Freitag, 26. Oktober 2018

Drei Jahre Völkermord im Jemen und ein toter Journalist

 Seit der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi im Istambuler Konsulat Saudi-Arabiens ergeht sich die veröffentlichte Meinung und die Politik in Verurteilungen und gar verschwurbelten Drohungen gegen das diktatorisch regierte arabische Königreich.

 Seit 1932 herrrscht die Dynastie der Al Saud uneingeschränkt über große Teile der Arabischen Halbinsel. Dabei hängen die Saud der nach Mittelalterlichen Regeln organisierten islamischen Sekte des Wahabismus an. Die Gerichtsbarkeit folgt den Regeln der Sharia.

 Nun hielt es der starke Mann des Königshauses, Kronprinz Mohammed bin Salman, für geboten den ihm unliebsamen Kolumnisten der Washington Post, Khashuggi, ein für allemal aus dem Wege zu schaffen. Als dieser in das Istambuler Konsulat seines Heimatlandes ging, um dort Unterlagen für seine geplante Hochzeit mit einer Türkin abzuholen, wartete dort ein 15 - 18 köpfiges Killerkommando auf ihn. Eine Überwachungskamera zeichnete die letzten Bilder des lebenden Khashuggi beim Betreten des Konsulats auf.

 Nach anfänglichem leugnen erklärte Saudi-Arabien nun, Khashuggi sei bei einem Faustkampf im Gebäude des Konsulats verstorben.

 So verabscheungswürdig das Verbrechen an dem Journalisten Khashoggi auch ist, so ekelhaft ist das Pharisäertum der deutschen und internationalen Öffentlichkeit. Jahrelang schon schlachten die Saudis mit ihren Verbündeten, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Bahrain, Katar, Jordanien, Ägypten und Sudan mithilfe logistischer und geheimdienstlicher Unterstützung der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Türkei, Marokkos und Belgiens abertausende Menschen im Jemen auf grausamste Weise ab, ohne das sich hier auch nur eine Stimme gegen diesen grausamen Krieg gegen ein ganzes Volk erhoben hätte.

