Donnerstag, 2. Juni 2016

Wenn zwei das Gleiche tun.... Der Focus beschwert sich über abgeschirmten Putin in Griechenland

 Einen schönen Beleg für die Irren und Wirren der Mainstreampresse, wenn es darum geht, ihre Putinphobie auszuleben, lieferte der Focus am Sonntag, den 29. Mai ab. Putin weilte zu einem Besuch in Griechenland, was allein schon ein Affront war:
"Es war Wladimir Putins erster offizieller Besuch in einem EU-Staat seit seiner Ächtung durch die EU wegen der Annexion der Krim."
Aber es kam noch schlimmer für den Focus:
"In Griechenland präsentierte sich der russische Präsident wie ein Großmachtvertreter auf Einkaufstour beim Vasallen",
mokierte sich der Autor des Berichts, Wassilis Aswestopoulos.  "Was erlauben Putin", würde Fussballtrainer Trapattoni zurecht fragen, ist er doch nur Präsident einer Regionalmacht, wie Friedensnobelpreisträger und US-Präsident Obama die Welt dereinst wissen liess.
"Seine Sicherheitskräfte hatten an allen Orten, die er besuchte, das Sagen",
echauffiert sich der Focus.
"Die Straßen, welche ihr Chef zu passieren hatte, wurden für den übrigen Verkehr gesperrt."
 Ganz anders in der westlichen, der freien Welt. Wenn z. B. der US-Präsident Obama die deutsche Hauptstadt Berlin besucht oder die Messe in Hannover.
"Jedes Detail von Obamas Berlin-Besuch ist in einem Secret-Service-Dokument mit dem Titel 'Site Post Assignment Log' geregelt",
wusste am 19. Juni 2013 anlässlich des Berlinbesuch Obamas die Bildzeitung zu berichten. Und der Tagesspiegel bietet sogar zwei Redakteure und eine Redakteurin auf, Christoph von Marschall, Heike Jahberg und Peter Mlodoch, um der Öffentlichkeit anlässlich Obamas Besuch der Hannover-Messe, am 22. April diesen Jahres, zu erklären:
"Der für Obamas Sicherheit zuständige US-Geheimdienst inspiziert bereits seit Wochen alle neuralgischen Punkte und mischt bei sämtlichen Vorkehrungen kräftig mit."
Ein wenig Stolz ob der deutschen Souveränität klingt dann schon bei der Bildzeitung an:
"Die Secret-Service-Agenten haben NICHT die „Lizenz zum Töten“ in Deutschland."
Jedoch:
"...in deutschen Sicherheitskreisen heißt es: „Der Einsatz der Waffe ist gestattet, wenn eine gegenwärtige Gefahr mit milderen Mitteln nicht mehr abwendbar ist.“ 
Was will man machen? Immerhin:
"Ein Secret-Service-Agent, der in Deutschland jemanden erschießt, würde vom Staatsanwalt vernommen werden",
wenn man denn seiner habhaft werden würde und auch seiner habhaft werden wollte. Nötigenfalls würden wohl Kräfte aus Obamas Tross den Zugriff deutscher Sicherheitsorgane auf einen amerikanischen Todesschützen mit Gewalt verhindern. Immerhin waren Obamas Sicherheitskräfte bei seinem Berlinbesuch bis an die Zähne bewaffnet, wie die Bildzeitung weiss. So besteht die Wagenkolonne des US-Präsidenten unter anderem aus:
"Drei bis vier Fahrzeuge des „Counter-Assault-Teams“ – Agenten mit Sturmgewehren und panzerbrechenden Waffen, die einen Angriff von Terroristen abwehren könnten."
 Warum, so fragt man sich, schleppen die Amis das ganze schwere Zeugs mit sich herum, wenn sie es nicht gebrauchen wollen? Und warum ist:
"Ein Team der Navy Seals, die schon Terrorist Osama bin Laden töteten, ist zu Obamas Schutz in Berlin",
 wie die Bildzeitung an anderer Stelle berichtet. Der Spiegel ist voller Bewunderung. Anscheinend hat man in der Redaktion zu viele dieser Hollywood-Filme, Marke "The Men in Black", gesehen:
"Im Regierungsviertel sind überall Mitarbeiter des Secret Service zu sehen. Die durchtrainierten Männer mit den schnittigen Sonnenbrillen sind stets dabei. Fenster und Türen ihrer Wagen, die sie eigens aus den USA mitgebracht haben, sind geöffnet - nicht nur wegen der Hitze, sondern auch, um sofort losschlagen zu können."
Der Focus ätzt weiter:
"Einen Blick auf Putin konnten die wenigsten Griechen erhaschen",
Wobei die Frage im Raum steht, wer den Finsterling aus dem Kreml überhaupt sehen will? Naja Griechen eben - pleite, faul, bestechlich, korrupt, streiklustig und nun auch noch Putinversteher.

