Freitag, 20. Juli 2018

Der deutsche Mainstream, auf dem rechten Auge blind wenn es um die Ukraine geht

 Im Jahr 2016 erschien im Westendverlag das Buch des Autors und Politikwissenschaftlers Ulrich Tausch mit dem Titel "Lückenpresse - Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kennen". Der Titel, der den Begriff "Lügenpresse" aufgreift, der besonders von Demonstranten aus dem rechten Lager immer wieder lautstark gebrüllt und mit dem nicht selten politisch andersdenkende niedergeschrien werden, ist aber zugleich eine Distanzierung des Autors davon.

 Tausch der in seinem Werk mit dem Mainstream hart ins Gericht geht, sieht das Problem nicht so sehr in offensichtlichen Lügen der Presse, sondern eher im weglassen, im totschweigen, in den beredten Lücken in "Tagesschau", "heute", in Zeit, Welt und Süddeutscher. Eine Lüge, so sie denn öffentlich aufgedeckt und thematisiert wird, ist eher kontraproduktiv für das Anliegen des Verfassers. Eine unterschlagene Meldung hingegen ist nicht fassbar. Die Macher können sich sehr leicht herausreden, dass man schliesslich nicht alles senden oder drucken könne, dass man täglich eine Auswahl aus der riesigen Flut von Meldungen treffen müsse und da könne es schon passieren, dass das Eine publiziert und das Andere, das der Beschwerdeführer für wichtig halte, leider unter den Redaktionstisch fallen müsse.

 Aber gerade mit der Auswahl der veröffentlichten Nachrichten und noch vielmehr mit der Unterschlagung anderer Themen wird ganz massiv Politik gemacht. Belege dafür gibt es fast täglich. So werden Terroranschläge in der dritten Welt lediglich, wenn überhaupt nur unter der Rubrik sonstiges vermeldet, während Terroranschläge in den USA oder Europa regelmässig in einer breitgewalzten, medial aufbereiteten Form an erster Stelle in den Nachrichtensendungen und auf den Titelseiten der Zeitungen gebracht werden. Hierfür drei Beispiele aus der Vergangenheit:

 Da ist zunächst der 15. April 2013. In Boston wurde ein Anschlag auf die Teilnehmer und Zuschauer des Boston-Marathon verübt. Zwei Bomben töteten 3 Menschen und verletzten 264 weitere, zum Teil sehr schwer.

 Am gleichen Tag kamen bei Attentaten im Irak, in Bagdad, in Kirkuk,  Al-Hilla, Al-Musajib, Bakuba, Tikrit und Mossul 28 Menschen ums Leben und 140 wurden zum Teil schwer verletzt. Während der Anschlag auf den Boston Marathon über mehrere Tage medial breit ausgewalzt wurde, fanden die Anschläge und die Opfer im Irak in unseren Medien gar nicht statt.

Am 14. Oktober 2017 kamen in der Somalischen Hauptstadt Mogadischu bei einem Bombenattentat 300 Menschen ums Leben und viele hundert wurden verletzt.

 Die ARD brachte in ihren Tagesthemen um 23:30 lediglich eine Kurzmeldung von 24 Sek. in der Rubik „Weitere Meldungen im Überblick“ zwischen einer Meldung um die bevorstehende Einnahme der syrischen Stadt Rakka durch die, wie es hieß, von den USA geführte Koalition und einer Meldung über die Waldbrände in Kalifornien (26 Sek.).

Selbst ein Beitrag über den Hollywood-Grabscher und Filmproduzenten Harvey Weinstein schien den Machern der Sendung um einiges wichtiger zu sein als die Opfer der Bluttat von Mogadischu.

 Etwas mehr als zwei Wochen später, am 31. Oktober 2017 hatte es in New York eine schwere Terrorattacke gegeben. 8 Menschen kamen dabei ums Leben, mehrere wurden, zum Teil schwer verletzt. Ein Mann war mit einem geliehenen Van auf einen Fahrradweg entlang des Hudson Rivers gefahren und hatte dabei die Menschen niedergefahren. Die Tagesthemen der ARD berichteten am gleichen Tag 4:14 Minuten über das Attentat und die ARD brachte in der Folge der nächsten Tage etliche Sendungen mit minutenlangen Beiträgen zu dem Vorfall aus New York.

  Am 28. Oktober hatte es bereits einen weiteren schweren Terroranschlag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu innerhalb weniger Tage gegeben. 27 Menschen kamen ums Leben und etliche wurden verletzt. Die Attentäter brachten zunächst zwei Autobomben zur Explosion und stürmten dann ein Hotel.

 Ein Zusammenschnitt von Agenturmaterial von gut 30 Sekunden, hinterlegt mit einem Text aus dem Off reichten der Tagesschau um 20:00 Uhr scheinbar aus, um ihre Zuschauer umfassend zu informieren. Der in etwa gleiche Beitrag war in den Nachrichtensendungen der Tagesschau über den Tag hinweg gezeigt worden.

 Zufall oder kühl abwägendes Kalkül? Man könnte diese Beispiele endlos fortsetzen, die letztlich bei den Rezipienten den Eindruck entstehen lassen, der Westen, Europa, die USA seien vordringliche Opfer hauptsächlich islamistischer Terroristen. Eine wunderbare Basis, um den Menschen den Kampf gegen den Terror zu verkaufen, um die Einschränkungen der persönlichen Freiheiten, staatliche Überwachung bis hinein in den intimsten privaten Bereich, militärische Aufrüstung und die Stigmatisierung bestimmter Volksgruppen oder Religionen problemlos akzeptant zu machen.

 Jedes Jahr gibt das "Institute for Economics and Peace" mit Sitz in Sydney, New York und Den Haag seinen "Global Terrorism Index" heraus. Eine Grafik, die die Anzahl der Terroranschläge und die Anzahl der Todesopfer weltweit, unterteilt nach Weltregionen darstellt, verdeutlicht überklar, das die Gefahr in Europa oder Nordamerika, durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen, der veröffentlichten Meinung diametral entgegensteht.

Screenshot Global Terrorism Index, Institute for Economics and Peace


Dieser Manipulation durch Überhöhung und Weglassen, bzw. Kleinreden begegnet man tagtäglich und schafft inm Laufe der Zeit eine andere von den Mächtigen der Welt konstruierte Wirklichkeit, die mit der Realität nur noch wenig bis gar nichts zu tun hat:

"Russland hat die Krim annektiert", ist inzwischen zu einer feststehenden Wahrheit geworden. Selbst kritische Zeitgenossen schreiben und sprechen heute von der Annexion der Krim. Die Krim ist nachdem sie sich von der Ukraine unabhängig erklärt hatte, der Russischen Föderation beigetreten. Der Völkerrechtler Reinhard Merkel schreibt in seinem beachtenswerten Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen vom 08. April 2014:
"Sezession, Referendum und Beitritt schließen eine Annexion aus, und zwar selbst dann, wenn alle drei völkerrechtswidrig gewesen sein sollten."
Die wirklichen Geschehnisse im Frühjahr 2014 werden stoisch ausgeblendet, finden keinerlei Beachtung, während die eine, die "richtige Sicht" auf die Dinge immer und immer wieder, wiederholt wird.

Das Gleiche geschieht mit dem Krieg im Osten der Ukraine. Während die Weltpresse einzig und allein die "Separatisten" im Donbas, unterstützt von Russland, verantwortlich für die Anzahl der Todesopfer, angeblich 10.000, macht, wird vollkommen unterschlagen, dass es die damalige Putschregierung in Kiew war, die Militär und schwere Waffen in den Osten des Landes schickte, um die Bevölkerung, die dieser unrechtmässigen Regierung kritisch und ablehnend gegenüberstand, mit zum Teil schweren Artilleribeschuß, heim ins Reich zu holen.

 In Syrien wurden jahrelang ausschliesslich Opfer des Krieges auf Seiten der Ausständigen, der Kopfabschneider und militanten Islamisten gezeigt. So entstand der Eindruck, das der Krieg nur von der Assad-Regierung brutal und menschenverachtend gegen die friedlichen, demokratischen und freiheitlich gesinnten "Rebellen" geführt wurde, während diese augenscheinlich nur mit Wattebäuschen warfen.

 Dabei sind diese "großen" Ereignisse nur die Spitze des Eisberges. Viel wichtiger und viel effektiver sind die kleinen alltäglichen Geschichten, in denen uns ein ganz anderes Weltbild untergeschoben wird, Mit denen ein ganz bestimmtes Framing in unseren Köpfen erzielt werden soll.

 Eine dieser kleinen Geschichten spielte sich Anfang Juli am Rande der Fußballweltmeisterschaft in Russland ab. Da hatte der Spieler der kroatischen Nationalmannschaft Vida, nach dem durch Elfmeter gewonnenem Viertelfinalspiel gegen Russland in der Kabine
"Slawa Ukraini",
gerufen. Der Gruß stammt aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges und wurde damals von der  Ukrainische Aufständische Armee (UPA), einer Organisation, die an der Seite Hitlerdeutschlands gegen die Sowjetunion kämpfte und an zahlreichen Verbrechen gegen Juden, Sinty und Roma beteiligt war, verwand. "Slawa Ukraini" ruft der Anführer und die Meute antwortet: "Herojam Slawa!" Der Gruß ist angelehnt an den Nazigruß "Sieg heil" und "heil Hittler" und heißt übersetzt "Heil Ukraine" - "Helden Heil!" Wiederbelebt wurde dieser Nazigruß vom Maidan. Zunächst wohl von der Partei Svoboda und dem "Prawyj Sektor", dem "Rechten Sektor" angewandt, hat sich dieses Relikt aus sehr dunklen Tagen mittlerweile zu einem gebräuchlichen Gruß in der gesamten Ukraine gemausert.

 Der offensichtlich rechtsradikale bis faschistische Duktus des Grußes war der Westpresse dann doch wohl etwas unangenehm und so wurde aus "Heil Ukraine" - "Helden Heil!" ein wesentlich unverfängliches "Ruhm der Ukraine!“ - „Ehre den Helden!" Diese Sprachregelung gilt bis heute und ist jedesmal, wenn sie angewandt wird eine dieser kleinen Manipulationen, die durch weglassen des Wortes "Heil", den gesamten historischen Hintergrund wegwischt und die Rechtslastigkeit der heutigen Ukraine verdecken hilft.

 Um so ärgerlicher, dass ein angetrunkener kroatischer Fußballspieler diese ganze, mühsam unter der Decke gehaltene Geschichte mit seinem Ausruf, auf Video aufgenommen und im Internet verbreitet, wieder in die Öffentlichkeit hinausposaunt. Da gilt es Schadensbegrenzung zu betreiben. Blätter wie "RP online" oder der Österreichische Standard, wie auch die Deutsche Welle, belassen es einfach bei einer falschen Übersetzung des Zitats:
"In einem Video jubelte der 29-jährige Torschütze kurz nach dem Spiel in der Nacht auf Sonntag: 'Ehre für die Ukraine!'“
Nach dem Motto, am besten gar nicht dran rühren. Die Unbedarfteren unter den Lesern fragen sich unwillkürlich, warum denn ein Fußballer, der einer anderen Nation, die nicht einmal an dem Tunier teilnimmt Ehre wünscht, von der Fifa sanktioniert wird.

 Die meisten anderen Publikationen halten sich an einen Text der Nachrichtenagentur "dpa".
"'Ruhm der Ukraine' war der Slogan der revolutionären Bewegung, die 2014 den von Russland unterstützten Präsidenten Wiktor Janukowitsch gestürzt hatte",
schreibt die Süddeutsche sowohl als auch nt-v und unterschlägt dabei einfach woher dieser Gruß wirklich kommt und welch zweifelhafte Berühmtheit er in den dreißiger Jahren hatte. Schließlich waren das die Worte , die viele Menschen als letztes hörten, bevor sie der Genickschuss der UPA-Schergen traf.