 Im Gegenteil: Im Jahr 2015 griff die sogenannte Weltgemeinschaft selbst auf Seiten Saudi-Arabiens in den Krieg im Jemen ein. Am 14. April 2015 verabschiedete der Weltsicherheitsrat die Resolution 2216. Ein Beispiel dafür, dass die UN immer mehr für die Eigeninteressen der finanzstarken Nationen missbraucht werden. Abstimmungsergebnisse werden erkauft oder ganz einfach durch Erpressung in die gewünschte Richtung gelenkt. Die Auswirkungen der Resolution 2216 im Namen der gesamten Menschheit schildert Dr Mégo Terzian, President of Médecins Sans Frontières France, am 29 July 2015:
"Kriegsverbrechen und schwere Versäumnisse führen dazu, dass die Bevölkerung nicht nur durch die verschiedenen Konfliktparteien doppelt belastet wird, sondern auch durch die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im April verabschiedete Resolution 2216. Von Jordanien vorgeschlagen und von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich aktiv unterstützt, bestand das erklärte Ziel der Resolution nach Kapitel VII der Charta darin, der Gewalt im Jemen ein Ende zu setzen, indem unter anderem ein Waffenembargo gegen die Houthis erlassen wurde. Die Militärkoalition erhielt somit einen Blankoscheck, um alle Infrastruktur die den Rebellen einen militärischen Vorteil verschaffen, wie Straßen, Flughäfen, Häfen und Tankstellen zu bombardieren und Beschränkungen für den Luft- und Seehandel aufzuerlegen, der rasch zur Isolierung des gesamten Landes von der Außenwelt führte. Es steht außer Frage, dass die Resolution das falsche Ziel gewählt hat, da sie weit davon entfernt war, "der Gewalt ein Ende zu setzen", stattdessen den Kriegswillen der verschiedenen Konfliktparteien angeheizt und den Würgegriff auf die Bevölkerung verschärft hat."
Die Folgen der Resolution 2216 schildert Dr. Mégo so:
"Überall im Land leidet die Bevölkerung unter einem ernsten Mangel, da Nahrungsmittel, Medikamente und Benzin immer seltener werden und das Überleben der Schwächsten bedroht. Bei fehlendem Brennstoff für Generatoren und Pumpstationen sind einige Krankenhäuser nicht mehr funktionsfähig und die Gewinnung von sauberem Wasser wird zunehmend problematisch. Menschen stehen stundenlang oder sogar Tage Schlange, in der Hoffnung, aus der Kampfzone fliehen zu können oder einen Verletzten oder einen Kranken in das nächste Krankenhaus zu transportieren. (...) Wie in Aden ist der Mehlpreis in einigen Gebieten um 70% gestiegen und Fleisch ist fast nicht existent. Daten von "Ärzte ohne Grenzen" in Khamir und Saada zeigen, dass 15% der Kinder unterernährt sind."
Als im Jahr 2016 in der Presse, gefühlt jeden Tag, über die völkerrechtswidrige Bombardierung  von Krankenhäusern in Syrien durch den "Schlächter" Assad und seinen Helfershelfer Putin, berichtet wurde,
Die FAZ am 28. April 2016:"Viele Tote bei Angriff auf Krankenhaus in Aleppo - Bei einem Luftangriff auf ein syrisches Krankenhaus in der Nähe von Aleppo sind 30 Menschen getötet und 50 verletzt worden. Die Friedensgespräche wurden aus Protest abgebrochen."
ntv am 29. Juli:"Geburtsklinik in Syrien bombardiert - Über eintausend Menschen sollen sich in dem Krankenhaus in der Provinz Idlib aufhalten, als plötzlich Bomben auf das Gebäude fallen. Mindestens zwei Menschen werden getötet. Fakt ist: Die Klinik ist teilweise zerstört, der Weiterbetrieb unmöglich.(...) Die Vereinten Nationen hatten in der vergangenen Woche bereits über Angriffe auf vier Krankenhäuser im heftig umkämpften Aleppo berichtet."
Die Zeit, 1. Oktober 2016: "Erneut sollen russische und syrische Streitkräfte eine Klinik angegriffen haben. Damit soll nun eines der letzten Krankenhäuser außer Betrieb sein.(…) Die Klinik im Nordosten der Stadt sei von zwei Fassbomben getroffen worden, erklärte ein Mediziner. Die Rettungshelfer der Weißhelme meldeten, das Krankenhaus sei nun völlig außer Betrieb.(…) Das Gebäude und ein anderes Krankenhaus im von Regimegegnern beherrschten Osten der Stadt waren bereits am Mittwoch getroffen worden. (…) Frankreich reagierte empört auf die Angriffe auf Krankenhäuser in Aleppo. Es sei unglaublich, dass Gesundheitseinrichtungen und deren Personal systematisch Ziele von Angriffen seien, sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault."
Amnesty International am 3. März 2016:"Die lokale Monitoring-Gruppe "Syrian Network for Human Rights" berichtet, dass seit September 2015 mindestens 27 Krankenhäuser von russischen oder syrischen Regierungstruppen angegriffen wurden, acht davon im Gouvernement Aleppo.Die Nichtregierungsorganisation "Syrian American Medical Society" sagte gegenüber Amnesty International, dass seit Dezember 2013 mindestens 13 Krankenhäuser in Aleppo bombardiert worden seien. Eine Klinik sei am 15. Februar von einer Boden-Boden-Rakete getroffen worden. Bei diesen 14 Angriffen kamen offenbar insgesamt vier Angehörige des medizinischen Personals und 45 Zivilpersonen ums Leben.Laut der Menschenrechtsorganisation "Physicians for Human Rights" wurden seit Ausbruch des Konflikts mindestens 346 Angriffe auf medizinische Einrichtungen verübt und 705 medizinische Beschäftigte getötet. Die meisten dieser Angriffe gingen auf das Konto von syrischen Regierungstruppen und ihren Verbündeten."
Das Ärzteblatt am 3. April 2016:"Ausnahmslos alle 107 Krankenhäuser in Syrien sind im vergangenen Jahr bom­bardiert worden. Einige von ihnen bis zu 25 Mal. Das geht aus einem Bericht der Verei­ni­gung von Hilfsorganisationen Union of Medical Care and Relief Organizations (UOSSM) hervor, aus dem die Bild heute zitiert.Demnach gab es zwischen Januar und Dezember 289 Luftangriffe mit direkten Treffern auf die untersuchten Krankenhäuser."
meldet "Ärzte ohne Grenzen", von der Weltöffentlichkeit beharrlich verschwiegen, mehrere Angriffe der Saudi-Koalition auf medizinische Einrichtungen ihrer Organisation. Am 27. September 2016 gab "Ärzte ohne Grenzen" eine Pressemitteilung heraus mit 2 PDF-Dateien der Berichte über die Angriffe  auf 1. die Gesundheitsklinik in Tanz-Stadt im Houban Distrikt am 2. Dezember 2015 und 2. auf das von Ärzte ohne Grenzen unterstützte Hospital in ABS im Hajjah-Distrikt am 15 August 2016, aus dem hier zitiert wird:
"Am Montag, den 15. August (2016) um 15.40 Uhr Ortszeit, wurde das ländliche Krankenhaus von Abs im Verwaltungsbezirk Hajjah im Nordwesten Jemens von einem Luftangriff getroffen, bei dem 19 Menschen getötet wurden, darunter ein "Ärzte ohne Grenzen"-Mitarbeiter, und 24 weitere verletzt wurden. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich 23 Patienten in der Chirurgie, 25 in der Entbindungsstation, 12 in der Pädiatrie und 13 Neugeborene im Krankenhaus in Abs.Der Luftangriff war im vergangenen Jahr der fünfte und tödlichste Angriff auf einen von "Ärzte ohne Grenzen" unterstützten medizinischen Dienst in Jemen, inmitten unzähliger Angriffe auf andere Gesundheitseinrichtungen und -dienste im ganzen Land. Die anderen vier Angriffe auf "Ärzte ohne Grenzen"-unterstützte medizinische Dienste waren: Haydan Krankenhaus, in der Sa'ada Provinz, am 26. Oktober 2015; eine mobile Klinik im Bezirk Al-Houban in Taizz am 2. Dezember 2015; Shiara-Krankenhaus in Razeh, ebenfalls in Sa'ada, am 10. Januar 2016; und eine Ambulanz des Al Jamhoory Krankenhauses in Sa'ada am 22. Januar 2016."
 Im Frühjahr 2017 bricht aufgrund der desolaten Lage bei der Ernährung und im Gesundheitswesen eine Choleraepidemie aus. Am 29 Juli 2017 berichtet der Deutschlandfunk, als eine der wenigen Berichterstatter, von bis dato 1.800 Toten und rund 370.000 Infizierten.

