Mittwoch, 6. Mai 2015

ARD-Film "Todesflug MH 17" eine journalistische Bankrotterklärung

 Vor gut einer Woche, am Montag den 27. April, sendete die ARD, gut versteckt, um 23.00 Uhr, die Dokumentation "Todesflug MH 17" mit dem Untertitel "Warum mussten 298 Menschen sterben?" Dem Zuschauer wurde schon durch die Wahl des Untertitels suggeriert, die ARD habe neue Erkenntnisse zu jenem tragischen Ereignis am 17. Juli 2014 über der Ostukraine.
"Bis heute ist nicht klar, wer die Schuldigen sind. Stattdessen tobt ein Propagandakrieg. Wir wollen herausfinden: Wer trägt die Verantwortung für diese Katastrophe?"
 Leider lieferte die ARD dann nur Altbekanntes, verpackt zwischen Schilderungen von Hinterbliebenen der Opfer der Flugzeugkatastrophe. Wenn die ARD die Witwe des Flugkapitäns der MH 17 vor die Kamera zerrt, damit sie schildert, dass ihr Mann nach seiner Heimkehr den Geburtstag seines Sohnes mit der gesamten Familie nachfeiern wollte, dann dient das nicht der Aufklärung der Ereignisse vom 17. Juli 2014, sondern nur dem Voyeurismus bestimmter Zuschauerkreise.

 Was aber hat die ARD an Fakten und neuen Erkenntnissen zu bieten? Die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt beantwortet die Frage ganz zu Anfang des Beitrages selbst. Eine Stimme aus dem Off erklärt:
"Schon wenige Stunden nach dem Absturz gibt es erste Indizien. Aber es sind Geheimdienste, die diese Hinweise liefern. Mitarbeiter des ukrainischen Nachrichtendienstes verbreiten Fotos und Videos im Internet."
Dazu zeigt die Kamera einen USB-Stick, sinnigerweise in den Nationalfarben der Ukraine, Blau -Gelb; reine Effekthascherei.

Screenshot ARD

Die Stimme fährt fort:
 "Zu sehen ist ein Raketenwerfer. Ein sogenanntes Buk-System. Damit soll MH 17 angeblich abgeschossen worden sein, von prorussischen Separatisten, das sagt die ukrainische Regierung."
 Zu sehen gibt es das altbekannte Video mit den unscharfen, viel zu dunklen Bildern eines mit einer Plane nur unzureichend abgedeckten Raketenwerfers auf einem, nicht zum Militär gehörenden, Tieflader. Bilder, die man uns gleich zweimal hintereinander zeigt. Einmal, abgefilmt von einem Bildschirm mit einer Person im Vordergrund, die sich das Video scheinbar ansieht und einmal im bekannten Original. Diese Wiederholung hat wohl zwei Gründe: 1. haben die Macher des Films scheinbar zu wenig verwertbares Filmmaterial für einen 45-Minuten Film, auch der USB-Stick in den ukrainischen Nationalfarben lässt darauf schliessen, und 2. hat ständiges Wiederholen beim Zuschauer den Effekt, dass er das Gesehene schliesslich für unumstössliche Wahrheit hält.

Screenshot ARd
„Wenn ich die Information über den Raketenwerfer in der Region nicht veröffentlicht hätte, glauben sie mir, innerhalb weniger Stunden hätte die russische Propaganda gesagt, dass ukrainische Soldaten das Flugzeug abgeschossen haben.“
 Der das sagt, ist der, hier heisst es, ehemalige Berater (der Spiegel sieht ihn noch am 17. April 2015 in Amt und Würden) im Innenministerium der Ukraine, und enge Vertraute des Innenministers, Arsen Awakow, Anton Geraschenko.

 Sowohl Innenminister Awakow, als auch seinem engen Vertrauten Geraschenko werden enge Verbindungen zum rechtsradikalen Lager in der Ukraine nachgesagt. So sollen die Beiden dem Vorsitzenden  der Vereinigung "Patriot der ukraine/Sozial-nationale Versammlung" eines der Gründungsmitglieder des "Rechten Sektors", Andriy Biletsky, zu einem Mandat im Parlament der Ukraine verholfen haben. Biletsky ist ausserdem einer der Kommandeure des Bataillons Asow, dass dem Innenministerium untersteht und mehrfach durch das Führen rechtsradikaler und faschistischer Abzeichen und Symbole aufgefallen ist.

