Donnerstag, 12. Oktober 2017

Ständige Wiederholung des gleichen inhaltslosen Propagandaschrotts - Wie die deutschen Medien den Menschen das Hirn verkleistern

 Es war wieder eine dieser Nachrichten, die gemessen an ihrem Inhalt gar keine richtigen Nachrichten sind. Sie dienen einzig und allein dazu, einen gewissen Propagandaflow aufrecht zu erhalten. Über etwas, dass es nicht gegeben hat oder dass nicht bewiesen werden kann wird immer wieder berichtet. Nicht unbedingt über den angeblichen Fakt selbst wird geschrieben, sondern über das, was andere darüber gesagt oder geschrieben haben. Eine Aussage von hören-sagen also, ohne jede Beweiskraft.

 Aber jede kleine Nachricht, jedes Gerücht, jede, auch die absurdeste Aussage eines Politikers, eines Sängers oder Schauspielers, ja jedes Geheimdienstlers, in den allermeisten Fällen schon seit mehreren Jahren außer Dienst, trägt dazu bei, einem Propagandamärchen ein klein wenig mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen.

 So bemühte sich denn in der letzten Woche der deutsche Mainstream, die Saga von der russischen Einmischung in die US-Präsidentschaftswahlen am Leben zu erhalten.
„Senatoren sehen russische Einmischung bei US-Wahl bestätigt“
meldete am 4. Oktober um 19:51 "RP ONLINE" das zur Rheinischen Post Mediengruppe, eine der fünf größten Zeitungsverlage Deutschlands zählende Online-Portal der Rheinischen Post.
„Senatoren befürchten weitere Einmischung Russlands“
zog am gleichen Tag um 20:41 Uhr „Zeit Online“ nach. Wenige Minuten Später, um 21:10 Uhr meldete dann der Tagesspiegel:
„Russische Einmischung in Wahlkampf“
Die „Deutsche Welle“ lieferte wenig später:
„US-Senatsausschuss sieht russische Wahleinmischung bestätigt“
Bei der „Wirtschaftswoche" war man um diese Zeit schon schlafen gegangen, hielt die Meldung aber für so wichtig, dass man noch am Tag danach seine Leserschaft indoktrinierte:
„Einmischung aus Russland nicht nur in den USA“
Für Menschen, die nicht so zeitig aus den Federn kommen mag selbst „Heise Online“  in seinem „Newsticker“ um 9:27 Uhr am 5. Oktober noch Überraschendes vermeldet haben:
„US-Geheimdienstausschuss: Einmischung aus Russland nicht nur in den USA“
Auch im offiziell neutralem Österreich hat die Presse klar Stellung bezogen. "Der Standard"
 wollte nicht abseits stehen wenn Uncle Sam zum großen Russenbashing ruft. Mit:
„Geheimdienstausschuss: Einmischung aus Russland nicht nur in den USA“
war er schon am 4. Oktober um 22:44 Uhr bei den diensteifrigsten Leihfedern mit dabei.

 Angenommen sie sind eines dieser kleinen blauen Männchen, die meinten, unbedingt einmal wieder nachsehen zu müssen, was sich denn so auf der Erde tut. Sie sind seit der Zeit der Dinosaurier nicht mehr auf unserem Planeten gewesen und haben somit keine Ahnung, was hier in den letzten hunderttausend Jahren geschehen ist. Sie wissen nichts von der freien Welt, der Demokratie, dem freien Handel, den Menschenrechten, kurz den westlichen Werten, die in zähem Ringen mit dem ewig Bösen, dem Pferdefüssigen, dem "Gott-sei-bei-uns" aus dem Kreml von der "westlichen Schutzmacht", von den Vereinigten Staaten von Amerika unter größten Opfern, vor allen Dingen in der Dritten Welt, verteidigt werden.

 Sie wissen auch nichts davon, dass in eben diesen USA just vor einem Jahr der ewige Finsterling aus Moskau, so wird erzählt, verhindert hat, das die "Chaos Königin"  der Todesengel Libyens, Hillary Clinton, zur neuen Präsidentin gewählt wurde. Stattdessen wird die Führungsmacht der westlichen Welt nun von einem sehr schnell beleidigtem Egomanen mit dem Horizont eines Maurerkübels regiert.