Der Autor Jürgen Stryjak zitiert die Deutsche Larissa Alles, die im Jemen für die Hilfsorganisation "Oxfam" arbeitet:
"De facto ist es eine derart dramatische Lage, die sich derart rapide verschlechtert wirklich von Tag zu Tag, dass es auch uns erschreckt, wie massiv dieser Ausbruch ist und vor allem wie schnell er sich verbreitet."
 UN-Nothilfekoordinator Stephen O‘Brien sagt:
 "Sieben Millionen Jemeniten drohe ein langsamer und schmerzvoller Tod durch Krankheit und Verhungern. Unter ihnen 2,3 Millionen unterernährte  Kinder, von denen 500.000 nicht älter als fünf Jahre seien und in Lebensgefahr schwebten."
 Derweil haben die Vereinten Nationen die Lage im Jemen als, so wörtlich,
"die größte humanitäre Katastrophe der Welt",
bezeichnet. Sauberes Trinkwasser ist dringend erforderlich um der Epidemie Herr zu werden. Aber die Saudis kennen kein Erbarmen. Sie bombardieren weiter. Der Deutschlandfunk zitiert Claire Manera von "Ärzte ohne Grenzen":
"Vor zwei Tagen wurden nachts Ziele in unserer Nähe bombardiert, nur ein paar Kilometer von unserem Haus entfernt. Das Wasserwerk der Region soll dabei zerstört worden sein. Das macht mich wütend. Man bombardiert doch gerade jetzt keine Wasserwerke."
Am 21. Dezember 2017 legt der Deutschlandfunk seinen Hörern noch ein kleines Präsent unter den Christbaum. Ellen Häring und Andre Zantow berichten:
"Es fehlt an allem: 14,5 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Auch Lebensmittel, Benzin, Strom und Medikamente werden immer knapper und teurer. Dazu zerbombte Krankenhäuser, Schulen und fast eine Million Cholera-Fälle – die schlimmste Epidemie dieser Art, die es je gab. Knapp drei Millionen Binnenflüchtlinge irren inzwischen durch das Land, manche haben Glück und werden in Lagern notdürftig versorgt, andere verhungern. Die wenigen Hilfsorganisationen, die noch gelegentlich oder ständig vor Ort sind, senden alarmierende Berichte aus dem ohnehin ärmsten Land des Nahen Ostens." 
 Denn zwischenzeitlich hat Saudi-Arabien seine Totalbklockade über das kleine, hilflose Land ausgeweitet. Im Oktober schlossen sich die USA den Massnahmen an. Keine Lebensmittel, keine Medikamente, kein Treibstoff gelangen mehr ins Land weder über Wasser noch durch die Luft.