Screenshot ARD

 Auch bei den jüngsten Morden an dem ehemaligen Mitglied der Partei der Regionen, Kalaschnikow und dem Journalisten Oles Busina spielt Geraschenko eine zwielichtige, undurchsichtige Rolle. Auf der Internetseite "Peacekeeper" veröffentlichte ein Autor unter dem Pseudonym "404" kurz vor den Morden etwa 9.000 Namen mit Adressen, Telefon- und zum Teil Handynummern von sogenannten Volksfeinden. Beide, Busina und Kalaschnikow standen auf dieser Liste. In ihrem Bekennerschreiben  behaupteten die Mörder laut Spiegel-online sie hätten
"Agent 404 für die erfolgreiche Ausführung eines Auftrags ein wertvolles Geschenk ausgehändigt".
 Die Internetseite "Peacekeeper" ist auf Geraschenko angemeldet. Der gleiche Geraschenko, der von Innenminister Awakow mit der Aufklärung der Morde beauftragt wurde. Pflichtschuldigst meldet dieser denn auch bereits wenige Stunden nach der letzten Bluttat an Busina, laut Die Welt:
"...die Mordfälle Busina und Kalaschnikow seien miteinander verbunden, und zwar durch den Anti-Maidan, eine Gegenveranstaltung zum proeuropäischen Maidan, die von 2013 bis 2014 stattfand. Die beiden Opfer hätten zu diesem Fall in Kürze vor Gericht aussagen müssen. Es ginge dabei womöglich um die "Beseitigung von Zeugen", stellte Geraschtschenko in einer Meldung klar. Kalaschnikow galt als Organisator und Sponsor der Anti-Maidan-Aktionen. Als weitere Gründe für seine Ermordung ziehen Ermittler seine Geschäftsinteressen oder private Beziehungen in Betracht."
 Wer, wie der Titel vermuten lässt, sich die Aufgabe stellt aufzuklären wie und warum die 298 Menschen des Fluges MH 17 umkamen, der muss doch bereits an dieser Stelle die Frage stellen: Woher hat das ukrainische Innenministerium zu diesem frühen Zeitpunkt das gezeigte Videomaterial? Der Innenminister Awakow nennt selbst die Uhrzeit 4.50 Uhr, des auf den, dem Abschuss folgenden Tages, den 18. Juli. Wer allerdings diese Frage stellt, der muss auch andere Fragen stellen. Und die würden dieses Video, dass den Befürwortern der These die Separatisten, oder gar russische Soldaten hätten Flug MH 17 mit einer BUK-Rakete abgeschossen, als einer der Hauptindizien ihrer These gilt, doch sehr fragwürdig erscheinen lassen.

 Awakow brüstet sich das Video sei im Rahmen einer polizeilichen Überwachungsaktion entstanden, und zwar in Krasnodon, nahe der russischen Grenze. Das ist eine glatte Lüge. Das Video zeigt eine Kreuzung in Luhansk. diese Tatsache wird mittlerweile von allen Parteien anerkannt, auch vom ukrainischen Innenministerium.

bearbeiteter Screenshot Google maps

 Diese Kreuzung liegt etwa 1 Kilometer entfernt von der immer wieder behaupteten Fahrtroute des Tiefladers auf der N 21 von der Stadt Snizhne im Süden des Rebellengebietes nach Luhansk. Ausserdem befand sich das Gebiet Luhansks, in dem die Strassenkreuzung liegt, ausweislich einer von der Ukraine selbst herausgegebenen Karte des Frontverlaufs am 17. Juli, in der Hand der ukrainischen Streitkräfte. Warum war der Tieflader so weit entfernt von seiner angeblichen Route? Warum befand er sich nicht im Rebellengebiet?

https://humanrightsinvestigations.files.wordpress.com/2014/08/luhansk-buk1.jpg
 Wenn das Video durch Mitarbeiter des ukrainischen Innenministeriums gemacht wurde, dann muss die Ukraine über die Fahrtroute des Tiefladers informiert gewesen sein. Entweder man kannte die Route, weil man über die ganze Aktion informiert war, oder der Fahrer des LKWs wurde zu der Stelle dirigiert an der das Video gedreht wurde.

