Donnerstag, 14. Februar 2019

Propaganda mit dem Florett

 Die Propagandamaschine des Westens gegen das kleine Venezuela läuft auf volle Touren. Die Presse berichtet nur in eine Richtung und aus einem Blickwinkel. Die sogenannte "Westliche Wertegemeinschaft" erregt sich darüber, dass Nicolas Maduro sein Volk verhungern lasse, während er und seine Gefolgsschaft sich die Taschen vollstopfen mit Dollars die sie für das Öl des Landes erlösen.

 Einen unrühmlichen Höhepunkt fand dieser Propagandasturm als der Aussenminister unseres Landes vom Podium des Bundestages aus die Deutschwen belog. Dafür bemühte er sogar ein Zitat des Lateinamerikanischen Freiheitshelden Bolivar, übrigens ein gebürtiger Katalane, ein Volk dessen politischen Führen gerade in Madrid ein politischer Prozess gemacht wird in dem den Angeklagten bis zu 25 Jahren Gefängnis droht:
"Das vollkommenste Regierungssystem ist dasjenige, welches das größte Glück, die größte soziale Sicherheit und die größte politische Stabilität schafft."
Maas weiter:
"Der aus Venezuela stammende Freiheitsheld Simón Bolívar hat das gesagt, und zwar fast auf den Tag genau vor 200 Jahren. Glück, soziale Sicherheit und Stabilität, das heutige Venezuela könnte nicht weiter von diesen Idealen entfernt sein. Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit werden von Nicolás Maduro mit Füßen getreten."
und dann zählt er die vermeintlichen Sünden einer Regierung auf, deren größter Fehler es war, sich der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin der USA zu widersetzen:
"...Das staatliche Gesundheitssystem ist kollabiert. Im erdölreichsten Land der Welt sind Krankheiten wie Masern und Diphtherie wieder tödliche Realität.
...12 Prozent der Menschen sind laut der Welternährungsorganisation unterernährt, darunter viele Neugeborene und Kinder.
...Tödliche Gewalt gegen Demonstranten ist an der Tagesordnung, ob durch Sicherheitskräfte oder regierungsnahe Milizen."
 Maas hat mit seiner, einem Aussenminister absolut unwürdigen und im Hinblick auf die zukünftige diplomatische Arbeit, geradezu desaströsen Rede im Bundestag nur die Anerkennung des Putschisten Guaido als rechtmässigen Präsidenten Venezuelas vorbereitet.

 In einer Presseerklärung etwa eine Woche später vollendete Maas seine eigene Steilvorlage dann mit diesem von Fehlern und Falschbehauptungen nur so strotzenden Satz:
"Für Deutschland ist Juan Guaido im Einklang mit der venezulanischen Verfassung der Übergangspräsident Venezuelas, mit dem Mandat, möglichst rasch freie und faire Präsidentschaftswahlen zu organisieren."
 Das sind die großen Böller, die Artillerie der Propaganda. Sie sollen die Festung mit zum Teil frei erfundenen Behauptungen sturmreif schießen. Dabei, und dass ist das große Manko, kommt das Feuer aus allen Ecken, von links, rechts, der liberalen Mitte und den grünen Wellenreitern, so gleichgerichtet und massiv, dass sensible Geister sehr schnell Zweifel an der Unabhängigkeit und Wahrhaftigkeit der Artilleristen bekommen.

 Um diesen Befürchtungen und Verdächtigungen zuvor zu kommen, setzt man ganz gezielt die leichten Waffen ein, die lautlosen aber spitzen und für die Wahrheit absolut tödlichen, kleinen Stiche des Floretts. Wenn Maas behauptet, "Demokratie, Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit" werde mit Füssen getreten, 12 Prozent der Menschen (...) darunter viele Neugeborene und Kinder" seien unterernährt "Tödliche Gewalt gegen Demonstranten" sei "an der Tagesordnung", dann bedürfen solche Behauptungen einer Unterfütterung, am besten durch vertrauenswürdige und, zumindest auf den ersten Blick, unabhängige Zeugen aus der Bevölkerung.