Mark Lowcock, der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten sagte, nachdem er den Weltsicherheitsrat hinter verschlossenen Türen über die Lage informiert hatte:
"Ich habe dem Rat gesagt, dass, wenn diese Maßnahmen nicht aufgehoben werden, es in Jemen eine Hungersnot geben wird. Es wird die größte Hungersnot sein, die die Welt seit vielen Jahrzehnten mit Millionen von Opfern erlebt hat."
 Die BBC berichtet am 9. November 2017:
"Das Rote Kreuz gab bekannt, seine Lieferung von Chlortabletten, die für die Bekämpfung einer Cholera-Epidemie, die mehr als 900.000 Menschen betroffen habe, lebenswichtig gewesen sei, sei blockiert worden."
Gut möglich, dass an dieser Aktion der Saudis auch deutsche Marinetechnik beteiligt gewesen ist. Meldete doch die Ostsee-Zeitung am 28. Mai 2016 voller Stolz:
"Erstes Patrouillenboot für Saudi-Arabien verlässt Peenewerft (Wollgast)". 
Ein glatter Verstoß gegen EU-Recht. Denn dort heisst es in der "Festlegung gemeinsamer Regeln für die Kontrolle der Ausfuhr von Militärtechnologie und -ausrüstung" vom 8. Dezember 2008 unmissverständlich:
"Nach Bewertung der Haltung des Empfängerlandes gegenüber einschlägigen Grundsätzen, die durch Instrumente des humanitären Völkerrechts festgelegt werden, müssen die Mitgliedstaaten:c) eine Ausfuhrlizenz ablehnen, wenn die Gefahr besteht, dass die zu exportierende Militärtechnik oder -ausrüstung bei schweren Verletzungen des humanitären Völkerrechts verwendet werden könnte. Die Mitgliedstaaten verweigern eine Ausfuhrlizenz für militärische Technologie oder Ausrüstung, die bewaffnete Konflikte provozieren oder verlängern oder bestehende Spannungen oder Konflikte im Endbestimmungsland verschärfen würde."
Aber was sind schon Recht und Gesetz, wenn es um viel, sehr viel Geld geht? Die Ostsee-Zeitung bringt die westlichen Werte auf den Punkt:
"Der Auftrag ist umstritten, bringt aber viel Geld", 
und der heutige Bundespräsident und damalige Aussenminister der Bundesrepublik Deutschland, Frank-Walter Steinmeier, so berichtet die Ostsee-Zeitung,
"sprach sich erst am Mittwoch bei einem Treffen mit seinem saudischen Amtskollegen Adel Al-Dschubair für die Lieferung der insgesamt 48 Patrouillenboote aus",
wohl wissend, dass die "Politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern" in Abschnitt III. Sonstige (Länder), Absatz 5 unmissverständlich festlegt:
"Die Lieferung von Kriegswaffen und kriegswaffennahen sonstigen Rüstungsgütern wird nicht genehmigt in Länder,- die in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt sind oder wo eine solche droht,- in denen ein Ausbruch bewaffneter Auseinandersetzungen droht oder bestehende Spannungen und Konflikte durch den Export ausgelöst, aufrechterhalten oder verschärft würden.Lieferungen an Länder, die sich in bewaffneten äußeren Konflikten befinden oder bei denen eine Gefahr für den Ausbruch solcher Konflikte besteht, scheiden deshalb grundsätzlich aus, sofern nicht ein Fall des Artikels 51 der VN-Charta (regelt das Recht auf Selbstverteidigung eines jeden Staates) vorliegt."
Nichtsdestotrotz befeuert die Bundesregierung einen der schmutzigsten Kriege der Menschheitsgeschichte. Tagesschau.de am 22. Februar 2018:
"Die Bundesregierung hat im vergangenen Jahr Rüstungsexporte für rund 1,3 Milliarden Euro an die am Jemen-Krieg beteiligten Länder genehmigt. (…) Im Vergleich zu 2016 nahm der Umfang der Genehmigungen um neun Prozent zu. Der größte Teil der militärischen Ausrüstung ging an Ägypten (708 Millionen Euro), Saudi-Arabien (254 Millionen) und die Vereinigten Arabischen Emirate (214 Millionen)."
 Während also eine Koalition aus neun Ländern unter Führung Saudi-Arabiens vor den Augen der Welt eindeutig Völkermord begeht indem sie ein ganzes Volk hinmetzelt und systematisch verhungern lässt, liefert die Bundesrepublik Deutschland den Schlächtern das dazu benötigte Werkzeug. Und keine Hand rührt sich, kein Journalist empört sich und kein Politiker erhebt seine Stimme.