 Offensichtlich der Unterschied: Dort der finstere Diktator aus dem Kreml, der sich schützen lässt vor dem Volk und hier die Lichtgestalt Obama, leutseelig und ein Präsident zum Anfassen:
"'Mal eben gucken wollen, geht nicht', sagt ein Beamter. So werde der Großteil der Berliner den Präsidenten höchstens aus weiter Ferne sehen."
hält die Bild gegen. Und "Die Zeit" ergänzt:
"Von Tegel fährt die Präsidenten-Kolonne auf einem nicht veröffentlichten Weg zum Potsdamer Platz, wo Obama und Familie im Ritz-Carlton-Hotel übernachten. Die befahrenen Straßen werden dazu für den Verkehr gesperrt."
 Scheinbar ist der US-Präsident so beliebt, dass seine Verehrerinnen und Verehrer ihm auch aus der städtische Kanalisation zuwinken wollen:
"Die Polizei untersucht alle Gullydeckel entlang der Strecke auf Sprengstoff und verschweißt sie anschließend",
meldet "Die Zeit".

 Drei Jahre später - der US-Präsident besucht die Hannover-Messe. Telepolis meldet:
"Im engeren Sicherheitsbereich gelten ab 14 Uhr nochmal verschärfte Sicherheitsbestimmungen. Die Anwohner dürfen dann bis mindestens 20 Uhr ihre eigenen Balkons oder Gärten nicht betreten. Es herrscht quasi Ausgangssperre. ...Die Polizei bitte die Menschen, sich von ihren Fenstern fernzuhalten, wenn die Kolonnen der Staatsgäste vor dem HCC ankommen und später wieder abfahren. Dies könne sonst für Irritationen bei Sicherheitskräften sorgen und eine Überprüfung der Wohnung nach sich ziehen."
Dabei haben die Bewohner noch Glück gehabt:
"Die Polizei habe zuvor sogar intensiv diskutiert, ob nicht das komplette Viertel geräumt werden sollte. Die Menschen wären dann in Hotels untergebracht worden. Doch die Polizei hätte dann auch jede Wohnung kontrollieren müssen, ob sie wirklich leer ist, erläuterte der Einsatzleiter des Vorbereitungsstabes."
Die "Neue Osnabrücker Zeitung ergänzt:
"...klar ist, dass normale Menschen praktisch nirgendwo eine Möglichkeit haben, einen Blick auf den US-Präsidenten zu werfen"
Am heftigsten hat es die Bewohner des Zooviertels getroffen. Vom öffentlichen Personennahverkehr abgeschnitten und schon am Samstag (Obama wird erst am Sonntag mittag erwartet) nur über Checkpoints zu erreichen:
"Der dort liegende Stadtpark wird geschlossen",
schreibt Telepolis.

Der NDR meldet:
"Für Besucher gilt am Sonntag zwischen 14 und 22 Uhr: betreten verboten."
Gut einen Monat, nachdem weite Teile der Innenstadt Hannovers praktisch abgesperrt wurden, mokiert sich Focus über die Sicherheitsvorkehrungen in Griechenland:
"Die Ängste der russischen Delegation um die Sicherheit ihres Präsidenten gingen so weit, dass auf Chalkidiki, wo Putin die Mönchsrepublik Athos besuchte, selbst die Strände für Touristen gesperrt wurden."
 Anscheinend hat der Focus auch vergessen, dass in Berlin anlässlich des Besuchs des US-Präsidenten 2013 das Zentrum der Hauptstadt völlig abgeriegelt wurde:
 "Der Pariser Platz und die Straße Unter den Linden können seit gestern nicht mehr befahren werden, Gullydeckel wurden verplombt. Der Bereich um das Ritz-Carlton Hotel ist abgeriegelt.
Rund um das Brandenburger Tor gilt während der Rede Obamas eine Sperrzone von etwa einem Kilometer - nur die geladenen Gäste haben Zutritt",
schreibt am 18. Juni die "Süddeutsche Zeitung". 