 Solch einen Zeugen gibt nun der Deutschlandfunk vor, gefunden zu haben. Er heißt Jochen Frank, ist zu allem Glück auch noch deutscher Abstammung, was seine Glaubwürdigkeit durch die gefühlte Nähe der Hörerinnen und Hörer zu einem Landsmann noch erhöht und
"ist vor vielen Jahren nach Venezuela ausgewandert und ist dort ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen in der Hauptstadt Caracas engagiert."
 Ein Mensch also, wie er glaubwürdiger und eloquenter nicht sein kann. Weshalb der Deutschlandfunk in persona Stefan Heinlein, ihm gleich zu Anfang mal die richtigen Worte in den Mund legt, damit die Hörerinnen und Hörer auch wissen wohin die Richtung geht:
"Lebensmittelmangel, astronomische Preise und geringe Kaufkraft – das Leiden der Menschen in Venezuela sei groß, sagte Jochen Frank, Leiter eines Altenheims in dem Land, im Dlf. Juan Guaido sei für viele ein Hoffnungsträger. Seine Unterstützung durch den Westen sei 'der entscheidende Faktor', so Frank.
 Frank läßt sich dann auch nicht lange bitten und legt rasant vor:
"Früher war das mal sehr angenehm, weil es alles gab und zu einigermaßen vernünftigen Preisen. Und es war mehr oder weniger erreichbar, auch sagen wir mal Touristenziele, die Lebensmittel, Sachen des täglichen Bedarfs, Bekleidung et cetera – in der Beziehung ein ausgesprochen angenehmes Land, ein halbes Paradies. Und jetzt muss man den Großteil des Tages und Großteil seiner Zeit dafür aufwenden, überhaupt Sachen des täglichen Bedarfs zu bekommen, und vor allen Dingen Lebensmittel." 
 Wann dieses "Früher" war, läßt der Vorstandsvorsitzende eines christlichen Altenheims in Caracas offen. Man darf allerdings annehmen, dass das "halbe Paradies" zeitlich vor die Wahl Hugo Chavez' zum Präsidenten Venezuelas zu verorten ist.

 Schauen wir uns diesen "unbestechlichen, neutralen" Zeugen einmal etwas näher an. Der Deutschlandfunk vermeidet ja strikt jeden Versuch uns den Mann näher zu bringen. Ein deutscher Auswanderer, der sich "ehrenamtlich in sozialen Einrichtungen in der Hauptstadt Caracas engagiert", muss uns reichen.

 Das Altenheim "Fundación Benefica Campo Alegre" liegt in Caracas im Wohnbezirk Campo Alegre, einem der Wohnviertel des betuchten Mittelstandes. Zu den unmittelbaren Nachbarn zählen die Botschaften von Kolumbien, Italien und Serbien und das Konsulat Portugals. Nördlich erstreckt sich das weite Areal des exklusiven "Caracas Country Clubs". Hier kostet die Mitgliedschaft gern schon mal $ 77.000. Der Club bietet neben einem 18-Loch Golfgelände noch Reitställe, Tennisplätze und eine Schwimmhalle vom feinsten.

Westlich von Campo Alegre erstreckt sich der Ortsteil La Castellana. La Castellana ist nicht weniger exklusiv als Campo Alegre. Hier werden die landesweit höchsten Grundstückspreise gezahlt. In diesem Bezirk, an der Calle Ciega, hat die "Congregación San Miguel", eine evangelisch-lutherische Kirche ihren Sitz, die mit der "Fundación Benefica Campo Alegre" freundschaftlich verbunden ist.

 Die "Congregación San Miguel" ist eine recht merkwürdige Kirchengemeinde. Sie ist Teil der "Evangelischen Kirche Deutschlands" EKD und wird von dieser finanziell am Leben gehalten. Die Kirche, genauso wie das Altenheim sind ganz und gar deutsche Einrichtungen. Deutsch ist die offizielle Sprache und die Verbindungen zur deutschen Botschaft und zur deutschen "Konrad-Adenauer-Stiftung", die Parteistiftung der CDU, sind ausgesprochen eng und innig. Im Altenheim werden deutsche Weihnachten, deutsche Ostern und sogar jährlich ein Oktoberfest gefeiert.

