Dienstag, 24. April 2012

Die unsoziale Sparpolitik und die wahren Herren der Welt

 Die Sparpolitik in Europa treibt die demokratisch gewählten Regierungen, egal ob links oder rechts, ob konservativ, liberal, sozialdemokratisch oder sozialistisch, reihenweise aus dem Amt. In Slowenien, der Slowakei, in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal, Irland und jetzt den Niederlanden sind die Regierungen bereits gescheitert, beziehungsweise schon neue Regierungen im Amt.

 In Tschechien brach die Regierung ebenfalls, nach massiven Bürgerprotesten am Wochenende, zu einer Protestdemonstration in Prag kamen 120.000 Menschen zusammen, auseinander. Dort bemüht man sich krampfhaft eine neue Koalition auf die Beine zu stellen, um Neuwahlen, bei der die jetzt regierenden rechtskonservativen Parteien eine dramatische Niederlage erleiden würde, zu verhindern.

 In Frankreich sieht es nach der Präsidentenwahl am letzten Sonntag ebenfalls nach einem Sieg der, seit Mitterand, oppositionellen Sozialisten aus. Allerdings haben hier auch die Rechtspopulisten Marine Le Pens das beste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren.

 Ein Phänomen, das sich in fast ganz Europa beobachten lässt, die rechstpopulistischen Strömungen sind überall auf dem Vormarsch. Selbst in früher so liberalen Nationen wie den skandinavischen Länder oder den Niederlanden bestimmen immer mehr Rechtspopulisten mit ihren nationalistischen und menschenverachtenden Ansichten das politische Leben. Die Menschen sehen, dass etwas falsch läuft in ihren Ländern und in Europa. Sie geben der Politik die Schuld und greifen nach den einfachen „Lösungen“, Fremdenhass, Nationalismus und Rassismus.

 Aber die Leute sehen auch ihre Machtlosigkeit. Sie verstehen langsam, dass die Demokratie, die ihnen jahrelang vorgegaukelt wurde, dieses „alle Macht geht vom Volke aus“ nichts mehr ist als eine hohle Phrase. Die Macht geht, wenn sie das überhaupt jemals getan hat, schon lange nicht mehr vom Volke aus. Die Macht haben auch die so souverän und selbstverliebt daherkommenden Politiker längst nicht mehr. Die wirkliche Macht haben die Herren der Finanzwelt.

 Sie bestimmen, ganz undemokratisch, was für die Welt am besten ist. In dieser weltweit vernetzten Welt gilt nur eins, der Profit, die Mehrung des eigenen Geldvermögens. Das nimmt so irrationale Formen an, dass dort in Summen gedacht wird, die für normale Menschen unvorstellbar sind. Summen mit denen niemand etwas mehr anfangen kann. Geld als Mittel zum Zweck des Handels, des Lebensunterhalts, ja des Erwerbs von selbst überbordendem Luxus’ erfüllt noch einen gewissen Zweck. Die Geldsummen von denen wir hier sprechen, sind völlig sinnfrei, sie sind nur noch Selbstzweck.

 Selbst Summen, die unsere Manager verdienen, die aber im Verhältnis zu den Einkommen der wirklich Reichen dieser Welt eher Peanuts gleichen, sind doch schon absolut ohne irgendeinen realen Nutzen. VW-Chef Martin  Winterkorn verdiente im letzten Jahr 16,6 Millionen Euro, Deutsche Bank-Cef Josef Ackermann 9,4 Millionen und Siemens-Chef Peter Löscher 8,7 Millionen, Dienstwagen, Privatflugzeug, Fahrer, Pilot, persönlicher Assistent und Dienstvilla selbstverständlich nicht mitgerechnet. Dazu kommen noch Rentenanwartschaften von 19,7 Millionen Euro bei Winterkorn, 18,8 Millionen bei Ackermann und 12,8 Millionen bei Siemens’ Löscher. Geldsummen, die kein Mensch auch nur annähernd ausgeben kann.

 Dem gegenüber stehen ein striktes Spargebot, dass die Finanzwelt den Staaten und deren Bevölkerung aufoktroiert. Dieses Spargebot wird mit dem weltweiten Wettbewerb begründet und mit den „Märkten“, die das halt verlangen. Dabei wird so getan, als seien das naturgegebene Gesetzmässigkeiten.

 Aber was sind das für „Märkte“? Hier wird nicht mehr mit Warengehandelt, hier werden keine realen Werte geschaffen, hier wird Geld mit Geld verdient. Sie sind absolut wertfrei und nutzen letzten Endes keinem, nicht einmal den grossen Gewinnern. Die so genannten Gesetzmässigkeiten sind von Menschen erdacht und geschaffen worden. Sie haben mit der normalen Volkswirtschaft, weder des Adam Smith noch des John Maynard Keynes, nicht mehr das geringste zu tun.