 Der ganze, von der ARD so großsprecherisch als Ergebnis aufwendiger Ermittlungen des Recherchenetzwerkes aus NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, angekündigte Beitrag bringt eigentlich nichts Neues. Er stützt sich wie alle bisherigen Berichte über die MH 17, von Spiegel bis hin zu CORRECT!V auf die Veröffentlichungen der britischen Internetseite Bellinigcat. Alle anderen Hypothesen oder Untersuchungen werden weder gar nicht erwähnt oder als unrealistisch abgetan.

 So wird die These der Russen, die MH 17 sei durch einen ukrainischen Jet vom Type Su 25  abgeschossen worden mit dem lapidaren Hinweis abgetan:
"Zwar kann die Su 25, wie das russische Fernsehen unlängst demonstrierte auch kurzfristig auf die Flughöhe einer Passagiermaschine steigen, aber sie kann dort nicht schiessen ohne selbst abzustürzen."
Warum das so ist bleibt der Schar der Zuschauer verborgen. Stattdessen präsentiert die ARD als Kronzeugen den Chefkonstrukteur der SU 25, Wladimir Babak
"einer der es wissen muss",
der allerdings gar nicht auf die Konstruktionsmerkmale der Su 25 eingeht. Babak sagt lediglich:
"Für einen tieffliegenden Kampfjet ist es unmöglich eine Boeing auf einer Höhe von 10 - 11 km Höhe abzuschiessen."
 Verschwiegen wird dabei die Tatsache, dass die ukrainische Luftwaffe über einen modifizierten Typ der Su 25, die Su 25 M1 verfügt, die ausser einigen anderen Änderungen auch über die Triebwerke mit der Bezeichnung R 195 der SU 39 verfügt, und somit eine Dienstflughöhe von 10.000 m erreicht.

Auch wird der höchst lesenswerte Bericht des Chefs einer Kommission russischer Wissenschaftler, Iwan Andrijewski, als russische Propaganda abgetan.

 Die Autoren stützen ihre Argumentation einzig und allein auf die, Monate nach dem Ereignis erschienen, Untersuchungen von Bellingcat. Die Leute aus London haben in mühsamer Kleinarbeit aus Bildern und Videos im Internet eine angebliche Beweiskette zusammengebastelt für die Hypothese, russische Soldaten hätten vom Gebiet der ukrainischen Separatisten die Boeing 777 der malaisischen Airline mit einer BUK-Rakete vom Himmel geholt.

 Bei der Überlegung welche Beweiskraft die Bellingcat-Untersuchungen haben, sollten ein paar grundlegende Tatsachen nicht aus den Augen verloren werden. Das Netz ist voller Fälschungen und Manipulationen. Die Quellen auf die Bellingcat sich stützt sind zum größten Teil unscharfe und verwackelte Videos mit äusserst geringer Auflösung.

Schon am 22. Juli gibt die US-Regierung eine Stellungnahme heraus, in der sie den Abschussort einer Buk-Rakete, die die MH 17 abgeschossen haben soll, vorgibt: Snizhne.

Screenshot ARD
 Einmal angenommen, die Aufgabe wäre gewesen, diese Behauptung der US-amerikanischen Regierung mit Belegen zu unterfüttern, was wäre leichter gewesen für die internationalen Geheimdienste, diese Belege ins Netz zu stellen, damit Bellingcat daraus eine Indizienkette bastelt.

 Wie fehlerhaft die angeblichen Beweise sind und wie dankbar sie von den Autoren aufgegriffen werden, ohne auch nur einer minimalen Überprüfung zu unterzogen zu werden, dafür hier zwei kleine Beispiele:

Grabowe, der Ort des Absturzes, 28. Februar 2015, es sind über sieben Monate vergangen seit dem Abschuss der MH 17. Ein  Sprecher aus dem Off klärt uns auf:
"Die Absturzstelle heute: Klar ist, die BUK fuhr durch das Separatistengebiet. Aber wurde sie auch von hier aus abgefeuert? Nur dann könnte den Separatisten Schuld nachgewiesen werden. Gibt es dafür Zeugen?"
 Wir begeben uns auf Spurensuche, auf die Route des BUK-Raketenwerfers und tatsächlich finden wir Anwohner, die uns vom Tag des Abschusses berichten. Vom ohrenbetäubenden Lärm, wie er für eine BUK typisch ist. Aus Angst wollen sie nicht erkannt werden."
Screenshot ARD