Sehen wir uns, dermaßen unvoreingenommen, die Überschriften an, so scheint eine Tatsache unzweideutig festzustehen: Russland hat sich in den Wahlkampf in den USA eingemischt. Am präzisesten drückt sich der "Tagesspiegel" aus:
„Russische Einmischung in Wahlkampf“
Eine Tatsachenaussage, die keinerlei Deutung oder gar Zweifel zulässt. Wir sind also ganz sicher, diese Einmischung hat absolut zweifelsfrei stattgefunden. Sehen wir uns daraufhin den Text einmal an: Gleich der Einleitungssatz des Artikels straft die Aussagen der Überschrift allerdings Lügen:
"Seit Monaten wird um die Frage gestritten, ob Russland in den US-Wahlkampf involviert war."
Nun ist nur noch von einer Frage, nämlich der, ob überhaupt "Russland in den US-Wahlkampf involviert war" die Rede. Und die Antworten auf diese Frage, wohlgemerkt nicht wie, sondern ob überhaupt, sind noch strittig. Also sprechen wir hier anders als durch die Überschrift insistiert,nicht von einer feststehenden, belegten Tatsache, sondern von einer bloßen Vermutung, die zudem so vage zu sein scheint, dass es lohnt, darüber zu streiten.

 Der zweite Satz gibt der Nachricht dann einen anderen, neuen Dreh:
"Nun gibt es weitere Erkenntnisse dazu."
Augenscheinlich gibt es etwas neues, dass den Streit in irgendeine Richtung, also einerseits - die Russen sind involviert-, oder andererseits - Russland hat nichts mit Vorkommen, Verlauf und Ergebnis vor, während und nach der Wahl in den USA zu tun -, entscheidend beeinflussen könnte. Schauen wir also wieder im Text nach, welche neuen Erkenntnisse das genau sind, die einen Streit, der die mächtigste Nation der Welt, mit einer Militärmacht, die die gesamte Erde in Staub verwandeln könnte, nun schon seit über einem Jahr lähmt.

 Aber wir suchen - vergebens! In dem gesamten Artikel ist kein Wort mehr von neuen Erkenntnissen.

 Dafür  wird gleich im ersten Satz die Überschrift ein weiteres Mal revidiert:
"Russland hat sich auch einem US-Parlamentsausschuss zufolge in die amerikanische Präsidentschaftswahl eingemischt."
Es handelt sich hier also keinesfalls um eine Tatsache über die berichtet wird, sondern offensichtlich um eine Meinungsäußerung, wenn auch die eines Parlamentsausschusses. Allerdings, so suggeriert das Wörtchen "auch", scheint es noch weitere Personen oder Gremien zu geben, die vorrangig diese These vertreten.

 Allerdings, so sagt es der nächste Satz, scheint diese These auf äußerst tönernen Füßen zu stehen:
"Dies sei der Konsens unter den Gremiumsmitgliedern, erklärte der republikanische Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des Senats, Richard Burr, am Mittwoch."
Die Aussage ist nicht etwa aufgrund von Indizien oder gar Beweisen getroffen worden, sondern es ist lediglich das Ergebnis interner Absprachen der Mitglieder des Geheimdienstausschusses. Diese sind, wie in der Politik üblich durch Kompromisse, der Abwägung von Meinungen, dem außer Acht lassen zu konträrer Sichtweisen und letztlich auf der Einigung auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu einer Aussage gelangt, die wiederum in der Politik üblich, durch einen Sprachfilter gereinigt der Öffentlichkeit preisgegeben wurde.

 Den Fakt, dass hier Politiker nicht um die absolute Wahrheit, sondern um ihre jeweiligen Standpunkte gerungen und sich auf eine Aussage, mit der alle Seiten leben können geeinigt haben beweist der nächste Satz der Meldung:
"Untersucht werde noch, ob es eine Abstimmung zwischen der Regierung in Moskau und dem Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump gegeben habe."
Aus ist es mit der Einigkeit und dem Konsens. Hier prallen die Ansichten und Interessen, und von nichts anderem sprechen wir hier, unversöhnlich aufeinander.

 Vollkommen absurd aber wird der künstlich erzeugte Hype wenn man sich den nächsten Satz einmal auf der Zunge zergehen lässt:
"Mit Sicherheit könne allerdings gesagt werden, dass die Gesamtstimmzahl nicht betroffen sei."
Die Ausdrucksweise des "Tagesspiegels" ist hier, wohl in voller Absicht, ziemlich nebulös. Was meint das Blatt mit Gesamtstimmzahl?