Keine Redaktion dieser Medien macht sich übrigens die Mühe einen egenen Text zu verfassen. Man nimmt das Material der dpa und gibt es mehr oder weniger unverblümt als das Produkt eigenen Hirnschmalzes aus.

Nur "Spiegel online" und die "taz" haben eigene Texte verfasst, dabei allerdings auch ihre ganz eigene spezielle Sicht auf die Ereignisse zum Besten gegeben.

 Der Spiegel verkehrt die Dinge einfach in ihr Gegenteil. Er beförderte den kroatischen Abwehrspieler Domagoj Vida vom Täter zum armen, bemitleidenswertem Opfer:
"Ganz ohne Hass und Enttäuschung ging es jedoch nicht. Opfer waren jedoch nicht wie so oft früher die eigene Mannschaft, sondern zwei Kroaten: Spieler Domagoj Vida und Trainerassisten Ognjen Vukojevic."
Letzterer hatte,
"den Sieg (seiner Mannschaft) der Ukraine und seinem alten Club Dynamo Kiew" 
gewidmet.

 Auch der Spiegel zitiert den alten Nazispruch in seiner falschen deutschen Übersetzung:
"Vida hatte nach dem Spiel einen kurzen Clip veröffentlicht, in dem er 'Slawa Ukraine' ('Ehre für die Ukraine') sagt",
 Der Autor, Maxim Kireev, aber wendet einen geradezu diabolisch genialen Kniff an. Mit diesem Kniff verwandelte er den alten Nazigruß, gleichsam dem biblischen Beispiel, der Wandlung des Saulus zum Paulus folgend, in ein harmloses ukrainisches "Grüß Gott" um, geboren während des heldenhaften Kampfes des ukrainischen Volkes für Freiheit und Demokratie auf dem Maidan:
"Das war einst ein Ruf ukrainischer Nationalisten, der jedoch nunmehr zu einem Symbol der Maidan-Revolution 2014 geworden ist."
Einen ganz anderen Aspekt der Sache offenbart Andreas Rüttenauer von der taz. Rüttenauer schwärmt von eienm Shitstorm, der sich im Netz breitmacht:
"Die Fifa steht unter Beschuss. Bei Facebook wird der Internationale Fußballverband in Grund und Boden bewertet."
Genüsslich und in aller epischen Länge und Breite berichtet er,
"während sich dessen Präsident Gianni Infantino und Russlands Staatschef Wladimir Putin gegenseitig auf die Schulter klopfen und sich für die allerbeste WM aller Zeiten lobpreisen",
wie
"ein virtueller Flashmob aus der Ukraine, der da auf der Facebook-Seite der Fifa stattfindet"
und
"das Rating der Fifa auf Facebook ins Bodenlose"
sinkt:
"Weit mehr als 100.000 Menschen haben seit Montagabend den Auftritt der Fifa bei Facebook mit nur einem von fünf möglichen Sternen bewertet".
Völlig besoffen von seiner eigenen Formulierungskunst wiederholt er sich:
"Das durchschnittliche Rating sinkt in Bodenlose",
um den Triumph der tumben Masse über Verstand und Anstand gebührend zu feiern:
"Am Dienstagmittag stand es noch bei 1,2 Sternen."
In der Ukraine und scheinbar auch in der Redaktion der taz
"will man indes gar nicht einsehen, warum es überhaupt eine Strafe nach sich zieht, wenn jemand der Ukraine Ruhm wünscht."
So zitiert Rüttenauer aus einem Papier des Ukrainischen Fußballverbandes:
"'Slava Ukraini‘ ist eine gebräuchliche Grußformel in der Ukraine, die mit den Worten 'Ruhm den Helden!’ beantwortet wird“, heißt es in dem Schreiben des Ukrainischen Verbands an die Fifa."
 Na dann ist ja alles wieder gut und wir können unsere Nationalmannschaft, wenn sie denn dereinst wieder erstarkt zur Europameisterschaft fahren sollte unter dem Beifall der Mainstreampresse mit dem Gruß "Sieg Heil", in den Kampf um Ruhm und Ehre in die Welt hinaus schicken.

 Es sind die kleinen Tricks, das tägliche Trommelfeuer der Propagandisten in den Redaktionsstuben, die unser Hirn weichklopfen. Hier etwas weggelassen, dort etwas hinzugefügt, eine kleine Ungenauigkeit bei der Übersetzung, eine, fast unmerkliche, Umdeutung der geschichtlichen Ereignisse und ohne es zu bemerken, werden wir manipuliert.

 Bleiben wir bei unserem Beispiel: Während der Gruß "Slawa Ukraini", fälschlich in das harmlos klingende "Ruhm der Ukraine" übersetzt wird, die geschichtliche Dimension dieses faschistischen Grußes völlig aus der Berichterstattung eliminiert wird, eröffnet man einen Nebenkriegsschauplatz. Fast alle Blätter zitieren wörtlich aus dem dpa-Bericht:
"Die Beziehungen zwischen Moskau und Kiew sind seit der Annexion der Schwarzmeerhalbinsel Krim 2014 und der Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ostukraine zerrüttet."
 Das hat zwar mit dem Thema nur äusserst rudimentär zu tun, aber da ist er wieder, der stete Tropfen, der letztendlich den Stein aushöhlt, der Dampfhammer, der auf unser Hirn einwirkt, bis wir glauben, was wir glauben sollen. Eine kleine Geschichte nur - schnell wieder vergessen, aber was bleibt ist das Framing der, auch mit der Symbolik eines eigenen Grußes um ihre Freiheit kämpfende Ukraine, die Annexion der Krim durch die Russische Föderation und die Menschen im Donbass, die sich nicht unter die Fuchtel einer Putschregierung in Kiew begeben wollten, sind "prorussische Separatisten".

 Dafür fehlt dann eine andere kleine Geschichte. Eine Geschichte, die uns unsere Medien vorenthalten haben. Eine Geschichte, die man dem deutschen Michel nicht zumuten wollte, weil man ihm nicht traut, seiner transatlantischen Standfestigkeit. Weil man seiner Psyche einen Hang zur Russischen Seele nachsagt. Und eine Geschichte, die zeigt, dass man in dem faschistische Gruß "Heil Ukraine", nicht von ungefähr, wie der Ukrainische Fußballverband reklamiert, "eine gebräuchliche Grußformel in der Ukraine" sieht.

 Christoph Miller schreibt am 26. April auf der Seite des, der russischen Propaganda absolut unverdächtigen US-amerikanischen Auslandssenders "Radio Free Europe Radio Liberty":

"Ein Roma-Camp i Kiews Naturschutzgebiet Lysa Hora wurde in der Nacht vom 20. auf den 21. April von mehr als einem Dutzend Mitgliedern der rechtsextremen nationalistischen Gruppe C14 angegriffen. Die Gruppe hat ihren Namen von einer 14-Wort-Phrase, die von weißen Rassisten verwendet wird. Die Gruppe hat  in anderem Zusammenhang auch schon mal offen angeboten, als bezahlte Schläger zu arbeiten. Serhiy Mazur, ein prominentes C14-Mitglied, prahlte am selben Tag in einem weit verbreiteten Facebook-Post mit einem Foto das einen Mann in einer C14-Jacke zeigt, der neben einem brennenden Zelt steht."
Der Name der Gruppe, "C14" ist die Anspielung auf einen Slogan von dem in einem US-Gefängnis verstorbenen Us-amerikanischem Nazi, David Lane:
„We must secure the existence of our people and a future for White children.“ „Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für die weißen Kinder sichern.“
Unter Rassisten ist der Satz sehr populär und wird weltweit, sowohl in seiner vollen Länge als auch in Synonymen wie „14 Wörter“, „vierzehn Wörter „oder „14“ benutzt.

Amnesty International Ukraine, sieht den Post als einen "Beweis" dafür an, dass die Gruppe sich sicher ist, dass sie "volle Straffreiheit" genießt. Miller zitiert den Polizeichef von Kiew, Andriy Kryshchenko, der in einem Interview des Fernsehsenders 112 sagte,
"dass nur Müll im Lager verbrannt wurde. Sein Büro habe keine Aussagen der Roma-Gruppe über einen Angriff erhalten und könne daher den Vorfall nicht weiter kommentieren oder eine Untersuchung eröffnen."
Die Geschichte ist allerdings kein Einzelfall. Am 09. Mai brannte eine unbekannte Gruppe in dem Dorf Rudne in der Region Lemberg ein Roma-Lager nieder.

Am 22. Mai griffen Unbekannte in dem Dorf Velyka Berezovytsa nahe dem westlichen Ternopil ein Lager der Roma an und brannten es nieder.

 Am 08. Juni schreibt Miller wiederum auf "Radio Free Europe Radio Liberty":
"Vor laufenden Kameras zerstörten Mitglieder der rechtsextremen Asow-Miliz National Druzhyna am 07. Juni Äxte und Vorschlaghammer schwingend, ein Roma-Lager in Kiews Holosiyivskiy-Park. Der Angriff ist der zweite derartige Vorfall von rechtsextremen Bürgerwehrern in Kiew und der vierte in der Ukraine in den letzten sechs Wochen."
Die Gruppe National Druzhyna wurde im Januar von Veteranen des rechtsextremen Asow-Bataillons gebildet.

Am 24. Juni ist auf Radio Free Europe Radio Liberty dann zu lesen:
"Im Zusammenhang mit einem tödlichen Überfall auf ein Roma-Camp in einem Wald am Stadtrand von Lemberg sind in der Westukraine sieben Menschen festgenommen worden. Laut Angaben der Behörden wurde am 24. Juni kurz vor Mitternacht ein 24-jähriger Roma-Mann aus einem Dorf in der Nähe der Stadt Riwne bei dem Angriff getötet, der von einer Gruppe maskierter Männer verübt wurde. Nach Angaben der Polizei wurden vier weitere Personen infolge des Anschlags mit Stichverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert - darunter ein 10-jähriger Junge, zwei 19-jährige Männer und eine 30-jährige Frau."
In einem offenem Brief an den Ukrainischen Innenminister Arsen Avakov und Generalstaatsanwalt Jurij Luzenko, unterzeichnet von "Human Right Watch", "Amnesty International", "Front Line Defenders" und "Freedom House" werden weitere Übergriffe Rechtsradikaler genannt:
"Seit Anfang 2018 haben Mitglieder radikaler Gruppierungen wie C14, Right Sector, Traditsii i Poryadok, Karpatska Sich und andere mindestens zwei Dutzend gewalttätige Angriffe, Drohungen oder Einschüchterungen in Kiew, Winniza, Uzhgorod, Lemberg, Czernowitz, Iwano-Frankiwsk und anderen ukrainischen Städten durchgeführt. Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, griffen Mitglieder radikaler Gruppen die Teilnehmer des Frauenmarsches in Kiew physisch an und benutzten Pfefferspray. Die am Tatort anwesenden Polizisten beobachteten lediglich die Angriffe und unternahmen keine Schritte, um sie aufzuhalten oder zu verhaften. Am 10. Mai störten etwa 30 Angehörige anderer Gruppen, die Gewalt anwenden und für Hass eintreten, eine von Amnesty International in Kiew organisierte Veranstaltung, bei der über Menschenrechtsverletzungen gegen LGBTI-Personen in Russland und der Ukraine diskutiert werden sollte. Die Angreifer blockierten den Eingang zum Veranstaltungsort und riefen Todesdrohungen gegen die Organisatoren und Teilnehmer aus. Die am Ort anwesenden Polizeibeamten der Bezirkseinheit Pechersky weigerten sich, sich einzumischen und machten homophobe Bemerkungen gegen die Mitarbeiter von Amnesty International. Am 19. Mai unterbrachen etwa 50 Mitglieder anderer Gruppen, darunter einige, die von Zeugen identifiziert wurden, auch am 8. März und 10. Mai in Kiew beteiligt gewesen zu sein, das Festival der Gleichheit in Czernowitz. Trotz zahlreicher Vorbesprechungen und Zusicherungen durch die örtliche Polizei haben sie die Veranstaltung nicht effektiv geschützt und klar identifizierbare Personen aus diesen Gruppen in den Veranstaltungsort im Innenbereich gelassen, was die Sicherheit und das Wohlbefinden der Teilnehmer gefährdete."
Die Unterzeichner beklagen die scheinbar geringe Lust der Behörden gegen rechte Schlägertrupps einzugreifen:
"Es ist keine Überraschung, dass die Anzahl der gewalttätigen Angriffe und Drohungen durch solche Gruppen zunimmt, da die unzureichende Reaktion der Behörden die Botschaft sendet, dass solche Handlungen toleriert werden. Wir fordern Sie auf, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Handlungen zu verhindern und zu stoppen, die Hass und Diskriminierung fördern und dass sie die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen."
Von diesen rechtsradikalen Umtrieben in der Ukraine erfahren wir hier nichts. Von den ersten Tagen des Maidan im Winter 2013 / 2014 an, bis heute wird die Rechtslastigkeit von Regierung und Verwaltung in der Ukraine vom Mainstream bestritten und als russische Propaganda dargestellt.