LKW-Fahrer bei 25:45 min. des Films:
"Es gab einen Knall. Man hat wohl aus der Richtung von Stepanowa geschossen. Man hörte einen Knall und dann ein Gezische,"
Der Mann ahmt ein Zischgeräusch nach:
"dann noch einen Knall im Himmel und dann gab es eine Explosion."
 Ist beim Sprecher noch von einem "ohrenbetäubenden Lärm" die Rede, so spricht der Mann von einem Knall und danach von einem Zischen, danach von einem zweiten Knall und danach von einer Explosion. Diese Aussge deutet eher auf den Abschuss einer Artilleriegranate hin. Eine Rakete erzeugt, da sie einen eigenen Antrieb, den Raketenmotor hat, während ihres gesamten Fluges gleichmässigen nur mit zunehmender Entfernung kontinuierlich abnehmenden Lärm.

 Eine Artilleriegranate hingegen besitzt keinen eigenen Antrieb. Sie wird durch die Treibladung beim Abschuss einmalig beschleunigt und erzeugt daher nur einen Zischlaut während ihres Flugs. Erst beim Auftreffen auf ihr Ziel gibt es erneut einen lauten Knall und eine Explosion. Da aber ein Flugzeug in 10.000 Meter Höhe keinesfalls mit einem Artilleriegeschoss vom Himmel geholt werden kann, muss der Mann sich irren, immerhin sind über sieben Monate vergangen. Sieben Monate voller Gefechtslärm. Oder er will dem Kamerateam, das die weite Reise aus Deutschland bis in sein Dorf gemacht hat, einen Gefallen tun und erzählt was die Fremden hören wollen. Das einzige was er kennt, sind die Geräusche von Artilleriefeuer und davon berichtet er.

 Der zweite Knall, von dem der Mann berichtet, soll wohl den Aufschlag der Rakete auf das Flugzeug illustrieren, der Explosionslärm das zerbersten des Flugzeuges. Auch hier wird deutlich, dass der Zeuge von etwas vollkommen anderem berichtet, oder den Abschuss eines Flugzeuges so schildert, wie er ihn sich in seiner Fantasie vorstellt. Die Explosion der Rakete und danach das Auseinanderbersten des Flugzeuges haben in einer Höhe von 10 Kilometern stattgefunden, mehrere Kilometer entfernt vom Standpunkt des Mannes. Bei ihm angekommen sein kann keinesfalls ein "Knall im Himmel" und danach ein Expolsiongeräusch. Bestenfalls ein dumpfes Grollen, wie der Donner bei einem weiter entfernten Gewitter kann der Mann gehört haben.

 Auch der zweite Zeuge berichtet wohl eher von einem Schuss als von dem Abfeuern einer Rakete.
Anwohner 26:00:
"Ich habe einen Knall gehört. Und dann habe ich mit den Jungs dahinten gesprochen. Der eine hat gesagt, dass hier am Himmel ein weisser Streifen zu sehen war. Und dann sah man dahinten Rauch."
 Auch hier kein länger andauernder "ohrenbetäubender Lärm", der die Tassen und Gläser im Schrank zum wackeln bringt, vergleichbar mit einem tieffliegenden Düsenflugzeug. Wieder wird nur von einem Knall berichtet. Aber dieser Zeuge erscheint dem Team anscheinend wichtig, weil er von einem weissen Streifen am Himmel berichtet, den er allerdings nicht selbst gesehen hat, von dem ihm nur berichtet wurde. Auch hier ist die Frage erinnert sich der Mann wirklich, oder fügt sich da in der Erinnerung eigenes Erleben mit hundertmal gesehenen Bildern, von Berichten und von suggestiv gestellten Fragen zu einem neuen Bild zusammen, dass es in der Realität so nie gegeben hat?

 Dieser Streifen ist dann aber prompt der nächste Punkt in der angeblichen Beweisführung. Eliot Higgins von Bellingcat im fernen London:

Screenshot ARD

"Es wurde viel darüber geredet, dass es keine Bilder vom Abschuss der Rakete gibt. aber es gab andere Fotos, die online verbreitet wurden. Ein sehr wichtiges zeigt eine Rauchsäule."
 Das Bild zeigt in der Tat eine weisse Rauchsäule, allerdings schon etwas von den Luftbewegungen auseinander getrieben. Aber ein Foto kann nicht zeigen, ob die Rauchsäule senkrecht in den Himmel ragt, oder eine ballistische Kurve beschreibt, wie das etwa bei einem Raketenabschuss der Fall wäre. Einem Foto fehlt die dritte Dimension, um eine genaue Bestimmung zuzulassen.

