sich das weite Areal des exklusiven "Caracas Country Clubs". Hier kostet die Mitgliedschaft gern schon mal $ 77.000. Der Club bietet neben einem 18-Loch Golfgelände noch Reitställe, Tennisplätze und eine Schwimmhalle vom feinsten.

Westlich von Campo Alegre erstreckt sich der Ortsteil La Castellana. La Castellana ist nicht weniger exklusiv als Campo Alegre. Hier werden die landesweit höchsten Grundstückspreise gezahlt. In diesem Bezirk, an der Calle Ciega, hat die "Congregación San Miguel", eine evangelisch-lutherische Kirche ihren Sitz, die mit der "Fundación Benefica Campo Alegre" freundschaftlich verbunden ist.

 Die "Congregación San Miguel" ist eine recht merkwürdige Kirchengemeinde. Sie ist Teil der "Evangelischen Kirche Deutschlands" EKD und wird von dieser finanziell am Leben gehalten. Die Kirche, genauso wie das Altenheim sind ganz und gar deutsche Einrichtungen. Deutsch ist die offizielle Sprache und die Verbindungen zur deutschen Botschaft und zur deutschen "Konrad-Adenauer-Stiftung", die Parteistiftung der CDU, sind ausgesprochen eng und innig. Im Altenheim werden deutsche Weihnachten, deutsche Ostern und sogar jährlich ein Oktoberfest gefeiert.

 Die wenigen Bilder, die verfügbar sind zeigen, dass das Altenheim durchaus in Ausstattung und Komfort mit gut geführten Altenheimen, über dem Standard, in Deutschland mithalten kann. Hinzu kommt die Lage in den exklusivsten Stadtteilen Caracas'. So das vermutet werden darf, dass in der gespaltenen venezolanischen Gesellschaft man sich hier nicht gerade den armen Bewohnern der Barrios zugehörig und verbunden fühlt.

 Von einem neutralen Beobachter kann man schon anhand dieser Indizien bei Jochen Frank nicht ausgehen. Endgültig disqualifiziert sich der Zeuge Frank aber mit den Posts vom 31. Januar und 01. Februar auf der offiziellen Facebookseite des Altenheims.

 Wurden im ganzen Jahr 7 Posts abgesetzt, alle zu Ehren verstorbener Insassen so postet das Altenheim, also Jochen Frank, am 31. Januar und am 1. Februar gleich vier Hetzmails gegen die rechtmässige Regierung seines Landes.

 Am 31. Januar um 03:10 Uhr (die Zeitangaben sind alle mitteleuropäische Zeit) wurde der erst Beitrag eingestellt:

Der erste Post auf der Facebookseite des Altenheims Fundación Benefize Campo Alegre mit einem Link auf einen Artikel auf Latina-Press.com, der die unverschämten Reden des Atlanntikfans und CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt und seines Kollegen Andreas Nick, ebenfalls CDU anlässlich der Aktuellen Stunde im Bundestag behandelt.
Screenshot: Facebook

Um 06:55 Uhr dann der zweite Post mit einem Link auf das schier unglaubliche Propagandageschmiere des Wolfram Weiner auf "ntv"



Um 13:13 Uhr dann, noch einemal einen Post mit Link zur rechtsgerichteten Latina-Press



Den letzten Post den das Altenheim und letztendlich also der Augenzeuge des Deutschlandfunks, Jochen Frank absetzt, ist vom 01. Februar 3:03 Uhr und zeigt ein Video, wie laut grölende Menschen einen U-Bahnzug verlassen. 


 Das Video wurde ursprünglich von Alejandro Ramirez Saavedra gepostet. Saavedra ist hauptsächlich ehemalig. Er ist der ehemalige Ceo der ehemaligen Regionalsender Color TV und Color 99,5 FM, ehemaliger Präsident des Aargau futbol Club, hat als Präsident der Grupo Comunical Color gearbeitet und so weiter und so fort. Er hat seinen Wohnsitz im Exil in Miami, ist ein glühender Verehrer des neuen Rechtsaussen-Präsidenten Brasiliens, Bolsinaro. Saavedra letzter Post auf Facebook:
"Vor einer Stunde!! Der brasilianische Präsident erklärt den Kriminellen den Krieg BOLSONARO ruft die Menschen auf !!!" 
Dem Post beigefügt sind ekelhafte Handyvideos von brutalen Übergriffen der brasilianischen Polizei, die, sich anzusehen ich wirklich nur Menschen mit ausserordentlich starken Nerven und gesundem Magen empfehlen kann. Gedacht sind sie wahrscheinlich als Warnung davor, wieman mit seinen Widersachern in Venezuela verfahren wird, wenn der neue Favorit des Westens, Trumps Handpuppe Guaido die Macht vollends übernommen und solche Kopfabschneider wie Alejandro Ramirez Saavedra nach Caracas zurückkehren.

 Das dieser sich schon auf dem Weg zurück nach Venezuela befindet, oder gar schon wieder dort zurück ist, darf vermutet werden. Der Facebook-Vielposter Saavedra schweigt seit Samstag.

 Wie er sich ein Venezuela nach der Machtergreifung vorstellt, darüber hat er, bevor er sein Posting eingestellt hat, auch keinen Zweifel gelassen. So hat einer seiner letzten Posts, ebenfalls von Samstag den 09. Februar folgenden Inhalt:
"BALD IN VENEZUELA:Donald Trump Avenue, Kreuzung mit Mike Pompeo Street, Sie gehen durch die John Bolton Siedlung und kommen an der Kreuzung Nikky Haley vorbei. Dort ist die Frage: Wo ist der Marco Rubio - Turm?Machen Sie sich keine Sorgen um Chavistas, wir haben auch die sanitäre Deponie Hugo Chavez."
  Der harmlose Jochen Frank, wie ihn der Deutschlandfunk seinen Hörerinnen und Hörern vorstellt, bewegt sich, so scheint's in Kreisen, die auch vor Mord und Totschlag zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele nicht zurückschrecken und für die eine militärische Intervention der USA mit anschliessender vollständiger Okkupation des Landes, bis hin zu amerikanisierten Strassennamen, ein erstrebenswertes Ziel ist.

 Das aber soll in Deutschland niemand wissen. Hier wird das Bild eines eher unpolitischen Hungeraufstandes erzeugt. Da ist dann der Leiter eines Altenheimes, einer, der den armen alten Menschen unter vielen Mühen ein warmes Süppchen zusammenbettelt, gerade der richtige Zeuge. Er soll die gute Seite darstellen, die mit jedem und Jedermann in Frieden leben möchte, wenn man sie denn läßt.

 Auf der anderen Seite steht ein böser Tyrann, der nicht einmal die gütigen Gaben der USA ins Land lässt. Hilfsgüter für 20 Millionen Dollar für 30 Millionen Venezolaner macht pro Nase knapp 70 Cent, einmalig. Zur gleichen Zeit stehlen die USA dem venezolanischem Volk täglich 30 Millionen Dollar an Einnahmen aus seinen Ölverkäufen, während Großbritannien Goldreseven Venezuelas im Werte von 1,7 Milliarden Dollar konfisziert.