 Am 14. Februar 2014 gab die Heinrich-Böll-Stiftung aufschlussreiche Handlungsanweisungen an die Presse:
"Die starke Betonung der Beteiligung rechtsextremer Randgruppen an den Protesten in einigen internationalen Medienberichten ist ungerechtfertigt und irreführend. Sie hat möglicherweise mehr mit dem Sensationspotential radikalnationalistischer Parolen, Symbole oder Uniformen zu tun, als mit der tatsächlichen Lage vor Ort."
und schlussfolgerte messerscharf:
"Wir vermuten sogar, dass in einigen Berichten, insbesondere solcher kremlnaher Massenmedien, die übermäßige Betonung der rechtsradikalen Elemente auf dem Kiewer Euromaidan nicht auf antifaschistischen Motiven beruht. Im Gegenteil, derartige Berichterstattung ist paradoxerweise womöglich selbst Ausdruck von imperialistischem Nationalismus sein, in diesem Falle von dessen russischer Variation. Mit ihrer gezielten Diskreditierung einer der größten Massenbewegungen zivilen Ungehorsams in der Geschichte Europas liefern die russischen Medienberichte einen Vorwand für die politische Einmischung Moskaus, ja womöglich sogar für eine künftige militärische Intervention Russlands in der Ukraine, ähnlich derjenigen in Georgien 2008"
Der Böll-Stiftung schwebte schon 2014 eine gewisse Selbstzensur der Journaille vor:
"Angesichts dieser Risiken bitten wir Kommentatoren, etwa solche aus dem linken Spektrum, bei ihrer berechtigten Kritik des radikal ethnonationalistischen Lagers im EuroMaidan vorsichtig zu sein...
Wir bitten außerdem westliche Kommentatoren, die besondere Lage der ukrainischen Nation im Auge zu behalten und die komplizierte Situation des noch jungen, fragilen Staates zu berücksichtigen, der einer ernsthaften äußeren Bedrohung gegenübersteht.
Schließlich bitten wir jene, die entweder kein größeres Interesse oder kein tiefergehendes Wissen über die Ukraine haben, sich nicht ohne gründliche Recherchen an Kommentaren über die verwirrenden politischen Verhältnisse dieses Transformationsstaates zu versuchen. "
So funktioniert er der moderne Journalismus: Berichtet wird nicht was ist, sondern was nutzt, berichten soll nur derjenige, der die richtige innere Einstellung mitbringt. Was politisch unerwünscht ist, wird verschwiegen. Die Medienkonsumenten dürfen nur erfahren, was ihnen die "richtige" Einsicht vermittelt. Den Rest macht dann das korrekte Wording. Aus Rechtsradikalen und Faschisten werden z. B. Ethnonationalisten und die Gewalttaten rechter Schlägertrupps gilt es "adäquat zu interpretieren".

Montag, 16. Juli 2018

Schluß mit Lustig - den Blick auf die WM in Russland ins rechte Licht gerückt

 So, das war's dann. Fast hätte sich die heimische Presse selbst vergessen in ihrer Lobhudelei über das russische Sommermärchen, die freundlichen, weltoffenen Menschen, die freundlichen Polizisten, ja, selbst der Belag der Straßen war glatt und gut befahrbar, die Organisation reibungslos und von den gefürchteten Hooligans weit und breit nichts zu sehen.

 Dem Tagesspiegel war es nun genug. Irgendwann mußte Schluss sein mit der Lobhudelei. Schliesslich waren die deutschen Kicker schon über vierzehn Tage zu Hause und bei der Berichterstattung sollte langsam der Alltag wieder Einzug halten. Zurück zum: Westen guttt - Russland schleeecht!

 Nur was tun? Einige Kollegen hatten versucht in die fehlende Präsenz Putins während der WM-Spiele irgendeine Schurkerei hineinzuphantasieren, andere hatten sich über die Verlängerung des Renteneitrittalters und die Mehrwertsteuererhöhung echauffiert - aber nichts wollte so richtig zünden. Die Menschen interessiert herzlich wenig womit der Russische Präsident seine Zeit verbringt während die halbe Welt vor der Glotze sitzt und Fußball guckt und über ein Renteneintrittsalter von 65 Jahren bei den Männern und 63 Jahren bei Frauen kann man Hierzulande nur neidvoll lächeln. Arbeitet man hier doch bald bis zum siebenundsechzigsten Lebensjahr und die Meinungsmacher bereiten bereits eine Verlängerungder Lebensarbeitszeit bis zum erreichen des siebzigsten Lebensjahres vor. Und das alles bei einer wesentlich höheren Produktivität, heißt: Die Menschen hier schaffen während ihres Arbeitslebens wesentlich mehr Werte, die aber nicht ihnen zu Gute kommen, sondern in den weltweiten Casinos der Finanzjongleure versickern.

 Andreas Bock hat die Aufgabe übernommen uns nun wieder Russland zu zeigen, wie wir es von unseren Medien her kennen. Als Beispiel hat er sich das Fifa-Fanfest auf dem Campus der Lomonossow-Universität ausgesucht:
"Als die Musik einsetzt, massiert der Bass den Boden, der Beton vibriert, noch drei Kilometer entfernt, an der Metrostation Kiewskaja hört man die Beats, die an Ausschussware aus DJ Bobos Frühwerk erinnern."
Wir erkennen sofort, dass wir uns im ach so rückständigen Russland befinden. Die Musik ist "Ausschussware aus DJ Bobos Frühwerk". Allerdings ist Bock sich noch nicht ganz sicher, was den Sound betrifft. Während in einem Satz behauptet, dass der Bass den Boden "massiert" sodass "der Beton vibriert" und "noch drei Kilometer entfernt, an der Metrostation Kiewskaja hört man die Beats", verkehrt sich dieses Lärmspektakel im nächsten Satz in sein direktes Gegenteil um:
"Der Sound ist blechern. Es klingt, als versuche jemand, die Tonsignale durch ein überdimensionales Dosentelefon zu verstärken."
 So ist das, wenn man es zu gut meint. Bock möchte seinen Brötchengeber gefallen und das Public Viewing in Moskau so richtig schön verreissen und verheddert sich dabei in seinen eigenen Fallstricken. Aber wie in der Mathematik zeitigt auch hier eine doppelte Verneinung ein positives Ergebnis - in diesem Fall für die aufmerksame Leserschaft, die zu der Erkenntnis kommt, dass Bock in einem als Bericht getarntem Meinungsbeitrag nichts weiteres im Sinn hat, als sie, die Leserschaft zu vergackeiern.

 Wenn die Musik schon so über alle Massen schlecht ist, sollte auch das Publikum ausschliesslich aus dämlichen, oberfläcchlichen Ignoranten bestehen:
"Ein Top-DJ aus Russland sei der Mann auf der Bühne, sagt ein Fan im Trikot der Sbornaja. Einer, der richtig Stimmung macht. Ach ja, später zeigen sie noch das Eröffnungsspiel Russland gegen diese Mannschaft aus Arabien. Saudi-Arabien? Genau! Kannst du ein Foto von uns machen?"
 Da kann der westeuropäische Edelfußballfan natürlich nur seine Nase rümpfen:
"Fifa-Fanfeste sind im Grunde wie RTL2. Übertrieben laut, übertrieben grell, übertrieben krawallig. Eigentlich ist das alles kein Problem, man muss ja nicht einschalten, und man muss auch nicht hingehen."
 Angesichts des obigen Geschwurbels kommt allerdings der Verdacht auf, dass Bock selbst ein-, bis zweimal zuviel an Lieschen Mohns Prollkanal geschnuppert hat. Vieles deutet darauf hin, dass der Mann nicht im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war, als er den Text verfasst hat. So sind die blechern klingenden, wie einem Dosentelefon entstammenden aber auch widerum den Boden massierenden Bässe, nicht das einzige Paradoxon in Bocks Beitrag. So berichtet er von einem gewissen Alexander Bikow.
"Er ist Kopf einer Initiative, die gegen das Fifa-Fanfest protestiert."
 Ein schöner Protest. In Russland ist jeder Protest ein schöner Protest und eine gewaltige Demonstration gegen das System Putin, gegen die eingeschränkte Meinungsfreiheit, die "Annexion" der Krim, die versteckte militärische Einmischung in der Ukraine, die Manipulation bei den US-Präsidentschaftswahlen, die Bombardements in Syrien, den Giftmordversuch an den Skripals in London und in diesem Fall eben auch gegen die Lärmbelästigung durch das Fifa-Fanfest.

 Und nun beginnt das paradoxe oder sollte man sagen schizophrene:
"Bloß was passiert, wenn der lärmende Partymob plötzlich vor der eigenen Tür steht? Alexander Bikow hat es erlebt."
Bikow, so behauptet Bock, leidet persönlich unter der Lärmbelästigung durch das Fifa-Fanfest, dass  erwiesenermassen"...übertrieben laut, übertrieben grell, übertrieben krawallig" ist. Dazu, um es einmal haarklein auseinander zu dröseln, müsste er (vor der eigenen Tür) auf dem Campus leben und arbeiten. Der 25 Jahre alte Bikow aber, so läßt uns Bock wissen,
"....hat Simulationswissenschaft und Angewandte Mathematik studiert. Im vergangenen Jahr hat er seinen Abschluss gemacht".
Weiter unten im Text heisst es dann sogar:
"Bikow traut sich an die Presse, weil er mittlerweile in Amsterdam lebt."
Das Paradoxe oder Schizophrene ist, dass Bikow also Betroffener ist, weil das Fanfest auf dem Campus der Lomonossow-Universität  in Moskau und anscheinend leichzeitig "vor der eigenen Tür" des Herrn Bikow stattfindet, der aber in Amsterdam lebt. - Versteh einer diese Russen!