Der Sprecher aus dem Off fährt fort:
"Wir finden auch den Ort von dem aus dieses Foto geschossen wurde",
die Kamera zeigt uns einen tristen Wohnblock,

Screenshot ARD
"und wir folgen der Spur der Rauchsäule. Sie führt in den Süden der Stadt Snizhne  heute dort ein streng bewachter Checkpoint der Separatisten. Viele Indizien sprechen dafür: Die Rakete wurde von hier aus abgefeuert, von diesem Feld,"
die Hintergrundmusik bricht ab es folgt ein lauter, Paukenschlag, eine kurze Pause und darauf ein weiterer, finaler Paukenschlag,
"eindeutig Separatistengebiet."
 Ist es schon nahezu unmöglich anhand eines Fotos mit ein paar weissen Rauchwölkchen darauf, sicher auf einen offenbar schon einige Zeit zurückliegenden Raketenabschuss zu schliessen, so bedarf  es geradezu überirdischer Sinne um anhand diesen Fotos auch Aufnahmestandpunkt und Abschussort der Rakete zu bestimmen.

 Wer schon einmal eine Wattwanderung gemacht hat, der wird wissen, dass es einfach unmöglich ist, die Entfernung zu einem bestimmten Punkt am Horizont zu berechnen. Ein solcher Punkt ist nur zu bestimmen, indem man ihn von zwei weit voneinander entfernten Messpunkten aus, anpeilt und aus dem Schnittpunkt der beiden Linien die Entfernung errechnet. Das Fernsehteam will den Abschusspunkt aber nur durch ein Foto identifiziert haben, von dem sie nicht einmal wissen welche Brennweite das Objektiv der Kamera hatte. Das ist ausgemachter Blödsinn.

 Genau solch ein Blödsinn ist die Bestimmung des Kamerastandpunktes. Ohne präzise Angaben des Fotografen gestaltet sich die Suche komplizierter und aussichtsloser als das Suchen nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Man möge sich einmal vorstellen, wie das Team mit dem Ausdruck des Fotos durch die Gegend gefahren ist, bis sie konkret die Details des Fotos mit dem Blick in Übereinstimmung gebracht haben, einschliesslich Perspektive und wiederum der Brennweite des Aufnahmeobjektives.

Screenshot ARD

Trotzdem wollen sie konkret den Abschussort ausgemacht haben: ein Checkpoint der Separatisten, natürlich streng bewacht.

 Abgesehen von all diesen Überlegungen kann es sich bei dem Foto nur um eine Fälschung handeln. Das zeigt wie fehlerhaft die Bellingcat-Untersuchungen sind. Laut Wetterarchiv herrschte am 17. Juli 2014 im Absturzgebiet dichte Bewölkung. Um das Bild, dass einen strahlendblauen Himmel zeigt als Fälschung zu enttarnen hätten die Macher des Films allerdings nur in ihrem eigenen Archiv, dem der Tagesschau nachsehen brauchen. In ihrer Sendung um 20.00 Uhr vom 17. Juli 2014 präsentiert die Tagesschau Bilder von der Absturzstelle, die einen bewölkten Himmel zeigen.

Screenshot Tagesschau 17.07.2014 200.00 Uhr
Ausgehend von dieser Tatsache kann man die Richtigkeit aller Fotos des gleichen Tages die Bellingcat präsentiert um den Weg des BUK-Werfers von Donezk bis Snizhne zu dokumentieren, zumindest, in Frage stellen. Alle Fotos zeigen strahlenden Sonnenschein.

 Eine andere Frage tut sich auf wenn man sich etwas näher mit den technischen Gegebenheiten eines BUK-Systems befasst. Dieses besteht nämlich nicht nur aus dem Raketenwerfer, den uns Bellingcat immer wieder zeigt, sondern aus drei Fahrzeugen, dem Radar-, dem Kommando- und dem eigentlichen Raketen-Startfahrzeug. Ohne Radar- und Kommandoeinheit ist der Raketenwerfer nicht mehr als eine übergroße Feuerwerksrakete.

