Sonntag, 5. Juli 2015

Volksentscheid in Griechenland - Zum Schluss gewinnt immer die Bank

 Was ist eigentlich Propaganda? Propaganda ist eine Nichtinformation, eine Verdrehung oder zumindest Verbiegung der Wahrheit. Propaganda will ablenken von den Tatsachen, sie will Verwirrung stiften,  und sie handelt immer im Sinne eines Auftraggebers. Propaganda arbeitet mit bestimmten Tricks, z. B. durch ständiges wiederholen erfundener oder verfälscht dargestellter angeblicher Ereignisse oder falscher Behauptungen, etwa die angebliche Annexion der Krim durch Russland, oder die angebliche Arbeitsscheu der Empfänger von Hartz-IV, oder dem Bild vom auf grossen Fuss lebenden und sich durch Tricksereien durchs Leben lavierenden Pleitegriechen.

 Propaganda begegnet uns heute auf allen Kanälen, in den Printmedien, im Fernsehen, bei der, immer noch als seriös geltenden, Tagesschau, im ZDF, bis hinunter in die Regionalen Hörfunkprogramme. Denn merke: Erst durch ständiges Wiederholen einer Unwahrheit in unterschiedliche Quellen, bekommt diese den Anschein von Wahrheit.

 In diesem Zusammenhang muss man wohl auch zwei Hörfunkbeiträge auf WDR 5, dem
"Informationssender des Westdeutschen Rundfunks"
sehen. Am Freitag, dem 03. Juli gab sich der "Informationssender" in seiner Reihe "Pro und Kontra" in zwei Beiträgen dann hoch informativ, - zumindest wenn man den Ankündigungen Glauben schenken wollte. Auf seiner Internetseite veröffentlichte WDR 5 die beiden Beiträge im Wortlaut unter dem Titel: "Pro und Kontra - Griechenland-Referendum - Volkes Stimme" und als Audiodateien: "Pro: Absurd aber notwendig" und: "Kontra: Volksabstimmung als Selbstbestätigung".

 Wer nun aber geglaubt hat,  der WDR würde seine Hörer mit Fakten verwöhnen, Punkte benennen, die für oder wider eine Volksabstimmung in Griechenland, oder gar die Hörer in die Lage versetzen würde sich ein eigenes Bild zu machen, über die Frage, die den griechischen Bürgern gestellt wird, der sah sich bitter enttäuscht. Die beiden Kommentatoren, Ralph Sina, pro und Gunnar Könne, kontra, hatten wohl niemals vor, dem journalistischen Berufsethos zu folgen und ihre geäusserte Meinung, wenigstens ansatzweise, mit Fakten zu untermauern. Ihnen ging es wohl ausschliesslich um Meinungsmache gegen Griechenland, die Griechen und vor allem die ungeliebte Syriza und den griechischen Ministerpräsident Tsipras.

 So formuliert  Ralph Sina, nicht nur seinen ersten Satz so, als plädiere er gegen das angestrebte Referendum:
"Es stimmt : Dieses Referendum ist an Absurdität nicht zu überbieten."
Wie soll das aussehen, seine Stimme für das Referendum zu erheben, wenn man bereits im ersten Satz, eben dieses Referendum nicht nur als Absurdum bezeichnet, sondern sogar, dass dessen Absudität durch nichts zu überbieten ist. Sina hätte hier seinen Kommentar beenden können und einfach "Kontra" darüber schreiben sollen. Aber Sina will noch etwas loswerden. Er muss noch den Initiator des Absurdums, den griechischen Ministerpräsidenten Tsipras ins Unrecht setzen und einen großartigen Versuch, wirklicher, inhaltlich bedeutender Basisdemokratie als billigen Populismus brandmarken:
"Das Referendum, mit dessen Hilfe sich Alexis Tsipras basisdemokratische Rückendeckung für seine Blockade-Politik holen möchte. Denn dieses überfallartig angesetzte Referendum verletzt sämtliche sinnvollen Spielregeln".
 Und nicht zuletzt, Sina kennt die Regeln der Propaganda genau und weiss, dass nur durch ständiges Wiederholen die Lüge zur Wahrheit wird, gilt es die seit Wochen durch alle Gazetten geisternde Sprunghaftigkeit, Unzuverlässigkeit und Unseriösität der griechischen Regierung ein weiteres Mal zu thematisieren.
"Außerdem gibt es das milliardenschwere Reform- und Sparprogramm der Griechenland-Geldgeber gar nicht mehr, das kategorisch abzulehnen die griechische Regierung dringend empfiehlt, obwohl sie noch in dieser Woche die Reformauflagen prinzipiell begrüßt hat."
 Ein, zugegeben, schweres Stück Arbeit was Sina da zu vollbringen hatte: Auf der einen Seite die Aufgabe, wenigstens andeutungsweise eine Pro-Stellung einzunehmen, auf der anderen Seite aber die öffentliche Meinung doch noch dahin zu beeinflussen, sie nicht an der, ihr mühsam eingetrichterten Meinung vom linkischen, arbeitsscheuen und auf Kosten Anderer, es sich gemütlich einrichtenden Griechen, zweifeln zu lassen. So ist denn auch sein einziges vorgebrachtes Argument, erstens äusserst schwach, und zum zweiten gleich wieder eine haltlose, wahrheitswidrige Unterstellung:
"Sicher ist heute nur eines : Das Referendum beendet den zermürbenden Stillstand. Der die EU mittlerweile zum passiven Zuschauer des griechischen Dramas macht."
Um wievieles leichter hat es doch da Kollege Gunnar Könne. Er kann nach Herzenslust aus dem reichen Schatz der Unterstellungen, der Lügen, des Rassismus und  der Pauschalurteile der Hetzpropaganda der letzten Wochen schöpfen. Er muss nur noch aus Satzfragmenten verbaler Beschimpfungen der letzten fünf Jahre aus der deutschen Presselandschaft neue Sätze basteln.