 Wie dem auch sei, Bikows gespaltene Persönlichkeit, oder vielleicht ist es auch nur die fiebernde Phantasie, des mit einem Aluhelm bewehrten Raum und Zeit überwindenden Andreas Bock vom Tagesspiegel, erweckt ein bisher im verborgenen ruhendes Helfersyndrom:
"Für Bikow war direkt klar: Er wird, auch wenn er nicht mehr eingeschrieben ist, seine ehemaligen Kommilitonen nicht im Stich lassen."
 Bikow warf alles hin, ließ Amsterdam Amsterdam sein und machte sich auf den beschwerlichen, nicht ganz billigen Weg nach Moskau um den Studenten bei ihrem Protest gegen die Lärmbelästigung zu helfen:
"Sie sammelten Unterschriften, gingen an die Presse, organisierten Demos und machten über Social Media auf ihr Anliegen aufmerksam. Wenige Wochen vor der WM formten sie vor dem Hauptgebäude eine 400 Meter lange Menschenkette."
Kennt jemand ein schöneres Beispiel für Hifsbereitschaft und Edelmut?
"Aber",
wen wunderts, schliesllich befinden wir uns in der Hauptstadt von Putins Reich der Unterdrückung der unterdrückten Meinungsfreiheit, der Menschenrechte und der skrupellosen Machtentfaltung nur eines Mannes,
"es war alles ohne Erfolg."
Schiere Verzweiflung bricht sich Bahn, spricht aus den Worten des Autors:
"Bis heute."
 Verzweiflung ja, - aber Resignation? Niemals:
"Trotzdem oder gerade deswegen ist es wichtig, diese Geschichte nicht zu vergessen, denn sie erzählt viel über die Ignoranz der Fifa, aber noch mehr darüber, wie in Russland mit Protest umgegangen wird."
Dabei, das vergißt die Welt so gern, kann Public Viewing, Achtung RTL 2 Konsumenten, umschalten, jetzt kommt ein kurzer Spot Bildungsfernsehen:
"- ein Neologismus, das im Englischen eher die öffentliche Präsentation einer Sache meint -"
so schön sein, wenn nicht ausgerrechnet der Russe seine Finger im Spiel hat. Bock präsentiert uns sein vulminantes Wissen einer oft sträflich behandelten Sparte der Geschichtswissenschaften:
"Schon während der WM 1954 versammelten sich Menschen vor Schaufenstern von Elektrofachgeschäften, in denen die Inhaber die Ausstellungsfernseher angestellt hatten. Später wechselten sie in die großen Kaufhäuser. 1986 zeigten etwa etliche Filialen von Hertie die Spiele in ihren Sportabteilungen, samt Mexiko-Dekoration."
Ist es nicht herzallerliebst, dieses Bild, wie die deutschen Herrenmenschen, just aus einem Krieg heimgekehrt, in dem es ihnen fast gelungen wäre, die halbe Welt mit deutschem Geist, deutscher Gründlichkeit und deutscher Mordlust zu beglücken, (die andere Hälfte hätten sie, Gott-sei-Dank, auch nur fast, umgebracht) und nun voll und ganz damit beschäftigt wieder wer zu sein, sich ganz friedlich die Nasen an den Schaufenstern der Radio- und Fernsehgeschäfte plattdrücken, um dann eiligst nach Hause zu laufen, der Mutti das sauer Zusammengesparte aus der Kaffetasse im Küchenbuffet zu klauen, um selbst so eine Flimmerkiste zu erstehen?

Zwischen 1954 und 1986 lässt Bock eine 32 Jahre währende Lücke klaffen, um, auf die Wandlung des Zeitgeistes hinweisend "später wechselten sie in die großen Kaufhäuser", aus den damals noch zahlreichen Kaufhauskonzernen ausgerechnet die Hertie-Warenhäuser auszuwählen. Der Konzern, der 1986 schon stark ins schlingern geraten war, hat eine Geschichte, die typisch für Deutschland war. Bereits 1933 / 1934 von den Nazis mit Hilfe, unter anderem der Deutschen Bank, arisiert, wie man damals sagte, indem man den jüdischen Inhaber Hermann Tietz unter fadenscheinigen Gründen und mit einer mickrigen Abfindung aus dem Unternehmen drängte, übernahm nach und nach der ehemalige Leiter des Textileinkaufs Georg Karg das gesamte Unternehmen.

Nachdem dann das Unternehmen 1993 für 1,65 Milliarden DM an Karstadt verkauft worden war gelang es den Karg-Erben durch diverse Tricks die anfallende Erbschaftssteuer im Millionenbereich vor dem Fiskus zu retten. Das führte im Jahr 1999 zu einem Ermittlungsverfahren der Frankfurter Steuerfahnder, das später von der Politk niedergeschlagen wurde.

 Vielleicht hat Bock, weil die Konzerngeschichte eben eine typisch deutsche war, gerade die Hertie-Kaufhäuser ausgewählt um seine Geschichte des Public Viewing, von dem die Menschen, die daran teilnahmen noch gar nicht wussten, dass es sich bei ihrem tun um Public-Viewing handelte, weiterzuschreiben. Eine Geschichte, die mit einem Finale Furioso, mit dem "Sommermärchen" 2006 so glücklich endet:
"2006 erlebte es bei der WM in Deutschland vor allem in Berlin einen riesigen Hype. Es war die größte Fifa- Fanmeile aller Zeiten."
 Saufende, "Deutschland, Deutschland" gröhlende Menschen, riesige Lautsprechertürme, die die Fensterscheiben in halb Berlin erzittern lassen, eine Stadt im Ausnahmezustand, zugedeckt mit schwarz-rot-goldenen Fandevotionalien, ein Volk in nationaler Selbstbesoffenheit - aber: Weit und breit kein Russe.

 Und so war es wohl ein schönes Fest, ohne Nebenwirkungen. Von Bock wird nur bewundernd berichtet:
"Es war die größte Fifa- Fanmeile aller Zeiten."
Ganz anders 2018:
"In Russland finden offizielle Fifa-Fanfeste in jedem WM-Ort statt. Es sind Fifa-Wunderländer mit Fifa-Produkten und Fifa-Stimmung. Treffpunkte für Anhänger, die keine Karten für die Spiele bekommen haben, die aber trotzdem laut und exzessiv mit Zehntausenden zwischen Fressständen, Amüsierbuden und riesigen Leinwänden feiern wollen."
 Der aus Amsterdam zu dem einzigen Zweck eine Protestaktion zu organisieren, die die westlichen Medien als Protest gegen Putin verkaufen können, eingeflogene Alexander Bikow weiß was er seinen Unterstützer schuldig ist, fügt noch hinzu:
"Es macht bestimmt auch Spaß",
Bock rückt Bikows Engagement ins rechte Licht:
"Alexander Bikow ist keiner, der diese Art der Feierei ablehnt. Zumindest möchte er nicht verbittert klingen",
Aber, so Bikow:
"...es ist wirklich zu viel. Die Massen belasten ja nicht nur die Menschen und die Architektur, sondern auch die Umwelt. Einige Bäume wurden gefällt und Tiere gezwungen, die Gegend zu verlassen."
In Berlin, 2006, hat man die Tiere wahrscheinlich gefragt, ob es ihnen Recht ist, wenn man ihnen  mehrfach die Ohren zudröhnt und die schwarz-rot-gold eingefärbten Lieblinge haben unisono freudig zugestimmt.

Bock geht es um Randale. Er macht nicht einmal den Versuch seinen Leserinnen und Lesern das Für und Wider der Kontrahenten zu erklären. Er reduziert auf ein Nichtargument, auf ein beleidigtes:
"Wer waren schon die paar hundert Studenten gegen die 25 000 jubelnden Menschen, die ihre Hands in the air strecken wollten?"
 Die Studenten aber, so vermutet Bock werden es nicht leicht haben in ihrem ferneren Leben:
"Viele haben sogar Sorge, dass sie keinen Job mehr in Russland bekommen, weil sie als kritische Demonstranten gebrandmarkt sind."
 Der, von wem auch immer aus Amsterdam eingeflogene und zum Anführer des Protestes erkorene Alexander Bikow fügt dann in Erfüllung seines Auftrags noch Skandalträchtiges hinzu, ohne es allerdings zu belegen:
"Einmal (…) verschwanden über Nacht drei Demonstranten, niemand wusste wo sie waren. Irgendwann tauchten sie wieder auf, sie waren verhaftet worden."
Keine Ortsangaben, keine Zeitangaben, keine Angaben über die Behörde, die die angebliche Verhaftung durchführte - ein Geschichtchen, so wie man es nicht anders erwartet.

 Was jetzt noch fehlt in Bocks Propagandabeitrag ist der direkte Verweis auf Putin. Den liefert wiederum der Protestführer Bikow:
"Andere wurden zu Wiktor Sadownitschi zitiert, dem Uni-Rektor, der als Anhänger von Präsident Wladimir Putin gilt."
 So einfach machen es sich mittlerweile die Damen und Herren von der Presse: Einem Unidirektor wird angedichtet, dass er als Anhänger von Putin gilt und das reicht um ihn mit voller Namensnennung als Schurken zu diffamieren. Da braucht es keiner Belege oder gar Beweise.

Das letzte Wort gehört dann Alexander Bikow, der seine Aufgabe zu aller Zufriedenheit erfüllt hat und sich nun wieder Richtung Amsterdam absetzt:
"Putins Russland hat sich immer schon mehr um das Prestige in der Welt und weniger um die Bedürfnisse der Menschen gekümmert. Es gibt kein neues Russland. Nichts hat sich durch die WM verändert."
Ein Fazit, dem der Journalist Andreas Bock nichts hinzuzufügen hat, wenn er, und der Verdacht besteht nicht gabz zu unrecht, diese Worte seinem Protagonisten nicht selbst in den Mund gelegt hat.

Freitag, 6. Juli 2018

Der Spiegel ist in großer Sorge: "Was macht eigentlich Wladimir Putin?"

"Was macht eigentlich Wladimir Putin?"
So fragte Christina Hebel auf "Spiegel-online" am Montag, dem 02. Juli. Hätte die Frau, die nun schon etliche Zeit ihre Brötchen als Moskauer Korrespondentin des Spiegel verdient und noch immer nicht der russischen Sprache mächtig ist, weswegen ihr immer wieder Tatiana Sutkovaja zugeteilt wird. Hätte Hebel nur einmal bei ihrem Kollegen Ibrahim Naber von "Die Welt" nachgefragt, so hätte sie sicherlich eine umfassende Antwort erhalten.

 Schon in der Überschrift seines Artikels auf Welt.de gibt Naber Auskunft:
"Kurz vor dem Wunder rief Putin den Nationaltrainer an".
Immerhin schon mal ein Lebenszeichen. Denn Frau Hebel scheint sich ernste Sorgen um den Russischen Präsidenten zu machen:
"Einer fehlt - und das ausgerechnet bei diesem historischen Sieg: Wladimir Putin ist nicht im Luschniki-Stadion in Moskau, als die russische Mannschaft im Elfmeterschießen gegen den Favoriten Spanien gewinnt und ins Viertelfinale der WM einzieht."
 Die Sorge ist aus Sicht der Korrespondentin und wahrscheinlich der gesamten Spiegel-Redaktion überaus verständlich. Was soll Frau Hebel aus Moskau melden, womit soll der Spiegel seine Seiten füllen, wenn der Mann an dem sowohl das Blatt und auch die Reporterin sich immer wieder abarbeiten, plötzlich von der Bildfäche verschwinden würde? Existenzen stehen auf dem Spiel.