 Aber nicht nur die Bundesregierung bringt den Jemeniten auf drastische Art und Weise die "westlichen Werte" bei. Die selbsternannten Hüter der Menschenrechte, der Freiheit und Demokratie sind alle vertreten und liefern was immer gewünscht wird und gut und teuer ist.

 Bereits im Oktober 2015, also ca. ein halbes Jahr nachdem der Jemen von den Saudis überfallen wurde, veröffentlichte Amnesty International die Ergebnisse eigener Untersuchungen "‘BOMBS FALL FROM THE SKY DAY AND NIGHT’ CIVILIANS UNDER FIRE IN NORTHERN YEMEN" Darin schreibt die Organisation im Kapitel:
"THE BIGGEST KILLERS OF CIVILIANS IN THE CONFLICT":
"Die Intensität der explosiven Gewalt im Land hat dazu geführt, dass in Jemen in den ersten sieben Monaten des Jahres 2015 mehr Todesopfer und Verletzte durch explosive Waffen registriert wurden, als in jedem anderen Land der Welt. Die Mehrheit der gemeldeten Todesfälle und Verletzungen durch Zivilisten im Jemen vom 1. Januar bis zum 31. Juli 2015 (60 Prozent) wurde durch von der Luft abgeschossene explosive Waffen wie Raketen und große Flugzeugbomben verursacht."
 Die häufigsten bei der Untersuchung gefundenen Bomben, so schreibt Amnesty International seien die Bomben der MK80 Reihe aus US-amerikanischer Produktion. Aber auch Clusterbomben der Baureihen CBU 87 und CBU105 seien vermehrt gefunden worden.

 Clusterbomben zerplatzen kurz über dem Erdboden und setzen hunderte kleiner Profektile frei. Dabei ist es sehr häufig, dass ein Großteil dieser Minibomben nicht explodieren und noch Jahre später, etwa durch spielende Kinder zur Explosion gebracht werden und grausame Verletzungen hervorrufen. Eine einzige dieser Bomben kann ihre Bomblets auf einem Gebiet von 61.000 qm streuen.

 Seit 2008 sind Streubomben durch ein internationales Abkommen verboten. Die USA und Saudi-Arabien sind dem Abkommen allerdings nicht beigetreten.

 Anlässlich der Geberkonferenz der UN im April 2018 bezeichnete UN-Generalsekretär António Guterres den Krieg und seine Folgen als
"die weltweit schlimmste humanitäre Krise".
Wikipedia zitiert  Guterres:
"Seit Beginn der Intervention der sunnitischen Koalition seien ca. 10.000 Jemeniten getötet und 53.000 weitere verletzt worden. Drei Viertel der Bevölkerung (22,2 Mio. Menschen) seien auf Hilfsgüter-Lieferungen angewiesen, ca. 8,4 Mio. Menschen seien vom Hungertod bedroht und fast drei Mio. Kinder unter fünf Jahren unterernährt. Durch die im Jemen grassierende Cholera-Epidemie seien bislang mehr als 2000 Menschen gestorben, mehr als eine Million seien infiziert."
 Was, so mag man zurecht fragen, unterscheidet den Journalisten Jamal Khashoggi von den abertausenden toter Menschen im Jemen? Was macht ihn so viel besser, oder wichtiger, bedauernswerter, dass der Mord an ihm eine Welle der Empörung um die Welt schickt, während die gleiche Welt seit nunmehr dreieinhalb Jahren entspannt und mitleidlos zusieht, wie ein ganzes Volk, zugegeben armer Schlucker, aufs grausamste hingemordet wird?