 Noch dramatischer waren die Sicherheitsvorkehrungen im Juni 2015. Auf Schloss Elmau in Bayern trafen sich die Staats- und Regierungschefs der G 7 Staaten. "Der Spiegel" wusste:
"Bereits ab dem 30. Mai und damit rund eine Woche vor Beginn des Gipfels am 7. Juni gibt es einen großräumigen Sicherheitsbereich rund um das Tagungsgelände des Luxushotels im oberbayerischen Wettersteingebirge. Er darf nicht betreten werden. Einzelheiten gab das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen nun bekannt. Demnach ist die Sicherheitszone rund acht Kilometer breit und zwischen einem und drei Kilometer lang."
 Geradezu bescheiden mutet der direkte Personenschutz Putins in Griechenland an, verglichen mit dem Aufmarsch der Sicherheitskräfte in Bayern:
"17.000 Polizisten sollen den G7-Gipfel schützen",
informiert der Spiegel die staunende Öffentlichkeit. Der Focus vermeidet konkrete Zahlen, was ihn nicht davon abhält, sich zu empören:
"Wo auch immer er (gemeint ist Putin) hinging, hatte er einen Kordon von Leibwächtern um sich. Um die russische Delegation herum riegelten griechische Beamte noch einmal alles ab."
 In Hannover, so weiss "Die Welt", werden:
"6000, 8000, vermutlich sogar 10.000 Polizisten, Geheimdienstler, Sicherheitsleute... an diesem Wochenende eingesetzt",
und die Zeitung berichtet von einem ob der Anzahl der US-Bodyguards fassungslosen Hannoveraner Oberbürgermeister:
"60 Bodyguards, 60, sagt leise kopfschüttelnd Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostock (SPD), seien ständig um Obama herum."
Geradezu bescheiden kommt Putins Staatskarosse, die er in Griechenland benutzte, daher. Von Obamas Besuch in Berlin, im Juni 2013, wusste die Bildzeitung zu berichten: "Gleich mehrere gepanzerte Cadillac-Limousinen (Kennzeichen „USA1“) bringt der Präsident selbst mit."                                                              Screenshot: "Focus"                                                                     
Angesichts der grossen Zahl an Sicherheitskräften erscheint bei Putins Besuch in Griechenland alles einige Nummern kleiner. Sogar die Demonstrationen gegen den russischen Präsidenten und seine Politik, und das Aufgebot an Sicherheitskräften hatten gemessen an den Zahlen, es ist von 17.000, andere sprechen gar von 20.000 Polizisten, in Bayern ein Jahr zuvor beim G 7 Gipfel, eher etwas beschauliches.
"Zeitweise kamen fünf Polizisten auf einen Protestierenden",
 hat das Handelsblatt damals errechnet und den Behörden "übertriebene Sheriff-Politik" vorgeworfen.
"Eine Demokratie, die sich so massiv gegen Demonstranten wehren muss, die Telefone abhört, Grenzen überwacht und den Luftraum sperrt - eine solche Demokratie zeigt Angst",
resümiert das Blatt nicht ganz zu unrecht.

 Für den Focus allerdings kein Grund, nicht seine Empörung über das übertriebene Vorgehen der griechischen Sicherheitskräfte zum Ausdruck zu bringen:
"Bei einer Demonstration in Athen auf dem Syntagmaplatz gegen die homophobe Politik des Russen sahen sich knapp dreißig LGBTQ-Aktivisten einer doppelten Übermacht von Einsatzpolizisten gegenüber",
und dem russischen Präsidenten selbst unterschwellig Feigheit zu unterstellen:
"Putin selbst befand sich zum Zeitpunkt der Demonstration knapp 700 Meter weit entfernt im mehrfach abgeriegelten Regierungsviertel." 