Dienstag, 5. Februar 2019

Die Zyniker im Deutschen Bundestag und was ein sogenannter Reporter daraus macht

 In Caracas können die Anhänger von Staatspräsident Maduro wieder ruhiger schlafen. Droht ihnen doch, zumindest wenn man Benjamin Konietzny, seines Zeichens "Parlamentsreporter" des springerinfizierten Fernsehkanals "ntv" glauben mag, von der deutschen Partei "Die Linke" keine Gefahr mehr.
"Von den Linken hat Maduro nichts zu befürchten",
floss es dem "Parlamentsreporter" - und ich setze dieses Wort mit voller Absicht in die springerschen Anführungsstriche - aus der ziemlich krummen Feder.

 Die springerschen Anführungszeichen scheinen mir bei einem wie Konietzny angebracht, da selbst zu Zeiten eines Relotius beim Spiegel der Berufsstand des Reporters kaum auf das Niveau dieses Schreiberlings sinken kann. Wie würde ich den Berufsstand bezeichnen, dem Konietzny mit Fug und Recht angehören könnte, den man seinem Namen zufügen könnte ohne ihn in Anführungszeichen zu setzen? Was beschreibt die Tätigkeit des Mannes am besten?

 Betreibt er Journalismus? Sicher die Reputation dieses Berufsstandes hat in den letzten Jahren ausserordentlich gelitten, nicht zuletzt dank der eklatanten Fehlleistungen seiner Protagonisten.

 Sätze wie:
"Andrej Hunko (...) produziert - zurückgelehnt auf seinem Sitz - akustischen Gegenwind",
lassen doch stark an einem Intelligenzquotienten des Produtenten, oberhalb dem einer Amöbe zweifeln. Man ist versucht den Bundestagsabgeordneten zu fragen, ob es denn unbedingt sein muss seinen Gegenwind in den Bundestagssitz, nicht einfach, wie jeder zivilisierte Mitteleuropäer, heimlich still und leise wegzudrücken, um sich anschliessend vorwurfsvoll umzusehen, sondern zusätzlich zum unangenehmen Geruch die Umwelt noch akustisch zu belasten?

 Ist das was Konietzny absondert, Propaganda? Nein, dazu fehlt dem Mann von "ntv" doch einiges. Man mag verurteilen, wenn ein sich Reporter nennender Mensch Propaganda betreibt, anstatt zu "sagen was ist" wie es "Der Spiegel" seinen Bediensteten jeden Morgen bei Dienstantritt schon von der Wand des Empfamgs seines Verlagshauses herunter in großen Lettern, versucht einzubläuen. Aber Propaganda ist meist sehr intelligent gemacht, diabolisch Intelligent, wie uns dereinst Joseph Göbbels schmerzhaft lehrte.

 Was bleibt? - Hetze! Primitive, die niedersten Instinkte der Menschen ansprechende Hetze. Kostprobe gefällig?
"Im Bundestag sitzt eine Fraktion, deren Abgeordnete gute Beziehungen zu Regimen hält, die autoritär herrschen und Menschenrechte nicht respektieren. Wird sie dafür kritisiert und von den übrigen Fraktionen angegriffen, reagiert sie mit Gelächter, Ironie oder demonstrativer Gleichgültigkeit. Angesprochen auf ihre umstrittenen Verbindungen, versucht ihr Redner abzulenken und auf andere Verfehlungen des politischen Gegners hinzuweisen. Nicht von der AfD ist die Rede, hier geht es um die Linke."
 So funktioniert Hetze: Eine Gruppe von Menschen wird pauschal verunglimpft, in diesem Fall die Bundestagsfraktion der Partei "Die Linke". Und mit ihr 4.297.270 Bundesbürger die diese Partei in das deutsche Parlament gewählt haben. Es versteht sich von selbst, dass Konietzny für seine Anwürfe keine Begründung oder gar Beweise liefert. 

 Das ist ja das Wesen der Hetze, dass Menschen übelst verleumdet werden ohne jede Verbindung zur Realität: "Kanacken" stinken - Asylanten sind Messerstecher - "Zigeuner" stehlen - "Neger" haben große Geschlechtsteile - Ausländer schänden deutsche Frauen - und die Mitglieder der "Linken" pflegen "gute Beziehungen zu Regimen (...) die autoritär herrschen und Menschenrechte nicht respektieren."

 Aber die konietznysche Enzyklopädie der Linken hält noch weitere Erkennungsmerkmale für den suchenden Geist bereit. Wenn, zum Beispiel "Die Linke" angegriffen wird, man beachte die Homogenität der Linken, dann "reagiert sie mit Gelächter, Ironie oder demonstrativer Gleichgültigkeit".

 Fühlt sich "Die Linke" angegriffen, folgt sie der Logik des Schwarms, die ihrem Wesen ja schon genetisch innewohnt, seit der Erfindung des Kollektivs in den finsteren Gründungszeiten der Sowjetunion. Die Überlebensstrategie der Schwarmtiere wie z. B. der Stare oder verschiedener Fischarten ist es, vereinfacht ausgedrückt, die Aufmerksamkeit des Angreifers von sich ab und auf seine Nachbarn umzulenken.

 Die Linke, so weiß Konietzny: "Angesprochen auf ihre umstrittenen Verbindungen", reagiert ähnlich konfus und irrational und versucht durch einen ihrer "Redner abzulenken und auf andere Verfehlungen des politischen Gegners hinzuweisen."

 So bestens gerüstet sollte der geneigte Reziptient jetzt so weit sein, in das eigentliche Thema, die Tatsache behandelnd, das "Maduro nichts zu befürchten" hat "von den Linken", einzusteigen. Dazu ist es wichtig zu wissen:
"Die Lage in Venezuela spitzt sich immer weiter zu."
Was würden wir bloß machen ohne die schonungslose Aufklärungsarbeit des Herrn "Parlamentsreporters"?  (Haben sie die Anführungsstriche bemerkt?) Ahnungslos liefe unser Leben weiter ohne auch nur im entferntesten jemals die nächsten "Informationen" zu bekommen.
"Jede Woche kommen Dutzende Menschen ums Leben, Gegner des Regimes werden zu Hunderten inhaftiert."
"Too much informations" - zumindest in dieser gebündelten Form. Lassen sie uns deshalb dieses gewaltige Paket aufschnüren. Mir scheint es handelt sich hier um, im Kern zwei Informationen: einmal einer allgemeingültigen:"Jede Woche kommen Dutzende Menschen ums Leben", und einer spezifisch auf Venezuela gemünzten: "Gegner des Regimes werden zu Hunderten inhaftiert."