 Der US-amerikanische Autor David William Pear spricht von "belanglosen Toten". In einer Übersetzung ins Deutsche schreibt Pear auf der Online-Plattform "Rubikon":
"Belanglose Opfer sind zum Beispiel die 50.000 jemenitischen Kinder, die verhungert sind, weil Saudi-Arabien eine Totalblockade gegen den Jemen verhängt hat – einschließlich eines Embargos für Essen, Wasser und Medizin. Belanglose Opfer „sind wohl selbst schuld“ und werden von der internationalen Gemeinschaft sowie den Mainstream-Medien ignoriert. Belanglose Opfer haben keine Menschenrechte. Der Jemen ist eine humanitäre Katastrophe, die deswegen ignoriert wird, weil Saudi-Arabien mit den USA befreundet ist.Wenn Saudi-Arabiens Mohammad bin Salman (MbS) in den USA hergestellte Bomben aus von den USA hergestellten Flugzeugen wirft und ohne Unterschied jemenitische Männer, Frauen und Kinder ermordet, hört man aus den USA keinen empörten Aufschrei. MbS ist der neue Liebling der Neokonservativen, und Thomas Friedman verfasst Lobeshymnen über ihn, als sei es wirklich cool, im 21. Jahrhundert ein absoluter Herrscher zu sein."
Ergänzen sie jedesmal die drei Buchstaben USA mit Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland, Kanada, Australien, westlich Werkgemeinschaft oder noch hochtrabender Weltgemeinschaft, dann haben sie die Erklärung. 

 Belanglose Opfer - wie Bauern auf einem Schachbrett. Mittel zum Zweck. Wer den Jemen besitzt, der herrscht über den Golf von Aden und mit der Meerenge von Bab al-Mandab den Zugang zum Roten Meer und damit über den Suez-Kanal, den kürzesten Weg von den Ölquellen der arabischen Halbinsel nach Europa.

 Ein ermordeter Journalist, da läßt es sich trefflich erregen - kostet ja nichts. Derweil unterschreiben die blutverschmierten Hände neue Lieferverträge für teures Mordwerkzeug an die Mörder mit den Ölquellen.

Kommentare:

  1. Statt Humanitäre Katastrophe sollte man schreiben: Gemeinschaftlich internationale Schwerstverbrechen!

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  2. Hungernde Männer, Frauen und Kinder - die sind in der selbsternannten dt. Qualitätspresse nur interessant, wenn es sich um Opfer im Sinne der westlichen Wertewelt handelt. Da spielen Hunger und Krankheiten in der jemenitischen Bevölkerung keine Rolle.

    Wenn aber Assad im Goebbels-Propaganda-Style ins Rampenlicht von Presse und Politik gerät, dann legen Politik und Presse gemeinsam los (Anmerkung: Assad wird nicht von mir verteidigt, ber im Zuge vn Skrupellosigkeit und des Über-Leichen-Gehens gibt es keine Un- terschiede zu Saudi-Arabien und dessen Unterstützern, hier vertreten durch dt. Politik u. Presse).

    Hier eine Presseauflistung zu Syrien (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
    - Der Tagesspiegel Online: Krieg in Syrien Wie Assad eine Region aushungert (11.2017)
    - Focus Online: Hunger in DamaskusKeine Versorgung: Syrer essen Gras, um zu überleben (11.2013)
    - Spiegel Online: Hunger in Syrien Das Versagen der Weltgemeinschaft (05.2016)
    - Zeit Online: Syrien: Hunger als Waffe (01.2016)
    - Welt Online: Hunger wird zu Assads effektivster Waffe (01.2014)

    Und unübertrefflich: das Demokratiefernsehen ZDF mit Claus Kleber: "Der vergessene Krieg im Jemen"

    Und was was zu hören von
    - Bundeskanzlerin Merkel?
    - Aussenminister Steinmeier?
    - Aussenminister Maas?
    - Bundespräsident Gauck?
    - Bundespräsident Steinmeier?
    In diesen elitären Kreisen spielen Millionen von Kriegsopfern im Jemen keine Rolle. Noch nicht einmal Kinder, welche von Hunger und Krankheiten betroffen sind, lösen hier Reak- tionen aus.

    Die WESTLICHE WERTEWELT hat ihre eigenen Maßstäbe.

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