Donnerstag, 21. März 2019

Der Zeitjournalist Dr. Jochen Bittner hat ein Buch geschrieben

Jochen Bittner von der Wochenzeitung "Die Zeit" hat ein Buch geschrieben.
"Zur Sache, Deutschland! - Was die zerstrittene Republik wieder eint".
Was sich als eine Art Gebrauchsanweisung für ein geeintes Deutschland liest, ist in Wirklichkeit der alte Schmarren, den uns unsere Eliten nun schon seit Jahren mit zunehmender Intensität weiszumachen versuchen: Hört und vor allen Dingen glaubt was wir euch eintrichtern und vermeidet, nach zum Beispiel dem Konsum der Tagesschau, euer Hirn mit Fragen zu überfordern.

 Wie sich ein geeintes Deutschland in der Vorstellungswelt eines Jochen Bittner darstellt legt er in seinem Buch offen:
"lm Sommer 1989 rief der US-Politologe Francis Fukuyama das von Hegel in Aussicht gestellte Ende der Geschichte aus. Innerhalb von nicht einmal dreißig Jahren ist dieser Friedens-und-Wohlstands-Optimismus einem Antagonismus zwischen Staaten und Bürgern gewichen, wie es ihn seit dem Kalten Krieg nicht mehr gab."
 Uns erfasst kaltes Grausen. Fukuyamas "Ende der Geschichte", das war die Vorstellung von einem Hegenom, den USA, der über Leben und Tod, über Sein und Nichtsein ausschliesslich nach eigenem Gusto entscheidet. Das war die Implementierung des Neoliberalismus als einzig gültiges Glaubensbekenntnis und somit die Einschränkung der Existenz des Individuums einzig und allein als Wirtschaftsfaktor.

 Bittner legt das unter "Friedens- und Wohlstands-Optimismus" ab. Wer die Welt so sieht, aus dem Blickwinkel der Mächtigen, der Herrscher, nicht nur über die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Entscheidung über arm und reich, über ein Leben im Überfluss oder ein Leben unter dem Existenzminimum über ein Haus mit 11 Bädern, Pool und dem täglichem Verschwenden Hunderte Liter Wasser für einen nutzlosen grünen Rasen oder ein paar Tropfen verschmutzten Wassers pro Tag für Kinder mit vom Hunger aufgeblähten Bäuchen, dem mag nach "Friedens- und Wohlstands-Optimismus" sein. Uns anderen ist einfach nur übel.

 Worum es Bittner wirklich geht, das ist doch nicht eine neue Debattenkultur in einem geeinten Deutschland. Bittner geht es um den Erhalt der eigenen Komfortzone, dem Journalisten als unumstößliche Institution der Interpretation der Welt. Bittner geht es bestenfalls um den Diskurs zwischen ausgewählten Teilnehmern mit vorher festgelegtem Ausgang, nicht um wirkliche Auseinandersetzung.

 Darum ist es ihm auch ein leichtes, das Grundübel auszumachen: Das Netz, die Demokratisierung der Meinungsäußerung, das Schleifen der vorgefertigten, vom großen Geld bestimmten und fabrizierten veröffentlichten Meinung.
"ln den sozialen Medien zeigen die Schärfe und die Kompromisslosigkeit der Auseinandersetzung bisweilen eine regelrechte Bürgerkriegsmentalität. Mit Leidenschaft geht es ums Ganze, mit Widerwillen um Details".
 Bittner selbst sieht diese Gefahr wohl aber eher beim Pöbel , denn bei sich. Ist er selbst doch ein eifriger Nutzer seines Twitteraccounts. So nutzt er diesen bereits seit dem 9. März um sein Buch zu promoten.



"Für eine neue Streitkultur, für harte Sachdebatten",
heißt es da. Was Bittner darunter versteht zeigt er in zahllosen Beispielen auf seinem Account. So postet er am 18. März im Angedenken an den Anschluss der Krim an Russland seine ganz eigene Sicht der Tatsachen zur Volksabstimmung, die dem Anschluss vorausgegengen war:



 Ob Bittner nun diese einseitige, entstellende Sicht als Würdigung der Details sieht oder ob es doch eher der Versuch ist, eine, seine, Bittners Klientel zu bedienen. Sich aufzuschwingen zu einem Fakten verdrehenden und verschweigenden Populismus. Die Sätze, die er seinen Rezipienten an den Kopf wirft sind nichts weiter als plumpe Propaganda, hektisch vorgetragene Marginalien und Einzelvorkommnisse, die weder als Beispiel für eine unfaire Abstimmung geeignet sind, noch ergebnisentscheidend. Sie gipfeln in einer Entstellung der wirklichen Ereignisse.

 Ein Beispiel für die Diskurskultur a la Bittner. Oben steht der große Meister und gibt seine Schnurren zum besten und weit unter ihm das blöde staunende Volk, dass es gefälligst zu unterlassen hat sich seinen Reim auf diese Art Journalismus zu machen. Information nach Gutsherrenart.

 Nach Gutsherrenart unterteilt Bittner dann auch diejenigen, die zu seiner Durchlaucht zum jubilieren vorgelassen werden und jene, die draußen bleiben müssen.