 Stellvertretend würde dann wohl jemand anderes herhalten müssen. In der Eile zieht Hebel, in Ermangelung eines vollwertigen Ersatzes, schnell den ehemaligen Sportminister Witalij Mutko aus dem Hut. Und weil dieser der breiten deutschen Öffentlichkeit noch nicht so recht als Schurke bekannt ist, klärt Hebel diese über die wahre Natur dieses Herren auf:
"In der Kabine gratulieren Premier Dmitrij Medwedew, sein Stellvertreter und Witalij Mutko den Spielern, ausgerechnet Mutko, der wegen des staatlich organisierten Dopingsystems als Sportminister zurücktreten musste."
 Es lief insgesamt nicht gut. Hatte man doch erwartet, dass Putin sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vor ein Mikrohon oder eine Kamera dräng, ähnlich wie viele westliche Politiker, allen voran die deutsche Bundeskanzlerin, die sich nicht entblödete mit ihrem PR-Tross mehrfach in die Kabine der Deutschen Nationalmannschaft einzudringen, um sich mit den halbnackten Fußballern fotografieren zu lassen.
Nach dem Viertelfinalspiel, der WM 2010 in Südafrika, dass die DFB-Auswahl mit 4:0 gewann, beim Handshake mit Arne Friedrich.
Screenshot rp-online.de
RP online zeigt eine ganze Reihe von Bildern und kommentiert diese im Ton feinster Hofberichterstattung:
"Nach dem 4:0 über Argentinien stattete Bundeskanzlerin Angela Merkel der deutschen Nationalmannschaft einen Besuch in der Kabine ab.Die Begrüßung mit dem Ex-Berliner Arne Friedrich fiel besonders herzlich aus. Nach dem Handschlag erhielt der Verteidiger als Belohnung für sein erstes Länderspiel einen Klaps auf die Schulter.Dennis Aogo durfte der Kanzlerin ebenfalls die Hand schütteln und Gratulationen zum Einzug ins Halbfinale entgegennehmen.Die Kanzlerin in der Kabine - das ist selbst für alte Hasen wie Michael Ballack und Jörg Butt (im Hintergrund) etwas Besonderes - da wird schnell das Handy gezückt, um diesen Moment für die Ewigkeit festzuhalten.Merkel hielt nach der Begrüßung der Spieler eine kurze Rede in der deutschen Kabine und gratulierte dem Team zur tollen Leistung im WM-Viertelfinale.Die Akteure um Kapitän Philipp Lahm bedankten sich artig und klatschten ihrerseits nach der Rede der Kanzlerin."
Qualifikation zur EM gegen die Türkei im Oktober 2010: "Merkel war am 8. Oktober nach dem Spiel im Berliner Olympiastadion zusammen mit Bundespräsident Christian Wulff, dessen Tochter, dem Fotografen und Seibert in die Kabine geeilt - ohne Delegationschef Zwanziger", berichtet Der Spiegel.
Screenshot Der Spiegel

Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert anlässlich des Kanzlerinnenbesuchs in der Kabine der DFB-Auswahl bei der WM 2014 in Brasilien nach dem ersten Gruppenspiel. Merkel war mit großem Tross eigens für dieses Foto nach Brasilien geflogen.
Screenshot Twitter.com
Das gleiche Foto brachte auch Der Spiegel und kommentierte:
"Am Sonntag ist Angela Merkel mit ein paar Kollegen aus dem Bundestag in den Regierungsflieger gestiegen. Die Kanzlerin hat einmal den Atlantik überquert, um in Brasilien mal kurz beim Eröffnungsspiel der Nationalmannschaft vorbeizuschauen. Nebenbei ist noch dieses hübsche Kabinenfoto herausgesprungen, das ihre Leute sogleich im Internet verbreiteten. Am Dienstagmorgen war Merkel wieder zurück in Berlin.Welch ein Trip."
Wer nun glaubt, der Text sei der reine Sarkasmus, der täuscht sich. Der Spiegel ist sich seiner Verantwortung als offizielles Regierungsamtsblatt durchaus bewußt und lobhudelt ein wenig. Das wird dem letzten Altliberalem spätestens dann klar, wenn das Blatt zur Erklärung ansetzt:
"Natürlich sind solche WM-Szenen immer auch Werbung in eigener Sache. Aber immerhin hat der Zuschauer eine Gelegenheit, die Politiker mal außerhalb ihrer herkömmlichen Umgebung zu beobachten. Nicht beim EU-Gipfel oder beim Truppenbesuch, sondern auf der Stadiontribüne oder in der Kabine. Für einen Moment bewegen sich Merkel und Co. in einer ihnen weitgehend unbekannten Sphäre. Die Regeln bestimmen mal andere."
Der Gipfel der geschmacklosen Anbiederung: Selfie mit Lukas Podolski während der Weltmeisterschaft 2014
Screenshot Instagram.com
Putin aber hielt sich dezent zurück, widerstand der Versuchung, sich, wie Merkel, der Lächerlichkeit preiszugeben und überließ die Öffentlichkeitsarbeit seinem Premier Medwedew.

 Es hatte schon nicht gut angefangen für den deutschen Mainstream. Am 14. Juni, Tage bevor die deutsche Mannschaft sich von Mexiko vorführen liess, berichtete der Spiegel von der Eröffnungsfeier in Moskau. Zuerst zeigte Robbie Williams, der die Eeröffnungsfeier mit einem Madley aus fünf seiner größten Hits einleitete seinen Kritikern, die ihm vorwarfen seine Seele an einen Diktator verkauft zu haben, den Stinkefinger zu den in sein Lied eingefügten Worten:
"I did this for free", 
dann hielt Putin, nicht die von allen erwartete lange, ausschweifende Rede, sondern begrüsste kurz und knapp die Gäste (nicht die Politiker) aus aller Welt, und dann gewann zu allem Überfluß auch noch die russische Mannschaft, deren Vorrundenaus bereits beschlossene Sache war, gegen Saudi-Arabien mit 5 : 0. Der Spiegel rang nach Worten:
"Kurz vor dem Anpfiff hatte dann auch noch der russische Präsident Wladimir Putin seinen großen Auftritt."
 Zwar ist es Usus bei dererlei Veranstaltungen, dass der Präsident des Gastgeberlandes die ausländischen Gäste begrüßt, aber anders wie bei den Fußballweltmeisterschaften in Deutschland, Südafrika oder Brasilien wo die Begrüßung der Gäste auch Begrüßung der Gäste genannt wurde, nannte man das Gleiche bei Putin"seinen großen Auftritt". Der Spiegel konnte eine einfache diplomatische Routine natürlich nicht einfach so stehen lassen und sonderte schnell noch etwas Propagandamüll ab:
"Er richtete einen Gruß an die Fans aus aller Welt. 'Unser Herz schlägt sehr hoch für diesen Sport. Wir sind ein offenes, gastfreundliches Land, in dem unsere Gäste viele Freunde finden werden', sagte Putin während seiner Rede - wie ARD-Dopingexperte Hajo Seppelt die Rede empfand, der aus Angst vor Repressalien nicht nach Russland reist?" 
 Der Spiegel muss natürlich das harte Schicksal des begnadeten Selbstdarstellers Seppelt thematisieren. Seppelt ist Teil der Propaganda-Community der westliche Presse gegen Russland. Und er tut das ohne sich auch nur im Geringsten dafür zu schämen.

 Seppelt hatte, wohl wissend, dass er in Russland, wegen seiner vielen unbewiesenen Behauptungen im sogenannten Dopingskandal auf der Liste der unerwünschten Personen stand, ein Einreisevisum beantragt. Zweck und Hintergrund war natürlich die Kalkulation, dass die Russen das Visum nicht erteilen würden. So konnte man vortrefflich daraus einen weiteren Frontalangriff gegen Russland kreieren: "Putin läßt keine freie Berichterstattung zu, Dopingexperte wird Einreise verweigert....."

 Aber, just hatte man die Kampagne anlaufen lassen, zog die Regierung in Moskau die Reißleine und erlaubte Seppelt die Einreise, wies allerdings daraufhin, ihn als Zeugen in einem laufenden Strafverfahren gegen Grigorij  Rodschenkow, den in den USA untergetauchten Informanten des FBI, als Zeugen verhören zu wollen. Eine ganz normale Reaktion der russischen Justiz. Wenn man eines Zeugen, der sich standhaft weigert in einem Strafverfahren vor den Behörden auszusagen, habhaft werden kann, so muß der Zeuge damit rechnen zu einer Aussage geladen zu werden.

 Jetzt saß der Seppelt in der selbst gebauten Falle. Hatte er doch in einem im Mai ausgestrahlten Beitrag für die ARD-Sportschau behauptet, das FBI habe ihm ein Interview, mit dem in einem Zeugeschutzprogramm vor der Öffentlichkeit versteckten Rodschenkow, vor laufender Kamerea gestattet.

Rodschenkow? mit Selbstdarsteller Seppelt
Screenshot ARD
 Ob diese, als dümmlicher Bankräuber verkleidete Person nun wirklich Rodschenkow war oder nicht, das FBI, so viel ist bekannt, wird niemals einem Menschen, den es in  seine Machenschaft irgendwie Einblick gewährt, oder den es für Aktionen missbraucht hat gestattet, unbehelligt nach Russland zu reisen. Viel zu groß wäre die Gefahr, dass Seppelt während der sicherlich nicht mit Samthandschuhen geführten Vernehmung, Internas seines Interviews ausplaudern würde, schon allein um sich wichtig zu machen.

 Seppelt wußte, würde er nach Moskau reisen, würde er mit Sicherheit dort nicht lebend ankommen. Also erfand man die Mär von der Bedrohnug der Sicherheit Seppelts. Die war zwar gegeben und real, aber sie kam sicherlich nicht aus Russland.

 Die russische Mannschaft hatte dieweil nach einem weiteren Sieg (3 : 1 gegen Ägypten) und trotz einer krachenden Niederlage (3 : 0 gegen Uruguay) das Achtelfinale erreicht. Aber kein jubelnder und sich in der Öffentlichkeit produzierender Putin - nirgends. Der Spiegel war verzweifelt:
"Anders als viele dachten, nutzt der russische Präsident als Gastgeber der WM das Turnier bisher nicht für große Auftritte."
Frustriert zitiert das Blatt Putins Sprecher Dimitri Peskow:
"Der Präsident sei sehr beschäftigt."
Und ein wenig Unverständnis dafür, dass Putin der westlichen Mainstreampresse nicht einmal einen kleinen Gefallen tut und ein wenig Siegesgeheul anstimmt, schwingt mit, wenn die Stimmung in der Redaktion vollends umschlägt:
"Das war er bereits gegen Ägypten (3:1), da weilte er beim weißrussischen Autokraten Alexander Lukaschenko in Minsk. Und auch beim 0:3 gegen Uruguay war Putin nicht im Stadion. Amtsgeschäfte, hieß es."
Wenn er dem Spiegel nicht den Gefallen tut und sich, wie Merkel, vor aller Welt zum Vollhorst degradiert, dann thematisiert man eben, dass Russlands Präsident einen Besuch "beim weißrussischen Autokraten Alexander Lukaschenko in Minsk", einer Ehrerbietung seiner erfogreichen Mannschaft und der gesamten FIFA-WM vorzieht - ätschebätsche!

Aber man hat ja noch die gleichgeschaltete Regierungspresse:
"Die Presse überschlägt sich."
Der Spiegel hält es für angebracht einige der Pressestimmen zu zitieren. Warum weiß eigentlich keiner so recht. Ist es doch der gleiche Blödsinn wie überall auf der Welt, wenn die eigene Mannschafts gewonnen hat:
"'Hurrraaaa. Du bist der Kosmos, Stas' schreibt 'Sportexpress' über Trainer Stanislaw Tschertschessow. Die 'Komsomolskaja Prawda' titelt 'Fantastischer Sieg', 'Weiter so!' , 'Iswestija' und 'Kommersant' sind sicher: 'Wir schaffen das!'" 
 Der Spiegel will wohl seinen ständig wiederholten Vorwurf, die Russen lebten in einem nationalen Wahn, weshalb sie sich auch nicht den westlichen Errungenschaft öffneten und darauf beständen sich ihre Zukunft nicht aus den Redaktionsstuben des Mainstreams vorschreiben zu lassen, sondern darüber selbst zu bestimmen.

 Womit allerdings die eingangs gestellte Frage "Was macht eigentlich Wladimir Putin", noch immer nicht erschöpfend beantwortet wäre. Dabei hilft dann wieder der oben bereits erwähnte Ibrahim Naber von "Die Welt" weiter. Nach dem Sieg der Sbornaja im Elfmeterschiessen über Spanien und dem Einzug ins Viertelfinale vermutete Naber Übersinnliches. Putin, so Naber, habe magische, ihm direkt vom Satan verliehene Kräfte dazu genutzt unfair in den Wettbewerb zu Gunsten Russlands einzugreifen:
"Der Legende nach gab ein Mann die entscheidende Vorlage zum russischen Sieg, der am Sonntagabend überhaupt nicht auf dem Rasen stand: Wladimir Putin. Stunden vor dem Spiel soll der russische Präsident Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow angerufen haben. Botschaft laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: „Putin meinte, dass ungeachtet des Ergebnisses niemand im Land sie verurteilen würde.“
Ziemlich doof die Russen - glauben solch einen Schwachsinn. Dabei werden sie von ihrem Maximo leader gerade wieder belogen und betrogen. Siege der Fußballer, so Hebel könne Putin aber auch dringend gebrauchen,
"denn die Beschlüsse, das Rentenalter und die Mehrwertsteuer anzuheben,"
könnten ansonsten schnell zu Unruhe im Volk führen.
"Zum einen soll die Mehrwertsteuer mit wenigen Ausnahmen von 18 auf 20 Prozent erhöht werden. Zum anderen soll das Renteneintrittsalter für Männer auf 65 Jahre (bisher 60) und für Frauen auf 63 Jahre (bisher 55) angehoben werden",
schreibt Ellen Ivits auf Stern.de. Dunkel erinnern wir uns, das eine Regierung aus Sozialdemokraten und Grünen unter dem Jubel der versammelten veröffentlichten Meinung den Deutschen eine Rentenerhöhung auf 67 Jahre bescherte und die gleichen Sozialdemokraten, nunmehr Juniorpartner der CDU in einer Regierung unter Kanzlerin Merkel einer Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent zustimmten, obwohl sie vorher im Wahlkampf behauptet hatten, eine Mehrwertsteuererhöhung sei mit ihnen nicht machbar.