 Die wenigen Bilder, die verfügbar sind zeigen, dass das Altenheim durchaus in Ausstattung und Komfort mit gut geführten Altenheimen, über dem Standard, in Deutschland mithalten kann. Hinzu kommt die Lage in den exklusivsten Stadtteilen Caracas'. So das vermutet werden darf, dass in der gespaltenen venezolanischen Gesellschaft man sich hier nicht gerade den armen Bewohnern der Barrios zugehörig und verbunden fühlt.

 Von einem neutralen Beobachter kann man schon anhand dieser Indizien bei Jochen Frank nicht ausgehen. Endgültig disqualifiziert sich der Zeuge Frank aber mit den Posts vom 31. Januar und 01. Februar auf der offiziellen Facebookseite des Altenheims.

 Wurden im ganzen Jahr 7 Posts abgesetzt, alle zu Ehren verstorbener Insassen so postet das Altenheim, also Jochen Frank, am 31. Januar und am 1. Februar gleich vier Hetzmails gegen die rechtmässige Regierung seines Landes.

 Am 31. Januar um 03:10 Uhr (die Zeitangaben sind alle mitteleuropäische Zeit) wurde der erst Beitrag eingestellt:

Der erste Post auf der Facebookseite des Altenheims Fundación Benefize Campo Alegre mit einem Link auf einen Artikel auf Latina-Press.com, der die unverschämten Reden des Atlanntikfans und CDU-Bundestagsabgeordneten Jürgen Hardt und seines Kollegen Andreas Nick, ebenfalls CDU anlässlich der Aktuellen Stunde im Bundestag behandelt.
Screenshot: Facebook

Um 06:55 Uhr dann der zweite Post mit einem Link auf das schier unglaubliche Propagandageschmiere des Wolfram Weiner auf "ntv"



Um 13:13 Uhr dann, noch einemal einen Post mit Link zur rechtsgerichteten Latina-Press



Den letzten Post den das Altenheim und letztendlich also der Augenzeuge des Deutschlandfunks, Jochen Frank absetzt, ist vom 01. Februar 3:03 Uhr und zeigt ein Video, wie laut grölende Menschen einen U-Bahnzug verlassen. 


 Das Video wurde ursprünglich von Alejandro Ramirez Saavedra gepostet. Saavedra ist hauptsächlich ehemalig. Er ist der ehemalige Ceo der ehemaligen Regionalsender Color TV und Color 99,5 FM, ehemaliger Präsident des Aargau futbol Club, hat als Präsident der Grupo Comunical Color gearbeitet und so weiter und so fort. Er hat seinen Wohnsitz im Exil in Miami, ist ein glühender Verehrer des neuen Rechtsaussen-Präsidenten Brasiliens, Bolsinaro. Saavedra letzter Post auf Facebook:
"Vor einer Stunde!! Der brasilianische Präsident erklärt den Kriminellen den Krieg BOLSONARO ruft die Menschen auf !!!" 
Dem Post beigefügt sind ekelhafte Handyvideos von brutalen Übergriffen der brasilianischen Polizei, die, sich anzusehen ich wirklich nur Menschen mit ausserordentlich starken Nerven und gesundem Magen empfehlen kann. Gedacht sind sie wahrscheinlich als Warnung davor, wieman mit seinen Widersachern in Venezuela verfahren wird, wenn der neue Favorit des Westens, Trumps Handpuppe Guaido die Macht vollends übernommen und solche Kopfabschneider wie Alejandro Ramirez Saavedra nach Caracas zurückkehren.

 Das dieser sich schon auf dem Weg zurück nach Venezuela befindet, oder gar schon wieder dort zurück ist, darf vermutet werden. Der Facebook-Vielposter Saavedra schweigt seit Samstag.