 Auf dem Radarfahrzeug ist ein Suchradar montiert, dass das Ziel erfasst und die Daten an das Kommandofahrzeug übermittelt. Dort werden die Daten ausgewertet und die Zielkoordinaten und weitere Daten an die Feuerstation übermittelt. Erst mit Hilfe dieser Daten ist der Raketenwerfer in der Lage einen gezielten Schuss abzugeben. Die Rakete wird jetzt vom Feuerleitradar, das auf dem Raketenwerfer angebracht ist, praktisch wie auf einem Lichtstrahl der das Zielobjekt anstrahlt, ins Ziel geleitet. Hat dieses Feuerleitradar keine Zielvorgaben, kann es logischerweise die Rakete nicht steuern.

 Bei Bellingcat und auch in dem Fernsehbeitrag spielen das Radar- und das Kommandofahrzeug überhaupt keine Rolle. Sie werden nicht ein einziges Mal erwähnt oder gar auf Bildern oder Videos auf ihrem Weg zum Einsatzort gezeigt. Ganz im Gegenteil. Die Tatsache, das der Raketenwerfer überhaupt kein Ziel auffassen kann, wird nicht nur verschwiegen. Die Zuschauer werden absichtlich getäuscht, obwohl anscheinend unbemerkt, in einer kurzen Sequenz ab etwa 27.18 min. das Radarfahrzeug auf Archivaufnahmen sogar in dem Beitrag gezeigt wird:

Links im Bild Radarfahrzeug einer BUK-Einheit
Screenshot ARD: Todesflug MH 17
"In dem Raketenwerfer sieht man etwas auf dem Radarschirm. Das ist das Ziel. das Signal gibt keinen Hinweis darauf, ob es sich um ein Zivilflugzeug handelt. Man sieht also das Ziel. Es kommt auf einen zu und man hat extrem wenig Zeit um zu reagieren. man muss es sofort identifizieren als feindliches Ziel. das will ich abschiessen. Dann muss man reagieren und den Knopf drücken",
erklärt Siemon Wezeman, der uns als BUK-Experte vom Institut Sipri vorgestellt wird. Folgt man dem "BUK-Experten", so ist das Abschiessen eines Flugzeuges mit dem BUK-System so einfach wie ein Computerspiel. Erklärlich und plausibel für Menschen, die einen grossen Teil ihrer Freizeit damit verbringen an Computern und Spielekonsolen Ballerspiel zu spielen und die ihr Wissen über Krieg und Gewalt aus amerikanische Actionfilmen beziehen.

 Es gibt allerdings noch mehrere unbeantwortete Fragen. Bellingcat, und die ARD schliesst sich dieser Meinung an, hat mit viel Aufwand einen ganz bestimmten Raketenwerfer als Tatwaffe ausfindig gemacht. Das Fahrzeug ist so auffällig, dass die Russen es feurwehrrot hätten lakieren können, es wäre nicht weniger auffällig gewesen. Es trägt die Nummer 3-2. Die mittlere Zahl fehlt zum großen Teil, lässt sich aber als 1 rekonstruieren. Also hat das Fahrzeug die Kennnummer 312.

 Dieses Fahrzeug, so Bellingcat befand sich in einer Kolonne von Militärfahrzeugen, die sich im Juni auf dem Weg von Kursk nach Rostow befand, wo sie am 25. Juni zu einer Militärübung eintraf. In der ARD wird fälschlich behauptet:
"Der Konvoi bewegt sich Richtung ukrainische Grenze."
Irgendwann danach so spekulieren die Briten, muss sich dann das Fahrzeug mit der beschädigten Nummer auf den Weg nach Donezk gemacht haben. Belege dafür gibt es nicht. Während das Untersuchungsteam für die Fahrt von Kursk nach Rostow 14 Video- und Bildquellen benennen kann. Das stört aber niemanden weiter. Ab jetzt ist der Raketenwerfer Eigentum der Russen. Die ARD lässt Elliot Higgins vom Bellingcat-Team die Schlussfolgerung verkünden:
"Dieser Raketenwerfer stammt von der 53. Luftabwehrbrigade. Es ist ein russisches Fahrzeug. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass russisches Militär damit operiert hat. Es würde mich sehr wundern, wenn sie bis zur Grenze damit gefahren wären und es einer Horde Bauern übergeben hätten um damit etwas abzuschiessen."
 In Donezk taucht das Fahrzeug mit der beschädigten Nummer 312 dann erst wieder am 17. Juli, dem Tag des Abschusses von MH 17, auf. Fast einenganzen Monat nachseinm Abtauchen am 25. Juni bei Rostow. Es ist angeblich auf einem Bild zu sehen, dass Paris Match - Reporter gemacht haben wollen. Die französische Zeitung lässt sich viel Zeit mit der Veröffentlichung ihres Sensationsfundes. Erst über eine Woche später, am 25 Juli, zeigt das Blatt das unscharfe Foto der Weltöffentlichkeit.