 Einmal abgesehen davon, dass man um Verständnis für eine Handlung, hier die Absage eines Interviews, bittet und nicht etwa wie Bittner um Verständnis um eine Handlung, wirft diese Absage ein weiteres Licht auf die Debattenkultur deutscher Edelfedern. Es gilt in gewissen Kreisen als starke Meinung, wenn man sich der Konfrontation mit konträren Ansichten verweigert. Eine Kultur des Pausenhofs. Ausgemachte Schmuddelkinder werden ignoriert, bestenfalls, ansonsten aber gemobbt und verprügelt. Wer seinen monatlichen Gehaltsscheck nicht von Mitgliedern der dünnen Schicht der Multimillionäre bezieht, wer nicht in der Tretmühle des militärisch-industriellen Klüngels seine devote Meinung zu Geld macht, der ist grundsätzlich "immanent parteiisch". Wer für die Familie Holtzbrinck arbeitet, wer für sie für Aufrüstung und Militarisierung schreibt, der ist natürlich auf gar keinen Fall "immanent parteiisch".

 So finden sich denn auf Bittners Twitter-Account Empfehlungen auf Presseartikel in den USA, die, unschwer zu erkennen, von der dortigen Administration direkt in den Block der mit Namen zeichnenden Journalisten gewandert sind.



 Aber auch Bittner selbst ist ein bekannter Grenzgänger zwischen Politik und Journalismus:
"Im Herbst 2012 haben der German Marshall Fund (GMF) und die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) 51 außen- und sicherheitspolitische Expertinnen und Experten aus Bundestag, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Stiftungen, Denkfabriken, Medien und Nichtregierungsorganisationen versammelt. In einer sich über ein Jahr erstreckenden Serie von Konferenzen und Workshops haben sie die zentralen Herausforderungen für die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik der kommenden Jahre diskutiert. Das Projekt wurde vom Planungsstab des Auswärtigen Amts gefördert", 
schreibt die SWP, eine zu hundert Prozent von der Bundesregierung finanzierte, sich selbst gerne "Denkfabrik" nennende Institution. Mit im Boot der US-amerikanische German Marshall Fund of the United States.

 Mittenmang in den "51 außen- und sicherheitspolitische Expertinnen und Experten aus Bundestag, Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Stiftungen, Denkfabriken, Medien und Nichtregierungsorganisationen" unser unabhängiger, keinesfalls "immanent parteiische" Dr. Jochen Bittner, der die Mitarbeit an dem einjährigen Projekt sicher nicht für Gotteslohn verrichtete.

 Das Ergebnis, dass dann im Herbst 2013 der Öffentlichkeit vorgelegt wurde, war nichts weiter als der Aufruf an die deutsche Bevölkerung nun den Riemen enger zu schnallen zugunsten einer deutschen Beteiligung an den großen Sauereien westlicher Großmachtpolitik.

 Eine kleine Textauswahl:

Zunächst einmal die Festlegung der Stoßrichtung deutscher Kraftmeierei:
"Deutschlands Nachbarschaft im Süden und Osten – von Nordafrika und der Sahelzone über den Westbalkan, den Nahen und Mittleren Osten bis zum Kaukasus und Zentralasien – bleibt Schauplatz von Spannungen, Krisen und Gewalt."
Dann die unverholende Drohung gegenüber unseren Nachbarn:
"Wenn aber Deutschland vom Austausch mit anderen Gesellschaften existenziell abhängig ist, ist die Verwundbarkeit von Nachbarn, Verbündeten und Partnern auch eine Angelegenheit deutscher Sicherheit; ihr Schutz ist ein deutsches Interesse."
Damit auch jeder versteht, wie ernst diese Drohungen gemeint sind gleich einmal der Hinweis auf die militärische Variante:
"Wenn Deutschland die eigene Lebensweise erhalten und schützen will, muss es sich folglich für eine friedliche und regelbasierte Weltordnung einsetzen; mit allen legitimen Mitteln, die Deutschland zur Verfügung stehen, einschließlich, wo und wenn nötig, den militärischen."
Klar und deutlich: Es geht nicht um irgendwelche westliche Werte, um Freiheit, Bürgergesellschaft, Demokratie, sondern einzig und allein um wirtschaftliche und politische Interessen in Nordafrika, dem Mittleren Osten und Zentralasien:
"Deutschlands Geschichte, seine Lage und knappe Ressourcen werden es dabei immer wieder veranlassen, konkrete strategische Ziele mit Augenmaß zu formulieren. Dazu gehört auch, dass sich eine pragmatische deutsche Sicherheitspolitik – besonders dann, wenn es um aufwendige und längerfristige militärische Einsätze geht – in erster Linie auf das zunehmend instabil werdende europäische Umfeld von Nordafrika über den Mittleren Osten bis Zentralasien konzentrieren muss; nicht zuletzt, um die amerikanischen NATO-Verbündeten im Zuge ihres wachsenden Engagements in Asien zu entlasten."
Und damit auch jeder weiß, dass selbst humanitäre Hilfe eine Vorstufe zu einem "robusten Einsatz" von Streitkräften ist, also jedem Hungerleider südlich und östlich unserer Grenzen, der einen Schluck Wasser oder einen Kanten Brot von uns annimmt klar ist, dass er sich ab sofort deutschen Willen und Wirken  bedingunslos unterwirft:
"Eine als Risikomanagement verstandene Sicherheitspolitik umfasst ein breites Spektrum von staatlichen Instrumenten, von der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe über die klassische Diplomatie und die Nachrichtendienste bis hin zum Katastrophenschutz und den robusten Einsatz von Streitkräften."
Nun wissen wir, "was die zerstrittene Republik wieder eint": Deutsche Schaftstiefel trampeln durch die Länder unserer südlichen und östlichen Nachbarländer.

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