 Der Allgemeingültugen scheint ein Bezug zu fehlen um glaubwürdig zu erscheinen. Worauf beziehen sich diese "Dutzende Menschen", die jede Woche ums Leben kommen? Auch wäre es von Vorteil, wenn der Autor uns die Todesursache mitteilen würde. Ich glaube gern, dass in Venezuela wöchentlich "Dutzende Menschen ums Leben" kommen. Bei einer Einwohnerzahl von, 2017, 31,98 Millionen Menschen nicht besonders verwunderlich. (Nur um mal ein paar Fakten einzustreuen: 1980 betrug die Einwohnerzahl noch nur 15,04 Millionen - eine, mehr als Verdoppelung in nur 37 Jahren, darunter auch ca. 5 Millionen Flüchtlinge aus Kolumbien). Ich wette, dass auch in Deutschland wöchentlich "Dutzende Menschen" den Tod erleiden, ohne das "Parlamentsreporter" von "ntv" darüber berichten. Es wäre also von allgemeinem Interesse, warum "ntv" explizit auf diese Zahl Bezug nimmt.

 Der zweite Teil des Satzes "Gegner des Regimes werden zu Hunderten inhaftiert" nimmt, so darf man vermuten ebenfalls Bezug auf die Worte "Jede Woche" zu Anfang des Satzes. Hierbei ist zu Fragen, woher Konietzny diese Zahl hat. Soweit bekannt ist, war er niemals in Venezuela. Somit kann die, übrigens sehr ungenaue Zahl "hunderte" - immerhin bewegt sie sich irgendwo zwischen 200 und 999 - nicht aus eigener Anschauung herrühren. Die Bekanntgabe seiner Quelle und die nähere Verifizierung erscheint mir bei einer Ungenauigkeit von - übers Jahr gerechnet 41.548 Inhaftierten oder eben nicht Inhaftierten, also dem Gegenwert der Einwohnerzahl einer Kleinstadt - keine ungerechtfertigte Forderung zu sein.

 Auch ist zu fragen, wie lang die Haftdauer, zumindest im Durchschnitt ist? Immerhin macht es einen Unterschied, ob jemand nur kurz in Haft kommt, für ein paar Stunden so wie Donald Trumps Handpuppe Guaido, oder ob die verhafteten Regierungsgegner für immer ohne Urteil und ohne Gerichtsverfahren in Drahtkäfigen schmoren müssen bis sie verfaulen, so wie die Häftlinge in Guantanamo.

 In Anerkennung der Sünden, die angeblich die Regierung Maduro den Bürgern des Landes angetan hat, weshalb sie auch unter grober Missachtung des Völkerrechts und der Charta der Organisation Amerikanischer Staaten OAS, von einer Chunta unter Führung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der übrigens niemals von der Mehrheit seiner Bürger gewählt worden ist - es fehlten ihm gegenüber seiner Gegenkandidatin 3 Millionen Stimmen, ein knappes Zehntel des Venezulanischem Volkes - trat Deutschlands Aussenministerdarsteller Heiko Maas vor den Deutschen Bundestag.

Diese Karikatur eines Aussenministers, diese umherlaufende Kleiderpuppe mit seiner Garderobe, für gewöhnlich eine Melange an Schwarztönen, überraschte das hohe Haus in einem Outfit aus braunem Anzug, hellblauem Hemd und stahlblauer Krawatte. Der Mann, der zweimal vergeblich versuchte Saarländischer Ministerpräsident zu werden und dabei das bisher schwächste Wahlergebnis für die Genossen in dem Bundesland einfuhr, war nicht nur als Wahlkämpfer eine sehenswerte Niete. Auch als Bundesjustizminister war er ein glatter Ausfall - aber immer top gekleidet.

 Ob Benjamin Konietzny trotz seiner offenbar beschränkten Möglichkeiten bemerkt hat, was für einen Stuss der Deutsche Aussenminister da vor dem hohen Haus vom Zettel abliest und sich nicht so recht getraut hat den Herrn Minister zu zitieren, oder ob es eben diesen beschränkten Mitteln geschuldet ist, dass der Reporter nicht einen Satz aus der Rede zitiert? Wir wissen es nicht. Sätze wie dieser lassen allerdings die zweite Vermutung als sehr nah an der Wahrheit erscheinen:
"Doch er (Maas) versucht klar zu machen, dass Maduro von der Bundesregierung in seiner jetzigen Form nicht mehr akzeptiert wird."
Laut Konietzny ist es also die Form Maduros, die die Bundesregierung drängt, ihm die Legitimation als Venezuelas Präsidenten abzuerkennen. Vielleicht hilft ja Sport. Maas läuft jedenfalls Marathon - mit den Beinen - im Kopf reicht's nicht ganz so weit.

 Um der verehrten Leserschaft aber die mit Lügen und Verdrehungen nur so gespickte Rede Maas' nicht vollends vorzuenthalten, hier die wichtigsten und unglaublichsten Aussagen einmal zusammengefasst. Das Protokoll der ganzen Aktuellen Stunde des Bundestages können Sie hier nachlesen.

 In Ermangelung eines eigenen Redekonzeptes schien man im Aussenministerium einfach die Rede von Maas' US-Kollegen, Mike Pompeo ins Deutsche übersetzt zu haben. Besser hätte dieser einen militärischen Angriff der USA auf das kleine Südamerikanische Land auch nicht begründen können:
"Die Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit werden von Nicolas Maduro mit Füssen getreten. (Wobei der Minister von seinen Worten dermaßen überzeugt scheint, dass er diesen einfachen Satz vom Blatt ablesen muss) und 
sein Regime, dass sich zynischerweise auf Bolivar beruft hat ganz Venezuela mittlerweile an den Abgrund geführt.
  • Das staatliche Gesundheitssystem ist kollabiert. Im erdölreichsten Land der Welt sind Masern und Diphterie wieder tödliche Realität. 
  • Die Inflationsrate soll in diesem Jahr, laut IWF, 1,3 Millionen Prozent betragen. 
  • 80% der Haushalte können sich nicht mehr verlässlich mit Nahrungsmitteln versorgen. 
  • 12 % der Menschen sind laut der Welternährungsorganisation unterernährt, darunter viele Neugeborenen und Kinder. 
  • Mehr als 12.500 Personen sind in diesem Zusammenhang mit Protesten gegen die Regierung seit 2014 verhaftet worden. 
  • Tödliche Gewalt gegen Demonstranten ist an der Tagesordnung, ob durch Sicherheitskräfte oder regierungsnahe Milizen. 
  • Die Vereinten Nationen sprachen gestern von vierzig Toten und 850 Verhafteten allein seit Beginn der jüngsten Proteste. 
In dieser Situation, meine sehr verehrten Damen und Herren, kann man nicht neutral bleiben. Sind wir auch nicht. Wir stehen auf der Seite der Bürgerinnen und Bürger Venezuelas und deren Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde.
  • Über drei Millionen Bürgerinnen und Bürger Venezuelas haben diesem Elend mittlerweile den Rücken gekehrt und sind in die Nachbarländer geflohen. 
  • 5.000 sind es nach UNO-Angaben pro Tag im Moment. 
  • Und die Krise Venezuelas ist längst zu einer Bedrohung für die Stabilität der gesamten Region geworden. 
Nein, dem stehen wir nicht neutral gegenüber. Wir stehen auf der Seite der Nachbarländer, die Hunderttausende dieser Menschen aufgenommen haben und versorgt haben. Wir lassen sie dabei auch nicht alleine. Es ist höchste Zeit das die Venezulanerinnen und Venezulaner frei und fair über ihre Zukunft entscheiden können und dazu haben sie unsere volle Unterstützung.
Diese sarkastische, zynische Rede, so glaubt man, ist wohl kaum zu überbieten.