 Wie er sich ein Venezuela nach der Machtergreifung vorstellt, darüber hat er, bevor er sein Posting eingestellt hat, auch keinen Zweifel gelassen. So hat einer seiner letzten Posts, ebenfalls von Samstag den 09. Februar folgenden Inhalt:
"BALD IN VENEZUELA:Donald Trump Avenue, Kreuzung mit Mike Pompeo Street, Sie gehen durch die John Bolton Siedlung und kommen an der Kreuzung Nikky Haley vorbei. Dort ist die Frage: Wo ist der Marco Rubio - Turm?Machen Sie sich keine Sorgen um Chavistas, wir haben auch die sanitäre Deponie Hugo Chavez."
  Der harmlose Jochen Frank, wie ihn der Deutschlandfunk seinen Hörerinnen und Hörern vorstellt, bewegt sich, so scheint's in Kreisen, die auch vor Mord und Totschlag zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele nicht zurückschrecken und für die eine militärische Intervention der USA mit anschliessender vollständiger Okkupation des Landes, bis hin zu amerikanisierten Strassennamen, ein erstrebenswertes Ziel ist.

 Das aber soll in Deutschland niemand wissen. Hier wird das Bild eines eher unpolitischen Hungeraufstandes erzeugt. Da ist dann der Leiter eines Altenheimes, einer, der den armen alten Menschen unter vielen Mühen ein warmes Süppchen zusammenbettelt, gerade der richtige Zeuge. Er soll die gute Seite darstellen, die mit jedem und Jedermann in Frieden leben möchte, wenn man sie denn läßt.

 Auf der anderen Seite steht ein böser Tyrann, der nicht einmal die gütigen Gaben der USA ins Land lässt. Hilfsgüter für 20 Millionen Dollar für 30 Millionen Venezolaner macht pro Nase knapp 70 Cent, einmalig. Zur gleichen Zeit stehlen die USA dem venezolanischem Volk täglich 30 Millionen Dollar an Einnahmen aus seinen Ölverkäufen, während Großbritannien Goldreseven Venezuelas im Werte von 1,7 Milliarden Dollar konfisziert.






Kommentare:

  1. Spitzenmäßige Recherche! Danke!

    Jörg

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  2. Jetzt mal allgemein zu diesen fortlaufenden - und extrem zerstörerischen und mörderischen - Kriegen: Noch vor 50 Jahren, als junger Mann, hätte ich das für unmöglich gehalten. Ja, damals gab es den Vietnamkrieg (der auch ein Krieg gegen Laos und Kambodscha war). Aber im großen und ganzen was es das (ja, noch der Krieg Irak gg. Iran). Aber es gab auch eine Friedenbewegung - und die in den USA selbst war die größte und mächtigste. (Und es gab ende der 70er sogar Demos gegen das Abholzen des Amazonasbecken)
    Und heute: Nichts!

    Anlaßbedingt verschenke ich gerade das Buch "Von Friedensfurien und dalmatinischen Küstenrehen", das Unworte/Spottworte aus der KuK-Monarchie behandelt. Und ich laß daß mit "Friedensfurie" (erinnerte mich an das Schimpfwort "Friedenshetzer" vor ca. 20 Jahren) Bertha von Suttner gemeint war. Und während ich ihren Namen kannte, kannte ich so gut wie nichts von dieser Frau. Und - bei aller Vorsicht mit Wikipedia - es lohnte sich richtig den Artikel dort durchzulesen ( https://de.wikipedia.org/wiki/Bertha_von_Suttner ).
    Was für eine Friedensbewegung es damals gab! Und in den USA gab es sogar (um 1900) "Friedensunterricht an amerikanischen Schulen"!
    Wie weit sind wir zurückgefallen!

    Übrigens v. Suttner auch auf Englisch-Wikipedia zu lesen, lohnt sich: Einfach das "de" im Wiki-link mit "en" ersetzen.
    Hier ein Friedens-Song von 1972 (mit ganz gut dazu passenden Bildern von Martin Luther King): https://youtu.be/_TxE6OsIO58

    Jörg

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  3. Nachtrag:
    Und Friedrich der Große wird immer angemacht!!
    Übrigens, Admin: Der Ausspruch "Viel Feind, viel Ehr" stammt nicht aus Preußen - oder gar von dem stets geprügelten Friedrich - sondern von Frundsberg

    Jörg

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