Wahlplakat der SPD im Bundestagswahlkampf 2005
Screenshot SPD
Im Gegensatz zur SPD, die einfach dummdreist ihre Wähler betrogen hat und nicht weiter darüber redet, ist Putin ein verschlagener Fuchs:
"Die bösen Nachrichten erreichten die russische Bevölkerung, als ihre Nationalmannschaft gerade das erste Spiel dieser WM gegen Saudi-Arabien bestritt. Während Wladimir Putin wohlweislich das Spiel im Moskauer Luschniki-Stadion verfolgte, trat sein Premierminister Dmitri Medwedew vor die Kameras und hoffte wohl, keiner würde ihm zuhören."
 Aber nicht nur, dass Putin Medwedew das Überbringen der schlechten Nachrichten überließ. Der Stern zumindest vermutet eine schwere Krise in der russischen Führung. Angst, so hat Ellen Ivits, bei ihren sicher häufigen Besuchen hinter den dicken Kremlmauern herausfinden könnenläßt Putin die Öffentlichkeit meiden.
"Dass der Kreml Angst vor dem Zorn des eigenen Volkes hat, zeigt nicht nur der Termin der Verkündigung der Rentenerhöhung, sondern auch Putins Verhalten in den letzten Wochen."
 Und so kommt der Stern zu einer ganz anderen Antwort als Die Welt und Ibrahim Naber auf die Frage des Spiegels: "Was macht eigentlich Wladimir Putin?" Während Naber der Meinung ist, Putin sei während der Fußball-Weltmeisterschaft Tag ein und Tag aus vollends damit beschäftigt mit seinen magischen Kräften die Ergebnisse der Spiele nach allen Kräften zu manipulieren, sieht Ivits den Kremlherrn sich vor Angst schlotternd in den geheimen Gewölben des Kreml vor seinem eigenen Volk verbergen:
"Der Kreml-Chef vermeidet alles, nur um nicht mit der Rentenreform in Zusammenhang gebracht zu werden. Seit dem Auftaktspiel der WM meidet er die Öffentlichkeit, erschien weder zu dem Spiel der russischen Sbornja gegen Uruguay noch zu dem gegen Spanien."
 Das widerum mag Christina Hebel vom Spiegel nicht so recht glauben. Sind doch die Russen viel zu blöde um zu bemerken, das Putin ihnen die letzten Rubelchen aus der ohnehin nur schlaff gefüllten Tasche zieht:
"Die meisten Russen feiern lieber ihren Fußballsommer. Überall im Land sind nun russische Fahnen zu sehen."
Aber, leider, leider - icht einmal das Feiern bekommen sie hin, ohne Hilfe aus dem Westen:
"Bei Fans aus anderen Ländern hat man sich abgeschaut, wie man den weiß-blau-roten Erfolg feiert, malt sich die Nationalfarben ins Gesicht, trötet in Vuvuzelas, bittet brasilianische und mexikanische Fans mit aufs Selfie. (...)Die Fangesänge sind im Vergleich mit den südamerikanischen oder afrikanischen Fußballgästen noch ausbaufähig, aber immerhin singen sie nun auf den Straßen den Klassiker 'Katjuscha'". 
 Am Ende haben wir also wieder alles schön zusammenbekommen: Der Satan Putin, die doofen Russen, der Betrüger Mutko, und die verschlagenen Slawen, die immer wieder eine Gelegenheit finden die aufrechten Recken des Westens übers Ohr zu hauen. Hebel, Naber und Ivits - und natürlich  auch wir, die immer und immer wieder sich von unseren Meinungsmachern hinters Licht führen lassen, die solchen Schwachsinn auch noch mutieren, indem wir für unser sauer verdientes Geld, die mit Werbung über und über zugepflasterten Blätter am Kiosk kaufen, können sich zurücklehnen und wegdämmern.

Dienstag, 3. Juli 2018

Der Fall Chris Froome: Allein die WADA bestimmt was Doping ist.

 Die Nachricht war eigentlich gar keine richtige Nachricht. Wer interessierte sich zu Zeiten der Fußballweltmeisterschaft in Russland schon für den Radsport, die am Samstag beginnende Tour de France,  deren Dauersieger, Chris Froom und dabei wiederum um die Dopingvorwürfe gegen den Briten. Während sich hierzulande die Medien den Mund zerreissen über angeblich übermenschliche Laufleistungen russischer Balltreter und dabei ganz unverhohlen über durch nichts begründete Dopinganschuldigungen fabuliert, wird der Fall Froom, unter Ausschluß der Öffentlichkeit, unter den Teppich gekehrt.

 Eine mehr als denkwürdige Rolle spielt in diesem Fall öffentlicher Ahnungslosigkeit die Antidopingagentur WADA, deren Präsident Craig Reedle, ebenfalls britischer Staatsbürger, ist.

 Froom nahm schon seit längerer Zeit mit einer Ausnahmeregelung, einer "Therapeutic Use Exemptions" (TUE), die eine Verwendung eigentlich verbotener Substanzen aus therapeutischen Zwecken erlaubt, an Radsportwettkämpfen teil. Froom "leidet" wie viele andere Spitzensportler an Asthma. Eine Krankheit, die die Verabreichung des Mittels Salbutamol mit einer solchen TUE der WADA ermöglicht.

Am 15. September 2016 veröffentlichte das Hockerportal "Fancy Bear" einige "Certificate of Approval for therapeutic Use" auf deutsch "Zulassungsbescheinigung für die therapeutische Verwendung" der "Union Cycliste Internationale" (UCI) für den Entzündungshemmer "Prednisolon" für den Sportkamerad Froome.




 Prednisolon wird seit 1957 von der deutschen Pharmafirma Merck unter dem Namen „Solu-Decortin H“ vertrieben. Zu den Anwedungsgebieten des Mittels zählt unter anderem die Medikation bei Asthma Stufe 4, schweres Asthma, und Stufe 5 sehr schweres Asthma. Bei Stufe vier ist die Atemfunktion um mehr als 40% eingeschränkt, eine Schwerstbehinderung. Zu den Nebenwirkungen des Medikaments zählen Osteoporose, Diabetes und dem Cushing Syndrom, einer Änderung der Körperformen, wie Vollmondgesicht, eine allgemeine Gewichtszunahme, Stiernacken, erhöhter Blutdruck, Herzschwäche, Bildung von Ödemen und Nierensteinen. Die älteste Ausnahmegenehmigung datiert auf das Jahr 2013.

 Am 7. September 2017 während der Spanienrundfahrt "Vuelta" hatte eine Urinprobe bei Froome eine Salbutamolkonzentration von 1.920 Nanogramm pro Milliliter Urin ergeben. Erlaubt ist etwas mehr als die Hälfte dieses Wertes 1.000 Nanogramm pro Milliliter Urin. Salbutamol gehört zu den Beta-2-Sympathomimetika, die das Bronchialsystem erweitern. Salbutamol hat gegenüber Prednisolon den großen Vorteil, dass es bis zur Höchstgrenze von 1.000 Nanogramm pro Milliliter Urin nicht genehmigt werden muss.

 An jenem denkwürdigen 7. September 2017 feierte Froome einen grandiosen Sieg auf dem Schlussanstieg der 18. Etappe der Spanienrundfahrt, der Vuelta, dem Alto de Santo Toribio de Liébana. Einen Tag zuvor hatte Froome noch stark geschwächelt. Auf dem Zielanstieg zum Alto de los Machucos verlor er 1:46 Minuten auf den späteren Sieger, den Österreicher Stefan Denifl und auf seine schärfsten Konkurenten Vinzenzo Nibali 1:04 Minuten und Alberto Contador 1:18 Minuten.

 Seit dem 7. September 2017 zögerte sich das Verfahren der UCI hin. Die positive Dopingprobe wurde sogar über Monate geheim gehalten. Froome durfte weiterhin Rennen fahren. So wurde er bei der Weltmeisterschaft in Norwegen dritter im Zeitfahren gewann die Italienrundfahrt, den Giro, nachdem er auf der drittletzten Etappe in einer 80 Kilometer langen Alleinfahrt den bis dahin führenden Simon Yates aus dem rosa Trikot des Gesamtführenden gefahren hatte. Er nahm an Klassikern wie der Ruta del Sol, Tirreno-Adriatico und der Alpen-Tour teil.

 Während also Froome fröhlich und unbehelligt von der WADA und der UCI weiterhin alles in Grund und Boden fuhr, was sich ihm in den Weg stellte, waren seine Anwälte damit beschäftigt den beiden Organisationen das harte Leben eines Schwerstbehinderten,
"ich leide seit meiner Kindheit an Asthma",
 zu erklären. Einem Schwerstbehinderten, dessen größter Wunsch es ist, im Spitzenradsport eine dominierende Rolle zu spielen. Das war Froome, so wird berichtet, wohl mehrere Millionen Euro an Anwaltskosten wert.

 Erst als der Veranstalter der Tour de France, "ASO", vor ein paar Tagen Froome von der Tour ausschloß, setzte die UCI überraschend kurzfristig eine Verhandlung des Falles an. 24 Stunden nach dem Tourausschluss kam nun der Freispruch ohne wenn und aber. Die WADA stimmte zu und Froome kann starten:
"Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) gibt bekannt, dass sie gegen die Entscheidung der Union Cycliste International (UCI) keine Anti-Doping-Regelverletzung (ADRV) im Fall des Briten Christopher Froome geltend machen wird."
 Die Begründungen der WADA für dieses Urteil sind allerdings atemberaubend:
"Basierend auf einer Reihe von Faktoren, die für den Fall von Herrn Froome spezifisch sind - einschließlich insbesondere einer signifikanten Zunahme der Dosis, in einem kurzen Zeitraum vor der Dopingkontrolle, in Verbindung mit einer dokumentierten Krankheit; sowie die nachgewiesene Schwankung der Salbutamol-Ausscheidung, die im Patienten liegen - kam die WADA zu dem Schluss, dass das Probenergebnis nicht unvereinbar ist, mit der Aufnahme von inhaliertem Salbutamol innerhalb der zulässigen Höchstdosis."
Umständlicher als mit einer doppelten Verneinung "nicht unvereinbar" kann man sich wohl nicht ausdrücken und ist sicher dem Wunsch nach Verschleierung geschuldet. Nachdem die WADA nun referiert für den Fall,
"dass Athleten in seltenen Fällen die Konzentrationsgrenze (von 1200 ng Salbutamol pro ml Urin) überschreiten können, ohne die maximale inhalierte Dosis zu überschreiten",
erlaube die Verbotsliste es betroffenen Athleten,
"in der Regel durch eine kontrollierte Pharmakokinetikstudie (CPKS) (...) nachzuweisen, dass die relevante Konzentration mit einer zulässigen inhalierten Dosis vereinbar ist."
Frome scheint ein solcher Nachweis nicht gelungen zu sein, denn für ihn macht die WADA noch einmal eine Ausnahme von der Ausnahme.
"Im Fall von Herrn Froome akzeptiert die WADA, dass eine CPKS nicht praktikabel gewesen wäre, da es nicht möglich gewesen wäre, die einzigartigen Umstände vor der Dopingkontrolle vom 7. September angemessen wiederherzustellen (z.B. Krankheit, Medikamentengebrauch, chronische Verwendung von Salbutamol in unterschiedlichen Dosen im Verlauf von Wochen des intensiven Wettbewerbs)."
 Die WADA schließt:
"Nach sorgfältiger Prüfung der Erläuterungen von Herrn Froome und unter Berücksichtigung der einzigartigen Umstände seines Falles akzeptiert die WADA, dass:
  • das Probenergebnis steht nicht im Widerspruch zu einer Einnahme von Salbutamol innerhalb der zulässigen maximalen inhalierten Dosis;
  • eine angemessene CPKS ist nicht praktikabel; und
  • Die Stichprobe kann als keine AAF (Adverse Analytical Findings) betrachtet werden.
Die WADA hält dies für das richtige und faire Ergebnis für einen sehr komplexen Fall."
  Die WADA liefert nicht ein einziges Faktum, dass zu ihrer Entscheidung geführt hat. Die Vorschriften werden einfach ausgehebelt "akzeptiert die WADA, dass eine CPKS nicht praktikabel gewesen wäre", und nach den "Erläuterungen von Herrn Froome", wird die belastete Probe einfach weggeredet:
"Die Stichprobe kann als keine AAF betrachtet werden."
Die Russen sind schon um einiges hinter der Zeit. Glaubt man den diversen Anschuldigungen, so haben sie während der Winterolympiade in Sotschi die belasteten Proben durch Löcher in der Wand ausgetauscht. Die WADA ist den Russen da um Welten voraus: Hier muß nicht gebohrt, gesägt und gefeilt werden, hier muss man nicht heimlich still und leise die Fläschen mit Pipi drin aufschrauben, den Inhalt weggiessen und mit anderem unbelastetem Pipi wieder befüllen. Belastete Proben werden von ihr einfach anders betrachtet, nämlich als unbelastet und schon ist alles wieder gut.