"Sie waren stets bemüht", so würde es wohl in einem Arbeitszeugnis für die Mitglieder des US-Geheimdienstausschusses zu lesen sein. der Volksmund sagt auch: "Ausser Spesen nichts gewesen". Dieses "Fleißkärtchen, dass sich der Ausschuss selbst ausgestellt hat, ist das einzigste, was dieser vorzuweisen hat. Von gesicherten Ergebnissen, gar Beweisen kein Spur.
                                                                                                                              Screenshot: PBS NEWS HOUR

 Glücklicherweise leisten sich einige Blätter noch Sklavenarbeiter, die Agenturtexte, und um einen solchen handelt es sich hier, ein wenig umschreiben. Vornehmlich wohl um den Eindruck einer gleichgeschalteten Presse zu verhindern. Durch diesem Umstand begünstigt können wir einmal andere Texte gegenlesen um herauszufinden, was gemeint ist.

"Die Zeit" schreibt z. B.:
"Es sei aber nicht zu Manipulationen des Wahlergebnisses gekommen, sagte der Ausschussvorsitzende Burr."
Die "Rheinische Post" schließt sich dieser Sichtweise an:
"Burr sagte, es seien keine Stimmenauszählungsergebnisse geändert worden." 
Wenn auch zu fragen sein wird, wie die richtige Übersetzung lautet. Wenn schon mit Zitaten als Stilmittel gearbeitet wird, dann sollten sie sich auch korrekt den ursprünglichen Wortlaut wiedergeben.

 Die "Deutsche Welle" lässt uns zwar wissen:
"Der republikanische Ausschussvorsitzende Richard Burr teilte mit, in den USA seien die Wahlsysteme von 21 Bundesstaaten ins Visier genommen worden",
schweigt sich aber sowohl über das Wie des "ins Visier genommen" aus, als auch über die Folgen des "ins Visier genommen".

 Alle anderen Medien verschweigen die Aussage des Ausschussvorsitzenden Burr gänzlich. In der Logikfalle, einerseits Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf und andererseits, keine Wahlmanipulation haben sich die Redaktionen wohl entschieden auf Wahlmanipulation durch Russland zu setzen und den einzig nachvollziehbaren und belegbaren Fakt an dieser Geschichte, nämlich das es eben keine Wahlmanipulation gegeben hat, einfach zu verschweigen. Deutscher Qualitätsjournalismus im Jahre 2017.

 Aber selbst beim "Tagesspiegel" scheint man überlegt zu haben, wie zwei so konträre Aussagen in Übereinstimmung zu bringen sind. In solchen Fällen macht es sich immer gut, wenn man eine zweite Quelle zu nennen weiß. Beim "Tagesspiegel" sind es die Wahrheitsfanatiker von den US-Geheimdiensten:
"Auch die US-Geheimdienste waren zum Ergebnis gekommen, dass Russland die Wahl beeinflussen wollte."
Allerdings, wie nun jeder erfährt, der lesen kann, sind selbst die toughen Jungs mit den Schlapphüten nicht so recht davon überzeugt, das eine Wahlmanipulation durch Russland stattgefunden hat. Sie sprechen lediglich von einer "Absicht" die bestand, nämlich die, dass Russland die Wahl beeinflussen wollte".

 Einmal abgesehen von der Seriösität der Quelle wissen wir nicht wie weit die Absicht konkretisiert war. Das Wörtchen wollte beschreibt ja keine konkrete Handlung, noch einen irgendwie fest ins Auge gefassten Vorsatz oder Plan.

 Nehmen wir als Beispiel den Satz "Ich wollte letztes Jahr in Urlaub fahren", so kann dieses "wollte", ein an Sylvester in Bierlaune geäußerter Wunsch sein, ein wahlloses durchblättern von Ferienkatalogen, ein fest anvisierter Termin, die Auswahl eines bestimmten Urlaubsziels, ein konkret auf das Ziel Urlaubsreise hin gerichtetes sparen, oder gar das buchen einer Reise, die dann aber aus irgendwelchen Gründen nicht angetreten werden konnte. Gemein ist allen Szenarien aber, dass die Urlaubsreise nicht stattgefunden hat.

 Aber selbst wenn wir einmal annähmen, die Russen hätten wirklich den Vorsatz gehabt, die US-Wahlen zu beeinflussen: An nichts ist die Geschichte reicher, als an politischen Dummheiten. Das sollte das Land der unbegrenzten Dummheiten selbst am besten wissen. Im Übrigen gilt, strafbar ist die Tat, nicht die Absicht eine Tat zu begehen. Sooft ich mir auch wünsche die reiche Erbtante in die ewigen Jagdgründe zu schicken um an ihr Geld zu kommen, solange ich keine konkreten Schritte zur Tat oder andere Vorbereitung mache ich mich nicht schuldig.