 Irrtum, zumindest von ihrem Unterhaltungswert her, kann sich die Rede des Berufsatlantikers Jürgen Hardt (CDU) aus der bergischen Klingenstadt Solingen, durchaus mit dem kleinsten Aussenminister aller Zeiten messen. Capital dichtete dereinst:
"Die Scharfmacher aus Solingen".
Ob sie damit auch den ehemaligen Zeitsoldaten, Offizier bei der Bundeswehr (Marine), Oberleutnant zur See, Schiffsicherungsoffizier und technischer Taucher (Fregatte Augsburg), Staubsaugervertreter (Vorwerk), Präsidiumsmitglied der "Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik" (DGAP) und des Stiftungsrates der "Stiftung Wissenschaft und Politik" (SWP) gemeint hat, ist urkundlich nicht nachweisbar - liegt aber auf der Hand.

Die Rede des Herrn MdB Hardt in ihrer blumenreichen Sprache zeichnet Bilder , die direkt aus der Stadt der filmischen Verzerrung realer Lebensumstände, Hollywood, stammen könnte. Was dem Aussenminister wegen seiner, vom Spickzettel in stockender Intonation abgelesenen Rede, eher einem Stakkato ähnelnden Aufzählung von Vorwürfen an Maduro nicht gegeben war, die Abgeordneten emotional von den Stühlen zu reissen, Hardt ist ganz nah dran.
"Hunger, Menschen die aus Mülltonnen leben müssen.Menschen, die ihre kranken Eltern über die Grenze nach Kolumbien schieben, in wackeligen Rollstühlen, weil sie im eigenen Land, in Venezuela keine medizinische Versorgung mehr bekommen."
 Ein schönes Bild, Hollywood würde die Szene sicher in ein düsteres Blau hüllen. Ein Mensch am Ende seines Lebenszyklus, in Lumpen gehüllt, wie er apathisch seinem Schicksal gegenüber, in einem Rollstuhl dessen verzogene Räder eher einer in ihrer Mitte zusammengeschnürten, den Hunger sybolisierender Acht ähnlich, als einer vollen satten, runden O, werden unter dem feisten Grinsen korrupter Generäle von ihren ausgemergelten Nachkommen mit letzter Kraft über die Grenze, des sich im Glanz US-amerikanischer neoliberaler Zuwendungen sonnenden Kolumbien, gen Westen in die untergehende Sonne geschoben.
"Dieses reichste, ölreichste Land der Erde, dieses, gemessen an der Größe der Bevölkerung wohlständigste Land Südamerikas, das es sein könnte, ist in einer Situation, dass es die elementarsten Lebensfunktionen seiner Bevölkerung nicht aufrechterhalten kann."
 Ein Fest für Germanisten:Venezuela, nicht nur das ölreichste, sondern auch das reichste Land - ein wohlständigstes Land - das es sein könnte.

 Und was bitte sind die elementarsten Lebensfunktionen einer Bevölkerung? Ist es die Kommunikation, Empathie, Solidarität, die Beachtung wesentlicher Regeln des Zusammenlebens? Hardt sagt es uns nicht - wir können nur rätseln, was es dringlich erscheinen läßt alle Regeln des Zusammenlebens der Völker unter dem Beifall solcher Lohnfedern wieKonietzny, ausser Kraft zu setzen.
"Und das Geld, dass verdient wird stopfen sich 4.000 Generäle und eine Junta um Maduro in die Taschen. Im übrigen habe ich mir erzählen lassen, Venezuela hat mehr Generale als die ganze Nato."
 Die Zahl 4.000 tauchte erstmals in einem Artikel auf dem Online-Portal "Bloomberg" am 06. Mai 2016 auf:
"Venezuela has more than 4,000 generals, compared with fewer than 50 in 1993."
 Sie wurde weder von Bloomberg noch von einem der vielen Abschreiber verifiziert. Interessant auch, dass immer wenn in der internationalen Presse von den angeblich 4.000 Generalen die Rede ist, genau diese Formulierung gebraucht wird. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass immer nur abgeschreiben wurde, ohne auch nur einmal ernsthaft zu recherchieren, ob diese Zahl auch stimmt. Ein typischer Fall von factsetting.

Als alter Militär handelt Hardt - es ist übrigens eine Ente, dass der Sitz des Verteidigungsministeriums, der Bonner Stadtteil Hardthöhe nach Jürgrn Hardt benannt wurde -nach der Devise der preussischen Militärs "Viel Feind - viel Ehr."

Zum guten Schluß hat Hardt noch einen Rat an alle Zweifler und Faktenfanatiker:
"Und alle , die behaupten, dass sei ein von aussen gesteuerter Konflikt in diesem Lande, die sollten sich vor Augen führen, dass dieses Land unweigerlich kurz vor dem Abgrund steht und zwar aufgrund des Handelns des Präsidenten und nicht aufgrund äusserer Einflüsse."
Also merke: Es ist wie es ist, weil es ist wie es ist!

 Unserem Reporterlein Benjamin Konietzny aber geht es ja nur in zweiter Linie um die Verhältnisse in Venezuela, ihm geht es darum am Beispiel Venezuelas wieder einmal die Unzuverlässigkeit, die Ignoranz und die Flegelhaftigkeit der linken Schmuddelkinder nachzuweisen. Vaterlandslose Gesellen!

 Besonders die Abgeordnete Heike Hänsel hat es ihm angetan:
"... ihr Unverständnis für die Ausführungen des Außenministers mit Kopfschütteln und Zwischenrufen zum Ausdruck zu bringen."
und schlimmer noch:
Sie hatte Maduro im Mai zum Wahlsieg gratuliert."
 Schaut man aber nun im Protokoll der aktuellen Stunde nach, ist während der Vorlesung des Herrn Maas nicht ein einziger Zwischenruf Hänsels vermerkt.
Sehen wir uns die Anmerkungen der Stenographen einmal an:
  1. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
  2. (Zuruf von der AfD: Sozialisten!)
  3. (Zuruf von der AfD: Nie wieder Sozialismus!)
  4. (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP – Zuruf von der AfD: Ohne Sozialismus!)
  5. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
  6. (Zuruf von der AfD: Reiner Sozialismus!)
  7. (Beifall bei Abgeordneten der SPD, der CDU/ CSU und der FDP)
  8. (Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und der FDP)
  9. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
  10. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
  11. (Beifall bei der SPD und der CDU/CSU)
Elf Anmerkungen. Die Mehrzahl sind den Beifallkundgebungen der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD geschuldet, also reine Pflichtübungen.