 Von Donezk bis Snizhne wird die Fahrt des Raketenwerfers nun wieder fast lückenlos durch Videos und Bilder im Internet dokumentiert. Nur vom Abschuss der Rakete, von deren Kondensstreifen am Himmel, von der Explosion des Flugzeuges, - kein einziges Bild, kein Film. Der Abschuss einer BUK so nah an einer Kleinstadt müsste von tausenden Menschen beobachtet und sicher einige zigmal mit Handys fotografiert oder gefilmt worden sein. Aber nicht eineinziges Film- oder Videodokument taucht auf, im Worldwide Web.

 Merkwürdig auch, dass die Russen ihr kostbares Fahrzeug auf einem Tieflader, gestohlen von "einer Horde Bauern" über etliche Kilometer durchs Land kutschieren lassen. Und wo ist die Besatzung, immerhin vier Mann, der Kommandeur, sein Vize, der Schütze und der Fahrer? In der Kabine des Tiefladers haben sie keinen Platz.

 Nach dem umdokumentierten Abschuss der Rakete verschwindet das Fahrzeug dann wieder spurlos vom Erdboden, bis es um mehr als einen Kilometer von seiner Fahrtroute abgekommen, auf dem Territorium der Ukraine wieder auftaucht, am frühen Morgen des 18 Juli. Wo ist das Fahrzeug in den 12 Stunden seit dem Abschuss gewesen?

 Das Fazit über diesen Film zieht der Vater eines der Opfer von Flug MH 17, Wim van der Graaf:
"Ich habe Angst, dass wir am Ende mit einer perfekt konstruierten Geschichte abgespeist werden, von der wir dann annehmen müssen, dass es so gelaufen ist, ohne das wir überprüfen können, ob diese Geschichte, die wir aufgetischt bekommen, der Wahrheit entspricht. Daher rührt mein Misstrauen."

Kommentare:

  1. ARD kann sich das erlauben, die haben nichts mehr an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die "Aktuelle Kamera" hat auch noch 1989 täglich Jubelarien geträllert.

    Es werden sich auch immer noch Propaganda-Schreiberlinge finden, die auf Kosten zwangsweiser eingezogener Gelder schmarotzen und politische Inhalte transportieren.

    War vor der ARD so und wird auch nach Ende des ARD so bleiben.

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  2. > ARD-Film "Todesflug MH 17" eine journalistische Bankrotterklärung

    wieso? selbst die russen rudern mittlerweile zurück.

    Flug MH17: Russischer Bericht räumt Abschuss durch Buk-Rakete ein
    “Es war eine Buk” – mit dieser Schlagzeile macht am Mittwoch die angesehene Moskauer Zeitung “Nowaja Gaseta” auf. Für Russland hat die Nachricht Sensationswert. Denn russische Medien waren bisher meist der Kreml-Lesart gefolgt: Ein ukrainisches Kampfflugzeug habe Flug MH17 abgeschossen, hieß es da. Auf vier Seiten veröffentlicht die “Nowaja Gaseta” nun einen ausführlichen Untersuchungsbericht, der die bisherige Theorie entkräftet. Man habe die Schrapnell-Teile identifiziert, die das Flugzeug zerfetzten. Es sei gelungen, sie “eindeutig dem Gefechtskopf-Typ 9H314M” zuzuordnen. Hinter dem Kürzel verbirgt sich der Sprengkopf einer Buk-M-Rakete. Nach Angaben der Zeitung stammt die Expertise aus offizieller Feder: Die Rede ist von russischen Ingenieuren aus den Reihen des “militärisch-industriellen Komplexes, darunter die Entwicklungseinheit, die die Buk produziert”. Die Veröffentlichung legt den Schluss nahe, dass der Kreml in dem Propaganda-Gezerre um den Abschuss eine Kurskorrektur vornimmt. Angesicht der erdrückenden Indizienlage wirkte Moskaus Standpunkt, die Maschine sei von einem Kampfjet abgeschossen worden, immer unglaubwürdiger. “Im Kreml hat man sich entschieden, sich auf eine neue Verteidigungslinie zurückzuziehen”, kommentiert der Moskauer Publizist Sergej Parchomenko die Veröffentlichung. Er glaubt, Russland wolle sich absichern, bevor die offiziellen Untersuchungen in den Niederlanden die bisherigen Kreml-Varianten endgültig zerpflückten.
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/mh17-abschuss-durch-buk-rakete-laut-russischer-zeitung-a-1032435.html