 Man sieht, außer Mutmaßungen, Verdächtigungen und haltlosen Anschuldigungen wird dem Publikum nichts geboten. Seit nunmehr fast einem Jahr sind mehrere Senatsausschüsse, die Geheimdienste der USA und sogar ein Sonderermittler damit beschäftigt, Beweise für ein Gerücht zu finden, dass die Demokratische Partei aus Frust über ihren verkorksten Wahlkampf und die herbe Niederlage ihrer Kandidatin Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen in die Welt gesetzt haben.

 Je länger man allerdings im Nebel der Vermutungen herumstochert, um so absurder werden die Verdächtigungen. Zwar kann niemand im Ernst einem US-amerikanischen Senator übelnehmen,wenn er auf der Zeitschiene der europäischen Parlamentswahlen ein wenig durcheinander gerät. Allerdings sollte man von Redakteuren deutscher Qualitätsmedien verlangen können, dass wenn dieser Senator offensichtlichen Bullshit redet, sie diesen auch noch wörtlich nachplappern.

 So warnte denn der demokratische Co-Vorsitzende des oben schon mehrfach erwähnten Geheimdienstausschusses des Senats, Mark Warner die Welt
"davor, dass sich eine solche Einflussnahme auch bei den Kongresswahlen im kommenden Jahr wiederholen könnte. Des Weiteren",
so sorgt sich nicht nur "Die Zeit" gemeinsam mit dem Senator,
"seien nicht nur die USA betroffen. Es gebe auch Bedenken in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland".
Ein wenig in der Zeit durcheinandergekommen. Senator Frank Warner (links) gemeinsam mit dem Vorsitzenden des US-Geheimdienstausschusses Richard Burr (rechts) warnt vor russischer Beeinflussung der Wahlen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, die allesamt bereits stattgefunden haben.
Screenshot: PBS NEWS HOUR

 Dabei ist dem Senator scheinbar eine Kleinigkeit aus dem Blickfeld geraten: Die Wahlen "in Frankreich, den Niederlanden und in Deutschland" haben bereits alle, teilweise vor Monaten, stattgefunden. Hier eine kleine Nachhilfe für den Senator:
 Die Parlamentswahl in den Niederlanden fand am 15. März 2017 statt, die Präsidentschaftswahl in Frankreich am 23. April und die notwendig gewordene Stichwahl am 7. Mai 2017 und die Wahl zum Deutschen Bundestag am 24. September 2017. Bei allen drei Wahlen ist übrigens von einer Einflussnahme Russlands nichts bekannt, obwohl doch in allen drei Ländern Putins angebliche Verbündete, rechtspopulistische Parteien antraten, in Frankreich gar die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen bis in die Stichwahl um das Amt des französischen Präsidenten vordrang.
Was einem US-Senator noch nachzusehen ist - schließlich muss sich der Mann um von den USA in der ganzen Welt geführte Kriege kümmern, da kann man schon mal mit ein paar läbschen Wahlterminen in Vasallenstaaten durcheinander kommen - kann bei einer deutschen Zeitung nur noch mit absoluter Orientierungslosigkeit durch zu viel Schaum vorm Mund entschuldigt werden.

 Allerdings entschieden sich nicht nur die Redakteure der Zeit, vor die Wahl gestellt, Glaubwürdigkeit oder Propaganda, für die zweite Möglichkeit. Auch der "Heise Newsticker", die "Wirtschaftswoche" und der österreichische "Standard" konnten der Versuchung nicht widerstehen, sich lächerlich zu machen.

 Ganz so bunt mochte es die "Deutsche Welle" dann doch nicht treiben, obwohl sie der Versuchung Russland und dessen Präsident Putin als weltweit gegen Demokratie und Menschenrechte agierende Erzschurken darzustellen, nicht ganz widerstehen mochte. Sie unterschlug einfach die Nennung der Niederlande, Frankreich und Deutschland, beließ es aber bei dem eigentlichen Vorwurf:
"Aber auch in anderen Staaten habe Moskau versucht, Einfluss auf demokratische Prozesse zu nehmen."
Da sieht man, für was eine gute Ausbildung im späteren Berufsleben alles gut sein kann.

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