Von vier Zurufen wird berichtet - ausnahmslos von der AFD. Weder die Abgeordnete Hänsel noch ein anderes Mitglied der Fraktion "Die Linke" hat Ewähnung im Protokoll gefunden. Von so viel Disziplin bei den anderen Abgeordneten, besonders bei dem FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff kann da wohl kaum gesprochen werden:
  1. (Beifall bei der LINKEN)
  2. (Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: Klassisch sowjetische diplomatische Schule!)
  3. (Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: So lernt man in Moskau! – Armin-Paulus Hampel [AfD]: Venezuela heißt das Land!)
  4. (Beifall bei der LINKEN)
  5. (Armin-Paulus Hampel [AfD]: Venezuela heißt das Thema!)
  6. (Beifall bei der LINKEN – Ulrich Lechte [FDP]: Wir haben da noch einen demokratisch gewählten Präsidenten, Herr Korte!)
  7. (Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: Haben wir nicht gehört! – Jürgen Hardt [CDU/CSU]: Aber nicht der SED-Parteivorstand!)
  8. (Beifall bei der LINKEN)
  9. (Beifall bei der LINKEN)
  10. (Beifall bei der LINKEN – Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Nein! – Ulrich Lechte [FDP]: Sie haben Maduro doch gratuliert! – Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/ CSU]: Nein! Artikel 233!)
  11. (Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: Maduro ist der Putschist!)
  12. (Beifall bei der LINKEN – Ulrich Lechte [FDP]: Das Parlament hat geputscht – in Anführungszeichen!)
  13. (Beifall bei der LINKEN)
  14. (Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: An die Seite von Peru und Kolumbien!)
  15. (Beifall bei der LINKEN)
  16. (Dr. Johann David Wadephul [CDU/CSU]: Noch nie ist eine Diktatur so verteidigt worden!)
  17. (Beifall bei der LINKEN)
  18. (Beifall bei der LINKEN – Alexander Graf Lambsdorff [FDP]: Manche Grüne reden noch größeren Unsinn als Sie!)
  19. (Beifall bei der LINKEN – Ulrich Lechte [FDP]: Die Putsche kommen vom Parlament!)
  20. (Beifall bei der LINKEN – Ulrich Lechte [FDP]: Der Mann ist gewählt! – Peter Weiß [Emmendingen] [CDU/CSU]: Auf der Seite des Rechts! Auf der stehen wir!)
 An 20 protokollierten Zwischenrufen und Beifallsbekundungen war Graf Lambsdorff sechsmal beteiligt. Zum Teil mit so themenorientierten und qualifizierten, wie qualifizierenden Bemerkungen wie:
"Klassisch sowjetische diplomatische Schule! - So lernt man in Moskau! - Maduro ist der Putschist! - Manche Grüne reden noch größeren Unsinn als Sie!"
Hart am Thema, der Herr Lambsdorff. Da ist man doch glatt versucht ausnahmsweise einmal eine Mitglied der AFD zuzustimmen. Der Mann dessen Name Programm zu sein scheint, Armin-Paulus Hampel:
"Venezuela heißt das Thema!"
Aber Konietzny strickt eifrig weiter, an der Saga von dem unartigen Mädchen Heike Hänsel:
"Linken-Abgeordnete Hänsel, die Guaidó kürzlich auf Twitter als US-gestützten "Putschpräsidenten" bezeichnete, quittiert die Ausführungen der anderen Parlamentarier weiter mit Kopfschütteln und Zwischenrufen."
Über die Körperbewegungen der einzelnen Abgeordneten berichten die Stenographen des Bundestages grundsätzlich nicht, dafür haben wir so kompetente Chronisten wie unseren "ntv"- Mann.
"Andrej Hunko (...) produziert - zurückgelehnt auf seinem Sitz - akustischen Gegenwind".
 Aber die Zwischenrufe werden im Sitzungsprotokoll vermerkt. Wenn man aber das Protokoll der Aktuellen Stunde zum Thema Venezuela nachliest, so stellt man fest, dass kein einziger Zwischenruf der Abgeordneten Hänsel dort vermerkt ist. Wohingegen Konietzka gar von "Zwischenrufen" spricht. Wem soll man mehr Glauben schenken, den vereidugten Stenographen, oder dem eher windig daherkommenden Benjamin Konietzny?


Henry Kissinger, laut der wohl sozialistischer Umtriebe unverdächtigen Konrad-Adenauer-Stiftung:
"Kontrolliere das Öl und du kontrollierst die Staaten, kontrolliere die Nahrung und du kontrollierst die Bevölkerung"

Sonntag, 3. Februar 2019

"Bild dir deine Meinung"

 Bildreporter Paul Ronzheimer berichtet aus Venezuelas Hauptstadt Caracas vom
"grössten Protestmarsch in der Geschichte Venezuelas und unseres Kontinents",
laut Trumps Handpuppe Juan Guaidó. Dort fand er diese arme Frau:

Screenshot: Bild.de


 Die Ärmste, die aus lauter Verzweiflung demonstrieren geht, trägt eine Sonnenbrille der Marke "La Martina", ein argentinischer Edelanbieter von Mode und Accessoires für den Polosport.

Bekanntermaßen ein weitverbreiteter Freizeitspaß in den Armenvierteln (Barrios) venezianischer Großstädte.

Donnerstag, 31. Januar 2019

Legal, Illegal, Sch...egal - Venezuela hat Öl, Gas, Gold, Seltene Erden...

 Der Betrachter fühlt sich zurückversetzt in eine längst vergangen geglaubte Zeit, in eine überwunden geglaubte Welt von Machtwahn und Unterdrückung. Hatten wir doch geglaubt, dass Nationalismus und Kolonialismus längst überwunden seien. Das Wort "Kanonenbootpolitik" galt als ein Synonym für ein Verständnis der Welt, das geprägt war von nahezu absolut regierenden, ihre Macht einzig und allein aus ihrer Geburt herleitenden monarchistischen Despoten und vom großen internationalen Kapital beherrschten Handelsgesellschaften, die nur ihren eigenen Vorteil kannten und diesen mit allen Mitteln durchzusetzen suchten. Zurückversetzt in eine Zeit, in der einzig das Recht des Stärkeren zählte, sowohl in der Gesellschaft, als auch in den Beziehungen der Völker untereinander.

 Ein verschwindend kleiner Teil der Menschheit masste sich an, den Rest der Welt nach eigenem Gutdünken zu beherrschen und die Schätze dieser Welt, wo immer sie auch gefunden wurden, als ihr gottgegebenes Eigentum zu betrachten. Wer immer sich den Kolonialmächten Europas entgegenstellte, mußte mit seiner vollständigen Vernichtung rechnen. So ist die indigene Bevölkerung des gesamten amerikanischen und des australischen Kontinents fast vollständig ausgerottet worden. Die Ureinwohner Afrikas wurden versklavt und verschleppt. Die Völker Asiens wurden mit Opium willen- und wehrlos gemacht. Selbst die Inuit auf Grönland und den Weiten der amerikanischen Arktis wurden mithilfe der Droge Alkohol verelendet und schließlich getötet.

 Diese Verbrechen, diese Millionen und Abermillionen Menschen wurden aber nicht einfach nur umgebracht, ihre Ländereien, ihre Bodenschätze nicht einfach geraubt, nein sie brachten Opfer für einen höheren Zweck: Den Heiden wurde der christliche Glauben gebracht. Sie wurden aus ihrer Ahnungslosigkeit erweckt und wenn sie sich der christlichen Heilslehre widersetzten, dann schlug man ihnen eben den Schädel ein und so war dann das Himmelreich ihres.