Donnerstag, 28. Juni 2018

Das böse Nachtreten der deutschen Qualitätsmedien

"Die Zeit" wollte wohl witzig sein:
"Es ist einfach billig, überholt und fast verboten, einen Text über Russlands Nationalmannschaft mit dem Thema Doping zu beginnen."
 Als wenn es schon jemals einen Zeit-Redakteur gestört hätte, wenn etwas billig oder von der Realität überholt war, wenn es um Hetze gegen das größte Land der Erde, Russland geht. Und weil es so ist, wie es ist, kann auch Felix Dachsel nicht ganz umhin, seinen Artikel über die Fußballelf Uruguays mit dem menschenverachtendem Blick auf den Fußballer Edinson Cavani:
"Ein Mensch aus Willen, Sehnen, Haaren, Muskeln"
mit  ein paar Anspielungen darauf zu würzen, dass die russischen Fußballspieler allesamt gedopt sind:
"Heute hat die russische Elf, nach zuvor zwei Siegen, acht Toren und ein paar Gerüchten, gegen Uruguay im letzten Spiel der Gruppe A den Beweis angetreten, dass sie entweder überhaupt nicht oder sehr, sehr schlecht gedopt ist."
 Ein paar Gerüchte, das reicht der Journaille heutzutage allemal um darüber zu berichten und dem Zeitredakteur Dachsel um darauf zu verlinken. Sein Link führt zu einem Artikel in der Süddeutschen: 
"Sie laufen und laufen und laufen",
von Johannes Aumüller und Thomas Kistner. Aumüller ist Redakteur für Sportpolitik (nicht etwa für Sportberichterstattung) und Osteuropa, eine Kombination, die ungewöhnlich, in der jetzigen Zeit, in der sich alles der großen Aufgabe, Propaganda gegen Russland, unterzuordnen hat, aber überaus schlüssig ist. Kistner auch für das Ressort Sportpolitik tätig, ist ein bekannter Autor mehrerer Bücher über die Schattenseiten des Sports und anscheinend bereit, sich seinen guten Ruf als Journalist zu versauen.

 Was "Die Zeit" noch "ein paar Gerüchte(n)" nennt, könnte man bei näherer Betrachtung auch haltlose unbewiesene Unterstellung nennen. Wie die beiden Schreiber von der Süddeutschen, da eins und eins zusammenzählen und dann ihr Ergebnis, drei, hinausposaunen, dass erfüllt schon den Straftatbestand der Verleumdung.

 Wenn jemals das Wort Verschwörungstheorie eine Bedeutung hatte, dann für die Vermutung der Beiden, schon bei der Gruppenauslosung sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen:
"Erstaunlich war nicht nur, dass just dem Gastgeber eine angenehm leichte Gruppe zugelost worden war,..."
und die beiden Spiele gegen Saudi-Arabien und Ägypten seien verschoben worden:
"...sondern auch, dass sich die Gegner aus Saudi-Arabien (5:0) und Ägypten (3:1) gegen Russland so kraftlos präsentierten; deutlich schwächer als in ihren Spielen gegen Uruguay (jeweils 1:0)."
Auch die verhältnismässig vielen Tore, die die Mannschaft erzielte, gibt Aumüller und Kistner, an deutschen Minimalismus gewöhnt, Anlass zu den wildesten Spekulationen:
"Acht Treffer aus 26 Torschüssen ergibt eine Quote von 3,25; die DFB-Elf kam auf zwei Tore bei 43 Schüssen (21,5)."
 Wer angesichts solcher Zahlen nun fragt, was die Russen dafür können, wenn die deutschen Stürmer so ziemlich alles versemmeln, was ihnen vor die Füsse fällt, der hat das Prinzip nicht verstanden. Wenn westliche Journalisten Vergleiche zwischen der westlichen Wertegemeinschaft und dem russischen Autokratismus anstellen, dann nur zu dem Zweck um zu zeigen, wie verdorben und hinterhältig doch der Slave ist. Wenn also die deutsche Torquote so viel schlechter ist als die russische, dann liegt das nicht daran, dass die deutschen Stürmer einfach nicht in der Lage sind das Tor zu treffen, sondern daran, dass der hinterhältige, verschlagene Russe, irgendeinen Weg gefunden hat, auf unredliche Art und Weise, das Runde in das Eckige zu befördern.

 Beweise hat man keine - braucht man auch nicht. Es reicht, die jämmerlichen aber ehrlich erzielten zwei Törchen der deutschen Millionenkicker, zu den acht erzielten russischen ins Verhältnis zu setzen und jedermann weiß, dass nach der Regel, das nicht sein kann, was nicht sein darf, die russischen Tore erschwindelt sein müssen.

 Das Alles hat zwar mit Betrug zu tun, aber noch nicht mit dem Lieblingsthema westlicher Berichterstatter, wenn bei irgendeinem Sportereignis irgendwo auf dieser Welt eine russische Sportlerin oder Sportler an den Start geht, dem Doping. Russische Sportler sind nun mal gedopt. Wer daran bisher noch Zweifel hegte, den belehren die beiden Verschwörungstheoretiker nun ein für allemal eines besseren:
"Erstaunlich sind auch die furchteinflößenden Laufleistungen."
"Furchteinflössend" sind die Laufleistungen, nicht erstaunlich, unglaublich, wegen mir auch wenig glaubhaft oder merkwürdig - nein "furchteinflössend". Nicht vergessen, es ist der Russe, der hier so ausdauernd unterwegs ist, nicht irgendein Äthiopier, Sudanese, Algerier oder Marokkaner sondern der Russe. Und wenn der erst einmal läuft, dann macht er sicherlich nicht vor der sich ständig nach Osten verschiebenden Nato-Ostgrenze halt. Dann läuft er durch Polen, das Baltikum und bleibt auch vor den Toren Berlins nicht stehen:
"Gegen die Saudis liefen die Russen 118 Kilometer, 15 mehr als der Gegner. Gegen Ägypten schafften sie 115, noch 5,5 mehr als die Widersacher. Niemand im Turnier rannte bislang nur annähernd so viel."
Wurden bei der Torquote noch Vergleichszahlen genannt, wobei das jämmerliche Ergebnis der deutschen Kicker als das Maß aller Dinge, als in Stein gemeißelt angesehen wurde, wartet man hier auf ebensolche, gottgegebenen Eckdaten. Nur das die Ägypter, mit null Punkten und ebenso wie Deutschland kümmerlichen zwei erzielten Toren, Tabellenletzter der Vorrundengruppe a, 5,5 Kilometer weniger gelaufen sind erfahren wir.

 Was also sind die 118 gegen die Saudis und die 115 gegen Ägypten gelaufenen Kilometer wert? Da muss uns der Satz:
"Niemand im Turnier rannte bislang nur annähernd so viel."
als Beweis genügen.

 Ist das nun ein sicherer Beweis dafür, dass die russischen Fußballer dauerlaufende Medizinschränke sind? Oder ist es vielmehr ein Beweis dafür, dass die hochbezahlten Profis aus Spanien, England, Frankreich oder Deutschland einfach zu faul waren sich etwas mehr zu bewegen. Schauen wir uns einmal ein paar verfügbare Vergleichszahlen an.

 Laut der Zeitschrift "ran" vom 06. Juli 2014 lief die deutsche Nationalmannschft bei der WM 2014 in Brasilien im Durchschnitt aller Spiele bis zum Halbfinale 115,3 Kilometer. Der später im Halbfinale von den deutschen mit dem "furchteinflössend(dem)" Ergebnis 7:1 geschlagenen Gastgeber Brasilien, kam nur auf gut 109 Kilometer. Kommentar der Zeitschrift "ran":
"Die deutsche Nationalmannschaft ist bei der WM-Endrunde aktuell offenbar das Team mit der besten Fitness"
Schliessen wir uns der Argumentation der Süddeutschen an, so müssen wir wohl eher davon ausgehen, dass die Spieler der Deutsche Nationalmannschaft bis an den Stehkragen mit leistungssteigernden Mitteln vollgestopft waren. 5,3 Kilometer höhere Laufleistung als der hohe WM-Favorit Brasilien und dazu noch dieses stutzig machende Ergebnis. War etwa nicht nur das Sommermärchen von 2006 Lug und Betrug, sondern auch der Weltmeistertitel 2014?

 Ein Blick auf die Laufleistungen in der abgelaufenen Bundesligasaison 2017/2018 relativiert die "furchteiflössed(e)" Wirkung der russischen Fußballer etwas, oder aber zeigt uns das Bild einer über und über korrupten Liga mit völlig zugedröhnten Spielern. Schliessen wir uns der Behauptung, oder Verdächtigung der Süddeutschen an, dass eine Laufleistung von 115 Kilimetern pro Mannschaft und Spiel nur durch leistungssteigende Mittel zu erreichen ist, so waren einer Aufstellung von Sport.de zufolge, Spieler von 12 der 18 Mannschaften der Bundesliga durchgehend gedopt - gruselig.

Screenshot Sport.de

Unbeeindruckt von solch' erschütternden Fakten spintisieren unser beiden Märchenonkel weiter:
"Interessant ist auch die Einzelwertung: Die Top Ten des ersten Spieltages führten in Golowin, Samedow and Gasinskij gleich drei laufstarke Russen an, auch Sobnin schaffte es unter die Besten. Vier Akteure unter den energetischsten Zehn, aus insgesamt rund 480 Aktiven: Das ist auffallend."
  Woher die Beiden die Zahl von 480 Aktiven in allen Spielen der ersten Runde haben, bleibt genauso im Dunklen, wie die meisten anderen. Rechne ich richtig, so können bei 32 Mannschaften, die an der Weltmeisterschaft teilnehmen, selbst wenn alle ihr Wechselkontingent von drei Spielern voll ausgeschöpft haben höchsten 32 X 14 Spieler, also 448 Spieler teilgenommen haben. Eine ganz einfache Rechnung - so einfach, dass sich das runden nicht lohnt. Aber was will man schon mit korrekten, konkreten Zahlen? Rund 480! Das klingt.