 Wenn die „Märkte“ und „Gesetzmässigkeiten“ aber von Menschen geschaffen wurden, dann müssten sie auch von Menschen wieder rückgängig gemacht werden können. Wenn ganze Volkswirtschaften in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden, wenn Nationen dazu nichts anderes übrig bleibt, als ihre Bevölkerung in Armut und Not zu treiben, dann kann mit diesem System doch etwas nicht stimmen und dann muss es geändert werden. Aber nichts geschieht.

 Im Gegenteil, wenn, wie in Frankreich, die Menschen sich eine andere Regierung geben wollen, die nicht ganz so rigoros die irren Forderungen der Finanzwelt umzusetzen droht, dann werden sofort die Bluthunde los gelassen. Die Börse bricht ein und Frankreich wird mit einer Herabwertung im internationalen Kreditranking gedroht. Eine Europaweite Krise wird heraufbeschworen. Den Menschen wird Angst gemacht, sodass sie ihre Entscheidung möglichst bei der fälligen Stichwahl revidieren.

 Sollten Länder gar ganz versuchen, sich diesen „Gesetzmässigkeiten“ zu entziehen, oder aber sogar mit dem Aufbau einer anderen, gerechteren Welt des Geldes drohen, dann kennen die Herren der Welt gar keinen Spass mehr. Nach dem fruchtlosen Versuch diese Nationen mit wirtschaftlichen Sanktionen zur Räson zu bringen, werden sie dann ganz archaisch durch Bomben und Granaten körperlich vernichtet. Die Beispiele hierfür sind zahllos. Angefangen in Südostasien, Vietnam, Kambodscha, über Lateinamerika, Nicaragua, Pananama, Chile, Afrika, Angola, Kongo, Libyen bis in die Mitte Europas mit der Zerschlagung Jugoslawiens, lassen sich zig Beispiele benennen.

 Demokratie und Freiheit, so wie sie auch unser neuer Bundespräsident, Joachim Gauck versteht, ohne die Macht über die finanzwelt, gleicht einer sehr starken Valium, stellt ruhig und verhindert das sich die Menschen wehren und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Kommentare:

  1. Es ist nicht nur das Valium von Demokratie und Freiheit, das hier wirkt.
    Gier frisst Hirn: das Heroin, erzeugt aus dem schnellen Geld- und Machtgewinn wirkt noch viel stärker in den Adern unserer Bankster und Politiker. Freiwillig werden sie niemals mehr davon lassen.

    Der Strassen-Junkie schädigt nur seine unmittelbare Umgebung, der Finanz und Machtjunkie schädigt die ganze Welt, millionenfach!

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  2. Nebenbei bemerkt: bitte beachten, dass unser Nachbarland nicht "Tschechei" heißt - und was die Tschechen mit diesem Begriff assoziieren...

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    1. Vielen Dank für den Hinweis, habe meinen Fehler gleich berichtigt.

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  3. Kann dem Artkel größtenteils zustimmen, aber waren einige der genannten Länder wie etwa Kambodscha nicht Diktaturen, die ihre eigene Bevölkerung gefoltert und umgebracht haben?

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    1. unächst einmal möchte ich sagen, dass ich grundsächlich der Meinung bin, dass es nicht möglich ist einen Krieg gegen eine Diktatur zu führen, ohne dass die unter dieser Diktatur leidenden Menschen durch die kriegerischen Handlungen noch mehr leiden.
      Unbeteiligte werden umgebracht und verkrüppelt. Die Infrastruktur eines Landes wird zerstört. Es gibt kein sauberes Trinkwasser, Nahrung und Medikamente können wegen der zerstörten Verkehrswege nicht zu den Menschen gebracht werden. Krankheiten und Seuchen sind die Folge.
      Die Greuel der Roten Khmer, die Sie ansprechen wären ohne den unheilvollen Einfluss und den unerklärten Krieg der USA gegen Kambodscha gar nicht denkbar gewesen. Nach der Befreiung Indochinas von der französischen Kolonialherrschaft war Prinz Norodom Sihanouk Staatspräsident Kambodschas. Er versuchte sein Land durch eine Politik der Neutralität aus dem Vietnamkrieg herauszuhalten. Die Amerikaner wollten diese Neutralität nicht akzeptieren. Sie bombadierten zunächst zwar nur den Osten Kambodschas, liessen dann aber Sihanouk durch einen Militärputsch unter dem General Lon Nol stürzen. Sihanouk flüchtete nach China und verbündete sich dort mit den Roten Khmer. 1975, nach einem blutigen Bürgerkrieg übernahmen die Roten Khmer in Kambodscha die Macht. 1976 wurde Sihanouk unter Hausarrest gestellt. Der Mörder Pol Pot wurde Ministerpräsident.

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