 Nachdem diese Welt nach dem ersten Weltkrieg, der ja in Wirklichkeit kein Weltkrieg sondern ein europäischer Krieg war, und der dem Wahn nach der Weltherrschaft geschuldete, nunmehr wirkliche Weltkrieg, der sogenannte zweite, diese Welt an den Rand der Vernichtung gebracht hatte, schien die Menschheit zur Besinnung gekommen und war vereint in dem Wunsch es nie wieder zu einem so gewaltigen Schlachten kommen zu lassen.

 Die Welt gab sich mit der Gründung der UNO, der Proklamation der Menschenrechte und einem auf Gleichberechtigung basierendem Völkerrecht eine Art Weltverfassung. 

 Das Völkerrecht besagte, dass alle Nationen, ob groß oder klein, mächtig oder schwach die gleichen Rechte haben und das die Menschen sich die Art zu leben frei wählen könnten. Es verbot den Angriffskrieg und gestand allein dem Weltsicherheitsrat zu, einen Aggressor in seine Schranken zu weisen.

 Es war keine zu einhundert Prozent friedliche Welt, aber die Völker der sogenannten dritten Welt in Lateinamerika, Afrika und Asien befreiten sich nach und nach im Vertrauen auf dieses Völkerrecht vom Joch des Kolonialismus. Natürlich war diese Unabhängigkeit nicht allumfassend. Ihrer Eliten beraubt, ohne funktionierende Infrastruktur, umgeben von, von ihren Kolonialherren, wahllos gezogenen Grenzen und materiell ausgebeutet, hing ihr Überleben oftmals davon ab, ob sie von den reichen Ländern des Nordens allimentiert wurden.

 Ein weiterer Pluspunkt der den jungen Nationen des Südens zumindest eine zeitlang in die Karten spielte war das Patt zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt. Beide Machtblöcke buhlten in ihrem Streben der jeweils anderen Seite gegenüber in einen Vorteil zu kommen, um die Gunst der Länder der dritten Welt um deren Rohstoffe und die strategisch wichtigen Ecken der Welt.

 Die Wende setzte 1973 ein, mit dem ersten Ölpreisschock und der Gründung der Opec. Die auf riesigen Ölblasen schwimmenden Staaten, hauptsächlich der arabischen Halbinsel und Nordafrikas, zwangen mit einem Exportstop ihres Öls den Westen dazu, den Jom Kippur Krieg zu beenden und in der Folge zumindest nach einer friedlichen Lösung des Nahostkonfliktes zu suchen. Die Industrieländer merkten das sie abhängig waren von den Rohstoffen der dritten Welt. Sie begannen damit die Welt wieder aus dem Blickwinkel der ehemaligen Kolonialmächte zu sehen.

 Die endgültige Wende zur neuen - alten Politik der Gewalt zwischen den Nationen kam dann mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Auflösung des Warschuer Paktes. Die einzig verbliebene Weltmacht, die USA und das einzig verbliebene Militärbündnis, die Nato konnten ab sofort ohne Gefahr selbst in Not zu geraten, der Welt ihren Willen aufzwingen.

 Verträge waren plötzlich nicht mehr das Papier wert auf das sie geschrieben waren. Europa wurde neu aufgeteilt, Jugoslawien gewaltsam zerschlagen, der Irak unter einem erfunden Vorwand in einen mörderischen Krieg verwickelt und anschliessend mit Sanktionen überzogen, die zur Folge hatten, dass Zehntausende verhungerten oder an einfach zu behandelnden Krankheiten starben weil die benötigte Medizin nicht geliefert werden durfte. Der Libanon wurde in einen grausamen jahrelangen völkerrechtswidrigen Krieg verwickelt. die Nato rückte bis an die Grenzen Russlands vor.

 Der IWF und die Weltbank zwangen den hochverschuldeten Ländern des Südens die Handels- und Finanzbedingungen des neoliberalen Westens auf.

 Dieser gnadenlose Raubzug des Westens benötigte einen moralischen Überbau. War es während der Kolonialzeit der christliche Glauben und das seelische Heil das den "Wilden" zur Not mit Feuer und Schwert gebracht werden musste, so waren es jetzt die Menschrechte, die bürgerlichen Freiheiten und seit ein paar Jahre auch noch die sexuelle Selbstbestimmung, die dafür herhalten müssen der widerstrebenden Menschheit die Köpfe abzuschlagen.

 Sehr schnell entwickelten findige Köpfe den Begriff der "Humanitären Intervention". Dieser Begriff besagt im wesentlichen und sicherlich etwas vereinfacht ausgedrückt, dass ein Staat der die körperliche und seelische Unversehrtheit seiner Bevölkerung nicht gewährleisten kann, praktisch des Schutzes des Artikels 2 der UN-Charta verlustig gehe. Dort heißt es unter Absatz 4:
"Alle Mitglieder unterlassen in ihren inter- nationalen Beziehungen jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete oder sonst mit den Zielen der Vereinten Nationen unvereinbare Androhung oder Anwendung von Gewalt."

 Man hatte erkannt, dass es nur noch eine Macht auf der Erde gab, die solche "Humanitären Einsätze" durchzuführen im Stande war, die USA und ihre Hilfsorganisation die Nato, der nun schnell die Funktion des Weltpolizisten zugeschanzt wurde.

 Kam es bei den frühen "Humanitären Schutzmaßnahmen" gegen Serbien, Libyen oder auch noch Syrien wenigstens noch zu Diskussionen über die Rechtmäßigkeit militärischer Operationen mit zumeist tausenden von Toten und Millionen von Vertriebenen, so scheinen diese moralischen Bedenken mittlerweile völlig ausgeräumt.

 Die veröffentlichte Meinung kommt gar nicht mehr auf die Idee die Frage nach der Rechtmässigkeit des Regime-Change in Venezuela zu stellen. Die absurde Forderung der EU in dem Südamerikanischen Land innerhalb von acht Tagen Neuwahlen auszurufen scheint nicht ausgemachter Blödsinn, nicht ungerechtfertigte Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates zu sein, sondern die Lösung aller Probleme des Landes.

 In Venezuela stellt sich ein bisher gänzlich unbekannter junger Mann vor eine angeblich spontan zu einer Demonstration gegen die chavinistische Regierung zusammen gekommene Menge und ruft sich zum Präsidenten des Landes aus. Keine Wahl kein irgendwie anders demokratisch gewähltes Gremium hat ihn dazu auserkoren. Eine Minute später erkennt die Regierung in Washington Guaido als rechtmässigen Präsidenten Venezuelas an. Kanada und etliche Mittel- und Südamerikanische Staaten folgen im Minutentakt.

 In den nächsten Tagen erweist sich, dass Guaido nichts weiter als ein Strohmann der USA ist. Indem diese Maduro als abgesetzt betrachten und Guaido als neuen rechtmässigen Präsidenten haben sie nun freie Bahn ihren Diebstahl des Auslandsguthabens Venezuela auf die ihnen verpflichteten Putschisten zu verteilen.