    offene psychatrie auf ostdeutschlands straßen: nazi durch(haken)kreuzt, was als “antifaschistische gedenkfahrt” gedacht war...

    Von Tschechien kommend, fuhren am Donnerstag 31 der 5000 Russen-Rocker um 14.40 Uhr mit ihren schweren Maschinen am Grenzübergang Breitenau in Sachsen vor. Auf die Ankunft im Freistaat folgte eine Begrüßung durch Vertreter des Russischen Generalkonsulats. Noch im Hellen machten sich die Biker, von einer Polizeieskorte und Pegida-Boss Lutz Bachmann begleitet, auf den Weg nach Torgau. Ihr Ziel am 9. Mai: Berlin.
    http://www.bild.de/regional/leipzig/nachtwoelfe/nachtwoelfe-rollen-durch-deutschland-40855076.bild.html

    möchte mal sehen, was passiert, wenn ich per bike nach moskau fahre und am kreml die bundesflagge hisse.

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  3. @w.j..: dass die separatisten schon ein paar mal zuvor ukrainische flugzeuge und helikopter vom himmel holten, spielt für Sie offenbar keine rolle. warum nicht? weil nicht sein kann, was nicht sein darf? nix für ungut, aber ich finde, Ihre putin-rücksichtnahme nimmt schon pathologische ausmaße an.

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  4. BILD- das UFO-Blatt, dem sich die korruptesten und niveaulosesten "Promis" und Politikern anvertrauen, ist einfach geil.

    Hier lügt sich dieser sympathische junge Anti-Journalist "Julian Röpke"
    https://twitter.com/julianroepcke

    seine erfundenen Phantasien zu MH17 zurecht. Passt schon, 70 Jahre nach Kriegsende.
    http://www.bild.de/politik/ausland/flug-mh-17/russische-beweise-gefaelscht-40861842.bild.html

    Röpke- immer noch nicht an der Ostfront...
    .............

    Auf BILDS-Werbekunden achten und mit Nichtkauf sanktionieren.
    Auf Politiker, die mit BILD zusammenarbeiten, achten und dann auf der Strasse anspucken.

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  5. ich frage mch, was putin eigentlich noch tun muss, damit er von w.j. scheiße gefunden wird.

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  6. im umgekehrten fall, wenn DIE UKRAINE sich ein teil RUSSLANDS unter den nagel gerissen hätte, wäre w.j. so sicher wie das amen in der kirche der erste gewesen, der die völkerrechtswidrigkeit dieses vorgehens gebrandmarkt und die nato als faschistenbande bezeichet hätte. verlogener gehts nimmer.

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    1. Hast Recht. Die Verlogenheit der Putinversteher ist nicht zu toppen.
      Gruß aus Unterfranken

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  7. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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  8. Das war endgültig die letzte Beleidigung von Natotroll Jewgeni und seinen Alter Egos. Ab der nächsten Unflätigkeit wird jeder Kommentar gelöscht. Inhaltlich kommt da sowieso nix.

    Bye, Bye, Jewgeni!

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    1. W.J.- ja, macht keinen Sinn mit einem Perma-Troll.
      Wenn er der Klassikertroll ist kommen nochmal Beschimpfungen en masse, dann hört er irgendwann auf.
      Diese ständigen Lügen gingen auch auf die Nerven, er ist ja auch in anderen Foren aktiv, soll er diese zuspammen, zumal die inhaltlich niveaubezogen auch eher auf seinem Niveau sin.

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  9. Hier kann man mehr zur BUK 312 lesen und auch etwas zu jemandem, der diese gefahren hat. Sie war und ist im ukrainischen Besitz: http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2015/01/was-ard-und-spiegel-uber-buk-312.html

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