 Was hatten wir bis jetzt? Vermutungen, Verdächtigungen Zahlen, die nicht gesichert sind oder einfach nicht stimmen und wenn, dann verweigert man uns Referenzzahlen, damit wir die genannten nur nicht einordnen können. Aber unterteilt man den Beitrag in zwei Teile, so haben wir den konkreteren hinter uns. Ab jetzt verzichten die Autoren gänzlich auf konkrete Angaben, ob falsch oder richtig. Ab jetzt wird ausschliesslich spekuliert.

 So vom Leiter der US-amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, Travis Tygart, hinter dessen Namen stets der Halbsatz "der einst Lance Armstrong zur Strecke brachte" folgt. Vergessen wird dabei, dass dieser Lance Amrstrong fast ein ganzes Jahrzehnt vollkommen unbehelligt die ehrlichen Radsportler der Welt um den Lohn für ihren Trainingsfleiß für ihre Mühen und ihren Schweiß, für Qualen und Entbehrungen gebracht hatte, während ihm nicht nur die USA kritiklos zujubelten. Ein Travis Tygart wurde erst aktiv als er gar nicht mehr anders konnte, weil nämlich Kollegen Armstrongs reihenweise auspackten und Beweise für dessen Betrügereien auf dem goldenen Tablett servierten.

 Dieser Travis Tygart, der in der ganzen Affäre um russisches Staatsdoping eine unappetitliche, undurchsichtige Rolle spielt, kehrt mal eben die Beweislast, die in der Regel bei der Anklage liegt in ihr Gegenteil um:
"Zwangsläufig hängt eine dunkle Wolke über solchen russischen Leistungen, bis sie transparent und die Fragen mit wahrhaftigen Fakten beantwortet sind."
 "Wahrhaftige Fakten", die wünschte man sich von den Anklägern, wie Tygart. Aber hier wird argumentiert, dass ein Vorbestrafter, ob zu Recht oder zu Unrecht lassen wir einmal aussen vor, automatisch und natürlich immer und immer wieder schuldig ist - Beweise braucht's da keine mehr.

Und wenn die russische Seite dann Zahlen nennt, werden diese einfach ignoriert.:
"Dopingexperte Tygart sagt, dass auffällige Leistungssprünge nach den Regeln zu intensiveren Tests führen sollten. Doch passiert das? (…) Konkretes dazu gibt es nicht von russischer Seite. Der Teamarzt sagte vor dem Turnier auf SZ-Anfrage, seit 2012 sei jeder Spieler aus dem Kader 30 bis 40 Mal getestet worden - und der potenzielle WM-Kader im Jahr vor dem Turnier insgesamt über 500 Mal."
 Das inhaltslose Geschwafel eines anerkannt parteiischen Funktionärs aus den USA gilt mehr als die anerkannt nicht sonderlich konkreten Zahlen aus Russland.

 Aber unsere beiden Protagonisten Johannes Aumüller und Thomas Kistner haben noch ein vermeintliches Ass im Ärmel:
"Nach Aktenlage haben russische Kicker stark vom jahrelangen Dopingsystem profitiert."
"Nach Aktenlage," das klingt nach Behörde, nach Amtlichkeit, nach Unumstößlichkeit, ähnlich wie Faktenlage. Allerdings verschweigen uns die Beiden nach welcher Aktenlage, nach Lage von wessen Akten. Akten sind aber keineswegs immer amtlich, spiegeln nur äusserst selten die Wirklichkeit wieder. Heißt es doch lediglich, dass irgendwo auf dieser schönen Welt ein Ärmelschonerträger irgendetwas niedergeschrieben und, wahrscheinlich sogar, mit Stempel und Unterschrift versehen, zwischen zwei Pappdeckeln abgelegt hat.

 Allerdings verwundert dann doch der nächste Satz:
"In einem Fall ist das nun sehr konkret."
 Ja was denn nun? Was ist mit der Aktenlage? Das übliche: Nichts genaues weiß man nicht. Einerseits "haben russische Kicker (anscheinend doch wohl ausnahmslos, was anderes geht aus dem Text nicht hervor) stark vom jahrelangen Dopingsystem profitiert", andererseits ist das nur "In einem Fall (...) sehr konkret". Versteh ein Mensch die deutsche Journaille!

 Der Unglückliche, der nun herhalten muss um irgendwie einen Zusammenhang zwischen russischer Nationalmannschaft und Doping herzustellen ist der Sportkamerad Ruslan Kambolow:
"Der Mittelfeldspieler von Rubin Kasan wurde 2015 positiv getestet, auf Dexametason. Und Wada-Ermittler Richard McLaren stieß früh auf Hinweise, dass es im Umgang mit der Probe Ungereimtheiten im Moskauer Labor gab."
 Der Vorfall war, wie gesagt, vor drei Jahren und blieb folgenlos, warum auch immer. Was die Sache in den Augen unserer Mitglieder der Sportpolitischen Redaktion der Süddeutschen so euphorisch werden läßt, ist der Umstand, dass:
"Ruslan Kambolow stand im WM-Kader, wurde kurzfristig gestrichen; er sei verletzt, hieß es."
 Nun sind Verletzungen im Fußball nichts besonderes. Man erinnere sich an den Spieler von Borussia Dortmund, Marco Reus, der seine Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2014 und an der Europameisterschaft 2016 wegen Verletzungen kurzfristig absagen mußte. Was bei Reus und noch vielen anderen seiner Berufskollegen, die bedauerliche, aber unbestrittene Realität war, ist bei dem russischen Balltreter Kambolow ein fast sicherer Hinweis - ein konkreter Fall von Doping.

 Zum Glück haben die Weltpresse, die Usada und das FBI immer noch einen Knipser, einen sicheren Goalgetter, der trotzdem verwandelt, auch wenn ein Steilpass mal wieder verunglückt ins Nirwana zu entschwinden scheint. Immer wenn es eng wird zaubert der "Doping-Kronzeuge Grigorij Rodtschenkow" eine schöne Geschichte aus dem Hut:
"Jüngst erklärte der Doping-Kronzeuge Grigorij Rodtschenkow, viele Jahre Laborchef in Moskau, der ARD, Kambolows Probe sei gegen sauberen Urin ausgetauscht worden - anlässlich des Besuchs von Geheimdienstmitarbeitern im Labor."
 Fans von abstrusen Räuberpistolen haben sicherlich ihren Spaß an der Geschichte, wie das deutsche Reporterlein Hajo Seppelt vom großen FBI die Gelegenheit geboten bekommt, den sich in einem Zeugenschutzprogramm der USA befindlichen Grigorij Rodtschenkow an einem geheimen Ort unter skurrilen Umständen interviewen zu dürfen. Wenn man sich die Bilder ansieht, wird man unwillkürlich an Räuberpistolen aus dem Hollywood der sechziger und siebziger Jahre erinnert.
"Geheimsache Doping: Russlands Fußball-Freunde"
heißt das knapp 20 minütige Epos, dass Seppelt für die "Sportschau" der ARD erstellt hat.
"Im April wird uns erstmals ein Interview vor laufender Kamera gestattet."
 Die Kamera zeigt uns eine Fahrt durch einen gekachelten Tunnel, verwackelte Rücklichter, der Scheibenwischer macht seine Arbeit, so wie sich Seppelt halt das Leben und Wirken der Schlapphüte vorstellt.

Screenshot ARD

 Im Fond des Fahrzeugs, durch einen Blick der Kamera in den Innenspiegel gezeigt, Seppelt, geheim unterwegs in seiner Mission "Russen dopen immer und überall", immer den FSB, Nachfolger des russischen Geheimdienstes KGB, auf den Fersen. Seppelt sieht sich gern selbst im Fernsehen. Ein Großteil der Sendezeit seiner Geheimsache-Doping-Filme füllt der Autor mit seinen diversen Sebstportraits.

Screenshot ARD

Dermassen auf einen echten Agententhriller eingestimmt, fiebert der Zuschauer mit vor Spannung feuchten Händen den nächsten Szenen entgegen und wird nicht enttäuscht:
"Der Ort muß geheim bleiben. - Auch sein Aussehen will er (Rodtschenkow) verbergen. Zu seinem Schutz habe er sein Äußeres verändern lassen, heißt es."
 Ein Mann auf der Flucht vor den Killern des KGB. "Furchteinflössend!" Wie die Laufleistung der russischen Fußballer. Und dann zeigt uns Seppelt einen Mann, den er als Grigorij Rodtschenkow vorstellt, verkleidet wie sich Seppelt wohl einen Mann vorstellt, der auf der Flucht ist vor dem Schlimmsten, was es auf dieser Welt gibt, dem KGB.

Der Zuschauer allerdings ist etwas enttäuscht. Er bekommt kein Gesicht, von Narben diverser Operationen entstellt, einem menschlichen Antlitz nur noch entfernt ähnelnd gezeigt, sondern einen Mann in Jeans, mit schwarzer Lederjacke, schwarzer Sturmhaube und verspiegelter Sonnenbrille - eher Bankräuber als Whistleblower. Das FBI hatte auch schon mal bessere Tage.





Screenshots ARD

 Ob nun Rodtschekow, oder ein soeben bei einem Bankraub verhafteter Gangster, die Szenerie ist wohl an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Und man fragt sich, warum zeigt uns Seppelt irgendein Individuum, von dem er behauptet es sei Rodtschenkow, das aber jeder X-beliebige Zeitgenosse von der Straße sein kann, der sich schnell ein paar Euro dazuverdienen will?

 Die Antwort ist schnell gefunden: Hajo Seppelt möchte uns wieder einmal Hajo Seppelt zeigen. Sogar die verspiegelte Sonnenbrille nutzt der Mann um sich zu produzieren. Er sonnt sich in seiner Popularität. Selten ist dem Mann so viel Aufmerksamkeit geschenkt worden, von dem Leute, die mit ihm zu Tun hatten, wohl nicht ganz zu Unrecht behaupten:
"(...)der Umgang mit Seppelt sei "nicht ohne". Unbequem sei er und nerven könne er wie kein Zweiter."
 Worum es den Herren Aumüller, Kistner und Seppelt wirklich geht ist nicht etwa die Gesundheit der Sportler. Das machte auf eindeutige Art und Weise Jochen Leufgens aus Seppelts  Antidopingredaktion beim WDR klar. Kaum war die Deutsche Nationalmannschaft als Gruppenletzter mit mal eben 2 erzielten Toren in drei Spielen kläglich ausgeschieden, eine Mannschaft, die doch noch ein paar Tage zuvor von Johannes Aumüller und Thomas Kistner als das Maß aller Dinge als Beweis für die Unredlichkeit russischer Fußballer herhalten musste ("Acht Treffer aus 26 Torschüssen ergibt eine Quote von 3,25; die DFB-Elf kam auf zwei Tore bei 43 Schüssen (21,5)"), da erklärte Leufgens in den ARD-Tagesthemen den Waffenstillstand für beendet.

 Das Ausscheiden der deutschen Rumpelfußballer, so erklärte Leufgens, ganz deutscher Besserwisser und Welterklärer, sei eine Chance hinter die Fassade der Weltmeisterschaft zu schauen:
"Die Fassade, die so lange 'Die Mannschaft' im Tunier ist, schwarz-rot-gold fast blickdicht getränkt bleibt."
 Hinter der Fassade da sieht Laufgens
"die, bei denen nicht wenige von politischen Gefangenen sprechen. Sie sind in Russland inhaftiert, während Vladimir Putin die WM nutzt um seine Macht nach innen zu stärken, uns nach aussen ein offenes Russland zu inszenieren. Menschenrechte scheinen dabei wenig wert."
 Die Sorge um die Sportlerinnen und Sportler, einzig ein Vehikel um Politik zu machen, um Propaganda in die Welt hinauszublasen. Nun, da die deutschen Edelkicker schwer gedemütigt nach Hause reisen müssen und die doch offensichtlich gedopten Russen im Achtelfinale der WM stehen, kann die Manipulationskanone wieder in Stellung gebracht werden.  Nicht nur schlechte Fußballer, die Deutschen, auch noch ausserordentlich schlechte Verlierer.