"dass die US-Regierung nur Handlungen von Guaidós Büro anerkenne und alle Anordnungen von Maduro für 'illegitim' und 'ungültig' halte",
und das die USA dem Putschisten Guaido,
"humanitäre Hilfe im Wert von mehr als 20 Millionen US-Dollar",
zur Verfügung stellen werde.

 Am 29. Januar berichtete dann die Tagesschau Trumps Sicherheitsberater John Bolton und der US-Finanzminister Steven Minuchin hätten vor der Presse bekanntgegeben:
"dass Vermögen im Wert von sieben Milliarden Dollar (sechs Milliarden Euro) eingefroren werde und innerhalb eines Jahres elf Milliarden Dollar an Exporteinnahmen verloren gingen."
 Um die eigenen Interessen zu schützen sind sich die USA allerdings keines Winkelzuges zu schade:
"Öl aus Venezuela darf demnach von den USA unter dem Sanktionsregime weiterhin eingekauft werden, die Zahlungen müssen jedoch auf Sperrkonten erfolgen. Die Regelungen sollen auch gewährleisten, dass US-Raffinerien, die direkt von Öllieferungen aus Venezuela abhängen, weiter betrieben werden können."
 Auch für miese, kleine Taschenspielertricks ist sich der hehre Verteidiger von Recht und Freiheit nicht zu schade. So trug Bolton während der Pressekonferenz einen Notizblock unter dem Arm auf dem in Handschrift nur stand :
"5.000 Soldaten nach Kolumbien".
 Die Tagesschau ist es auch, die dem Putschisten Guaido in einem Interview die Gelegenheit gibt die obskuren Rechtfertigungen für seinen Schritt der Weltöffentlichkeit preiszugeben:
"Es gab keine Wahl in 2018. Die Amtszeit von Nicolas Maduro ist vorbei. Insofern besetzt er das Land widerrechtlich und regiert als Diktator."
 Ganz offen gibt er zu, eine Marionette der US-Regierung zu sein:
"Seine Ernennung zum Interimspräsidenten sei mit der US-Regierung abgestimmt gewesen, gesteht er ein. Washington ist sein wichtigster Unterstützer, viele andere Staaten haben sich angeschlossen",
und droht unverhohlen mit Gewalt:
"Wir sagen deutlich, wir leben in einer Diktatur. Und der Regierungspalast muss den Druck kennenlernen."
 Zum Schluss generiert die Tagesschau Guaido zum barmherzigen Samariter:
"Guaidó hat versprochen, sich so schnell wie möglich um humanitäre Hilfe für die notleidende Bevölkerung zu kümmern. Die sozialistische Regierung lässt bislang keine ins Land."
 Eine glatte Lüge. Noch im Oktober letzten Jahres schrieb die Caritas:
"Die Caritas verfolgt verschiedene Ansätze, um die Menschen in dieser humanitären Krise zu unterstützen. In mehreren Regionen Venezuelas erhalten Säuglinge und Kinder Zusatznahrung".
 Vom 26. November bis 4. Dezember 2017 bereiste Alfred de Zayas (Vereinigte Staaten von Amerika)das südamerikanische Land. De Zayas, erster unabhängiger Sachverständiger für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung  des UN-Menschenrechtsrats, war als offizieller UN-Berichterstatter in Venezuela. Er berichtet unter anderem:
"Als beispielsweise Venezuela im November 2017 Medikamente gegen Malaria benötigte, verweigerte Kolumbien die Lieferung und Venezuela musste in Indien einkaufen. Ich habe gelernt, dass viele Banken Venezuelas Konten geschlossen haben, um Sanktionen und Komplikationen in den USA zu vermeiden, und andere Banken weigerten sich, Überweisungen und routinemäßige Auslandszahlungen vorzunehmen, selbst für den Kauf von Lebensmitteln und Medikamenten." 
Was die westlichen Medien hier verbreiten sind die so oft gescholtenen "alternativen Fakten". Man baut über Jahre hinweg eine alternative Welt. Fakten werden jahrelang verdreht, verzerrt, unterschlagen. Dafür werden andere erfunden, geschönt und manipuliert. 

 So ist es mittlerweile unangefochtenes Faktum, dass die Chavinistas sich nicht um eine wirtschaftliche Alternative zum Öl bemüt hätten. Auch de Zayas geht in seinem Bericht vom 11 September 2018 von einer zu einseitigen Ausrichtung der Wirtschaft Venezuelas aus, erkennt aber durchaus das Bemühen der Regierung um eine breitere Aufstellung an.: 
"Ein Hauptproblem ist die Abhängigkeit der venezolanischen Wirtschaft vom Verkauf von Erdöl - eine Situation, die seit dem frühen 20. Jahrhundert vorherrscht (also weit vor der 1. Präsidentschaft Hugo Chavez'). Obwohl sich die Regierung um eine Diversifizierung bemüht hat, ist die Umstellung langsam."
 Eine weitere Behauptung, die im Laufe der Jahre zur allgemein anerkannten Wahrheit wurde, ist die Mär von der sozialistischen Misswirtschaft. Die Betonung liegt hier besonders auf "sozialistische". Zwar haben Maduro und sein Vorgänger Fehler begangen - den Liter Benzin für umgerechnet 1 Cent an die Bevölkerung abzugeben, gehört sicher dazu - aber ausschlaggebend sind die ständigen Versuche der USA die Wirtschaft des Landes massiv zu zerstören.

 Alfred de Zayas schreibt dazu in seinem Bericht an den UN-Menschenrechtsrat:
"Der Wirtschaftskrieg begann nicht mit den Sanktionen 2015, sondern bereits mit der Ankunft von Hugo Chavez vor zwanzig Jahren. Die Einmischung von außen in die Regierung von Chavez beinhaltete die Unterstützung bei der Organisation und Finanzierung des gescheiterten Putsches vom April 2002."
 Im April 2002 hatten die USA einen Militärputsch gegen den rechtmäßig gewählten Präsidenten Venezuelas Hugo Chavez orchestriert. Chavez wurde gefangen gesetzt. Der führer des größten Unternehmerverbandes des Landes, Carmina, proklamierte sich selbst zum Präsidenten. Zwei Tage später, am 13. April 2002 war der Spuk allerdings bereits beendet. 1,5 Millionen Menschen waren zum Präsidentenpalst in Caracas gezogen und hatten Carmona vertrieben.