Kommentare:

  1. LOKUS - oder fi..en, fi..en, fi..en und an die Leser denken.
    Mehr geistiger Dünnpfiff ist im bedruckten Schmiersegment kaum mehr zu erzielen. Mehr erschreckend als erstaunlich ist hier, daß der LOKUS noch eine Abo-Zahl von ca. 175.000 Lesern aufweist. Da ich nicht davon ausgehe, daß alle 10.400 Burda-Mitarbeiter (wikipedia, Zahl aus 2014) sich nur einmal mit dem bedruckten Mist vom LOKUS eindecken, gibt es noch 165.000 Personen, die via Abo solchen Schei.. bezahlen (die sonstigen Leser außen vorgelassen und über die sogenannten "Bordexemplare" kann ohnehin nur gelacht werden).

    Unvergessen ist das Beispiel von "Zum Töten abgerichtet: Putin schickt ukrainische Kamikaze-Delfine auf Mission" (LOKUS 03.2014). Wenn es ein Schmierblatt schafft, solche geballte Masse an gequirlten Durchmarsch als gedruckte Version zu verkaufen, läßt schon tief blicken, welcher Bildungsgrad sich bei dem Leser vom LOKUS widerspiegelt.

    Und den LOKUS auf der Toilette einsetzen, um den Allerwertesten zu putzen (Nomen ist beim LOKUS Omen): soviel Überwindung kann doch gar nicht sein, zumal bei diesem Press-Print-Kot LOKUS die Gefahr von Hautirritationen nicht ausgeschlossen werden kann.

    Den Toilettenwärtern/Redakteuren vom LOKUS wünsche ich weiterhin viel Spaß auf dem Abtritt, denn ich hege die Hoffnung, daß gedruckter Schei.. in LOKUS-Form sich weiterhin auf dem eingeschlagenen Weg bewegt und sich in der Kloake der "Qualitätsmedien" im Abflußkanal wiederfindet. Der Rückgang von verkauften Exemplaren und Abos zeigt auf, daß sich LOKUS seit Jahren auf einem guten Weg befindet.

    Erneut ein guter Blogbeitrag von Jungmann, bitte so weitermachen. Dieser Artikel wie die zahlreichen davor ist ein prima Beitrag um aufzuzeigen, was "Qualitätsmedien", "Demokratiefernsehen" und "Main- streammedien" inhaltlich zu bieten haben.

    AntwortenLöschen
  2. Russophob? Oder doch eher fremdenfeindlich?

    Das ach-so-korrekte-Medien-Hetzkartell hasst alle Kollektive die von ihrer Linie abweichen. Alle, die falsch wählen, etwa. Die Ungarn. Die Russen. Syrer, die nicht nach Deutschland kommen oder Jihadisten sind.
    Die einzigen Ausländer, die akzeptiert werden, sind jene, die die Pseudo-Überlegenheit der politischen Klasse in Deutschland hier anerkennen und sich umpolen lassen.


    Ausländer- und demokratiefeindlicher als die deutschen Massenmedien kann man gar nicht sein.

    AntwortenLöschen
  3. Ich kann mich auch noch (un)gut an den Besuch Obamas 2009 in Dresden erinnern. Wobei "Besuch" zuviel gesagt ist, er hat ja nur hier übernachtet:

    http://www.zeit.de/online/2009/24/obama-dresden-sicherheit

    Dafür wurde allerdings die ganze Innenstadt abgeriegelt. Straßenbahnen, die mit "Welcome Mr. President"-Banderolen tapeziert waren, durften schon zwei Tage VOR dem Ereignis nicht mehr über den Theaterplatz fahren, an dem "Obamas" Hotel stand. Ja, man erwog sogar eine Zeitlang, den Hubschrauberlandeplatz des wichtigsten Unfallkrankenhauses der Stadt (und der ganzen Region um Dresden) zu sperren, weil es am Rande der 2km-Zone um das Bett des Massenmörders stand!

    Drei Jahre zuvor hatte Putin Dresden besucht. Auch er übernachtete im Kempinski, ohne daß man dort das ganze Personal ausgetauscht hätte. Und am Morgen machte er sich auf einen kleinen außerprotokollarischen Stadtbummel - mit ganzen drei Bodygards:

    http://www.sz-online.de/nachrichten/hier-liest-putin-bei-kaffee-schnecke-die-morgenpost-1233226.html

    AntwortenLöschen