Gleich im ersten Satz zeichnet er das Bild jenes liderlichen Pleitiers, der ohne einen Cent in der Tasche auf Kosten seiner Gläubiger noch einmal richtig die Puppen tanzen lässt, bevor er alle mit in sein Verderben reisst:
"Griechenland ist pleite und gibt dennoch geschätzt 100 Millionen Euro für eine irrwitzige Volksabstimmung aus, die nur einem einzigen Zweck dient: Der Selbstbestätigung der Syriza-Regierung."
Im zweiten Satz zeichnet er dann von der Regierung das Bild eines verantwortungslosen Hasardeurs, dem das Ergebnis seines Handelns völlig schnuppe ist und der sich für sein Scheitern nur genügend Mitstreiter sucht um sich hinter diesen zu verstecken:
"Das Land ist gegen die Wand gefahren, aber die Mehrheit der Griechen hätte genauso gehandelt wie wir."
Auch hier werden Stereotypen bedient, wie sie uns seit dem Wahlerfolg der Syriza im Januar fast täglich ins Haus geschickt werden. Wie weit entfernt Tsipras vom Rest der zivilisierten Welt ist und wie wenig der gemeine Grieche in dieser zu suchen hat,  macht uns Könne klar, indem er argumentiert, die griechische Regierung sei ein Haufen Entlaufener aus einer Irrenanstalt:
"Mit der wirren Fragestellung und der Ad-Hoc-Ansetzung des Referendums hat sich die Regierung nicht nur zum Gespött der westlichen Welt gemacht."
 Aber nicht nur irre sind die Kabinettsmitglieder des europäischen Landes, das in Sonntagsreden so gern als das Mutterland der Demokratie herausgestrichen wird, nein, sie sind auch bösartig:
"Wer seinem Volk verspricht, bei einem "Nein" werde es am Tag nach der Abstimmung ein wie auch immer geartetes neues Hilfsprogramm und damit frische Geldscheine in den Bankautomaten geben - der ist entweder weltfremd oder bösartig."
 Was aber macht man mit bösartigen Irren? Zum Schutz der Allgemeinheit sperrt man sie für den Rest ihres Lebens weg, oder man zieht sie aus einem Erdloch oder einem trockengelegten Wasserrohr und erschiesst sie wie räudige Hunde. Wir erinnern uns an Hussein im Irak und Gaddafi in Libyen.

 Lieber Herr Alexis Tsipras, sollten sie die Volksbefragung gewinnen, so wird man sie jagen, bis sie durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben kommen. Wenn sie verlieren wird das Ergebnis für sie allerdings das gleiche sein. Die Mafia, deren Kreise sie für ein halbes Jahr lang empfindlich gestört haben, vergisst nicht, niemals.

Kommentare:

  1. http://german.irib.ir/analysen/beitraege/item/285585-was-griechenland-bevorsteht,-haben-die-osmanen-schon-hinter-sich

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  2. Herr Jungmann, Sie machen m.E. einen Denkfehler. Als jemand, der einer Renationalisierung der europäischen Völker das Wort redet, täten Sie gut daran, nicht den Grexit herbeizuschreiben, sondern für die Beibehaltung des Status quo, des Durchwurstelns, zu plädieren. Warum? Nun, solange es die Währungsunion gibt, wird die Erhaltung des gegenwärtigen Abstands zwischen den reichen und armen Mitgliedstaaten, von der erhofften wirtschaftlichen Konvergenz zu schweigen, nur durch wie immer deklarierte Ausgleichs-, Unterstützungs-, Hilfs- und sonstige Zahlungen überhaupt vorstellbar sein. Gewährt werden derartige Mittel in der realen Welt aber nur gegen Kontrolle, also verbunden mit tiefen Eingriffen von oben, in die staatliche Souveränität der Empfängerländer. Dabei ist abzusehen, dass diese die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel als unzulänglich und das im Gegenzug verlangte “Durchregieren” des Nordens in ihre inneren Angelegenheiten als exzessiv empfinden und die Geberländer umgekehrt sich zugleich materiell überfordert und politisch übervorteilt fühlen werden. Entlang dieser Linie wird sich die Innenpolitik der Währungsunion stabil nationalistisch polarisieren. Ist es nicht das, was Sie sich sehnlichst wünschen? Der Euro ist in Wahrheit Ihr Freund, Herr Jungmann. Seine bloße Existenz sichert völkisch-nationalistischen Bewegungen Zulauf. Sie sind doch ein völkischer Nationalist, gell? Alle Putinversteher sind das.

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    1. Alle Putinversteher sind völkische Nationalisten - mit so einer einfältigen Weltsicht lebt es sich bestimmt toll. Ich bin neidisch.

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