 Mike Pompeo ernannte jetzt einen der Drahtzieher an diesem Putsch, Elliott Abrams zum Sondergesandten für Venezuela. Elliott Abrams ist ein Mann für die schmutzigen Deals. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der US-Grünen, Gill Stein, witterte:
  • "Er unterstützte Todesschwadronen in Lateinamerika, die Tausende Menschen für rechte Diktatoren getötet haben;
  • Er log den Kongress an, um die verräterische Iran-Contra-Affäre zu vertuschen;
  • Er führte 2002 einen Putschversuch in Venezuela an.
Glaubt ihr immer noch, dass es hier um Demokratie und Menschenrechte geht?"
Screenshot: Twitter
 Aber nicht nur in den Personen lassen sich Parallelender jetzigen Situation zu 2002 erkennen. Alfred de Zayas schreibt dazu in seinem UN-Report, die Vorgehensweise ähnele
"dem Wirtschaftskrieg gegen Salvador Allende von Chile 1970-73, der mit dem Putochet-Putsch endete."
 Es zieht sich also eine blutige Linie beginnend mit dem Putsch gegen Salvador Allende in den siebziger Jahren, die Todeskommandos in Argentinien, El Salvador, Honduras, Guatemala, die Iran-Contra-Affäre, (im Verlauf der Untersuchung dazu wurde Elliott Abrams wegen Falschaussgen zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt und später von Bush Sen. begnadigt) über den Putsch gegen Hugo Chavez bis in die heutigen Tage zu dem Putschversuch gegen Maduro.

 Immer beginnt es mit einer Pressekampagne. Es folgt eine wirtschaftliche Schwächung hervorgerufen durch Sanktionen. Die so in der Bevölkerung geschürte Unruhe wird dann genutzt um Großdemonstrationen zu organisieren. Dann taucht irgendeine Handpuppe, so wie jetzt Guaido, auf, der das Militär dazu bewegen soll gegen die rechtmässige Regierung zu putschen.

 Mit den widerrechtlichen Sanktionen haben die USA eine Situation geschaffen, die es der Mainstreampresse weltweit leicht macht, einen Regimewechsel in Venezuela als richtig und unausweichlich zu beschreiben, da nur dadurch das Volk aus seinem Elend befreit werden könne. In dem UN-Bericht von de Zayas liest sich das so:
"Während der völkerrechtliche Grundsatz der Nichteinmischung und Kapitel 4 Artikel 19 der OAS-Charta ausdrücklich die Einmischung in die politischen oder wirtschaftlichen Angelegenheiten von Staaten verbieten, wurden Sanktionen verhängt, die darauf abzielen, die venezolanische Wirtschaft zu ersticken und einen Regimewechsel zu erleichtern. Immer mehr hören wir von einer „humanitären Krise“ und der Auswanderung aus Venezuela in die Nachbarländer. Die Erzählung soll eindeutig eine militärische 'humanitäre Intervention' wie in Libyen im Jahr 2011 für die öffentliche Meinung der Welt angenehmer machen."
 So durfte es, aus US-amerikanischer Sicht auch nicht zu einem Abkommen zwischen der Regierung Maduro und der Opposition kommen. Anfang 2018 lag nach fast zweijährigen Verhandlungen unter der Meditation des ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Zapatero ein Abkommen unterschriftsreif auf dem Tisch. Demnach sollten im April des Jahres Präsidentschaftswahlen unter internationaler Aufsicht abgehalten werden und die Vertreter der Opposition verpflichteten sich, sich gemeinsam mit der Regierung für einen Abbau der Sanktionen einzusetzen.

 Am Tag der Unterzeichnung, dem 7. Februar verweigerte die Opposition plötzlich ihre Unterschriften.

 Das Online-Portal "amerka21" schreibt am 11. Februar 2018:
"Die Regierung Maduro beschuldigt indes die USA, hinter dem Scheitern des Abkommens zu stecken, um weiterhin einen Machtwechsel in Venezuela herbeizuführen. US-Außenminister Rex Tillerson habe Parlamentspräsident Borges angerufen, um ihn von einem Verhandlungsabbruch zu überzeugen und ihm Weisungen erteilt, so Jorge Rodríguez, Kommunikationsminister und Regierungsvertreter beim Dialog. Tillerson hatte vergangene Woche bei seinen Staatsbesuchen in Mexiko, Argentinien, Peru, Kolumbien und Jamaika bereits angekündigt, dass die US-Regierung die Präsidentschaftswahlen in Venezuela nicht anerkennt und zudem ein härteres Vorgehen lateinamerikanischer Länder gegen die sozialistische Regierung von Präsident Maduro gefordert."
 Diese erbärmliche Farce, deren Ausgang Millionen von Menschen die letzte Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lebensumstände brachte, fand im Mainstream nicht statt. Sie passte nicht in die über Jahre mühsam aufgebaute alternative Wirklichkeit von der sozialistischen Misswirtschaft, den mit Füssen getretenen Menschenrechten und der abgeschafften Demokratie.

Allerdings fragt man sich wie weit es denn her ist mit unserer Demokratie. Wenn es stimmt, dass gute Information die grundlage dafür ist, sich ein fundiertes Urteil zu bilden, um dann wiederum politische oder persönliche Entscheidungen zu fällen, dann gibt es keine Demokratie in diesem Land. Seit Jahren werden wir bewusst und fortwährend angelogen. Man enthält uns Informationen vor, man berichtet einseitig und man versucht mit Texten, Bildern und Videos unsere Meinung massiv zu beeinflussen, anstatt uns seriös zu informieren.

 In venezuela werden Millionen von Menschen systematisch ausgehungert um endlich eine Stimmung zu erzeugen, die eine unliebsame Regierung aus dem Amt jagt. Eine Strategie die in Chile vor über vierzig Jahren bereits zu einem Blutbad führte und zu einem der grälichsten Diktaturen der nach Adolf Hitler. Im Irak haben die USA und Großbritannien, Frankreich, die EU und die Nato jahrelang ein Sanktionssystem errichtet, dass nachweislich hunderttausend Kindern das Leben kostete. In Libyen mussten ca. 50.000 Menschen die Gier des Westens nach Öl mit dem Leben bezahlen, in Syrienist die Zahl der Todesopfer eins nunmehr fast acht Jahre andauernden Krieges weitaus höher. Assad sei ein Schlächter so wurde uns eingeredet und müsse weg. Heimlich finanzierte der Westen mit Hilfe der mittelalterlichen Golfdiktaturen Waffen, Giftgas und Munition für die islamischen Kopfabschneider, die man im eigenen Land, wenn man ihrer Habhaft wurde kurzerhand auf der Flucht erschoss.

 Man könnte diese Aufzählung fast unbegrenzt fortführen. Recht und Gesetz, Verträge, das Völkerrecht, das Recht der Menschen auf freien Zugang zu Informationen, das alles wird mit Füssen getreten. Zu erleiden haben diesen Wahnsinn die Schwächsten der Schwächsten, denn sie haben keine Stimme.

 Wer zieht eigentlich die Lügner, die Mörder und ihre Helfershelfer zur Rechenschaft. Wer stellt Politiker und Journalisten, die ganze Völker hinters Licht führen, nur um in einer Welt mit knapper werdenden Recourcen weiterhin ihr verschwenderisches und zerstörerisches Leben zu führen. Wer gibt ihnen das Recht auf den Bergen von Leichen zu tanzen, die sie selbst produziert haben. Wo ist der Nürnberger Gerichtshof für Obama, Trump, May, Macron, Merkel und Co, für Madeleine Albright, Henri Kissinger, Für Bush Vater und Sohn?